Karte gross |
„Kira von Celle“ und die Perleninseln
von Beate und Detlev Schmandt
|
|
Am Sonntag, den 17.02.2008 , nach einer Woche an der Muring im Balboa Yachtclub und Bauarbeiterstreiks, Polizeikontrollen, Straßensperren in Panamacity sind wir reif für die Inselwelt der Las Perlas. Unsere Kira liegt tief im Wasser, der weiß-blau-weiße Wasserpaß lässt sich nur noch erahnen. Lebensmittel aus allen Supermarktregalen, Obst, Gemüse, Eingekochtes, kiloweise Pasta, Reis, Kartoffeln, diverse Getränke, Wasch- Putzmittel und Hygieneartikel für die nächsten sechs Monate sind gelistet, und auf alle verfügbaren Schabs, Schränke und Fächer im Schiff verteilt. Die Dieseltanks sind bis zum Stehkragen gefüllt und an Oberdeck stehen zusätzlich 5 Dieselkanister a 20l, die eiserne Reserve. Zu den drei 3,5kg Alu-Gasflaschen im Gasschab hat sich noch eine 12kg Alu-Gasflasche im eigens gebauten Ständer an Oberdeck gesellt. Unsere Kira ist zurzeit reparaturfrei und wir fühlen uns topfit und mental gut vorbereitet, für die lange Seestrecke über den Pazifik. Unser Zeitpolster ist so dick, dass wir uns einen längeren Aufenthalt in den Perleninseln leisten können. Wir sind gespannt auf dieses neue Revier im Golf von Panama und auf Günter Hamacher, HP1XX, Amateurfunker, mehrfacher Weltmeister in zahlreichen Disziplinen des Amateurfunks und die „One man show“ des Amateurfunknetzes „Pacific Island Net“. Täglich, außer Sonntag ist die sympathische Stimme mit dem Kölner Slang um fünf Minuten vor 00:00 Uhr UTC auf Frequenz – 14.135 kHz. Wir haben vor einem Jahr eingecheckt und die Kira von Celle ist mit der Nummer 808 gelistet. 2007 begleiteten wir unsere Seglerfreunde über das Pacific Island Net in den Pazifik und hörten zu, wie Günter mit viel Witz und Charme die täglichen Positionsberichte der Yachten, die Wetterbedingungen und den regen Informationsaustausch gelenkt und geleitet hat. ![]() Nach 38 Seemeilen bei totaler Flaute ankern wir auf 08º 37.305 N + 079º01.893W auf 9m, Ankergrund Sand, in der weitläufigen Bucht im Südwesten der Insel Contadora. Die bekannteste und exklusivste Insel der Las Perlas zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Strahlendblauer Himmel, ein weißer Strand, der wie zermahlendes Elfenbein erscheint, keine Kokospalmen, nein hier gibt es Klippen, Felsen, Laubbäume, schicke Villen, große gepflegte Gärten und einen Airstrip, der die Insel mit Panamacity verbindet – 4 Linienflüge täglich. Auf Contadora hat der Schah von Persien im Exil gelebt und Jimmy Carter 1977 als Präsident der USA, das „Panama Canal Treatment“ unterzeichnet, in dem die USA ihre Hoheitsrechte über den Panama - Kanal an die Republik Panama abtraten. Contadora, übersetzt auf Deutsch – Die Buchhalterin -, war schon um 1520 bei den Piraten aus England, Holland, Frankreich und Portugal beliebt. In den Perleninseln attackierten sie die Spanischen Flotten, die mit geraubten Gütern aus Peru beladen waren, und versteckten sich dann auf den Inseln. Geteilt wurde das Raubgut auf der Insel Contadora. Auch heute haben einige Europäer und finanzkräftige Panamaer auf dieser gepflegten Insel ein Domizil. Von Günters Anwesen hoch über den Klippen, entdecken wir vom Ankerplatz nur die haushohen Antennen und ein grünes Blätterdach und so machen wir uns nach telefonischer Anmeldung auf den Weg. Mit dem Dingi fahren wir Richtung Strand und beobachten fasziniert wie die Wellen auf den Strand klatschen, wir haben Niedrigwasser. Wie sollen wir trocken anlanden, rechtzeitig aus dem Dingi springen? Wann muß der Außenborder hochgeklappt und die Paddel eingesetzt werden? Wir beobachten die auflaufenden Wellen, erwischen eine, die sich nicht vorher bricht und in sekundenschnelle springen wir aus dem Beiboot, ehe es auf den Strand knallt. Geschafft, jetzt muß das Boot nur noch den breiten Strand hochgezogen werden. Zum ersten Mal bedauern wir, keine Rollen angebracht zu haben, denn es ist eine verdammt schweißtreibende Angelegenheit, das Dingi hoch oben am Baumstamm zu sichern. Bei Hochwasser, der Tidenhub beträgt um die 6m, ist ein Teil des Strandes überspült und wer hier zu nachlässig mit seinem Beiboot umgeht, schickt es auf die Klippen. Nach einem kurzen Spaziergang, vorbei am österreichischen Strandhotel Romantica, dann auf der asphaltierten Strasse nach links bis zu dem Grundstück mit einer durchbrochenen Steinmauer (Dekosteine), dort wieder nach links in einen befestigten Sandweg einbiegen und ca. 150m weiter erblicken wir ein Gartentor mit Kölner Wappen. Kaum haben wir das Gartentor geschlossen, werden wir erst von drei Dalmatinern überfallen und dann von Günter freudig begrüßt. Wir gehören in diesem Jahr, obwohl schon Mitte Februar, zu den ersten Yachten und so hat Günter alle Zeit der Welt. Nachdem wir unser Gastgeschenk, eine große Dose Wiener Würstchen überreicht haben, führt uns Günter auf die großzügige Terrasse mit Blick auf den Pazifik. Wow, da sitzen wir und quatschen über Gott und die Welt und über die Technik der Funkanlage auf der Kira von Celle, die hat Aussetzer bei langen Durchgängen und darüber ist der Amateurfunker Günter nicht begeistert. Er will sich die Anlage an Bord anschauen und so wird ein neuer Termin vereinbart. Für´s erste Mal reicht es, es ist 17:00 Uhr, um 18:00 Uhr Panamazeit beginnt das Pacific Island Net und wir ausgestattet mit Günters berühmten 7 Seiten – Funkanlagen auf Segelyachten- ziehen uns zurück in unser Paradies. Das Wetter ist in den ersten Tagen durchwachsen, viele Wolken selten Sonne, gute Voraussetzungen für die Inselerkundung zu Fuß. Immer wieder haben wir das Glück von Einheimischen im fahrbaren Untersatz mitgenommen zu werden, mal auf der Ladefläche eines Pickup, mal im klimatisierten Geländewagen sogar das überdachte Dreirad der Polizei hatte ein Plätzchen für uns frei. Wir stöbern in den drei Tante Emma Läden herum, lohnt sich besonders ab Donnerstagnachmittag, wenn das Versorgungsschiff seine Waren abgeliefert hat. Entdecken eine Tankstelle, die von der Polizeistation, cirka 5 Minuten entfernt ist, hier kann man notfalls Diesel und Benzin nachbunkern. Gegenüber der Polizei gibt es ein Internetcafe, benötigen wir allerdings nicht, weil wir an Günters Nabelschnur angeschlossen sind. Der preisgünstigste Mittagstisch mit 3,50 US$ und einheimischen Gerichten befindet sich ebenfalls im Umkreis der Polizei. Gegenüber der Landepiste das All inklusive Hotel Punta del Galeon und eine kleine Ladenzeile mit allem Schick Schnack für die Feriengäste. Segler Treffpunkt ist die Terrasse von Gerald´s Restaurant, wenige Gehminuten oberhalb der Piste. Gerald und seine Frau Sabine stammen aus Schweinfurt und leben seit 18 Jahren in Panamacity bzw. auf Contadora. Ob Bratkartoffeln, Fisch, Langusten, oder Pizza, Gerald verwöhnt die Segler nach Strich und Faden und hat auch noch Zeit für viele informative Gespräche. Die Chemie stimmt und so verbringen wir mit den einlaufenden Seglern viele Stunden auf dieser Terrasse. Jeden Tag, eine gute Tat für das Schiff, das ist Programm auf der Kira. Deck, Rumpf und Schiffsinnere vom Panamacitydreck befreien, am Generator die Kraftstofffilter wechseln, die Schläuche kontrollieren Schlauchschellen nachziehen, Wassersammler prüfen, Rost entfernen, Motorraum putzen, Bilgenpumpe reparieren, Pumpenkopf, der Wassermacherpumpe sitzt nach 6 Wochen Ruhezeit wieder fest, gängig machen, am Wellenschaft den Stripper wieder festziehen, Toilettenpumpen fetten, defekte Halogenbirnchen austauschen, usw. Es sind alles keine aufwendigen Arbeiten und sind schnell erledigt, wenn genügend Arbeitsplatz zur Verfügung stehen würde. Alles auf dem Schiff ist eng, vieles nicht sofort zugängig und so vergehen Stunden um Stunden bis alles wieder korrekt arbeitet. Bei strahlend blauem Himmel und 36º Grad Außentemperatur bleibt dann nur noch der Sprung ins kalte Wasser. Im Hause Hamacher es geht inzwischen zu wie im Taubenschlag. Bei unseren täglichen Besuchen treffen wir die durchreisenden Yachties, viele alte Bekannte und auch neue Gesichter. Da wird der Terrassentisch zum Büro umfunktioniert und wir emailen, skypen und recherchieren. Susanne, Günters charmante Gattin, humpelt mit bandagierten Fuß zwischen Kühlschrank und Terrasse hin und her und verwöhnt uns mit kalten Getränken, während Günter geduldig Fragen beantwortet, Informationen weiterleitet, Kabel und Stecker verteilt, Ersatzteile organisiert und Seglers Funkanlage überprüft, Wenn alle unterwegs sind, will er für sein Pacific Island Net ordentliche Signale haben und so müssen wir alle die Antennen putzen. Wir verbringen mit Susanne und Günter lustige und genussvolle Stunden. Es gibt viel zu erzählen über Karneval und Kölschen Klüngel, über die Pokale der gewonnenen Porsche-Rennen, über die Reisen an exotische Plätze, über das ehemalige Geschäftsleben und über das Paradies Contadora, über die verstorbenen zahmen Großkatzen Ozelots und Jaguar, die sie am Halsband spazieren führten und natürlich über Günters Hobby im Ruhestand, dem Amateurfunk. Wie lebenswichtig Günter und seine Funke ist, erleben wir hautnah. Bei einem Skipper einer Yacht in den Perleninsel wird ein Schlaganfall vermutet, die Yacht befindet sich 15sm von Contadora entfernt. Während die Ehefrau das Schiff nach Contadora zurück segelt, organisiert Günter den Krankenhausaufenthalt in Panamacity. Als klar war, dass das letzte Flugzeug nicht erreicht werden kann, schaltet Günter Polizei und Militär ein. Nach etlichen Telefonaten schwebt kurz nach Einbruch der Dunkelheit eine Militärmaschine ein. An Bord ein Notfallarzt, der den Patienten noch auf dem Weg zum Airstrip in Günters Auto versorgt. Dank der perfekten Organisation und der schnellen medizinischen Versorgung in Panamacity segelt der Skipper heute wieder putzmunter im Golf von Panama. Wir sind vier Wochen in diesem Tidengewässer im Golf von Panama gesegelt und haben in einsamen Buchten und Kanälen dieser wild romantischen Inselwelt geankert. In Sichtweite von Contadora liegt das Inselpärchen Isla Chapera und Isla Mogo Mogo, Ankermöglichkeit im Kanal bei 08°35.029N und 79°01.091W, der beste Ankergrund befindet sich auf der Südostseite der Isla Chapera. Hin und wieder ist das Ankern nicht erlaubt, dann patrolliert dort die Guardia Civil, denn auf Mogo Mogo lebt ein Drogenbaron aus Kolumbien. Isla Boyoneta liegt 7,5 Seemeilen südlich von Contadora. Der Ankerplatz befindet südöstlich zwischen den Miniinselchen Isla Malaga und Isla Vivienda auf 3m Tiefe, Ankergrund Sand. Ein toller Strand für Spaziergänge und zum Muschelsammeln liegt auf der Westseite von Boyoneta. Die Isla Del Rey bietet unzählige Ankerplätze. Wir besuchten Isla Espirito Santo und Isla Can?as. Esperito Santo ist 18sm von Cantadora entfernt, die Ansteuerung ist von Norden und von Süden möglich. Unser Ankerplatz 08°25.537 N und 078°51.225 W, ungefähr Kanalmitte. Da wir nicht wissen, wie die Landschaft bei Springniedrigwasser aussieht, halten wir Abstand zum Land. Zwischen 10 Uhr und 11 Uhr am nächsten Morgen zeigt sich der Strand und wir erkunden das Umfeld und die vielen kleinen Inselchen. Die Gegend ist märchenhaft und ein klein wenig gespenstisch. Nur 3,5sm weiter Richtung Süden taucht Isla Isla Cancas auf. Die Insel liegt auf der Ostseite der Isla Del Rey und ist durch den schmalen Kanal Punta Aguga mit del Rey verbunden. Die Einfahrt erfolgt von Norden, relativ dicht an der vorgelagerten Insel auf der Steuerbordseite, Wassertiefe ca. 9m. In der Mitte des Kanals befindet sich eine Untiefe, man hat sie passiert, wenn man die Südspitze der nächsten vorgelagerten Insel an Backbord erreicht hat. Von hieraus kann man gefahrlos auf den Ankerplatz zu fahren. Unsere Ankerposition 08° 23.088 N und 078°50.026 W, Ankertiefe 6,20 m, Ankergrund Sand. Es empfiehlt sich bei Niedrigwasser einzulaufen, weil dann die Felsen aus dem Wasser schauen und der Abstand zum Ufer besser einzuschätzen ist. Der breite Strand auf Isla Can?as ist bei Hochwasser überspült. Das besondere Erlebnis, ein einsames Krokodil, das sich am Strand gesonnt hat und von uns aufgescheucht wurde. Wir haben das Krokodil für einen Baumstamm gehalten. Im Südosten von Isla Del Rey befindet sich Isla Telmo. Hier ist an der Nordküste ein japanisches U-Boot während des 2. Weltkrieges gestrandet und Dank des dicken Stahlmantels liegt es immer noch da. Ankerplatz 08° 16.900 N und 78° 50.000W. Geschwärmt wird auch von der hügeligen, bewohnten Isla Pedro Conzales und von dem landschaftlich sehr reizvollen Ankerplatz an der Ostseite, nahe des Inselchens Isla Don Bernado. Alle Perleninseln sind vulkanischen Ursprungs, schroffe Felsen, Grotten, Höhlen und kilometerlange unbebaute Sandstrände von elfenbeinweiß über vanillegelb bis zimtbraun erzeugen einen Spannungsbogen, der uns elektrisiert hat. Viele Inseln sind unbewohnt, sie sind das Revier von Pelikanen, Fregattvögeln, Reihern und sonstigen Seevögeln, die hier ungestört nisten und sich vermehren können. Auf den Inseln wuchert der tropische Regenwald mit seinen Bäumen und Sträuchern im üppigen Grün und bizarren leuchtenden Blüten als Farbtupfer. Die Wasserfarben schillern in magischen Grüntönen, Strände kommen und gehen mit der Tide, einfach geheimnisvoll. Der Fischreichtum hat sich unter den Sporthochseefischern herumgesprochen, internationale Wettbewerbe und Weltrekorde unterstreichen den Bekanntheitsgrad der Las Perlas. Wir konnten Wale, Mantas, Delphine und jede Menge Seevögel beobachten, ein Festival für unsere Augen. 15 Monate haben wir in Panama gelebt und dieses kontrastreiche Land bereist. Wir verabschieden uns mit dem Kinderbuchtitel von Janosch: „Oh wie schön ist Panama!“ und dem Hinweis auf das Pacific Island Net14435 kHz, 00:00 Uhr UTC. Für uns Segler ist das Pacific Island Net14435 kHz eine sprudelnde Informationsquelle und wir lieben Günter. Über 30 Yachten haben in 2008 eingecheckt, es ist trotz Email und Satellitentelefon an Bord ein wichtiges Kommunikation- und Sicherheitsnetz. Es ist so hilfreich, informativ, interessant oder langweilig wie wir Segler es mit unseren Informationen gestalten, die Günter mit seiner 2000 Wattanlage und den riesigen Antennen dann verbreitet. Günter ist total vernetzt, versorgt uns mit Informationen über Sport, Politik und Wirtschaft, hält Kontakt zu den Angehörigen und ist jederzeit in der Lage dringende Seglerprobleme, wie z.B. Ersatzteilbeschaffung, medizinische Hilfe und Einklarierungsmodalitäten zu recherchieren und wenn nötig zu organisieren. Wir werden weiter berichten. Günter ist zu erreichen per Email: contadora@gmx.de , Tel. 00507 250 40 30, Skype:contadora5000. Herzlichen Dank an die engagierten Seglerinnen und Segler, die mit ihren Informationen ein buntes Netz kreieren und ganz besonderen Dank an Günter, HP1 XX, geboren am 20.07.1931, der für Alles immer ein offenes Ohr hat, das Pacific Island Net mit guter Laune und witzigen Kommentaren moderiert und uns in der endlosen Weite des Pazifik begleitet. Für uns ist ein wichtiger Reiseabschnitt beendet, voller Vorfreude und mit ein wenig Wehmut ziehen wir weiter, auf unserer Entdeckungsreise um die Welt, und setzen die Segel Richtung Galapagos und weiter zu den Inselträumen in der Südsee. |
