Karte gross |
Von Berlin via Flüsse und Kanäle ins Schwarze Meer, über die Ukraine bis Istanbul
SY. "PURe fun" ist eine Gib´Sea 282 mit Integralschwert
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Unsere Reise können wir grob in sieben Abschnitte einteilen: 1. Berlin bis Duisburg Bei mittelgutem Wetter geht es über die Havel Richtung Elbe über den Elbetrog in den Mittellandkanal. Hier gibt es nichts Spektakuläres zu berichten. Man motort halt so vor sich hin und sieht die Strecke einmal nicht aus der Autofahrerperspektive. In Osnabrück wechseln wir unsere beiden Verbraucherbatterien mit Hilfe eines Freundes praktisch im Vorbeifahren aus. Ab Dortmund-Ems-Kanal verschlechtert sich das Wetter. Wir nähern uns dem Rhein und sind immer noch nicht sicher, wie wir Rhein aufwärts kommen werden. Bei Münster telefonieren wir mit unserer Kontaktperson, die uns eventuell einen Schlepp vermitteln kann. 20 Minuten später wissen wir, dass wir jetzt flott voran müssen, denn am nächsten Tag um 14:00 Uhr sollen wir von "ROSA RENATE" in Duisburg auf den Haken genommen werden. Wir fahren also bei denkbar schlechtem Wetter, bis sie uns am Abend nicht mehr durch die Schleuse lassen. Und um 6:00 Uhr morgens geht es schon wieder weiter. Wir denken, das sei früh, wissen jedoch nicht, was unser Schiffsführer von uns verlangen wird. ![]() Schlepp auf dem Rhein2. Duisburg bis MainzAls wir in den Rhein einbiegen, kommt uns "ROSA RENATE" schon entgegen, die Leine wird übergeben und schon geht´s los: Mit 9 Knoten Geschwindigkeit im Schlepp. Die ganze Aufregung hätten wir uns sparen können. Unser Schlepper hat viel Erfahrung und geht die Sache ganz ruhig an, allerdings nicht, was die Fahrzeiten betrifft: abends bis 22:30 und morgens ab 4:30 Uhr. Wir sitzen zwei volle Tage bei strömendem Regen trocken und relativ warm unter unserer Kuchenbude und sehen nur hin und wieder etwas von der schönen Landschaft. Im Binger Loch regnet es gerade einmal nicht, so dass wir die Stromschnellen direkt neben dem Fahrwasser gut sehen und auch Fotos von Burgen und Mäuseturm machen können. Mittags verabschieden wir uns von unserem Schiffer, er lässt uns von der Leine und wir motoren in den Mainzer Winterhafen. Hier wollen wir jetzt einige Tage bleiben und die Familie besuchen. Dann bekommen wir einen Anruf und müssen noch einige Tage länger unterbrechen, da es einen Notfall in der Familie gibt. Im Nachhinein war es die günstigste Zeit für uns, denn das Wetter war wirklich nicht dazu angetan, auf einem Boot im Freien zu sitzen.
3. Mainz bis UngarnDas Wetter bessert sich, wir überqueren den Rhein und biegen in den Main ein, der ja kaum noch Strömung haben soll. Durch die heftigen Regenfälle der letzten Tage gibt es jedoch eine leichte Hochwassersituation und der Main kommt uns mit 3 - 7 km/h entgegen. Wir genießen jeden Mainkilometer, eine wunderschöne Landschaft und hübsche, geschichtsträchtige Städte liegen am Weg. Leider ist für Sportschifffahrt wenig Infrastruktur da, so dass man praktisch nirgends Halt machen kann, um sich umzusehen. Das gilt für alle Flusskilometer, bis man nach Österreich kommt, wo sich die Situation leicht bessert. Hier findet sich die erste Waschmaschine und auch ein dichteres Netz an Wassertankstellen. Seit Mainz knallt nun die Sonne vom Himmel, es wird heiß und heißer - ein Supersommer. Die WM hat begonnen, unsere Tage sind bestimmt von den auf der Strecke liegenden Schleusen und auch vom Rhythmus des Spielplans. Wir haben riesiges Glück, oftmals werden wir ganz alleine geschleust oder müssen nur auf die nächste Schleusung warten. Nicht ein einziges Mal haben wir das Gefühl, dass man uns grundlos warten lässt. Auch die riesigen und in der Literatur als gefährlich beschriebenen Sparschleusen im Main-Donau-Kanal erweisen sich als problemlos. Schweinfurt, Regensburg und Passau sind wunderschöne Städte. Die Schlögener Schlinge ist ein besonderer landschaftlicher Höhepunkt und Kloster Melk, wo uns der Busfahrplan zu frühem Aufstehen zwingt und so in den Genuss einer Besichtigung ohne Touristenströme bringt, ein architektonischer. Die Donau strömt teilweise mit 12 km/h und so fliegen wir bis Wien, das wir jetzt umfassend besichtigen. ![]() Im DonaudeltaDanach geht es in die SLOWAKEI. Die Grenzformalitäten sind inzwischen ausgesprochen entspannt. Wenn man einfach vorbeifährt, würde es vermutlich auch keiner merken. In der Nähe von Bratislava bleiben wir bei "Milan" (man kennt ihn unter Donaufahrern) sehr gut aufgehoben. Er kümmert sich um alles, hat sogar einen fixen Taxipreis in die Stadt für seine Kunden vereinbart. Bratislava ist mächtig im Aufbruch, viel ist schon renoviert und es gibt viele Touristen.UNGARN ist das nächste Land, auch EU und entsprechend einfache Grenzformalitäten. Nur hier erleben wir schon einige Überraschungen, was Liegegebühren für das Schiff betrifft, man muss sich aber nicht abzocken lassen, kann nämlich immer im Strom ankern. Budapest ist eine interessante Stadt, unser Drang zu Stadtbesichtigung wird jedoch durch die große Hitze ein wenig gedämpft. Bevor wir Ungarn verlassen, geben wir unsere letzten Forint in Baja bei PLUS aus (direkt hinter dem Hafen). Und jetzt ausklarieren aus der EU. Der extra angefertigte Bootsstempel kommt zum ersten Mal ausgiebig zum Einsatz mehrere Formulare müssen an diversen Stellen ausgefüllt und gestempelt werden. Man kommt zum Boot und wünscht uns gute Fahrt. Alles sehr korrekt und relaxt. 4. Serbien bis Tulcea,/ Rumänien Man hat uns gewarnt vor diesen Serben. Wiederum alles sehr korrekt und freundlich, man spricht sogar Deutsch. Es gibt nur einen fixen Durchreisepreis von 55 Euro inklusive Agent, der sich um alles kümmert und 10 Euro fürs Anlegen. Ab jetzt ankern wir sehr viel, denn erstens gibt es kaum Möglichkeiten zum Festmachen und zweitens ist der Standardpreis für praktisch null Leistung 20 Euro. Wir kommen an den Orten vorbei, die erst kürzlich unrühmliche Geschichte gemacht haben: Vukovar und Novi Sad. Karte gross In Novi Sad bleiben wir eine Nacht. Hier wurde versucht, die Folgen des Kriegs und der Bombardierungen so weit wie möglich zu beseitigen. Novi Sad hat eine Altstadt mit einem ganz eigenen Charme mit vielen kleinen Gässchen und Lädchen in Hinterhöfen. Belgrad ist die nächste Station und wir haben Glück mit der Wahl unseres Anlegers, denn hier werden wir sehr nett aufgenommen und kommen in politische Gespräche. Die Leute hier leiden darunter, dass sie nun als "die Bösen" gelten und praktisch vom westlichen Europa abgeschlossen sind. Die Sprachbarriere verhindert, dass man die Komplexität des Themas vertiefen kann. Beeindruckend die "versehentlich" bombardierte Ruine der chinesischen Botschaft in 500 m Entfernung. Belgrad ist bei wiederum großer Hitze schnell besichtigt. Es gibt eine Fußgängerzone, wo das Leben pulsiert, einige Prachtbauten und dahinter auch viel Armut. Ich war mit unserem MIFA in einer "Mall", die unseren Einkaufszentren in nichts nachsteht. Wir wollen nun nicht länger bleiben, da einmal jede Nacht eine Disco bis nach 4 Uhr in ohrenbetäubender Lautstärke dröhnt und zum anderen die landschaftlichen Höhepunkte bevorstehen: das Eiserne Tor. Hier zwängt sich die Donau durch eine Enge, gesäumt von hohen Bergen. Der Fotoapparat läuft fast heiß und an der schönsten Stelle ankern wir zwei Nächte zusammen mit einigen serbischen Booten. Wir werden sofort freundlich begrüßt mit Schafskäse und Oliven und zu einem netten Abend eingeladen, sowie am nächsten Tag gleich zweimal zum Fisch essen, einmal auf dem Boot gedünstet und ein zweites Mal an Land gegrillt. Eigentlich hätten wir das Land ja gar nicht mehr betreten dürfen, denn wir haben ja schon aus Serbien ausklariert, aber da hier die Donauüberwachung zur Zeit vom Militär auf die Wasserschutzpolizei übertragen wird, ist jetzt überhaupt niemand zuständig und somit auch niemand da, so etwas zu kontrollieren. Jeder angelt hier und man verspricht uns noch einen Fisch zum Mitnehmen, aber große Enttäuschung: keiner wollte anbeißen. Noch ein Erlebnis beim Ausklarieren: Es gibt einen Duty Free Shop, in dem man für ganz wenig Geld Alkohol kaufen kann, aber nur, wenn man einen Bootsstempel hat, mit dem man das Einkaufsformular 5x stempeln muss. Wir haben und stempeln. Jetzt ist aber wieder Einklarieren in RUMÄNIEN angesagt. Wieder wurden wir gewarnt, haben aber die Rumänen nur von ihrer allerbesten Seite kennen gelernt. In Orsova möchte ich Geld holen und einkaufen, die Stadt ist aber relativ weit weg von den Behörden. Nach Diskussion diverser Möglichkeiten wirft sich ein junger Mann in seine Ausgehuniform - er riecht frisch geduscht -, fährt mich hin, kümmert sich um Geld, die Einkäufe, übersetzt, obwohl er gar nicht Englisch kann und schleppt die Plastiktüten zum Schiff. Dafür nimmt er kein Trinkgeld an. Unglaublich!. Nach der vorletzten Schleuse legen wir an einem Restaurantschiff an, wo wir Strom bekommen und Wasser nehmen können und von einer Deutsch sprechenden Kellnerin betreut werden, von der ich mir aufschreiben lasse, wie man auf rumänisch danke und bitte sagt (multcemese und cu placere). Mit diesem Wortschatz ausgerüstet haben wir super Kontakte zu den Einheimischen. Wir sind mit einem schwedischen Paar in der Schleuse gewesen, die wir vor der allerletzten Schleuse (83 insgesamt) wieder treffen. Wir wollen sie noch vor einem Fischernetz warnen (sie werden hier nur mit Pet Flaschen gekennzeichnet, die von normalem Müll nicht zu unterscheiden sind, da ist es schon passiert: die Schraube hat es gefressen und der Motor steht. Hier kommt Uwe zu einem heldenhaften Einsatz mit Leatherman und Taucherbrille - zum Glück hat das Wasser mindestens 30°. Wir liegen an einer Vogelinsel, wo wir brütende Reiher, Kormorane, Löffler und Seidenreiher beobachten. Seit Mainz haben wir Hochsommer. Wir sitzen meist unter unserem kleinen Sonnendach um keinen Hitzschlag zu bekommen. In Giurgiu bleiben wir und liegen in einem kleinen Hafenbecken an einem Ponton, wo wir mit einem Deutsch sprechenden jungen Mädchen in Kontakt kommen und haben drei wunderschöne Tage. Der Hafenkapitän fährt uns mit seinem Auto in die Stadt, von wo wir die 50 km nach Bukarest mit dem Bus fahren. Bei wiederum großer Hitze schauen wir uns Ceaucescus Prachtbauten an und die kleine Altstadt, in der so etwas wie touristisches Leben am Entstehen ist. Die nötigen Infos und einen Stadtplan besorgen wir uns im Interconti eine Touristeninformation gibt es noch nicht. Wir haben Bergfest, genau der richtige Tag, um unseren Mast zu stellen und wenigstens wieder auszusehen wie ein Segelboot. Segeln ist auch weiterhin nicht möglich, denn der Wind kommt immer von vorne und auch wir halten tunlichst die Fahrrinne ein, um nicht auf einer der vielen Sandbänke zu stranden. Wenn das Donauufer nicht gänzlich unzugänglich ist, wird geangelt und gebadet. Das Leben am Ufer ist schön zu beobachten. Wir sehen Zigeunerfamilien, die ihre Wäsche auf Waschtischen im Fluss waschen und immer wieder Familien, die mit Pferdewagen einen Sonntagsausflug zum Strand machen. In den größeren Orten Braila und Galati, von denen unsere Literatur noch sagt, dass vor drei Jahren die Industrie darniederlag, brummt der Werftbetrieb. Wir legen an, um Diesel zu bunkern und in der Metro (lohnt sich aber nicht unbedingt, denn man bekommt alles auch viel näher) einzukaufen. Nachdem man sich zunächst nicht einig ist, wie viel man für das Anlegen kassieren soll, verzichtet man auf Gebühren und stellt mir wieder mal einen jungen Mann an die Seite, der zwar kein Englisch kann, aber die Kanister schleppt, mir die Bank zeigt, im Taxi mit mir zur Metro fährt, das, was ich nicht verstehe, noch mal auf rumänisch für mich wiederholt (leider kann ich es trotzdem nicht verstehen) und meine Einkäufe zum Schiff schleppt. Auch er will dafür kein Trinkgeld . 5. Das Donaudelta Auf dem Weg ins Donaudelta kommen wir an der winzigen moldawischen Grenzstrecke vorbei und dann liegt die Ukraine am linken Ufer. In regelmäßigen Abständen gibt es unbesetzte Wachtürme. In Tulcea wollen wir tanken, landen aber an einem ausgedienten Tankponton, zufällig neben einem Schiffsponton im Bau, von wo man uns auf Deutsch sofort zum Anlegen einlädt, schnell zwei Boote verlegt (damit es schnell genug geht, den Drahtstropp durchflext), damit wir genug Platz haben. Man fährt uns mit dem Auto zur Capitania. Wir haben ob der Eile unser Schiff offen gelassen und haben ein leicht mulmiges Gefühl dabei. Es stellt sich jedoch heraus, dass wir bei Leuten angelegt haben, denen es offensichtlich an nichts mangelt. Bei dem Beisammensein am Abend ist der Polizeichef zu Gast, der froh ist, dass wir hier liegen, denn sonst hätte er für uns eine extra Bewachung abgestellt. Zum Abschied bekommen wir zwei große Hechte geschenkt. Mehr können wir nicht mitnehmen, da der Kühlschrank zu klein ist. Man muss ein Permit haben, um das Delta befahren zu dürfen. Wir erkundigen uns, was wir überhaupt mit unserem Schiff machen können, ohne uns zu verirren. Die Auskünfte sind allerdings nur mäßig hilfreich. Mit unserem spärlichen und ungenauen Kartenmaterial (besseres gibt es nicht) machen wir uns auf den Weg auf die Route 1. Das ist ein echtes Abenteuer. Wir verpassen zunächst zweimal die richtige Einfahrt und als wir schon umkehren wollen, fährt ein Touristenboot in einen winzigen Abzweig, wir also hinterher. Gleich zu Anfang fliegen Pelikane über uns hinweg und die Strecke ist genau so, wie man sich das Delta vorstellt: viele Vögel, Seen links und rechts, abzweigende Kanäle. Unser Führungsboot hält plötzlich an und wir sind auf uns allein gestellt. Spannung pur, ob wir auch immer richtig sind, denn was auf der Karte aussieht wie immer nur geradeaus, ist in Wirklichkeit nicht so. Wir sind froh, als wir einen Ankerplatz gefunden haben und bereiten unseren ersten Hecht an Bord zu. Am nächsten Tag unternehmen wir einen Erkundungstrip mit unserem Dinghi, finden aber nicht den Zugang zum See. Auf dem Weg durch die alte Donau schieben wir PURe fun mit Vollgas über eine kleine Sandbank (50 cm Wassertiefe) und sehen von unserem Ankerplatz andere Schiffe das Gleiche tun. Wir wollen noch einen Tag ankern, aber nach einer Fahrt über enge, verkrautete Kanäle finden wir nur eine Wasserfläche, die auch für unser Schiff nicht tief genug ist und fahren zurück nach Sulina, wo wir am nächsten Tag ausklarieren, um endlich aufs Schwarze Meer zu kommen und zu segeln. Hier muss ich ein Papier unterschreiben und natürlich mit dem Bootsstempel abstempeln, dass wir keine Beschwerden über die Behandlung durch die Behörden hatten. Hatten wir nicht! 6. Die Ukraine An unserem ersten Segeltag werden wir mit allem konfrontiert, was das Segeln so zu bieten hat. Zunächst Leichtwind, - wir wechseln auf die große Genua. Dann Flaute. Motor. Wind kommt von achtern und wir können Schmetterling segeln. Wir haben einen traumhaften Sonnenuntergang. Es ist fast Vollmond und dann gibt es einen ebenso traumhaften Sternenhimmel. Weit und breit kein anderes Schiff zu sehen. Der Wind dreht und wir segeln plötzlich am Wind. Im Morgengrauen nimmt der Wind immer mehr zu, wir legen die Lifebelts an und reffen. Die Wellen werden höher und höher und jetzt heißt es die Wellen aussegeln und Wenden fahren. Als wir Odessa schon sehen, wird es immer wärmer, der Wind lässt nach und dann Flaute. Wir können über Funk keine der Behörden erreichen, fahren also einfach in den Hafen ein. Große Aufregung, denn das darf man nicht, aber da in den letzten Tagen fünf amerikanische Segelboote hier eingefahren sind, geht man mit uns sehr lässig um und in null komma nix habe ich die 15 Formulare ausgefüllt und abgestempelt. Hilfreich ist hier vor allem Andrew Samotka, TO-Kontaktperson. Wir sind zwar total erschöpft, aber einklariert. In der Nacht gibt es einen starken Sturm, hätten wir noch einmal im Delta geankert, wären wir da hinein geraten. Glück gehabt. Odessa ist eine schöne Stadt. Das Touristenleben brodelt, vor allem am Hafen. Wir haben so ein bisschen Zoogefühl, denn man flaniert am Zaun vorbei und fotografiert sich gerne mit unserer Flagge im Hintergrund. Aus Odessa muss man ausklarieren, obwohl man ja im Land bleibt. Dabei hätte uns eine total inkompetente Zollbeamtin beinahe die größten Schwierigkeiten bereitet, weil sie uns das Papier abgenommen hat, das besagt, dass wir unser Schiff eingeführt haben und innerhalb eines Jahres auch wieder ausführen dürfen. Zum Glück fällt uns das noch rechtzeitig auf andere Offiziere greifen ein und sind extrem hilfsbereit, so dass wir mit den richtigen Papieren losfahren können. Die Entfernungen auf dem Schwarzen Meer zu den wenigen Ankerplätzen und Häfen sind ziemlich weit, für uns heißt das jetzt immer früh aufstehen und lange auf dem Wasser sein. Mit dem Wind haben wir meist Glück, manchmal ist es zu wenig, so dass wir den Motor zu Hilfe nehmen müssen. In Chornomorske gibt es keine Navy mehr, wir werden von Port Control angesprochen und müssen uns identifizieren, das ist der einzige Behördenkontakt. Neben Odessa war ja auch die Krim ein erklärtes Ziel. Wir hatten nur wenige Vorstellungen von den geographischen Gegebenheiten und sind überrascht von der wunderschönen Steilküste. Es gibt viel Tourismus, aber die Krim war ja schon immer ein touristisches Ziel, schon zu Zeiten der Zaren. Man kann noch viele militärische Anlagen sehen, zumeist aber außer Funktion. Auf dem Weg zu dem Hafen Yevpatoria begleitet eine Delfinschule unser Boot. Ein solches Erlebnis ist immer wieder Balsam für die Seele. Wir fahren an Sewastopol vorbei zu dem früher extrem geheimen U-Boothafen Balaklava. ![]() Balaklava auf der KrimHier wurden sowjetische U-Boote in Tunneln gewartet. Der Hafen war so geheim, dass dafür sogar die Karten gefälscht wurden und auch Einheimische nichts von seiner Existenz wussten. Hier gibt es überhaupt erst seit drei Jahren die Möglichkeit, als ausländische Yacht einzufahren. In diesem Jahr sind wir immerhin schon das 5. ausländische Segelboot im Hafen.Die Ukrainer lieben laute Musik. Im Hafen ist eine Bühne aufgebaut, auf der praktisch jeden Abend ein Live Konzert stattfindet, mal besser, mal schlechter. Wir besichtigen den U-Boottunnel, der seit kurzem Museum ist. Mit einem Minibus fahren wir zu einem Ort namens "5 km", wo man umsteigen kann in die längste O-Buslinie der Welt, damit kommt man nach Sewastopol. Die Fahrt ist schon ein Erlebnis für sich. Die Stadt besichtigen wir auf wenig begangenen Pfaden, denn wir nehmen eine Fähre zur anderen Seite, wo das russische Militär Kasernen hat, die noch viel mehr heruntergekommen sind als die in der ehemaligen DDR. Dann geht es mit der Fähre zurück in eine andere Bucht (ein wenig wie in Sydney) und schon sind wir im Zentrum, wo wir große sozialistische Monumente besichtigen können. Der Ausflug nach Yalta führt wieder über Sewastopol. Wir steigen am Busbahnhof in den Bus ein. Der Busfahrer fährt um die nächste Ecke, hält an, mehrere Personen steigen zu und sitzen jetzt auf Plastikhockern im Gang. Wir staunen. ![]() YaltaDie Fahrt führt wiederum durch wunderschöne Gebirgslandschaft, das Meer in Sichtweit. Yalta liegt in einem Kessel, was dazu führt, dass die Hitze hier besonders steht. Die Promenade ist sehr gepflegt, Touristen bummeln auf und ab. Wir finden den antiken Tonnenlift, der in 12 Minuten zu einem Aussichtspunkt mit wunderbarem Cafe´/ Restaurant führt. Dann bedarf es detektivischer Fähigkeiten, den richtigen Bus zum Levadia Palast zu finden, wo die berühmte Yalta Konferenz stattgefunden hat.In Balaklava melden wir unsere Abreise für den nächsten Tag an. Unsere Papiere werden kopiert und nach Sewastopol gefaxt, wo wir am nächsten Tag um 14:00 sein sollen. Wir sind zu früh da. Nachdem wir zunächst an der Nachbarpier als Fotomotiv gedient haben und einige dafür sogar an Bord klettern, finden wir den richtigen Platz und warten ab, was passiert. Plötzlich taucht Igor mit einer Dolmetscherin auf. Er ist unser Agent und hat alle Papiere ganz wunderbar vorbereitet. Eine kleine Überraschung bietet sich, als uns das Ganze 344 Dollar oder 270 € kostet. Er nimmt aber auch die 200 Grivna (30€), die Uwe noch in seinem Portemonnaie findet. 15 Formulare müssen unterzeichnet und gestempelt werden. Die Beamten studieren alle Formulare sorgfältig. Es erweist sich als wichtig, dass wir eine Inventarliste haben abstempeln lassen, auf der vor allem unser Dinghi, der Außenborder und das 10 € Mifa verzeichnet ist. Es hätte sonst beschlagnahmt werden können. Als alles erledigt ist, wartet der Immigrationsbeamte, bis wir die Leinen losgeworfen haben, denn nun müssen wir unverzüglich das Land verlassen. Vor uns liegen zwei Tage und zwei Nächte auf dem Wasser. Wir melden regelmäßig Position und Ziel über Funk. Dreimal kommen in der Nacht Boote direkt auf uns zu gefahren und drehen ab, nachdem wir uns identifiziert und Kurs und Ziel genannt haben. Lebed (ukrainische Küstenwache) kommuniziert zwar nicht mit uns, es scheint sie aber doch zu geben. Das Wetter könnte für diese lange Strecke gar nicht besser sein. Wir müssen immer wieder mal motoren, wenn der Wind einschläft, können aber die Hälfte der Strecke unter Segel zurücklegen. Am zweiten Abend beim Abendessen umspielen Delfine unser Schiff und ein Vogel kommt zu uns. Er ist so zutraulich, dass man ihn anfassen kann. Die Nacht verbringt er schlafend in unserem Rettungskragen und fliegt erst am Morgen in Sichtweite der türkischen Küste wieder los. 7. Die Türkei ![]() Türkei - SchwarzmeerküsteJetzt sind wir in Sinop in der Türkei angekommen. Hier müssen wir einklarieren, was gar nicht so einfach ist. Einige Agenten bieten uns ihre Dienste an zu unglaublichen Preisen. Bei der Polizei ist man uns behilflich, aber wir wohl noch nicht ganz wach und inzwischen so genervt, dass wir dann doch einen Agenten bezahlen, obwohl wir das nicht gemusst hätten. Das war der negative Einstieg. Danach haben wir ein schönes Erlebnis nach dem anderen mit der türkischen Gastfreundschaft.Wir wollen einen Ausflug ins Hinterland machen und geraten an ein Reisebüro, dessen Besitzer in Deutschland war. Außerdem sitzt noch ein Berliner Türke hier, der jetzt in Sinop ein Hotel besitzt. Die beiden sind empört, dass man uns dieses Geld abgenommen hat und kümmern sich um das Problem. Zunächst mal werden wir zum Tee eingeladen und dann zum Mittagessen (hier lernen wir auch die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "abwarten und Tee trinken" kennen). Dann werden alle Stationen unserer Transitlog - Beschaffung abgeklappert, überall Tee getrunken und der Agent gezwungen uns eine Quittung zu geben. Allerdings gibt es kein Geld zurück. Abends essen wir im Hotel unseres Berliner Türken. Er bewirtet uns vom Feinsten und fährt uns dann zum Hafen zurück. Am nächsten Tag wieder Tee trinken und Mittagessen mit unserem Reiseunternehmer. Er will sich jetzt auch als Agent registrieren lassen und in Zukunft preiswerter bei der Transitlogbeschaffung behilflich sein. Übrigens lieben auch die Türken laute Musik. Im Hafen tobt jeden Abend der Bär. Allerdings sind die Fischer noch nicht aktiv, erst ab 1. September. Man spürt aber schon die Spannung, die sich bei den Vorbereitungen aufbaut. Wir sind ebenfalls gespannt, was sich dann tut. In dem "kleinen" Fischereihafen (sicher 300 x 500 m groß), in dem sich aber neben uns nur 15 Fischerboote verlieren , treffen wir einen Türken, der in Deutschland war und uns erklärt, dass hier alle Leute der Familie Cayli angehören und der Hafen Caylioglu heißt. Ein Sturm kommt nachts auf, wir müssen unser Schiff umlegen und schaukeln so sehr, dass wir kaum ein Auge zutun. Als der Wind nachlässt, geht es weiter nach Abana. Die Einfahrt in den Hafen ist so eng, dass wir schon umkehren wollen, aber ein Fischer führt uns hinein. Auch hier treffen wir überall Menschen, die in Deutschland waren und sich freuen, dass wir hier sind. Als ich einen Fisch kaufe, werde ich gleich eingeladen mich zur Familie zu setzen und dann wird Essen aufgefahren und ich muss natürlich mitessen. An der Mole sind Bauarbeiten im Gange, der Lastwagenfahrer winkt uns immer freundlich zu und plötzlich steht er am Schiff und schenkt uns eine Melone. Als wir ihn am nächsten Tag zum Tee einladen, kommt er wenig später zurück und bringt uns mehrere Tüten mit Obst. Sturm und Regen haben uns drei Tage festgehalten, aber dann geht es weiter nach Inebolu, wo wir an der Pier sofort wieder auf Deutsch begrüßt werden: "Willkommen, braucht ihr Strom,Wasser?" und alles wird umgehend besorgt. Der Werftbesitzer bringt uns Tomaten und Chili aus seinem Garten und am Abend sind wir zum Essen eingeladen. Der nächste Tag bringt Sturm, wir bleiben also noch. Bülent hat mit Gas zu tun und fährt uns im Ort herum um uns bei der Lösung unseres Gasproblems (man bekommt weit und breit kein Campinggas) zu helfen. Wir stellen auf das türkische System um und können ab sofort wieder mit Gas aasen. Am Abend sind wir natürlich wieder zum Essen eingeladen. Wir machen einen Ausflug ins Hinterland mit einem Minibus. Auch hier wie in der Ukraine gibt es Plastikstühlchen im Gang. Außerdem stehen normalerweise noch einige, so dass man in einem Bus für 16 Personen locker 26 unterbringt. Am Abend hat Mustafa seine Familie zusammengeholt um mit uns zu grillen. Schwager und ein Freund, der Deutsch kann, sind extra 90 km weit angereist. Am nächsten Morgen stehen Mustafa und Bülent mit Abschiedsgeschenken, die sie extra noch besorgt haben, an der Pier. Wir können es kaum glauben. Wir segeln bei viel Wind und hohen Wellen in den nächsten kleinen Hafen, wo wir ankern. Mustafa winkt uns vom Strand zu, er hat schon mal drei Bier besorgt. Dies ist sein Heimatort, der erst vor gut 20 Jahren mit einer Straße an die Zivilisation angeschlossen wurde. Jetzt verabschieden wir uns aber endgültig und segeln weiter nach Cide, einem trostlosen Ort. Als wir uns gerade schon einig sind, dass es uns hier ganz und gar nicht gefällt, kommt ein Mann vom Nachbarschiff und schenkt uns einen großen Fisch. Der nächste Hafen ist Amasra, wohl der schönste Ort an der Schwarzmeerküste. Hier treffen wir den anderen deutschen Segler wieder, der einhand unterwegs ist. Mit ihm zusammen machen wir einen Ausflug nach Safranbolu, das seit 1976 renoviert wird und als Beispiel traditioneller ottomanischer Bauweise zum UNESCO Weltkulturerbe wurde. Wir essen in einer Karawanserei aus dem 16. Jhdt und als der Kellner hört, dass wir aus Deutschland kommen, bringt er uns einige Vorspeisen extra. Auf unserer nächsten Etappe entdecken wir einen neuen Hafen, Kilimli, der noch nirgendwo verzeichnet ist. Hier bleiben wir wiederum zwei Tage, weil es draußen stürmt. Ein Fischer schenkt uns eine Angelleine, damit wir jetzt unsere eigenen Palamuts fangen können. Nach der ersten stürmischen Nacht an der Pier ankern wir im Hafen. Es ist ja jetzt schon lange nach dem 1.Sept. aber wir haben noch nicht so richtig feststellen können, was der Unterschied zu vorher ist, außer dass die Fischer morgens kurz nach 6 Uhr alle aus dem Hafen fahren. Jetzt aber sehen wir hunderte große Fischkutter in der Bucht zwischen Kefken und Sile. In unserem nächsten kleinen Hafen fahren alle Fischer am Nachmittag raus und wir haben ihn fast ganz für uns alleine. Auch hier wird noch gebaut und wir sind natürlich das einzige Segelboot. Wir machen eine Gang in den Ort und befinden uns plötzlich in der hintersten Türkei, wo die Frauen noch Pluderhosen tragen und in gemeinschaftlichen Backhäusern gebacken wird. Welche Überraschung, als in der Nacht ein riesiger Kutter hinter uns anlegt. Wir liegen zwar ein wenig im Weg, aber niemals würde man uns bitten uns zu verlegen. Am nächsten Morgen kommen alle einheimischen Fischer wieder zurück. Wir werden mit Fischen überhäuft. Unser Buch sagt über Sile "ehemaliger Fischereihafen". Als wir einfahren, winkt man uns an ein Fischerboot, hier können wir Päckchen liegen. Wir machen einen kleinen Ausflug in den Ort und als wir zurückkommen, liegen die Kutter schon im 10er Päckchen und es kommen immer mehr. Einer rückt uns ziemlich auf die Pelle, als Entschädigung bietet er uns ein paar Fische an. Da wir aber gerade 2 riesige gegessen haben und noch weitere 5 im Kühlschrank lagern, müssen wir dankend ablehnen. Die Schnecken vom Nachbarboot nehme ich an, zusammen mit einer türkischen Erklärung, was man damit macht (werfe sie dann aber 2 Tage später über Bord). Wollten eigentlich weiter, da die gesamte türkische Fischerflotte hier versammelt scheint und einen ziemlichen Lärm macht mit Generatoren und Beibootfahrten, aber es ist wieder Sturm und alle bleiben im Hafen, auch wir. Als am nächsten Tag die Flotte ausgelaufen ist, machen auch wir uns auf den Weg auf die letzte Etappe im Schwarzen Meer. Nach einer weiteren Nacht mit viel Kutterlärm geht es in den Bosporus. Wir werfen einen letzten Blick zurück und konzentrieren uns dann auf die Großschifffahrt. Leider ist das Wetter nicht besonders. Istanbul vom Wasser aus bietet einen großartigen Anblick und dann kommt auch noch die Sonne heraus für einige Fotos. Am Nachmittag haben den Bosporus durchquert und das Marmarameer erreicht. In Ataköy Marina werden wir empfangen und man assistiert uns beim Anlegen. Irgendwie ist es, als hätte man die Zivilisation wieder erreicht, denn hier gibt es Stege und den Luxus einer Dusche. Wir bleiben zunächst einige Tage hier und besichtigen Istanbul, bevor wir unser Schiff ins Winterlager zu Atabay Marina bringen. Ein persönliches Resumee Diese Reise empfanden wir als ein Abenteuer, ganz besonders da sie abseits der allgemein befahrenen Routen verlief. Die befürchteten Probleme mit den Behörden traten nicht auf. In allen Ländern wurden wir ausgesprochen freundlich behandelt. Zu keinem Zeitpunkt hatten wir das Gefühl, dass von uns ein "Bakschisch" erwartet wurde, weder in Form von Geld, noch in Zigaretten oder Alkohol. Nur zweimal kamen Grenzbeamte überhaupt an Bord: beim Ausklarieren in Rumänien und der Ukraine. Allerdings ist die Reise ohne einen Bootsstempel nicht machbar. Die Verhältnisse in den besuchten Ländern, was zum einen die Formalitäten sowie den Umgang mit den Behörden und zum andern die Häfen anbetrifft, ändern sich so rasant, dass die Literatur gar nicht so schnell gedruckt werden kann, wie sie veraltet ist. Diese Reise verlangt also eine gehörige Portion Flexibilität, auch weil man nur ganz vereinzelt auf die gewohnte Infrastruktur für Sportboote trifft. Diesel z.B. muss man jedes Mal bunkern, wenn sich die Gelegenheit bietet, d.h. eine Straßentankstelle erreichbar oder zufällig ein Tankwagen im Hafen ist. Das Schwarze Meer verlangt das Zurücklegen großer Distanzen ohne die Möglichkeit, irgendwo geschützt zu ankern oder einen sicheren Hafen anzulaufen. Genaue Wetterbeobachtung ist also wichtig, allerdings nicht einfach zu bewerkstelligen. Navtex deckt nur den westlichen und südlichen Teil ab und das auch nur mit riesigen Vorhersagegebieten, also relativ ungenau, oft auch viel zu spät. Das Internet war hier hilfreich, wo immer möglich klickten wir "wetter-online" an. Die Menschen, die wir trafen, traten uns so freundlich entgegen, dass wir insbesondere an der türkischen Schwarzmeerküste von der Gastfreundschaft fast beschämt waren. Auf dem gesamten Schwarzen Meer mögen in diesem Sommer maximal 20 Yachten unterwegs gewesen sein. Wir haben davon elf getroffen. Bei der Planung der Reise hörten wir viele skeptische und auch warnende Stimmen ob der vielen Unwägbarkeiten (Behördenwillkür, Kriminalität). Die Reise hat uns jedoch so viele ausschließlich positive Erlebnisse mit Land und Leuten beschert, dass wir diese Tour nur zur Nachahmung empfehlen können. |
