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Ein Waschtag mit Hindernissen in Barcelona (ESP)

von Torsten Gräser, SY "Taras"
E-Mail: torsten.graeser@versanet.de

Wir lagen mit unserer „Taras“, einer Dehler Optima 98 G, in Barcelona im alten Stadthafen und entdeckten in den großzügig dimensionierten Sanitärräumen, sowohl bei den Männern als auch bei den Damen, je eine gewaltige Industriewaschmaschine.

Da wir nunmehr seit einigen Wochen unterwegs waren, verkündete meine Frau kurzerhand, dass Waschtag sei und sie zog los mit der Wäsche. Leider kam sie 5 min später unverrichteter Dinge wieder an Bord und meinte die Maschine bei den Damen sei belegt.

waschtag.jpg 300x225 „Kein Problem, Schatz“ war meine spontane Reaktion, nahm Wäsche und das entsprechende Pulver an mich und so nahm das Unglück seinen Lauf. Im Herrenwaschraum angekommen stopfte ich flink die Wäsche in die Riesenmaschine und die Waschmünze in den entsprechenden Schlitz. Da die Maschine nur einen Knopf zum einschalten und einen zweiten für die Temperatur hatte, entfiel die Programmwahl zu meiner Erleichterung.

Nach Betätigen des Knopfes begann sogar das Wasser in die Maschine zu strömen und auch die Trommel fing an zu rotieren. Stolz keimte in mir auf, hatte ich doch diese Frauendomäne wieder mal so gut wie erobert. Einen Augenblick später ebbte dieses Gefühl aber jäh ab, als ich feststellen musste, dass das Waschpulver noch unangebrochen auf dem Waschtisch stand.

Nun hieß es handeln und zwar sofort. Zum Glück ließ sich das Waschpulverfach auch während des Betriebes öffnen, so riss ich (leicht in Hektik) die Pulverpackung auf und schüttete es in die dafür vorgesehene Öffnung, von wo es auch gleich von einem kräftigen Wasserstrahl fortgespült wurde.

Leider muss ich die Packung in besagter Hektik etwas zu weit geöffnet haben, jedenfalls stellte ich nach der „Schüttung“ fest, dass etwa dreiviertel der 2 kg Packung in der Maschine verschwunden waren. Nun denn, immerhin war es ja auch eine große Maschine und manchmal hilft ja viel auch viel. In diesem Fall sollte das allerdings nicht so sein. Das Schauglas vor der Trommel färbte sich zwar schlagartig weiß vor Schaum, aber die Maschine arbeitete emsig vor sich hin. Nun war es an der Zeit sich auf dem Boot die verdiente Pause zu gönnen.

Meine Pause endete abrupt nach ca. 30 min, als mein Sohn von einer seiner Entdeckungstouren zurück kam und mir mitteilte das im Herrenbad mit unserer Wäsche wohl irgend etwas nicht stimme. Flink machten wir uns beide auf den Weg. Vor der Tür der Sanitärräume angekommen durchfuhr mich eine böse Vorahnung, denn durch die bodenseitige Ritze der Tür sickerte weißer Schaum. Vorsichtig öffnete ich die Tür und schlagartig wurde mir klar, dass auch eine Industriewaschmaschine scheinbar nicht alle Fehler eines unkundigen Skippers verzeiht.

In dem ca. 60 m² große Waschraum hatte sich einen geschlossener Schaumteppich von etwa 10 bis 20 cm Höhe gebildet. An der Waschmaschine lief beidseitig Schaum heraus und die Maschine hatte ihren Dienst -möglicherweise aus Sicherheitsgründen- quittiert. Ein Engländer stand mit ziemlich finsterer Mine mitten im Schaum und versuchte verzweifelt mit einem Schrubber den Fußboden wieder freizulegen.

Als er mich sah fragte er als erstes, ob denn das wohl meine Wäsche in der Maschine sei. Ich zuckte nur die Schulter und meinte „I can help you“. Zum Glück stellte er keine weiteren Fragen. Nachdem wir einen Großteil des Schaums mit Wasser eingedämmt und in die Ausgüsse befördert hatten, verließ er das Bad und ich schlich mich zur Maschine. Leider ließ sich die Maschine nicht überreden Ihre Arbeitsverweigerung zu beenden, so dass mein Sohn und ich gezwungen waren die mit Waschpulver vollgesogene Wäsche von Hand im Waschbecken zu spülen. Die edlen, in einer Marmorplatte eingelassenen Nirowaschbecken waren für die Aktion zwar etwas unterdimensioniert aber das würde schon irgend wie gehen, dachte ich.

Schnell war die Wäsche auf zwei Waschbecken verteilt und das Spülen konnte beginnen. Die Arbeit stellte sich allerdings schnell als recht schweißtreibend heraus da das Waschpulver ja regelrecht herausgepresst werden musste. Unter dem Druck der nassen Wäsche und der damit verbundenen Tätigkeit, verschwand plötzlich mein Waschbecken samt Wäsche in der Marmorplatte und krachte mit einem kräftigen Getöse auf den Boden. Die Halterungen hatten wohl der Belastung nicht standgehalten. Dummer Weise riss damit auch das Abwasserrohr des Beckens aus der Wand und die zuvor mühsam aus der Wäsche gepresste Waschlauge ergoss sich auf den gerade vom Schaum befreiten Fußboden.

Nun fing ich langsam an zu resignieren, war doch die Situation ziemlich aussichtslos. Das Abwasserrohr konnte ich schnell dicht setzen nur das Problem mit der Wäsche blieb. Über eine kurze Spannungsunterbrechung gelang es mir die Maschine wieder betriebsbereit zu machen und so konnte selbige das Spülen der Wäsche doch noch übernehmen. Kurz danach konnte die erste Trommel Wäsche zum trocknen aufs Schiff verteilt werden.

Damit war der Waschtag aber leider nicht beendet. Es musste noch eine zweite Trommel gewaschen werden. Dieses mal würde mir ein solches Missgeschick aber nicht wieder passieren. Genau dosierte ich die Waschpulvermenge, bevor ich den Befehl zum einschalten gab. Die Trommel der Maschine begann sich danach auch folgerichtig zu drehen. Nur irgendetwas stimmte auch dieses mal nicht!

Genau, es lief kein Wasser in die Maschine. schnell flitzte ich zu einem der Waschbecken und stellte fest, dass im Hafenbereich wieder mal das Wasser abgestellt worden war. Da sich die Maschine nun nicht mehr anhalten ließ musste dringend von irgendwo Wasser her. In Windeseile flitzte ich nun über den elendig langen Steg zurück zum Boot um Wasser aus den Tanks zu zapfen. Mit meinen letzten Kräften schaffte ich es ca. 30 Liter Wasser über die Waschpulverklappe in die Maschine zu füllen. Kurz danach sprudelte allerdings auch das Wasser der Stadtwerke wieder.

Mit dem Aufhängen der 2 Wäschetrommel konnten wir unseren Waschtag mit Hindernissen dann doch noch zu einem fast guten Ende bringen.

Warum nur zu einem fast guten? Nun es hatte in Barcelona Wochen nicht geregnet und wir hofften eigentlich dass das auch mindestens noch einen Tag so bleibt. Es wunderte mich eigentlich nicht mehr, dass sich nach dem Aufhängen der letzten Wäschestücke recht dunkle und verdächtig aussehende Wolken am Himmel zeigten.

30 Minuten später fing es dann auch kräftig an zu regnen und der ganze Staub der sich durch die wochenlange Trockenheit in der Luft befand, wurde endlich mal herausgewaschen, leider auch auf unsere Wäsche!



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Letzte Änderung / Last change: Mittwoch, 07. November 2007