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Abzocke oder Eroberung auf Ibiza?
von Dr. Ewald Piel, Ibiza Charterbase * Raymarine
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Ibiza ist ein sehr schönes Segelrevier mit stetigen, moderaten Winden, ist überschaubar - langwieriges Kreuzen erübrigt sich, hat mit Formentera die höchsten Temperaturen in unmittelbarer Landnähe aller Baleareninseln und nicht zuletzt sind es die vielen malerischen Ankerbuchten - angeblich sollen es 71 sein - die ein angenehmes Etappensegeln auch mit Familie erst ermöglichen. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass in den Monaten Juli und August kein Liegeplatz in den wenigen Häfen zu bekommen ist - Ausnahmen mögen vorkommen. Alle Häfen sind zu diesem Zeitpunkt randvoll. Normalerweise bei gutem Wetter ist das kein Problem – ankert es sich doch vorzüglich in einer der vielen, geschützten Buchten, teilweise auch an Bojen und das kostenlos. Als Vercharterer erleben wir jeden Sommer immer wieder vergleichbare Situation. Vor allen Häfen der Insel, vor allem jedoch vor denen von Ibiza-Stadt, wird rücksichtslos von inselfremden Schiffen auch bei gutem Wetter geankert. Spontan könnte ich in diesem Bereich mindestens vier Orte mit Ankerverbotsschildern zeigen. Doch das interessiert zeitweise wenig. Hafeneinfahrten sind für unsere Chartergäste kaum mehr zu finden, zick-zack Fahrten, stets mit der Furcht eine Ankerkette eines verbotswidrig ankernden Schiffes mit dem eigenen Kiel zu erwischen, die Gefahr eine Kollision mit kreuz und quer laufenden Schiffen zu verursachen, gehören leider zum Sommeralltag. In dem Hafen vor Ibiza-Altstadt (wo sich dieses besagte Ereignis auch abspielte) kommt dann noch der Fährbetrieb und der von Luxuslinern hinzu. Eine große Fähre hat ungefähr 50% der Länge einer Seite des Hafenbeckens – auch als Freizeitkapitän kann man sich vorstellen, welche Anstrengung beim An- und Ablegen hierzu notwendig ist. Von der potenzierten Gefahr für Mensch und Material, die durch verbotswidriges Ankern ausgeht, ganz zu schweigen. Ich habe selbst in diesem und letzten Sommer mehrfach erlebt, wie die Guardia Civil verbotswidrig ankernde Boote abklapperte und sie aufforderte, Anker zu lichten - und zwar ohne gleich ab zu schleppen oder eine Buße zu verhängen. Vor allem bei schlechterem Wetter ist man mehr als nachsichtig. Da sind die Einfahrten mit fremden Booten nur so zugeankert, ohne dass eingeschritten wird, weil man eben weiß, dass man es meistens mit „Hobbyskippern“ zu tun hat, die bei schlechterem Wetter auf Schutz angewiesen sind. Das Strafmaß mit 50%-Nachlass bei Sofortbegleichung gilt tatsächlich auf allen Baleareninseln und wird in Palma fest gelegt – kann daher auch auf Mallorca oder Menorca vorkommen. Über das tatsächliche Strafmaß von 3000,- € kann man bestimmt geteilter Meinung sein. Es erscheint auch mir – obwohl mir dieser Betrag seit Jahren bekannt ist - nicht wenig zu sein, passt allerdings auch insofern zum Gesamtbild auf den Balearen, wenn man bedenkt, dass z.B. Parken mit dem Auto ohne Parkschein bereits effektiv 60,- € kosten kann und dabei sicherlich keinerlei Gefahr vom parkenden Fahrzeug ausgeht oder im Parkverbot geparkt worden sei. Und soll all das, was man in Kursen hinsichtlich Verhalten auf Seeschifffahrtsstraßen und Häfen lernt und bei Prüfungen intensiv abgefragt wird, nun auf Ibiza keine Gültigkeit mehr besitzen? Was bleibt an Fakten:
Die Liegeplatzproblematik ab Mitte Juli bis Ende August auf Ibiza wirkt sich nicht nur auf das Behördenverhalten, sondern natürlich auch auf die Preise für die Liegeplätze aus. Was z.B. höhere Charterkosten zur Folge hat. Wie oft muss ich mir als Vercharterer das Argument anhören: "... auf Mallorca oder Denia sind die Preise niedriger, dann chartere ich doch auf Mallorca und segele nach Ibiza!" Auf Mallorca oder dem Festland chartert man zwar günstiger, Liegeplätze und vor Ort Service gibt es jedoch auf Ibiza in der Hochsaison notgedrungen dann auch nur für "Ibiza-Boote". Ob es eine kalkulierbare Ersparnis rechtfertigt? Nach offiziellen Schätzungen verbringen im Monat August etwa zusätzliche 2000 Boote von inselfernen Häfen ihre Ferien um Ibiza, für die schlichtweg keine Ressourcen vorhanden sind, die nicht aufgebaut, weil sie in den restlichen Monaten des Jahres leider kaum gebraucht werden. Aus Naturschutzgründen hat man bisher vom Bau weiterer Häfen abgesehen. Ein Kardinalfehler, der immer wieder von Crews begangen wird, ist das Boot auch in Häfen alleine zu lassen, ohne vorher ein Liegerecht abgeklärt zu haben. In Sommer 2007 haben wir 5 widerrechtlich festgemachte Boote auf unseren Liegeplätzen im Hafen von Ibiza-Stadt erlebt, das rein zufällig, wie viele es tatsächlich waren, vermag ich nicht zu sagen, zumal wir wirklich was besseres zu tun haben, als unsere Liegeplätze zu bewachen, wenn unsere Chartergäste draußen sind. In einem Fall (eine deutschsprachige Crew) sprach ich diese bereits beim Anlegen mit dem Hinweis an, dass sie hier nicht festmachen könnten, weil der Liegeplatz für unsere Chartergäste reserviert sei. Reagiert wurde mit Achselzucken und dem Hinweis, sie blieben ja nicht lange während sie sich anschließend mit Strom und Wasser bedienten und danach alle einfach ohne weiteren Kommentar an Land gingen. Ein anderer Fall, dieser hat sich unbemerkt in den Hafen geschlichen, konnte mehr als 24 Stunden da unbehelligt liegen, weil der Hafen dachte, es sei mit uns abgesprochen, sagte nach seiner Aufforderung zu gehen, vorher jedoch die Liegplatzgebühr für einen Tag und die Pauschale für Strom und Wasser zu bezahlen: „Der Liegeplatz sei ja sowieso frei gewesen und die paar Euro für Strom und Wasser, sei es ja gar nicht Wert, hier Forderungen zu stellen.“ Was soll man bei soviel unverschämter Dreistigkeit tun? Das eine kann als unberechtigter, vorübergehender Aneignung fremden Eigentums betrachtet werden und das andere (Entnahme von Strom und Wasser) ist eindeutig Diebstahl. Ich kann die Ohnmacht und Wut mancher Liegeplatzinhaber oder der Häfen zuweilen schon nachvollziehen, die dann einfach kurz entschlossen die Polizei zur Hilfe rufen, die dann, sofern niemand angetroffen wird, gegebenenfalls das Boot an die Kette legt. Über ein paar hundert Euro Strafe, die bei solchen Vergehen verhängt werden, die Pauschale für Strom und Wasser (auch wenn man tatsächlich keinen Tropfen genommen hat) evt. auch noch ein Tag Liegeplatzgebühr – soll man sich darüber wundern? Lernt man nicht – das gehört ja eigentlich schon zur guten Erziehung - am Hafeneingang zu warten und die Liegeplatzsituation zu klären? Sollte keiner vom Hafen da sein, selbst wenn man dann sich einen augenblicklich unbesetzten Liegeplatz „nimmt“, weil man z.B. den Verkehr nicht gefährden wollte, dann verlässt man nicht einfach das Schiff mit Mann und Maus, sondern klärt das aktiv vorher. Diese Selbstverständlichkeiten im Verhalten bewahren meistens schon alleine vor bösen Überraschungen. Fazit: Ibiza verträgt im Hochsommer derzeit nicht mehr Boote. Daher schließe ich mich der Warnung des Autors ergänzend an, ab Mitte Juli bis Ende August Ibiza – sofern man nicht bereit ist, dauernd in Buchten zu ankern, einen Liegeplatz reserviert oder vor Ort ein Boot gechartert hat, Ibiza zu meiden. Stattdessen möge man Ibiza in der Nebensaison – Badewetter ist ab Mai bis November, Segelwetter das ganze Jahr – mit seinen herrlichen Buchten stressfrei erkunden, die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Bewohner kennen lernen. |
