Karte gross Male |
Von der türkischen Südküste ins ukrainische Donaudelta
von Svetlana Melnichenko und Franz Dietrich
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Genau 15 Fahrttage haben wir gebraucht um von Fethyie bis nach Izmail im ukrainischen Donau-Delta zu gelangen. Es war zwar nur eine kleine Etappe unserer geplanten Weltumsegelung von diesmal 850 Seemeilen aber da die erste auf eigenen 2 Kielen auch sehr spannend und vor allem erfahrungs- und lehrreich. Schon beim Ablegen in Fethyie kratzte der Anker vom Nachbarlieger unangenehm ins weiße Gelcoat - nun es wird sicher nicht der letzte Kratzer sein. Dann aber ging es unaufhaltsam gen Norden, immer dem berüchtigten MELTEMI Nordwind entgegen; dieser zeigte sich Gott sei Dank von etwas abgemilderter Form und nur einmal hatten wir bei Samos Windstärke 7, die uns dann auch zum illegalen, weil ohne das griechische "Private Pleasure Maritime Traffic Document" Übernachten in Lee dieser schönen griechischen Insel veranlasste. Am nächsten Tag war wieder alles ruhig und wir zuckelten unter Maschine weiter gen Norden an die türkische Küste. Nördlich von Kusadasi ist es dann auch schlagartig vorbei mit den lieben Charterseglern und wir begegneten nur wenigen Eignerschiffen, die die Abgeschiedenheit der nördlicheren türkischen Kueste suchten. Herausheben möchten wir die Bucht von BADEMLI, einem Paradies (39 Grad, 01 Min. N/ 26 Grad, 48 Min. O) mit wunderschönen Olivenbaum gesäumten Ankerplätzen und glasklarem Wasser, leider 7 Grad kälter als in der Südtürkei. Dann die erste Spannung: Die Dardanellen, 3-4 Knoten Strom und Wind auf die Nase ließen uns rund 12 Stunden für diese internationale Wasserstrasse brauchen; relative wenige Schiffe machten die Durchfahrt schnell langweilig. Danach das sich anschließende Marmarameer (3 Tage) und dann endlich Istanbul und 2 Tage in der sündteuren Atakoi Marina (60 Euro pro Tag plus Strom und Wasser); man bezahlt halt als Kat-Segler oft einfach den Preis von 2 Monohulls. Dafür hatten alle Bediensteten schoene weisse Uniformen an und die Rezeptionistin sah darin wirklich sehr "cute" aus. ![]() Warten im Pulk vor IstanbulIstanbulselbst ist die Hölle wenn man das ruhige Leben auf dem Wasser schon verinnerlicht hat; 6 Mio Menschen produzieren halt eine gewisse Unruhe. Natuerlich standen die Highlights von Istanbul Blaue Moschee und vor allem die Hagia Sofia, der Galati-Turm am goldenen Horn und der Welt größte überdachte Basar auf dem (Minimal-) Besichtigungsprogramm. Sveta und ich waren dann aber froh am 5. August wieder frühmorgens abzulegen und durch die Öl- und Sonstwas - Kloake von Istanbul Richtung Einfahrt in den Bosporus zu motoren. Der war dann auch in 6 Stunden durchquert mit wunderschönen Blicken auf elegante Häusern, Herrensitze, Schlössern und Burgen. Auch hier relativ wenig Schiffverkehr und so eine stressfreie Durchfahrt. Dann kamen die ersten 3 Tage und 2 Nächte auf See; anfangs hatten wir Glück und ein 4er Ostwind schob uns mit 8 kn SOG gen Ukraine, exakt auf Kurs 000. Dann natürlich in der Nacht ein Wind-Dreher um 240 Grad und wir mussten Aufkreuzen da gegen einen 5er Wind (mit Böen auch mal 6) anmotoren mit unserem Kat schlecht geht. Auch dieser unangenehme Wind ließ dann irgendwann am Ende des 2 Tages nach und weiter ging es unter Maschine bis wir am 8.8. endlich mit dem Donau Hafen von UST-DUNAISK Funkkontakt aufnehmen konnten.
Im garnicht blauen DonauwasserAuf Svetalanas russischem Anruf auf Kanal 16 antwortete ein freundlich klingender Dispatcher in Englisch: "Welcome Miss Goodnight, what can we do for you"; hier war also schon jemand über unser Kommen durch den Agenten vorinformiert worden. Dann ging es auf russisch weiter und wir wurden auf unsere Frage welchen Weg in die Donau (es gab 2) wir nehmen sollten an Kanal 11 (Lotsen) verwiesen; hier teilte man uns mit, dass PRORVA (der neue Zugang, an dem eine deutsche Baggerfirma 2 Jahre schaufelte bevor das ganze dann aus politischen Gründen wieder eingestellt wurde) schon wieder zugesandet ist und wir nur den Verbindungskanal nehmen können, für den uns aber eine Lotse empfohlen wurde. Lotse Vladimir sprang dann auch vom Lotsenboot nach 2 Anläufen (mir wurde blass um die Augen als ich versuchte vom verschrammten Stahlschiff notwendigen Abstand zu halten) auf Miss Goodnight rüber und stellte sich als ehemaliger Kapitän vor, der für Holländer fuhr. Er sprach super Englisch.Ich bot ihm das Steuer an und er übernahm strahlend vor Freude. In Schlangenlinien mit manchmal nur 80 cm Wasser unterm Kiel fuhren wir dann in der Abendsonne durch das Delta, einem echten Naturparadies, vorbei an Störchen, einsamen Fischerkaten und wunderschönen weiten Auenlandschaften bis nach Vilkovo. Ohne Lotsen würde ich das niemandem empfehlen; der Weg ist nicht mehr betonnt (irgendjemand hat wohl diese als Alteisen zu Geld gemacht) und auch die sowjetische Seekarte, die wir hatten, zeigt das empfohlene Fahrwasser an, wie es 1987 letztmalig vermessen wurde. In Vilkovo ging Vladimir von Bord, wir warfen den Anker und ein erste völlig ruhige Nacht im leise dahinfließenden Donauwasser ließ uns nach zwei von Nachtwachen unterbrochenen Nächten auf dem schwarzen Meer schnell in tiefen Schlaf verfallen - es war wunderbar. ![]() Izmail- Leinen klarAm nächsten Morgen dann früh ankerauf, bei Vilkovo Traffic (Kanal 12) um Erlaubnis nachgefragt und weiter ging es Richtung Port of Entry IZMAIL. Einmal bei Kilia kam noch Spannung auf, als der Tiefenmesser Alarm gab und nur noch 30 cm anzeigte; wir waren wohl mal nicht voll konzentriert und so vom engen Fahrwasser abgekommen, das wir mit dem Tiefenmesser quasi ertasten mussten. Svetlana meldete sich zwischendurch halbstuendlich bei Izmail Traffic (Kanal 14) mit den Worten "Radio Siemnazet, Yachta Miss Goodnight, Priom".![]() Izmail- TerminalAber der Kollege am anderen Ende war wohl noch vom alten Schlag und reagierte einfach nicht auf Anrufe von Kapitalisten, die mit einer Segelyacht durchs Wasser fuhren, das vor noch 15 Jahren strengstes Sicherheitsgebiet war.![]() Lotse und Skipper im DonaudeltaDann nach weiteren 8 Stunden war es soweit, endlich die Piers von IZMAIL in Sicht; wir beide hoch nervös da zum erstenmal Anlegen im Strom; es lief aber bestens und in weniger als 1 Minute hatten wir um 16:30 direkt gegenüber dem Passagierterminal festgemacht. 2 Männer vom Zoll, Grenzpolizei (der von der Gesundheitsbehörde hatte keine Lust, was sich beim Ausklarieren als größeres Problem erwies) und unser Agent Juri warteten schon und kamen dann auch gleich an Bord (mit Schuhen) und das Einklarieren war ein Kinderspiel, noch leichter als in der Türkei (hier musste ich selbst zu 4 Stellen laufen). Die erforderlichen Formulare hatten wir schon an Bord vorher ausgefüllt und so war alles in 20 Minuten erledigt; dazu gab's Saft, Bier und Wodka (!!) und als die Offiziellen von Bord waren konnten sich Sveta und Ihre Familie in die Arme fallen.Dann vergingen die 10 Tage wie im Fluge: Feiern mit all den lieben Menschen, für die ich 2 Jahre hier im Rahmen eines EU-Projektes arbeiten durfte, endlich wieder mal Schweinefleisch essen, Schaschliki an der Donau grillen und vor allem mal wieder an Land in einem großen Bett schlafen. Am Tag vor der holte sich Sveta den Stempel vom Hafenmeister (was sich schwierig herausstellte, da dieser auf dem Stempel der Gesundheitsbehörde (siehe Einklarieren) bestand. Am 18.8. wurde dann innerhalb von 20 Minuten ausklariert (ebenfalls an Bord) und wir mussten dann den Pier sofort verlassen. Diesmal wählten wir den kürzeren Weg über Rumänien durch den schon von Franzosen erbauten SULINA Kanal. Im rumänischen Tulcea wollte man uns dann noch mal Probleme machen; man beorderte uns an zur Kontrolle an eine Pier (völlig unnötig, da wir im Transit waren). Dank einem sehr freundlichen Coast Guard Offiziellem war das dann auch schnell unbürokratisch, eigentlich hätten wir nun ein- und wiederausklarieren müssen, konnten wir Tulcea schnell wieder verlassen und dank diesmal günstigem Wind und Strömung im Schnelldurchgang wieder zurück ins Schwarze Meer. Für alle, die auch mal in diese Richtung fahren wollen unserer Ratschlag: Ein-/ Ausklarieren in der Ukraine besser mit Agent (Kosten für unser relativ großes Schiff ca. 126 USD); es geht zwar laut Gesetz auch ohne aber man erspart sich wirklich viel Zeit, Ärger und die eine oder andere Zurückweisung. Für IZMAIL empfehlen wir den Agenten Juri (spricht sogar deutsch) der Firma RIVA Holding, die ihren Sitz im Passagierterminal hat; vorherige Kontaktaufnahme (yuri@riva.izmail.com.ua) ist empfohlen. An weiteren Kosten fallen dann noch an 38 USD für die Hafenverwaltung und 7,40 USD Mooring Fee an einer ziemlich sicheren Pier (Freitag bis Sonntag laut dank Disco). Für Strom und Wasser (gibt's eigentlich nicht) bezahlten wir dann noch mal 2 X 10 USD Trinkgeld. |
