Print pageprinter.gif 15x15 Letzte Änderung / Last change: Freitag, 11. September 2009 Translate
back-revier.gif 300x15
peloponnes.jpg 300x240
Karte gross
g-earth.gif 79x30
Der Peloponnes

von Gertraud Filgis SY. FUN TOO
E-Mail: filgis@yahoo.de

Anfang Juli 2009 von der südl. Ionischen Insel Zakinthos kommend, segeln wir zum Peloponnes nach Katakolo. 20 km entfernt liegt Olympia, das einst berühmte Orakel. Es war Ursprungsort der Olymp.Spiele, die alle 4 Jahre zu Ehren des Gottes Zeus stattfanden.

In Kyparissa g-earth.gif 79x30 ist der riesige Hafen fast leer. Mit dem EU-Geld wurde wahrlich nicht gespart. Aus schwarzen Kunststoffrohren fließt 60 Grad heißes, sonnenerwärmtes Wasser ohne Ende. Das erklärt, warum die anwesenden Fahrtenyachten mit frisch gewaschener Wäsche beflaggt sind.

Mit Backstagsbrise nach Pilos samt Burganlage und großem Naturhafen. Wir finden am Kai nette Münchner und am Ausgang Duschen für 2.- E obendrein. Beim Kontainer streiten sich fauchend ausgemergelte Katzen um die herumliegenden Abfälle. Methone, südlich gelegen, besteht aus einer Halbinsel. Sie wurde von den Venetiern mit Kastell und 2 km langen hohen Rundwehrmauern befestigt. Der Wachturm Bourzi stammt aus der Türkenzeit. Nachts ist alles festlich angestrahlt. Die Kreuzritter machten hier Station auf dem Weg nach Jerusalem. Der Strand ist belegt mit Sonnenschirmen und Liegen, wo das Leben pulsiert.

Der globale Handel hängt auch heute am Meer, nichts kann Wasserwege ersetzen für Frachter, Tanker, Roro und Kontainerriesen. Die Küste des Peloponnes, um den der ganze Schiffs- und Handelsverkehr lief, war schon immer wegen ihrer landwirtschaftl. Fruchtbarkeit begehrt und es gab seit altersher mehr Kriegs- als Friedenszeiten. Es wurde okkupiert, beherrscht und gemordet. Das ist noch gar nicht so lange her. Alte Dorfbewohner erzählen, wie sie 1941 im 2. Weltkrieg heimgesucht wurden.

Kai und Festungsmauer ergeben einen geschützten Ankerplatz. Kommt man von „oben“, wie wir, ist es ein schönes Segeln. Boote, welche zuerst den Kanal von Korinth befahren, haben hierher immer Hackarbeit zu leisten, denn es dominiert das ganze Jahr über NW-Wind. Einige Yachten motorten deshalb die Strecke vor Sonnenaufgang hierher. Also ist es logisch, den Peloponnes gegen den Uhrzeigersinn zu befahren.

Im Düseneffekt der Inseln Sopienza und Schiza rauschen die Heckwellen. Das Ende des „ 1. Fingers“ ist eine felsige Ecke. Nach deren Rundung nehmen uns Fallwinde die Luft weg, so dass wir Neptun fragen, ob er sie noch alle hat. Während Gerhard refft, kompensiere ich die ungewohnte Lage mit Herzklopfen. Nach 7 sm kommt die karge Landzunge Akritas. Darauf die hohen Festungsmauern der venetian.-türkischen Burg und der Ort Koroni. Das bisschen Kaimauer aus Findlingen gegen Südwind zerfällt. Und gegen den 15 kn Nordwest gibt es - nichts! Nirgends ein Platz, der Schutz bietet. Nur Fallwinde um die Ecke der Bucht und weiße Wellenkämme von weit her. Es dauert Minuten, bis uns die Tragweite klar ist. Nun soll man ja positiv denken, also hoffen wir, im „rolling home“ nicht seekrank zu werden. Während Böen in Ästen und Büschen am Ufer rascheln, zerrt das Schiff am Anker und das Wellengeklatsche an den Nerven. Der Wind steht die Nacht durch.

Schon im Morgengrauen queren wir bei 18 kn Nordwest den Messinischen Golf. Der ganze bergige Süden des „2. Fingers“, die raue Halbinsel Mani ist trostlos, herb und karg. Nach 40 sm stehen wir am Kap Tainaro mit Leuchtturm und hohe Heckwellen heben Fun Too direkt daneben hoch und wir surfen und schweben eine enge Kurve um die südl. Ecke des Peloponnes.

Geschafft. Einige Augenblicke herrscht entspannte Ruhe. Aber dann: Gegenwind knallhart. Fallwinde fauchen mit Sturmstärke von den kahlen Felsen, wo kein Grashalm Halt findet. Denn was wir erblicken, ist eigentlich der gedachte Ankerplatz für die Nacht. Doch der ist ein Alptraum. Etwas später gleich der nächste Gefühlsdämpfer. Es liegt eine Yacht in Porto Kayio, einem Naturhafen und zerrt im Fallwind am Anker hin und her, Es dehnt sich, so weit das Auge reicht, der karstige, gewaltige Kamm des Tagetos Gebirges mit 2.400 m.

„He komm. Es läuft doch so schön, nur noch 25 sm“.Die Zuversicht gewinnt. Die Genua zieht uns sofort wieder toll nach der Kursänderung quer über den Lakonischen Golf. Wir rauschen unserem nächsten Ziel entgegen. An der Insel Elafonissi angekommen, liegen gesegelte 68 sm in 11 Std. hinter uns. Im flachen Lagunengewässer der Nordseite muß genau navigiert werden. Es folgt nach dem Riff ein ganz kleiner vollbelegter Hafen. Dahinter fällt der Anker in der Dunkelheit. Am Morgen gibt uns 2 Std. später eine kleine windgeschützte Sandbucht im strahlend türkisen Meer Karibikfeeling mit Badespaß bei 27 Grad Wassertemperatur.

Es taucht Kap Maleas mit 553 m Höhe am Ende des „3. Fingers“ auf. Jetzt nur keine Überraschungen!! Segel runter, man ist ja lernfähig. Aber alles bleibt ruhig im starken Gegenstrom mit langer, unerklärlicher Dünung. Wegen der Schwierigkeit, das Kap bei starkem Meltemi zu umrunden, nennen es Segler das griechische Kap Hoorn. Wir sind an der Wetterscheide zur Ägäis angelangt. Ab hier heißt der Nordostwind Meltemi, der von Juni bis Ende September tagsüber mit 4-8 Bft weht. Schon in früheren Zeiten machten sich griechische Seefahrer diese Regelmäßigkeit des Windes zu Nutze, um nach Kleinasien, Kreta und sogar Ägypten zu gelangen, um am Nil Weizen zu holen.

Das Dreiergespann: Westwind, Segel und Motor bringt uns nach Monemvassia mit leichten Fallböen. Der Hafen heißt Gefira. Die Anlage wirkt sehr sicher und doch hat ein Wintersturm einen Schwimmsteg an Land geworfen und an 5 Yachten Totalschaden angerichtet.

Eine kleine Felseninsel direkt vor dem Hafen, mittels Damm mit Gefira verbunden, erinnert an Klein-Gibraltar. Dort drüben umgibt eine im 5. Jh von Spartanern gegen die einfallenden Slavenstämme gebaute Schutzmauer von 1500 x 600 m den Festungs- und Wehrort Monemvassia, der am Steilhang klebt. Autos bleiben außen vor. Treppengassen, oft steil, aber immer eng, so wie ineinander verschachtelte Häusern ergeben ein einmaliges Flair. Eine Französin sagt immerzu „magnifique“ zu diesem auf der Welt wohl einzigartigen und unvergesslichen Ort. Innerhalb dieses knappen Areals befinden sich 27 Kirchen und Kapellen, teils als Ruinen. 300 m höher, fast unzugänglich für die Feinde, lag die Oberstadt.

9 sm später führt eine schlauchförmige Einfahrt zum total geschützten kl. Hafen von Geraka, ein Geheimtipp. In Tavernen lockert guter Wein die Stimmung. Ein Tintenfisch, die Arme voller Saugnäpfe, wird mit einem Dreizack aus dem Wasser geholt. Mit viel Ausdauer wird er sogleich auf den Betonboden geknallt, bis das Leben aus dem Leib geschlagen und er schlaff ist. Anschließend hängt er auf einer Wäscheleine zum Trocknen. Guten Appetit!

Außerdem ist die Natur voller Ankermöglichkeiten:
  • Kurzes Segeln, nahe Ziele.
  • denn der Plätze sind so viele.
  • Gute Buchten, sieben acht,
  • Baden pur, die Sonne lacht.
  • Zikaden zirpen immerzu,
  • nur des nachts herrscht stille Ruh.
  • Mondessichel, Sternenpracht,
  • über uns die Allmacht wacht.
Nachmittags kommt SE-Wind auf, hurra. Der Spi tänzelt noch etwas nervös vor den Rümpfen, dann hat er sich eingependelt und zieht uns gen Argolischen Golf zur Insel Spetsos. Die Genua übernimmt später. Bei letzter Dämmerung tasten wir uns tief in die Zogiorgia Bay zum Ankern. Ein letztes Abendglühen im Westen, ein letztes Fauchen vom Gipfel runter, ein abkühlendes Schwimmen, dann verschluckt uns die Schwärze der Nacht.

Porto Heli. Im geschützten großen flachen Naturhafen ankern über 100 Motorboote und Segelyachten. Am Gemeindekai findet man mit Glück einen freien Platz vor dem quirligen Ort. Zigarrenwolken. Der Meltemi legt stark zu. Fun Too stampft. Die Wellen schlieren, spritzen durch das Trampolin das Segel naß. Nach 5 sm gegenan kommt ein Fischer auf Gegenkurs. Die Männer heben die Hände hoch, strecken 7 und 8 Finger in die Höhe, 7-8 Bft. Da kehren wir endlich um. Mistral, Etesien, Bora, Meltemi, alles nur Namen. Starkwind ist Starkwind.

An Steuerbord bleiben karge Eilande der Ägäis im Dunst zurück. Ermioni erreichen wir anderntags mit „nur“ noch 5-6 Bft. In den Haupthafen fegen Schwell und Fallwinde, dass man aus den Schuhen kippt. Die Masten von Ankerliegern schlagen aus wie Pendel einer Standuhr. Auf der Südseite, in der Kaparibay , wird es gleich geschützter und sogar gemütlich.

Der Meltemi orgelt nachts weiter, rüttelt im Rigg. Für die Kykladen wird die Wellenhöhe mit 3-4 m angegeben. Es ist Ende Juli. Wir erlebten das mal draußen in den Dodekanes mit unserer Antigua, als wir von Istanbul und Troja kommend, über Hios, Samos, Leros, Kos. Symi, Rhodos segeltn, um in Zypern zu überwintern.

In schwach gekräuselter See motoren wir zur Insel Hydra. Windmühlen heißen uns optisch willkommen. Hinter dem Hafen klettern reizvoll die kubischen Häuser steil den Berg hoch, voller enger Gassen und Treppen. Der Ort ist Kfz-frei, bis auf Zulieferer, Müllabfuhr und Feuerwehr. Kapitänshäuser künden vom einstigen Reichtum, es gibt eine Burgruine und es steht als Fotomotiv das Kloster Paganis da.

Es ist Wochenende und die Athener haben die Insel als Ausflugsziel erkoren. Am Kai stehen in sengender Hitze von 35-40 Grad gesattelte Esel als Transportmittel bereit. Die große Athenfähre Flying Cat und die Tragflügelboote Flying Dolphin landen im 30 Min. Takt unzählige Besucher an. Der Hafen ist relativ winzig und übervoll belegt. Jeder hängt an jedem, wie Frösche in der Paarungszeit, in Zweiherreihen,und im Sixpack.Es ist eine Kletterei, um an Land zu gelangen. Taxiboote, rücksichtslos, pausenlos, voller Speed, sorgen für nie endenden starken Schwell. Das alles müssen wir uns nicht länger antun. Eine Badebucht ist verlockender. Hydra ade!

10 sm später. Der Ort Poros liegt auf der Halbinsel der gleichnamigen Insel und schmiegt sich einen Vulkanhügel hoch, mit dem Uhrturm „Roloi“, dem Symbol der Stadt, als Spitze. Eine 200 m schmale Meerespassage trennt die Insel vom Peloponnes. Henry Miller beschreibt es so: „Nach Poros zu kommen und dort entlang zu segeln, gleicht der Illusion eines Traumes“. Der Hafen bietet sehr sichere Ankerplätze, einen langen Stadtkai mit Tavernen, Marina und Charterbasen. Dort sorgen Flotillensegler untereinander gerade für Stress beim Einparken im starken Seitenwind.

Anderntags ankern wir vor der Ruine der ehemaligen russischen Navy, geschützt vor Fallwinden, aber ausgesetzt einer Horde von aggressiven Wespen. Ein Fischer säubert sein Netz. Möwen stoßen herab, um am Gelage teilzuhaben Viele Fähren fahren gen Piräus vorbei.

Nächster Tag, nächste Bucht, geschützter, perfekter Ankerplatz. Das Wasser ist durch ausgewaschenes Gestein milchigblau. Ich umschwimme Fun Too, die scheinbar schwerelos auf dem glasklaren Wasser liegt, umgeben von kleinen Fischschwärmen, einem Aquarium gleich, wo der Meeresspiegel ein flüssiges Schaufenster ist. Im Ufergebüsch folgt eine meckernde Ziegenherde dem Glöckchen tragenden Leitbock. Zikaden zirpen, Möwen sehen im Gegenlicht aus wie fliegende Kreuze. Weiße Wolkengebilde türmen am Himmel hoch wie in der Südsee. Was für ein Tag!

Zeitgleich: Laut Wetterkarte pfeift der Meltemi heute, Ende Juli, draußen in den Kykladen mit über 30 kn. Dabei ist es nicht der Wind, der gefährlich ist, nein, es sind die hohen Wellen. Voriges Jahr ging dort der Kieler Dragonfly „Trigometri“ das Dingi verloren. Und dem Wiener 15x8 m Kat „Bright Star“ füllten Heckwellen das Kockpit. „Aalles voller Wosser“ zeigt die Handbewegung vom Franz. Und ein erfahrener deutscher Sportsfreund „machte“ voriges Jahr die Kykladen…“Im Rhythmus 2 Tage fahren, dann 6-10 Tage eingeweht. Der ganze Sommer verging so. Zurück ging viel Diesel drauf, oft bei Nachtfahrten. Sicher, machbar ist alles.“

Unter diesen Umständen sagen wir dem Plan, zu einem Abstecher und Rückfahrt um diese Jahreszeit zu den Perlen der Ägäis „Mikonos“ und „Santorin“ ade. Zumal wir nicht wieder in die Türkei wollen, die wir schon von Sinop im Schwarzen Meer über Istanbul, das Marmarameer, Cesme, Bodrum, Marmaris bis Mersin an der Syrischen Grenze abgesegelt haben. Auf der Halbinsel Methana liegt der Hafen geschützt. Seit einem Vulkanausbruch 300 v.Chr. gibt es hier Heilquellen gegen Rheuma.

Trotz widriger kurzer Querwellen kreuzen wir weiter bis kurz vor die NE-Ecke der Insel Aigina. Sie ist mit aromatischem Pinienwald bedeckt. Der Küstenstrich vor uns sieht überall gleich aus. Dank GPS tun sich aber die schönsten geschützten Buchten auf. Die Gegend hier im Saronischen Golf ist gesegnet mit Wind. Böen fallen aus heiterem Himmel in die Segel. Weitere 7 Yachten warten mit uns, abends soll der Meltemi schwächer werden. Was bleibt, ist eine nervige Kabbelsee wie am Alderney Race und kein Lüftchen Wind, furchtbar.

Wie ein 15 sm langes Band dehnt sich Athen vor uns aus, bis fast zum 60 m hohen Kap Sounio mit Poseidontempel . Das Ballungscentrum Athen-Piräus beherrschen Ind.Anlagen, Fähren, militär. Sperrgebiet und übervolle Marinas. Das nehmen wir alles bewusst in kauf. Wir landen im Olympia Hafen, direkt vor dem Stadion von 2004, wo wir nachts wegen der Schwüle nackt baden, wer kann das von sich schon sagen?

Athen. Älteste Demokratie der Welt, Wiege der westlichen Zivilation. Die Hauptstadt Griechenlands liegt in einer von Bergen umgebenen Tiefebene, zu Füßen des verhältnismäßig kleinen Gebiets des Akropolihügels. Schon 4000 v Ch. war die Anhöhe bewohnt, später von einer langen befestigten Mauer umgeben und oft beherrscht , v. Sparta, Römern, Kreuzritter-Franken,und Byzanz.

Die Akropolis war Mittelpunkt des klassischen Athens. Unser Pflichtprogramm beinhaltet u.a. Bergsteigen: Marmortreppe: Propyläen, Niketempel, Patheon, Theater, Korenhalle, Turm der 8 Winde, Hadrianstor mit röm. Agora, einige Museen und den Zeustempel. Obwohl schon sehr zeitig unterwegs, bleibt uns das Touristengedränge leider nicht erspart. Touristen, das sind immer die anderen!

Mit einem 1 € Ticket, gültig für S-Bahn, Tram oder Bus darf man 90 Min. kreuz und querfahren. Geht die Fahrt an einer Kirche vorbei, bekreuzigen sich die Fahrgäste kollektiv und der Mohammedaner schwingt die Perlenkette um sein Handgelenk. Eine ebenfalls ungewohnte Zeremonie ist die stündliche Wachablösung am Parlament. Hier residierte der erste griech. König, Otto von Bayern. Er brachte die Farben der Heimat mit für die griech. Flagge: weiß-blau.

Vor der Skulptur des Unbekannten Soldaten stehen Soldaten regungslos im weißen Miniröckchen und Bommeln an den Schuhen, Gewehr bei Fuß. Daneben Touristen als wechselnde Fotoobjekte. Die Wachablösung artet in gymnastische Darbietung aus.

So ein1 € Ticket bringt uns auch zur Bay of Faliron nach Piräus, dem wichtigsten und größten Hafen Griechenlands, mit 3 Hafenbecken. Im maritimen Flair liegen viele Fähren und Kreuzfahrer. Wir landen im Garten einer Taverne, wo lauschiges Sonnenlicht kaum durch das Laub dringt. Auf der Speisekarte steht als Tagesgericht „gefüllte Ziegenhoden“. Na ja, es muß ja nicht immer Moussaka und Griechischer Salat sein.

Während die Mannen deß Odysseus und deren Zeitgenossen oft Tag und Nacht an den Rudern zerrten, gibt es heutzutage durch Zündung, Fortbewegung durch Motorkraft. Um der unendlichen Geschichte unseres AB ein Ende zu machen, konsultieren wir diesbezüglich 2 Händler, mit dem Resultat eines Preisunterschiedes von 900,- Euro. In der Levante stehen Verschlagenheit in hohem Ansehen. Was wir als “schäbig“ ansehen, wird hier nicht so verstanden. Die Leute denken anders, setzen die Werte ganz anders. Fühlt sich ein Schwede übervorteilt, bezeichnet er den Betreffenden anklagend mit „din grek“, „du Grieche“. Das kommt wohl nicht von ungefähr?

Wir bleiben 5 Tage in Athen, eine der saubersten Städte im Süden, die wir je besucht haben!

korinth.jpg 300x225 Nach 32 sm stehen wir vor der Einfahrt zum Kanal von Korinth. g-earth.gif 79x30 Schon im 7. Jh.v.Ch. blieb hier ein Durchstich erfolglos und auch zu Kaiser Neros Zeiten wurde der Versuch unternommen, die schmale Stelle zwischen Festland und Peloponnes durch das Felsmassiv zu graben, was Handelswege und Kriegszüge zeitlich abgekürzt hätte. Schiffe mussten auf eigens angelegten Bahnen über Land geschafft werden. Klaus Kinsky aus Fitzcaraldo lässt grüßen. Erst zwischen 1881-1893 wurde der Kanal gebaut und fertiggestellt und der Traum vom historischen Nadelör Realität. Schnurgerade durchtrennt er die Felsen auf eine Länge von 6,3 km mit 24 m Breite, 9 m Tiefe und die senkrechten Seitenwände haben eine Höhe zw. 55 m und 84 m. Er ist einspurig. Die gehisste rote Flagge bedeutet warten, eine blaue Flagge ist das Zeichen zur 50 minütigen Durchfahrt ab Wartebecken.

Sie kostet für Fun Too 95,20 €,und ist somit genau so teuer wie der Götakanal quer durch Schweden. Wir fahren im Viererkonvoi mit. Es ist für uns ein schönes Erlebnis. 8 Eisenbahn- und Straßenbrücken führen in großer Höhe über den Kanal. Verwegene wagen sogar hier den Bungeejump . Da wir schon zeitig unterwegs sind, bleiben uns Schwell und Gegenwind erspart. Der Hafen von Korinth ist dem Schwell sehr ausgesetzt. Pegasus, das geflügelte Ross, hat als Statue Überblick über Platz und Hafen.

Hier treffen wir einen Schweizer, der seinen F 27 unter Belgischer Flagge fährt. Da die Griechen EU Bürger nicht mehr mit Sonderabgaben abzocken dürfen, halten sie sich an nicht EU-Bürgern schadlos, zB auch an den Eidgenossen. Seit er unter schwarz-rot-gelber Flagge fährt, hat er Ruhe von den fordernden Beamten. Ja, ja, die Welt will betrogen sein. Die Gegend litt nicht nur unter Römern und Türken, sondern auch unter Erdbeben. Der Lage wegen hat Korinth einst die Handelsreoute zur Ägäis kontrolliert. Der heutige Knotenpunkt wurde einst die erste Heimstätte des Christentums auf griechischem Boden. Der Apostel Paulus schrieb hier in den Jahren 51-52 n.Ch. seine „Briefe an die Korinther“ (Biebel).In der Umgebung wachsen Rosinenkulturen, also „Korinthen“ für den Weihnachtsstollen.

Per Linienbus gelangt man zum am Berg gelegenen Alt-Korinthdorf. Die Häuser wurden aus Natursteinen gefertigt, grau in grau und die Sonne brennt mit gnadenlosen fast 40 Grad auf uns herab. Am Ruinenfeld sind Reste von Propyläen und Römerbrunnen Zeugen der Vergangenheit. Vom Apollotempel beeindrucken die 7 Monolithsäulen von 550 v.Chr

Der Golf von Korinth ist ca 130 km lang und ca 34 km breit. Stundenlang motoren wir durch das bleigraue Meer mit einer Warmfront, entlang der nördl. Küste, die aus öden Gebirgszügen und tiefen Buchten besteht. Der geräumige Hafen von Itea bietet reichlich Kaiplätze. Ab 22 Uhr findet da ein Popkonzert statt mit hohem Decibelspiegel aus viel Gesang, Bässen und Gekreische.

delphi.jpg 300x225 Delphi: g-earth.gif 79x30
Schon die Hinfahrt ab Itea ist ein Erlebnis. Im 2.-3. Gang schraubt sich der Bus 17 km die kurvenreiche Straße in engen Serpentinenkehren das Bergmassiv hoch, vergleichbar in etwa mit dem italienischen Alpenpass Stilfser Joch. Der Blick verliert das tiefe Flusstal und das silbrige Blättermeer der Olivenbäume in der Ebene, der weitreichende Ausblick bis zum Meer ist grandios. Nach einem Fußmarsch nochmals ca 2 km teils in Treppenserpentinen den viele Höhenmeter Steilhang des Parnarsgebirges hochgeklettert, dann dehnen sich die beiden großen Ausgrabungsareale des antiken heiligen Delphi vor uns aus. Für die alten Hellenen war es der Nabel der Welt, was heute noch ein kegelförmiger Stein symbolisiert. Kein Tourist ohne „Nabelfoto“!! Schon 1500 v.Chr. war Delphi altgriech. Kultstätte des Gottes Apollon, sowie berühmte Orakelstätte. Denn hier gab die Priesterin Pythia Ratschläge, in dem sie aus einer Erdspalte aufsteigende Dämpfe vielseitig deutete. Zurück im modernen Delphi, das nur aus Restaurants, Hotels und Souvenierläden besteht, geht ein unvergesslicher Ausflug zu Ende. Übrigens, bei Beweisvorlage des Rentenalters so wie der EU Mitgliedschaft !!, zB Führerschein, bezahlen wir auch hier nur 50 % des Eintrittspreises.

Nach dem Touristentag täte Ruhe gut. Laut Laptop fahren wir zu einer einsamen Bucht auf der Insel Trizonion. Was wir vorfinden, ist eine halbfertige Marina mit Mastenwald. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Mit dem Rest des EU-Geldes wurden wahrscheinlich wieder das Dutzend Neubauten finanziert, wie überall in solchen Fällen. Auf Samos hat dies sogar ein Baggerunternehmer zugegeben. Der Hafen ist übervoll. Mit den 2 grünen Masten liegt der Wharramkat „Spirit of Gaia“ da, der abends unser Landgang wird. Außerdem ist da ein Ankerplatz, ringsum wachsen Wein, Oliven und Zypressen. Das Meerwasser hat 29 Grad. Raus aus den Klamotten, rein ins Wasser. Abends bewölkt sich der Himmel, nachts klopfen Regentropfen auf das Dach, es donnert von weither.

Winddrehung. Statt Ruhetag ist Spisegeln mit 7-8 Kn angesagt. Der Wind meint es gut mit uns. Nafpaktos: 12 Windkraftwerke ragen am Gebirgskamm gen Himmel. Am Burgberg stehen zinnenbekrönte Rundmauern. Zwei kl. Kastelle schützen die Hafeneinfahrt. Die Venezianer haben im 15. Jh: den Ort zur Festung ausgebaut mit Eck- und Rundtürmchen. Der Eindruck einer Ritterburg aus Disneyland entsteht. Im ganz winzigen Hafenrund haben 2 Yachten festgemacht zwischen Kähnen. Da passt keine Hand dazwischen. Da bleibt nur, draußen zu ankern. Genau hier fand 1571 ein Gefecht mit Galeeren statt. Eine christliche Flotte versenkte 250 türkische Schiffe.

Der starke Schwell ist ungemütlich und so fahren wir weiter. Die grünen Bergflanken werden niedriger, der Golf von Korinth geht für uns zu Ende. Im Dunst tauchen 4 weiße Pyramiden über dem Wasser auf. Es sind Halteseile. An ihnen hängt ein impossanter Bau. Hier, bei Rion, überspannt die neue Hängebrücke den Golf zwischen Peloponnes und dem Festland, mit 45 m freier Höhe. In Anti-Rio, also der Festlandseite der Brücke, steht eine gr. Festung. Im kl. Hafenbecken liegen u.a. auch eine gr. Motoryacht und Segler, total geschützt.

Patra. Es liegt am Eingang zum Golf und ist der wichtigste Hafen des Peloponnes. Die Marina von Europas Kulturhauptstadt 2006 stinkt nach Fäkalien zum Himmel. Fähren wühlen das Wasser auf, der unmittelbare Straßenlärm irritiert . Und dafür sollen wir 40.- E (100 % Katzuschlag!) berappen, am fast leeren Gästesteg. Nach dem Besuch eines Supermarktes sagen wir Patra enttäuscht ade. „Schau mal, das Wasser hier ist eisenhaltig, die Quallen sind ganz braungelb rostig.“ „Witzbold“. Fun Too ist wieder im Ionischen Meer angelangt Alpine Bergmassive bleiben querab zurück. Die 10 m Wasserlinie bringt uns schließlich zu einer Tonne am seichten Mündungsdelta einer Lagune. Es folgt ein betonnter Kanal durch eine Lagunenlandschaft voller Salzwiesen und vieler langen Holzstegen . Rheumageplagte nehmen entlang des hochgelegten Straßendammes Schlammbäder, Er führt raus zu den Salinen. Nach 7 km machen wir in der Marina von Messolongi fest. Noch ist sie kostenlos mit funktionierenden Duschen!! Nächstes Jahr ist offizielle Eröffnung. Es kann jetzt schon überwintert werden.

Die Stadt bietet ungepflegte Anlagen. Im Heldenpark erinnert eine Statue an den engl. Dichter Lord Byron. Der Romantiker nahm als Freiwilliger am griech. Freiheitskrieg 1824 teil, starb aber 3 Monate später an Malaria. Messolongi wurde damals von den Griechen in die Luft gesprengt, um den Ort nicht den Osmanen in die Hände fallen zu lassen. Nächster Morgen, Windstille. Mit Fun Too motoren ca 10 Segelyachten den Lagunenkanal hinaus, Richtung Norden. Astakos bietet uns wieder Ankerbucht, Versorgung und Internet.

Insel Kastos, untere Ankerbucht Pothom Point. Ein selbstgebauter Kat fährt ein mit A-Fram Mast samt Krebsscherensegel, etwa die Art, mit dem die Felukas am Nil ausgestattet sind. Der Skipper schaut Fun Too und dann uns an und ruft „Servus, ich bin der ‚Theo, seid Ihr nicht die Filgis?“ „???“ „Ich war Multihullvorstand in Stuttgart, lese gerne jeden Artikel von Dir und kaufte Euer Donau-Ringbuch und fuhr damit sicher die Donau abwärts.

Während es in Athen vor Hitze schon einige Tage lang brennt, ziehen zwischen den Ionischen Inseln und Festland täglich Gewitterschauer über uns hinweg. Der 7 km lange Kanal durch die seichte Lagune bringt uns zur Stadt Lefkada. Schönes Lefkada ade. Die Schwenkbrücke am Kanalende ist passiert. Nach 5 Stunden segeln mit 4 Bft West fällt vor Parga am Festland in einer Bucht der Anker. Das war timing!! Denn sofort entladen sich ab jetzt und die ganze Nacht hindurch heftige Gewitter aus schwarzen Wolken mit Regen, Blitz und Donner. Als Kind wurde man aufgeklärt: „Der Himmelpappa kegelt“. In Kerkira fahren wir ganz nahe an Pontekinissi heran, dem Kirchlein draußen am Steg im Meer, sowie an Achilleion, dem gelben stattlichen Schlösschen von Österreichs Kaiserin Sissy. Auf hoher Felsspitze thront die imposante Festung mit weiß-grünem Leuchtfeuer oben, wo wir vor 3 Monaten in der prallen Mittagshitze hinaufkeuchten. Kurze Zeit später steht die düstere, seinerzeit uneinnehmbare Kreuzritterburg, Barbarosse lässt grüßen. Vom Bomben hagel des 2. Weltkriegs ist nichts mehr zu sehen.

Nach dieser Inselumrundung von Corfu verlässt Fun Too die griechischen Gewässer westwärts.



heimathafen.gif 63x81

e-mail-hvsbluewater.gif 120x23

NeDesign