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Nach Beirut via Famagusta (Zypern)

von Fritz Damerius SY. Maloo
E-Mail: fdamerius 8ätt) gmx.at

„Segeln wir diesen Sommer nach Beirut“, sagte meine Frau zu mir. Es war im Winter und ihr Tonfall war so, dass es besser war, ihr nicht zu widersprechen. „Ich wollte schon immer das Land sehen, für welches ich einmal gearbeitet habe“, erklärte sie und tatsächlich war sie als junge Frau mehrere Jahre an der Libanesischen Botschaft in Wien beschäftigt gewesen.

Es gab aber auch noch ein zweites Argument und dieses hieß Herbert. Dieser Herbert hatte mit ihr vor einigen Jahren, als ich wegen einer Gallenblasen-entzündung für drei Wochen ins Krankenhaus von Rhodos musste, unsere 10-Meter-Segelyacht MALOO von Tilos nach Finike gesegelt. Dabei waren sie in einen schweren Sturm geraten, in dem nicht nur einige Yachten verloren gingen, sondern auch Autos ins Meer gespült und Dächer abgedeckt worden sind.

In diesem Sturm brachten die beiden MALOO, eine Feeling 10,40 heil in die Setur Finike Marina an der Türkischen Südküste zurück. Ich war anfangs von der Idee meiner Frau nicht gerade begeistert. Libanon hieß für mich Bürgerkrieg, schießende Palästinenser und nicht viel weniger aggressive Israeli. Um es kurz zu machen; am 20. Mai 2010 verließen wir um 10:10 die Marina Finike, die so an die 130 km südöstlich von Antalya liegt. Erstes Ziel sollte der Hafen Kyrenia sein, der seit der Besetzung durch die Türkei im Jahre 1974 nun vielfach Girne genannt wird.

Für die Strecke von 160 Seemeilen benötigten wir knapp 30 Stunden. Die meiste Zeit hatten wir einen schönen Segelwind, der von Frankreich über den Italienischen Stiefel bis nach Zypern wehte.

Um 16 Uhr liefen wir in die Delta-Marina von Girne ein, die sich im neuen Hafen, ein kleines Stück östlich der Venezianischen Festung, befindet. Bereits von einigen Jahren war ich dort und es wehte damals ein leichter Ostwind, der die Boote wie wild durcheinander schüttelte. Als wir einliefen war ich sehr erstaunt; man hatte einen weiteren Wellenbrecher gebaut und auch zwei neue Schwimmstege, an welchen die Boote jetzt nicht mehr mit der Breitseite quer zur Einfahrt liegen.

Zwei Tage vor unserer Ankunft hatte ich mich über Internet angemeldet und mein Funkspruch auf VHF-Kanal 16 wurde mit einem kurzen „You are welcome“ beantwortet. Einer der beiden aus Mersin stammenden Marinaangestellten half ein wenig beim Anlegen und brachte danach gleich ein Ankunfts- und ein Abreiseformular sowie eine Blanko- Crewliste. Wir sollten gleich zur Immigration-Police kommen; jedoch nur in Begleitung eines der beiden aus Mersin stammenden Marinaangestellten, die kein Wort Englisch verstehen. Mit meinem dicken Ordner mit den Schiffspapieren folgten wir ihm im Gänseschritt und ich versuchte dabei, einen Mannequingang erfolglos zu kopieren.

Da war auch schon unsere Freundin Hilde da, die seit vielen Jahren mit einem türkischen Zyprioten verheiratet ist. Ihr hatte man den Zutritt in die Marina über das Restaurant nicht gleich gestattet; ließ sie aber schließlich doch herein.

Der Passpolizist war nicht da und auch der Eingang zur ganzen Abteilung verschlossen. Da half auch nicht der Versuch über den Eingang durch die Abfertigungshalle für die Fähren. Die Marina hatte zuvor angerufen und man hatte gesagt, dass wir jetzt kommen könnten. Dann hatte die Polizei anscheinend andere Dinge zu erledigen. Der Marinamensch führte uns wieder ins Restaurant und wir tankten jeder einen Tee um 2 Lira, was etwa einem Euro entspricht. Hier sollten wir, bis zu einem neuerlichen Versuch die Einreiseerlaubnis zu bekommen, warten. Nach 18 Uhr durften wir an Bord zurück, wo wir gegen 20 Uhr erneut abgeholt wurden.

Diesmal war der Immigrationsbeamte da und wir erhielten das Einreisevisum auf einem kleinen Stück Papier. Viel konnten wir nun nicht mehr machen und so legten wir uns in die Kojen. Der nächste Tag war ein Samstag und wir wollten um 9 Uhr mit dem Ziel Famagusta ablegen. Um 06:20 hatte ich auf Kanal 68 einen überaus unverständlichen Wetterbericht gehört; zuerst auf Türkisch, danach auf Englisch.

Im Büro bezahlte ich für die eine Nacht 17,97 Euro plus 50 Euro Overtime-Gebühr wegen des Wochenendes für das Hafenamt, obwohl sich kein Beamter sehen gelassen hatte. Ein Marinaangestellter begleitete uns wieder zur Passpolizei, obwohl ich erklärt hatte, dass ich nicht in Girne, sondern in Famagusta ausklarieren wollte. Ein Vorgang den man sich hier anscheinend nicht vorstellen kann.

Zu meinem Glück war der Polizist in der Abfertigungshalle für die Fähren meiner Meinung, als ich ihm erklärte, dass ich von hier nach Famagusta wollte, dort ausklarieren würde, um weiter nach Jounieh, dem kessen Yachthafen nördlich von Beirut zu segeln. Genau um 09:35 legten wir ab. Der Wetterbericht in der Marina besagte für einige Stunden leichten Wind aus Ost und danach Westwind. Anfangs kreuzten wir entlang der Küste nach Osten; aber der Wind wurde immer stärker, so dass es mir sinnlos erschien, mich unter diesen Umständen bis zum Kap Andreas zu quälen. Wir liefen also ab und kaum waren wir vor der Marina, drehte der Wind auf West. Also wendeten wir und nahmen wieder Kurs auf das Nordostkap von Zypern. Der Windgott bescherte und einen guten Fünfer und Maloo machte zwischen 6 und 7 Knoten gut.

Um halb fünf Uhr früh umrundeten wir Kap Andreas; genau genommen die diesem Kap vorgelagerten Inselchen und nahmen Kurs auf die Bucht Agios Andreas, die ein wenig nördlich des bekannten Klosters liegt. Schon vor Erreichen des Kaps war uns über Land ein Lichtschein aufgefallen. Herbert hielt ihn von einem Militärkamp stammend oder die Lichter der Stadt Famagusta und ich für den Heiligenschein des Klosters.

Das Geheimnis lüftete sich bald. Gegen 06 Uhr erreichten wir Agios Andreas , vor dem zwei Fischfarmen schwammen sowie 20 Fischkutter vor Anker lagen. Alle ordentlich beleuchtet. Zum Glück war der Ankerplatz südlich des Motels mit den signifikanten Steinhäusern, der ehemaligen Zollstation, frei und wir ankerten auf 5 m Wassertiefe über Sand. Den ganzen Tag über erholten wir uns ein wenig von der Nachtfahrt und beobachteten wie eines der Boote eine Mooring für eine Motoryacht mit amerikanischer Flagge setzte. Die dürfte dem Besitzer einer der Fangflotten gehört haben. Da das Setzen der Mooring nicht ganz glatt vor sich ging, hatten wir den ganzen Nachmittag über eine gute Unterhaltung, auch wenn es uns ein wenig irritierte als ein Taucher, ein dickes Tau hinter sich herziehend, um unser Boot schwamm.

Am folgenden Tag brachen wir in Richtung Famagusta auf. Leider drehte der anfangs ablandige Westwind auf Süd und so mussten wir in vielen kleinen Schlägen Famagusta, unserem Ziel, entgegen kreuzen.

Kurz vor Mitternacht erreichten wir Famagusta und ankerten im Vorhafen zwischen zwei kleinen Frachtern über Sandgrund. Zum Glück herrschte Vollmond und so sah man wenigstene ein wenig. Der ruhige Liegeplatz bescherte uns eine angenehme Nachtruhe und am nächsten Morgen wachten wir erholt und entspannt auf. Aus dem Internet kannten wir den Plan der EMYR, der Eastern Mediterranean Yacht Rallye, die von Jounieh nach Famagusta segelt und von dort weiter nach Haifa. Was wir allerdings nicht wussten war, dass dies nur ein Trick war, denn die Behörden des Libanon gestatten eine Ausreise nach Israel nicht. Empfang in der Marina von Famagusta, heißt es in der Beschreibung, was jeder nachlesen kann, aber leider nicht stimmt.

Am nächsten Morgen suchten wir also diese Marina und fuhren, wie es in unserem klugen Hafenhandbuch beschrieben ist, in den Südteil des Hafens. Dort gibt es tatsächlich einen Steg, der jedoch mit einheimischen Booten dicht gerammelt voll ist und jedes der dort liegenden Boote hat vom Bug drei oder viel Leinen ins Wasser gespannt. Es ließ sich auch niemand sehen und es gab dort auch kein Boot, welches wie eine Yacht aussah.

Also versuchte ich auf VHF Kanal 16 Kontakt mit dem Hafen aufzunehmen; erhielt aber keine Antwort. Unter dem Kontrollturm bei der Einfahrt in den inneren Hafen, hatten wir ein Gulet mit einer deutschen Flagge gesehen. Dorthin fuhren wir und nahmen mit dem Mann an Bord Kontakt auf. Es war ein Türke aus Ankara, der jedoch ein leidliches Englisch sprach. Er empfahl uns, auf Kanal 06 das Pilot-Boot zu rufen.

Famagusta Pilot meldete sich tatsächlich nach einer Weile und ich bat um Zuweisung eines Platzes. Es kam eine ziemlich lange und schlecht verständliche Erklärung; oftmals durch Störgeräusche unterbrochen – so als ob die Gegenstelle die Funkverbindung öfters unterbrechen würde. Schließlich verstanden wir, dass wir neben dem blauen Boot ankern und Kanal 06 abhören sollten.

Wir fuhren also zu unserem alten Ankerplatz neben dem ukrainischen Frachter zurück und warteten. Es braucht nicht erwähnt zu werden, dass für uns kein Anruf auf Kanal 6 kam. Das war uns nicht ganz unrecht und wir genossen die Stunden auf dem ruhigen Platz. Am nächsten Tag wollten wir ja nach Jounieh und das liegt an die 110 Seemeilen entfernt und wir rechneten mit über 20 Stunden Fahrt. Am nächsten Morgen brachten wir unser Schlauchboot zu Wasser und mussten feststellen, dass sich der Außenborder nicht starten ließ. Also ruderten wir auf die andere Seite hinüber, was nicht mehr als 10 Minuten dauerte.

In der Nähe des Schlepper-Liegeplatzes fand ich eine Stelle, wo man an Land gehen konnte und fand auch gleich die Polizeistation. Als ich einem der Polizisten erklärte, dass ich nach Jounieh ausklarieren wolle, führte er mich zum Hinterausgang und deutete in Richtung Fischerhafen; dort wäre die Immigration-Police. Ich ging eine ganze Weile, mich nach allen Seiten umschauend, fand aber keine weitere Polizeistation. Mehrmals fragte ich und schließlich landete ich in einem Kaffeehaus, in dem es zwei Polizisten in Zivil geben sollte, die Englisch sprechen würden. Tatsächlich sprachen auch einige der Gäste Englisch und meinten, dass ich hier auf den Polizisten der Passbehörde warten solle. Da bei Ein- und Ausreise die Daten in einen Computer eingegeben werden, konnte ich mir diese Art der Behandlung nicht vorstellen und ging wieder. Erneut fragte ich und fand schließlich in einem Büro einen Mann in Uniform. Der verstand zwar nicht was ich wollte, war aber bereit, mich irgendwo hin zu führen. Erneut landeten wir bei einer Gruppe von Männern, die um einen Tisch herum saßen und Kaffee tranken.

Einige verstanden, dass ich zu einer Fähre wolle und bedeuteten mir, dass heute keine Fähre nach Beirut auslaufen würde. Da packte ich den Uniformierten am Ärmel und wir gingen weiter. Erneut stand ich vor der ersten Polizeistation. Kaum war ich drinnen, war der nette Uniformierte verschwunden.

Diesmal steuerte ich auf einen älteren Beamten hinter einem großen Schreibtisch zu. „Declaring out to Beirut“, sagte ich und sofort wollte er mich wegschicken. Vermutlich meinte auch er, dass ich eine Fähre suchte. Da holte ich aus meinem wasserdichten Sack meinen dicken Ordner heraus und zeigte ihm die Pässe und den Visazettel aus Girne. Jetzt begriff er und ein Lächeln der Erkenntnis ging auf seinem Gesicht auf. Ein paar Worte zu einem anderen Beamten folgten und dieser führte mich wieder in Richtung Fischerhafen. Diesmal aber wählte er eine unscheinbare Tür, ohne irgendeine Aufschrift und wir standen in einer Abfertigungshalle für Fähren. Ganz hinten in der Ecke gab es ein kleines Büro mit zwei Beamten der Passpolizei. Mein Führer erklärte ihnen mein Begehr und dies schien sie ziemlich ratlos zu machen.

Es folgten mehrere Telefongespräche und ich schaute gewohnheitsmäßig auf meine Uhr. Sie dauerten insgesamt 25 Minuten und mehrmals buchstabierte er den Bootsnamen von meinem österreichischen Schiffsdokument. Dieses heißt SEEBRIEF und dieses Wort buchstabierte er mehrmals am Telefon. Auch in den Computer wurde es so eingetippt und ich hatte weder Lust noch Laune, meinen Bootsnamen zu berichtigen. Es hätte den Vorgang vermutlich nur verzögert.

Nach 45 Minuten drückte der Beamte den Ausreisestempel auf das Visablatt und verabschiedete mich mit einem freundlichen Handschlag. In diesem Zusammenhang muss man wissen, dass praktisch jeder Zypriot nahezu perfekt Englisch spricht; schließlich war die Insel bis in die Sechzigerjahre britische Kronkolonie. Seit 1974 jedoch kamen Tausende Türken vom Festland auf die Insel und die Besatzer geben die „guten“ Posten ihren Leuten. Die echten (türkischen) Zyprioten werden immer weniger und vermutlich findet man mehr von ihnen in London als in Nordzypern.

„Harbour Captain“ war nun angesagt. Das Büro des Hafenkapitäns liegt am anderen Ende; gleich bei der Hafeneinfahrt. Ich trottete hin, fragte mehrmals und schließlich stand ich in Büro des Harbour Officers. Dem sagte ich, dass ich von der Immigration-Police käme und nach Beirut segeln wolle. „You have to go to Immigration-Police“, sagte er zu mir. „I come from the Immigration-Police“ wiederholte ich und er wiederum; „You have to go to Immigration-Police!“. Das ist nichts für schwache Nerven.

Aber ein altes Seebein kann so leicht nichts erschüttern und ich erinnerte mich an ein Erlebnis in Finike. Mein Boot stand an Land und ich schliff gerade das alte Antifouling an. Da kam ein Mann von der Küstenwache auf mich zu. Als er bei mir war sagte er: „Turkish Coastguard!“ „What can I do for you?“ antwortete ich und er wiederholte: „Turkish Coastguard!“ Ich wiederum: „What do you want?“ – und er: „Turkish Coastguard!“. Dieses Spiel ging einige Male hin und her bis ich begriffen hatte. Der gute Mann fand nicht auf sein Schiff zurück. Als ich ihm den Weg zeigte, lächelte er dankbar und wiederholte nochmals: „Turkish Coastguard!“ Leider hatte ich den ganzen Tag an meinem Schiff gearbeitet und übersehen, dass an diesem Tag ein zweites Schiff der Küstenwache in der Marina festgemacht hatte – und ich hatte ihn vermutlich zu dem geschickt, welches immer in der Marina stationiert ist und nicht zu seinem, welches zu Besuch im Hafen lag.

Aber zurück zum Harbour Officer von Famagusta. Ich packte wieder umständlich meinen wasserdichten Seesack aus, holte den dicken Ordner hervor und daraus Pässe und Visa. Jetzt schien er zu begreifen; jedenfalls sage er zu mir: „Yous can go!“, ohne irgendeine Gebühr zu verlangen. Allerdings auch ohne mir ein Clearance-Dokument zu geben. Mit dem Schlauchboot zurück und ab. Um 10:10 nahmen wir Kurs auf die 111 Seemeilen entfernte Marina Jounieh bei Beirut. Herbert faselte dauernd etwas von Kriegsschiffen vor dem Libanon, die uns stoppen würden. Angeblich eine deutsche und eine britische Fregatte. Gesehen haben wir allerdings keine und das Funkgerät hatte ich nicht dauernd eingeschaltet. Die Hälfte der Fahrzeit von 22 Stunden lief der Diesel und am nächsten Tag erreichten wir die libanesische Küste. Wir steuerten Jounieh an und waren überrascht über die mit wolkenkratzerähnlichen Gebäuden gespickte bergige Küste.

Gut 20 Meilen vor der Küste begann ich Operation Control – Oscar Charlie auf Kanal 16 zu rufen. Es kam keine Antwort. Danach versuchte ich die Marina Jounieh g-earth.gif 79x30 auf den Kanälen 10 und 69 zu erreichen. Wieder ohne Ergebnis. Dabei hatte ich mir noch ein zweites Funkgerät zugelegt. Vor der Marina kamen uns einige Ausflugsboote entgegen. Eines war voll mit schwarz gekleideten und tief verschleierten Frauen. Das Boot tauchte dauernd mit dem Bug tief ein und ich fragte mich, ob ein Schleier bei Seekrankheit wirklich so ideal ist.

Um 11:50 machten wir am Anmeldepier vor dem Marinabüro fest. Kaum hatten wir angelegt, kamen schon einige Männer und wollten wissen, warum wir uns nicht bei Oscar Charlie angemeldet hätten. Ich erklärte, Oscar Charlie gerufen, aber keine Antwort erhalten zu haben. Jetzt müsse Jemand kommen und würde unser Boot durchsuchen. „This is no problem“, antwortete ich, „We are no smugglers“.

Dann wurde ich mit dem Vorwurf konfrontiert, mich nicht bei der Marina angemeldet zu haben. Auch die habe ich gerufen und ebenfalls keine Antwort erhalten. Warum ich nicht ein E-Mail geschickt habe? Im Internet hatte ich auf der Homepage der Marina keine E-Mail-Adresse gefunden. Danach gingen wir ins Büro des Marinamanagers Naaman Khoury und er fragte mich, woher ich käme. „Aus Famagusta“, antwortete ich wahrheitsgemäß und nun machte er ein sonderbares Gesicht, welches ich anfangs nicht zu deuten wusste. „A big problem“ meinte er, um mir schließlich zu erklären, dass es nicht gestattet wäre den Libanon, von Nordzypern kommend, anzulaufen.

Wir verhandelten fast eine Stunde und trotz mehrerer Telefonate mit der Polizeibehörde war nichts zu machen. Eine Stunde billigte man uns zu, um etwas an Bord zu kochen und um 14 Uhr waren wir wieder auf See. Zum Glück hatte der Wind gedreht und wehte nun aus Süd. Wir hatten die Wahl; entweder Lattakia in Syrien anzulaufen und von dort wieder nach Jounieh zu segeln – oder nach Zypern zurück.

Wir entschieden uns, nach Agios Andreas zu segeln und von dort nach Girne. In Girne hatten wir Freunde, mit denen wir einige angenehme Tage verbringen könnten. Von Jounieh nach Agios Andreas ist es genau so weit wie nach Famagusta und wir schafften die Strecke von 111 Seemeilen in 27 Stunden. Diesmal war kein einziger Fischerkahn dort und wir ankerten in der Südbucht, die als etwas schwierig beschrieben wird. Dem ist aber nicht so. Es sind zwar einige harmlose Felsen an der Südseite sowie zwischen Süd- und Nordbucht ein deutlich sichtbares Riff; man findet aber genug gut haltenden Sandgrund und liegt auch bei mäßigen Südwinden relativ geschützt.

Auf der Fahrt nach Girne mieden wir aufgrund der unklaren Zeichnungen in unserem Hafenhandbuch Yeni Erenköy, fanden dafür aber einen lieblichen Ankerplatz östlich davon, hinter einer kleinen Insel. In Girne wurden wir fast wie alte Bekannte empfangen; besonders als wir dem einen Marinaro einige Dollarnoten in die Hand drückten. Diesmal musste nur ich zur Passpolizei und unsere Freunde führten uns zu allerlei neuen Plätzen, die den „Normalsterblichen“ nicht zugänglich sind, weil sie auf Militärgeländen liegen.

Rezzan, unsere Freundin, war die Witwe nach jenem Offizier, der die Aufmarschpläne für die Invasion 1974 gezeichnet hatte. Mit ihrem Ausweis konnte sie in die diversen türkischen Militärkamps und wir mit ihr. Alle haben sehr preiswerte Restaurants und die Bediensteten sind Rekruten der türkischen Armee. Diesmal fuhren wir nicht nach Hilarion und auch nicht nach Nikosia; dafür aber zur Sommerresidenz von Erzbischof Markarios, in dem jetzt die höheren Offiziere abends suppieren. Interessant war auch das Blaue Haus des Waffenschiebers Paulo Pavlidis, einem italienischen Mafiosi griechischer Abstammung und Anwalt von Bischof Markarios. Es liegt auf einer Anhöhe im Osten der Insel auf einer von der Straße aus nicht einsehbaren Stelle. Hier feierte die griechische Elite der Insel ihre Feste und hier wurden auch die geschmuggelten Waffen gelagert. Nach vier Tagen verließen wir unsere gastfreundlichen Freunde und klarierten aus.

Auf dem Weg nach Finike ankerten wir zuerst im Hafen Bozyazy, den wir erst spät in der Nacht erreichten. Zeitweise war der Wind so stark, dass wir schon daran dachten mit dem Wind abzulaufen. Der nächste Ankerplatz war vor dem Stadthafen von Alanya und erst danach machten wir in der neuen Marina von Alanya Station. In der Marina klarierten wir ein und es lohnt sich diesen Vorgang ein wenig zu beschreiben.

Im Büro der Marina werden die Pässe und das Schiffspapier kopiert. Diese Kopien erhält man. Nun fährt man mit einer Taxe (20 Lira) in den Hafen zum Fährterminal, wird dort von einem Angestellten der Marina erwartet und kauft um 94 Lira ein Transitlog. Zwei Minuten dauert der Fußweg zum Hafenkapitän, in dem der Agent der Marina den Vorgang anmeldet. Als Österreicher braucht man ein Visum, welches man auf dem Finanzamt erhält (Taxifahrt 20 Lira) Als man für mein Visa 20 Euro wollte, statt der 15, die es auf dem Flugplatz kostet, fragte ich nach dem Warum. Umständlich wurde der Preisunterschied mit dem heutigen Wechselkurs erklärt, den der Beamte in der Früh aus dem Internet bekommen hätte. Nach diesem Intermezzo fuhren wir zum Arzt, der nichts verlangte und nur seinen Stempel auf das Transitlog drückte und die Daten in sein Himmelsbuch eintrug. Die Weiterfahrt zum Fährterminal kostete weitere 25 Lira wo man bei der Immigration-Police endlich den Einreisestempel erhält. Danach geht der Agent zum Zoll und man wartet im Kaffeehaus. Nach dem Zoll geht der Agent nochmals zum Hafenkapitän und so gegen 13 Uhr war für uns das Einklarieren, welches wir um 9 Uhr in der Marina begonnen hatten, fertig. Rückfahrt mit dem Taxi in die Marina schlägt sich wieder mit 20 Lira zu Buche.

Die Preise für die Liegeplätze sind niedriger als in Finike. Für unser Boot würde ein Jahresvertrag 1600 Euro kosten und das Kranen 300 Euro. Ein Aufschlag für das Liegen an Land erfolgt nicht. Auf der Weiterfahrt nach Finike ankerten wir in der Nacht im Fluss Manavgat. Ich hatte keine Unterlagen, aber ein Segler in Alanya hatte mir versichert, dass er mit seinem Boot mit 2 Metern Tiefgang kein Problem hatte. Maloo hat 1,95 m Tiefgang und so hatte ich keine Bedenken. Auf Google Earth sah ich mir den Fluss an und war überrascht von den vielen, in den Fluss ragenden, Anlegestegen. Hierher kommen jeden Tag einige Gulets mit ihren Gästen. Auf der sandigen Zunge stehen hunderte Liegebetten; allerdings sahen wir kaum Gäste. Der Fluss hat tiefes Wasser bis nahe an die Ufer. Geankert habe ich gut eine Meile flussauf nahe beim westlichen Ufer in einem Winkel von 30 Grad zur Flussrichtung mit Bug und Heckanker, um den passierenden Schiffsverkehr nicht zu behindern.

Vor der Einfahrt zum Fluss liegen zwei Ungetüme mit jeweils einem langen Schwanz. Es sind vermutlich Pumpstationen für die Fäkalien von Side und die Schwänze sind die tangential aus dem Meer kommenden Leitungen. Dass dachte ich jedenfalls als ich daran vorbeifuhr. Später erfuhr ich, dass hier Tanker festmachen und die Inseln Pumpstationen für Öl sind. Der letzte Ankerplatz vor Finike war Phaselis. Hier ankerten wir in der offenen Südbucht, lagen jedoch sehr ruhig, da an diesem Tag der Wind nur an einigen Stunden am Nachmittag wehte und sich daher kein Seegang aufbauen konnte.

Wir legten auf dieser Fahrt in drei Wochen 912 Seemeilen zurück. Die Fahrzeit unter Segel betrug 106 Stunden und mit Maschine 81 Stunden, was eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 5 Knoten ergibt.



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Letzte Änderung / Last change: Freitag, 06. August 2010