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Der Wandel in der Türkei

von Almut & Frank Heutgens, Kat "ALEGRIA"
E-Mail: Heutgens@aol.com

Segler, die seit Jahren in türkischen Gewässern unterwegs sind, haben es längst bemerkt, die Türkei hat sich enorm gewandelt und dieser Prozess scheint sich immer noch fortzusetzen.

Waren vor Jahren noch deutlich mehr Liegeplätze als Boote in den Marinas vorhanden, so ist das Verhältnis mittlerweile genau umgekehrt. Die Anzahl der Jachten hat in den letzten Jahren enorm zugenommen und die Marinas haben in diesem Tempo ihre Kapazitäten nicht erweitert. Die Folgen sind Liegeplatzknappheit und natürlich steigende Preise. Teilweise haben die Jachthäfen um bis zu 60% gegenüber 2008 aufgeschlagen.

Auch die Einheimischen haben Ihr Revier entdeckt. Ca. ein Drittel aller Plätze sind mittlerweile mit türkischen Booten belegt. Aus steuerlichen Gründen fahren sie meistens unter amerikanischer Flagge. Alleine Jeanneau hat 2008 ca. 100 Jachten in der Türkei verkauft, fast alle an Einheimische. Aber nicht nur Jeanneau verkauft, es gibt noch viele andere Segel- und Motorjachtwerften. Um diesem Ansturm gerecht zu werden, müsste jedes Jahr mindestens eine neue Marina hinzukommen. Das weiß die Regierung und sie fördert diese Expansionen. 10 neue Häfen werden alleine in der weiteren Umgebung von Istanbul gebaut bzw. geplant. 12 Weitere sind im Bau oder in Planung entlang der Mittelmeer- und Schwarzmeerküste. Über 6000 zusätzliche Liegeplätze sollen dadurch in den nächsten Jahren entstehen. Uns Seglern soll es einerseits recht sein, wenn die Liegeplatznot ein Ende hat. Andererseits wird das Revier durch so viele Häfen nicht schöner und erst recht nicht sauberer.

Bestes Beispiel dafür ist Göcek. Gerade hier merkt man den Wandel sehr extrem. War Göcek vor ein paar Jahren noch ein verträumtes Fischerörtchen mit netten, traditionellen Häuschen, so hat man nun einen wesentlich größeren, modernen Ort mit Tourismus und Marmorplatz vor sich. Die Preise steigen durch diese Entwicklung spürbar. So ist es z. B. eine Unart vieler Restaurants dort, 10% extra für den Service zu berechnen. Allerdings ist das vorher verhandelbar. Durch diese Entwicklung hat Göcek viel von seinem Charme eingebüßt, meint man in Seglerkreisen. Die Mehrwasserqualität ist dort schon lange nicht mehr gut und die Eröffnung der neuen „Marin Turk“ wird die Meeresverschmutzung weiter vorantreiben. Außerdem werden die Plätze zum freien ankern durch den Bau der Marina und die stetig steigende Anzahl der Boote immer knapper. Nach kroatischem Vorbild ankert man z. T. schon mit Fendern!

Aber nicht alle Entwicklungen sind negativ. Beispielsweise ist der Ort Palamut in letzter Zeit attraktiver geworden. Die staubige Straße ist nun gepflastert, man hat Palmen gepflanzt und die Auswahl an Restaurants und Shops hat zugenommen. Unter Seglern sehr beliebt ist das Restaurant „Merhaba“. Der Wirt spricht u. a. auch deutsch und ist sehr hilfsbereit. Die Preise stimmen und die Qualität ist gut.

Eine positive Entwicklung hat auch Selimiye gemacht. Der Ort hat sich enorm gemausert. Die Promenade ist sehr schön mit Natursteinen gepflastert worden. Der neue Gemeindesteg ist von den Seglern gut angenommen worden, er trägt jetzt auch ein Feuer am Kopf. Der Steg gehört zu keinem Restaurant, es gibt also keine Essensverpflichtung, auch wenn gewisse Wirte in Stegnähe es gerne so darstellen, wenn sie die Leinen annehmen. 15 Lira/Tag werden für Einrumpfboote an allen Stegen von der Gemeinde kassiert. Katamarane zahlen 20 Lira/Tag.

Selimiye bietet mittlerweile gute und zahlreiche Enkaufsmöglichkeiten. Man bekommt Gas, eine Wäscherei hat ihren Betrieb aufgenommen und die Auswahl an Restaurants ist auch größer geworden. In der zweiten Reihe kann man z. B. preiswert Pide essen und „Osmans Place“ bietet türkische Standartküche zu fairen Preisen. Gehobeneren Ansprüchen wird man im „Sardunya“ und im „Aurora“ gerecht. Letzteres wird den Seglern wahrscheinlich besser gefallen, da es im Gegensatz zum Sardunya keinen angeschlossenen Hotelbetrieb hat. Gerade im „Aurora“ ist die Zeit nicht stehen geblieben. Es gibt eine neue, moderne Küche mit mehr Speisenvielfalt als bisher und mit der bekannt guten Qualität. Die Toiletten und Duschen sind komplett renoviert worden, ein gemütliches „Baumhaus“ ist entstanden und lädt zum verweilen ein. Natürlich gibt es Muringleinen und WLAN. Beim An- und Ablegen wird geholfen. Da das „Aurora“ immer sehr gefragt ist, empfiehlt sich eine telefonische Reservierung. Der Deutsch sprechende Wirt Hüseyin hat die Handynr. +90-542 234 10 37. Sollten die Liegeplätze am Steg alle belegt oder reserviert sein, kann man am Gemeindesteg anlegen und trotzdem beim „Aurora“ zum Essen gehen. Das Restaurant hat genügend Sitzplätze.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Wandel in der Türkei für die Segler unterschiedliche Auswirkungen hat. So trägt die permanent ansteigende Zahl der Boote nicht gerade zur größeren Idylle in den Buchten bei und erschwert mitunter auch das sichere Ankern. Das Schwimmen wird einem immer öfter durch schmutziges Wasser verleidet und Städte wie Göcek haben an Charme verloren. Jedoch wird die Entwicklung in Orten wie z. B. Palamut und vor allem in Selimiye von den Seglern als durchaus positiv empfunden, zumal der ursprüngliche Charakter hier nicht verändert wurde und die Möglichkeiten zur Versorgung einfach besser geworden sind.



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