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Fast ein Jahr auf den Azoren

von Burkhard und Ebba van Ohlen-Linke
SY "USE AKSCHEN" E-Mail: ebba@solarlink.de

Nachdem wir im Herbst und Winter 2005/2006 entlang der Westküste Portugals, an der Algarve und an der spanischen Atlantikküste gesegelt waren, stellte uns das Frühjahr 2006 auf eine Geduldprobe: das richtige Wetter und der passende Wind für einen Törn auf die Azoren wollte und wollte sich nicht einstellen.

Erst Ende Mai 2006 verließen wir die Algarve mit dem Ziel Azoren. Dass wir dann aufgrund des gar nicht gemütlichen Wetters eine Kurve über PORTO SANTO und MADEIRA segelten, fanden wir rückblickend sehr schön, gab es uns doch die Gelegenheit, beide Inseln kennen zu lernen.

Alles Negative, was wir über Porto Santo und seinen Hafen im TO-Magazin gelesen hatten, können wir keineswegs bestätigen. Wir wurden freundlich empfangen, bezahlten die ausgewiesenen (Nebensaison)preise und fühlten uns in dem kleinen –zu dem Zeitpunkt Anfang Juni- leeren Hafen sehr wohl. In Madeira entschieden wir uns aufgrund eines Tipps von lokalen Seglern für die Marina QUINTA do LORDE. Zwar war sie (im Juni 2006) immer noch im Bau –Duschen im Container- aber das Marinapersonal war außerordentlich freundlich und hilfsbereit.

Die Marina liegt sehr weit von allen Versorgungsmöglichkeiten im Osten der Insel, aber sie bietet täglich einen Shuttleservice zur nächst großen Stadt (Machico), wo man dann z.B. einkaufen kann, an. Für TO Mitglieder gibt es einen Rabatt von 20%.

Unsere Reise von Madeira zur südöstlichsten „Azore“ SANTA MARIA war ein ordentlicher Segeltörn, aber leider verbrachten wir nur eine Nacht auf dieser vom Meer so einladend aussehenden kleinen Insel. Es gibt nur zwei Ankerplätze im Hafen, diese waren bei unserer Ankunft belegt. Das freundliche Angebot, an der Kaimauer anzulegen, haben wir nur eine Nacht wahrgenommen: wir brauchten Stunden, das Boot im unruhigen Hafen halbwegs festzumachen. Auch dann rollten wir heftig an der (ROLL-ON-ROLL-OFF) Kaimauer. Morgens war eine Leine gerissen, andere schwer strapaziert. Da gab es nur eins: weiter nach Ponta Delgada / Sao Miguel. Schade, zu gerne hätten wir die kleine Insel uns genauer angesehen.

In Ponta Delgada empfing uns Weltenbummlerszene und auch wieder nettes Marinapersonal. Im Moment ist eine neue Marina (und ein Kreuzfahrtschiffanleger) im Bau, so dass –im Sommer 2006- Baulärm das Hafenleben beeinträchtigte. Bei Problemen mit Bootstechnik und Segeln wendet man sich am besten an den Boots- und Segelservice von Any und Thomas, die mittlerweile eine kleine Werkstatt auf dem Marinagelände betreiben.

Während der Sommermonate sind wir zwischen den Inseln hin- und hergesegelt.

Zu ALLEN Inseln lässt sich sagen, dass immer, auch bei ruhigem Wetter, spürbar ist, dass die Inseln mitten im Atlantik liegen: Schwell, der in den Hafen läuft, ist fast immer bemerkbar. So müssen insbesondere die Häfen, in denen man nur ankern kann, sorgfältig ausgesucht werden: Wind- und Schwell müssen genau beobachtet werden.

SAO JORGE hat den Ankerhafen Velas, in dem man bei allen nördlichen Wind- und Schwellrichtungen gut liegt, zudem sehr idyllisch mit abendlichem Sturmtaucherkonzert. Anfang Oktober gelang es uns sogar, einen Platz an der Kaimauer von Calheta zu ergattern. Das ist im Sommer weniger leicht, weil Versorgungs- und Fischerboote den Platz beanspruchen. Zu empfehlen auf jeden Fall aber nur bei nördlichen Schwell- und Windrichtungen. GRACIOSA hat mit PRAIA einen (winzigen) Hafen, der noch im Bau befindlich ist. In der Sommersaison 2006 wurden Segelboote (im Päckchen) an der Kaimauer geduldet. Im späten August hatten wir das große Glück, an einem Fischerboot längsseits gehen zu können. Auf jeden Fall aber ist weder der Ankerplatz vor der Insel, noch der Hafen eine Oase der Ruhe: die Insel ist klein, und der Schwell läuft „rundherum“. Auch PICO hat mit Madalena einen Ankerhafen, der mit Vorsicht zu genießen ist. Jeglicher Schwell aus westlichen Richtungen macht ihn sehr unruhig.

FAIAL mit HORTA ist natürlich DER TREFFPUNKT der Fahrtensegler, die aus allen Richtungen des Atlantiks kommen. Das macht die Atmosphäre des Hafens aus. CAFE PETER SPORT ist nach wie vor eine lebendige, internationale Kommunikationsbörse. Horta ist mit Sicherheit auch der best geschützte Hafen der Azoreninseln, insbesondere im inneren Teil des alten Hafens lagen wir von Oktober bis Ende Februar bestens. Auch für Reparaturarbeiten ist der Hafen zu empfehlen: der deutsche Katamaransegler Robin (auf SIMILE) ist Edelstahlfachmann und hat einen hervorragenden Service rund um Bootsreparaturen aufgebaut. Er und sein Team erledigen zuverlässig und gut alle Arbeiten, die mit Stahl, Alu, aber auch GFK und Holz zu tun haben.

Der langjährige TO- Stützpunktleiter Lothar ist immer noch vor Ort, kommt gerne an Bord oder freut sich über jeden Besuch. Allerdings gibt es auch weniger Gutes zu berichten. Da Ersatzteilbeschaffung sehr zeitaufwändig sein kann –Pakete aus Deutschland brauchen gut und gerne 4 Wochen und länger- ist man auf den örtlichen MAY (Midatlantic Yacht Service) angewiesen, und dann wird es teuer! Auch das Hafenmanagement scheint sich an die Scharen von Seglern, die den Hafen aufsuchen, gewöhnt zu haben. Entgegenkommen ist nicht unbedingt zu erwarten. Duschen sind nur zu eingeschränkten Zeiten zu benutzen. Der Travellift ist technisch in einem wenig Vertrauen erweckenden Zustand. Unser Schiff hätten wir dort nicht an Land gebracht, zumal nur wenig Platz zur Verfügung steht. Mitsegler berichteten zudem von wenig professionellem Umgang mit dem Travellift, sogar von Schäden, für die die Marina keine Verantwortung übernehmen wollte. Kommentar der Marinaleitung: YOU CAN ASK A LAWYER.

Genau so wenig erfreulich erschien uns der Umgang mit Beschwerden über Vandalismus am Kai. Erst die private Initiative der Betroffenen brachte Besserung. Seitens des Marinamanagements war wenig Engagement zu spüren, das SECURITYpersonal nicht präsent. Auch wer eine mehr als 6monatige Überwinterung in Horta plant, sollte sich darauf einstellen, dass ohne Ankündigung und offiziellen Hinweis eine lokale Bootssteuer erhoben wird, die z.B. für ein 12m Boot 200 Euro betragen kann (je nach PS, Alter des Boots etc.) und nach Ablauf von 6 Monaten sofort fällig ist. Umso besser ist man in beiden Marinen TERCEIRAS aufgehoben. In beiden Marinen fühlt man sich willkommen, der Service ist professionell, das Personal zuvorkommend und hat für alle Wünsche und Probleme offene Ohren. In beiden Marinen gibt es Travelliftmöglichkeiten und ausreichend Platz für Boote an Land.

Wir haben die Monate auf diesem Inselarchipel sehr genossen, nur eine Frage darf man uns nicht stellen: welche Insel war die Schönste? Vielleicht Flores, auf der wir noch nicht waren. Ansonsten aber können wir sagen, dass jede Insel ihren eigenen Charme, ihre sehr speziellen wunderschönen Ecken hat. Wandern kann man überall sehr gut, und das „Winter“wetter ist für Nordeuropäer gut zu ertragen. Ab Oktober wurde es rasant wechselhaft, bis Februar fast täglich Starkwindwarnungen, manchmal Sturm –meistens aus Südwest.

Aber das Wetter, fast immer mit hoher Luftfeuchtigkeit, aber nie kalt, ändert sich schnell; richtiges Sauwetter war auf wenige Tage beschränkt. Der März, eigentlich noch ein ungemütlicher Monat, überraschte uns mit Frühlingswetter, das wir nun auf Terceira genießen. Auf den April sind wir gespannt. Ab Mai heißt es irgendwann: HEIMATKURS LIEGT AN.



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Letzte Änderung / Last change: Dienstag, 17. April 2007