Von Eva & Uwe Keil, SY“Quinuituq“ (12m Katamaran) E-Mail: quinuituq@web.de
Von Costa Rica her klariert man unkompliziert in Puerto Armuelle ein. Der Ankerplatz ist schwellig, die verfallende Landungsbrücke lässt Roststreifen an Dingi und Kleidung. Die freundlichen Offiziellen empfangen die Besucher am Anfang der Brücke. Es werden allerlei Gebühren erhoben, diverse Papiere ausgestellt, Kopien gemacht, viel gestempelt und nach einer Stunde oder so ist man um gut 100 $ erleichtert, hat die Taschen voller Papiere und das Recht, drei Monate in Panama zu sein und dort zu segeln. Wir segeln ostwärts zur Isla Coiba. Die quittungslosen horrenden Ankergebühren haben aufgehört, 10 $ pro Person für unlimitierten Aufenthalt im Nationalpark werden erhoben. Die netten Parkwächter erlauben auch, unsere Kanister mit frischem Quellwasser zu füllen.

links Mitte der Ankerplatz am Coiba-Nationalpark-Buero
Am gefürchteten
Punta Mala herrscht morgens früh noch Flaute, trotz einlaufender
Tide gibt’s aber 1 ½ kn Gegenstrom aus Nord. Abends
ankern wir am Playa Grande der Isla de San Jose. Die Bucht ist groß,
die Wassertiefen steigen gleichmäßig, auch nachts kann man
hier ohne Probleme Schutz finden. Wir besuchen Dieter und Gerda für
zwei Tage und das Luxusressort am anderen Ende der Bucht für ein
paar Stunden. Ein größerer Gegensatz ist kaum vorstellbar.
Auch nach 27 Jahren Einsiedlerdasein wirkt die Hütte der beiden
gestrandeten Segler noch provisorisch, seit ein paar Monaten hat der
inzwischen 80jaehrige Dieter einen Kuna-Indianer als Hilfe in der
Plantage eingestellt. Gerda würde immer noch, so wie es schon
vor 5 Jahren im Spiegel stand, lieber heute als morgen ihr
Inselgefängnis verlassen.
Im Luxusressort kann man im Jacuzzi sitzend übers Meer schauen oder die angesiedelten Tukane und Aras aus nächster Nähe bestaunen. Zu moderaten Preisen außerdem sehr gut essen.

Die Einsiedler Gerda&Dieter Tukan
Auf Isla Pedro Gonzales empfiehlt uns ein vorbeipaddelnder Fischer, doch näher am Ort zu Ankern, die Gefahr, überfallen zu werden, wäre dort geringer...
Wir segeln weiter.
Kanaltransit selbst organisiert:
Am besten ankert man vor der Marina Playita, bezahlt seine 5$ fürs Dingidock und ein gelegentliches freundliches Lächeln der Angestellten. Duschen gibt’s nicht, gelegentlich Diesel und immer Trinkwasser.

Playita-Ankerplatz 8Grad 54,7’ N, 79Grad 31,55’W, 7m Tiefe
Beim Hafenkapitän in Flamenco erhält man die Ankunftsbescheinigung (lila). Das Büro ist im Ankunftsgebäude des Cruiseship-Docks im ersten Stock. Sollte keiner da sein ( bei unserem Besuch dort war das seit 2 Wochen so, weil man den Büroschlüssel verloren hatte) gibt’s unten am Cruiseshipdock eine Hütte, hinter dessen erster unbeschrifteter Tür eine freundliche Zöllnerin, die den Hafenkapitän anruft.
Der kommt dann aus Balboa herausgefahren, bei einer Tasse Kaffee im Cafehaus wird der Papierkram erledigt und er nimmt uns die 500m mit zurück zur Marina Playita.
Schritt 2:
das Taxi zum ACP Buero in Balboa (Building 729) kostet 1Dollar 50, dort gibt’s 10 min Papierkram mit sehr netten und hilfsbereiten Angestellten.
Schritt 3:
Am naechsten
Tag kommt der Vermesser zum Boot an den Ankerplatz, schaut sich um,
prueft ob das Horn funktioniert und die Leinen da sind und fuellt ein
paar Zetterl aus.
Schritt 4:
zur Citibank in Balboa ( 100m weg vom ACP Buero) und mit dem Zetterl vom Vermesser den Transit bezahlen. Abends nach 18 Uhr Scheduler anrufen und Termin vereinbaren.
5. Schritt:
zum Hafenmeisterbüro im Hafen Balboa (200m weg vom ACP Gebäude) und eine Zarpe holen, wenn man damit genug hat von panamesischer Bürokratie, am besten gleich eine internationale. Weiterer Aufenthalt in Panama ist dann natürlich illegal.
Der Gesamt-Zeitaufwand war weniger als 4 x eine Stunde und 10 $ Taxikosten, da braucht man wirklich keinen Agenten für 300 – 600 Dollar!
Von Süd nach Nord geht die Kanalpassage immer noch an einem Tag.

in der Gatun-Schleuse
Nach 4 Jahren Pazifik sind wir wieder auf dem Ankerplatz „the Flats“ in Colon.
Der Panamakanal Yachtclub ist unverändert. Fahrtensegler können sich dort zu Hause fühlen. Wäscherei, Internet, Ankunftsplatz für Überseepakete, ein gutes und preiswertes Restaurant, was will man mehr?

Ankerplatz „the Flats“, 9Grad 29,75’N und 79Grad, 54,6’W, 11 m Tiefe
Auch die Stadt wirkt unverändert, eher weniger gefährlich als vor 4 Jahren. Vermutlich sind die Drogenpreise heruntergegangen, die potentiellen Diebe und Räuber zumindest liegen zugedröhnt an den Straßenecken. Dem Segler kann die Kriminalitätsrate dort allerdings eh gleichgültig sein, es gibt absolut keinen Grund, auch nur einen Schritt in diese heruntergekommenste und dreckigste Stadt des Planeten zu tun.
Auf dem Ankerplatz wird von der 300m luvwaerts gelegenen Müllverbrennung das Deck unserer Quinuituq von einem hübsch schillernden, anthrazith farbenem fettig-klebrigen Film überzogen. Sollte gerade am 200m entfernten Dock ein Schwergutfrachter entladen werden, hat das Bootsdeck eher die graubraune Farbvariante „seidenmatt“. Die Luft in der 2sm leewaerts gelegenen Shelterbay-Marina ist vermutlich weniger toxisch, dafür wird allerdings für unser Boot dort ein Obolus von 53 $ pro Nacht erhoben. Der ruhige Ankerplatz in Portobello unterhalb des Forts(mit halbstündiger Busverbindung nach Colon) ist knapp 20sm weg, kostenlos und bietet statt Swimmingpool und Landstrom Vogelgezwitscher und Brüllaffen Gebrüll.