Print pageprinter.gif 15x15 Letzte Änderung / Last change: Montag, 01. März 2010 Translate
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Einhand in die Karibik
Erfahrungen einer Einhand- Seglerin

von Judith Batthyany von SY ARGI
E-Mail: jbatthyany@hotmail.com

Ich segle meine SY ARGI jetzt ca. 1 Jahr Einhand und es ist eine absolut spannende Sache. Lernen und Erfahrungen sammlen ohne Ende, wobei es gerade dieses Erleben ist, was mich am Segeln so sehr fasziniert. Es gibt keinen wirklichen Alltag. Mein Traum war es ( vorerst mal ) in die Karibik zu segeln, zwar nicht unbedingt alleine, aber wie das Leben oft spielt, hat es sich so ergeben. Besser alleine, als mit der falschen Crew.

Am 16. 01. 2010 bin ich von Cabo Verde gestartet, habe den Atlantik alleine ( mit Bordhund Doty, 1 1/2 kg schwerer Chihuahua ) ueberquert und bin am 02. 02. 2010 gluecklich , muede und wohlbehalten auf Martinique angekommen.

Es war eine Reise mit Erfahrungen, die ich in meinem Leben nicht missen moechte.

Es war auch eine Entscheidung, die ich getroffen habe, ohne Bekannte oder Familie zu informieren , denn die Warnungen und Horrorgeschichten wollte ich mir einfach ersparen, den Anderen die Sorge um mich, die sowieso niemanden hilft. Da ich erst seit Januar 2007 segle, weiss ich selbst, dass es ein Risiko ist. Nur einige wenige Freunde wussten Bescheid, davon hat mich auch mein aeltester Freund mit Frau auf der Reise unterstuetzt, indem er mein Mailpartner per Iridiumtelefon war . Ein beruhigendes Gefuehl, zu wissen, da gibt es Jemand, der weiss Bescheid. Wenigsten alles 2 Tage mit Positionsangabe. Ich habe auch ein Wetterprogramm von Wetterwelt und die Gripdaten haben zu 90 % gestimmt, was ich einfach toll fand. Auch die Freundlichkeit und Kompetenz der Mitarbeiter ist erstaunlich.

Natuerlich neigt man sofort zur Unzufriedenheit, wenn fuer Stunden die Wellen dann doch hoeher sind, der Wind doch um 5 bis 10 Knoten mehr, aber das ist eine Momentsituation.

Die erste Woche war ja fast zu schoen, um wahr zu sein, abgesehen von 2 Tagen Flaute, wo ich mich dann innerlich beruhigt habe und gesagt, - ha es wartet ja niemand, warum also nicht mit 3 Knoten dahin gondeln und als es nur mehr 1, 8 kn waren, hab ich mir eine lange Leine um den Bauch gebunden und war schwimmen. Da kam auf einmal so ein Spukgedanke von den netten Filmen in mein Hirn und wie der Blitz war ich wieder an Bord. Bikinisegeln, faulenzen und schlafen war angesagt. Ein Wasserschlauch am Wassermasser platzte und ich hatte noch ca. 50 Liter Suesswasser zum rausholen. War nicht lustig, aber naja, was soll es - es war Suesswasser, da kann jeder Segler nur jubeln.....Und dann der Parasailor, den ich aber nur zwei Tage fuhr. Sicher ein tolles Segel, trotzdem alleine absolute Schwerstarbeit . Und welch ein Glueck, denn das Teil war runter, ich erschoepft und der Wind nahm zu.

Damit begann die zweite Woche und es ging langsam los.......der Wind nahm zu, tolles Segeln war angesagt, die Ruhepausen wurden langsam kuerzer. Dann kam die Routine - 25 Minuten schlafen - auf - Rundumblick - schlafen. Tagsueber konnte ich bis zu einer Stunde schlafen. Auch das ging vorbei, die letzten 4 Tage gab es nur mehr Einnicken, aufwachen, einnicken, aufwachen und staendig Arbeit. Der Wind war noch immer ein Hit, bis max. 30 Knoten, aber 2 Naechte und es ist erstaunlicherweise immer in der Nacht kamen die Winddrehungen. Gehalst, gehalst und wieder gehalst, von einer Seite zur anderen und die Wellen wurden immer hoeher. 4 Meter Welle war normal, in den Spitzen bis 6 Metern und das in einer 10 Sekundenperiode, das war echt Mist. Und eine Nacht gab es dann auch noch Welle von 3 Seiten, denn von 2 Seiten war sowieso normal.... am 31. 01. war es dann fuer mich doch ein wenig beaengstigend , die Wellen waren zwar nur mehr 4 Meter, aber die Periode auch nur mehr 8 Sekunden. Ich wollte den Motor zuschalten, fuer den Fall, dass ich Hilfe beim Halsen brauche UND wie es eben so ist, er sprang an und huepfte wie ein Irrer am Fundament. Die " Silentblocks", wo er draufsitzt waren hinueber. Habe zwar die Schrauben wieder festgezogen, nur das half nicht. Also Motor wieder aus und mit hoechster Konzentration den Zwischenraum von den Wellen abgewartet und dann rum mit dem Segel.....da ja selten ein Unglueck alleine kommt, fiel mir die Antenne vom Iridiumtelefon, die ich am Fenster festgeklebt hatte, auf den Computer und dann war es zappenduster. Das Telefon ging noch, also hab ich Louis, meinen Uraltfreund angerufen, mit dem ich in 2 Tageskontakt stand, damit er weiss, wo ich bin, wenn was passieren sollte. Das war beruhigend fuer beide Seiten. 25 Meilen vor der Kueste gab es dann endlich Funkkontakt mit dem Rescuecenter. Die Leute waren sehr freundlich und hilfsbereit. Wir haben einen Wegpunkt ausgemacht , den ich nach Stunden auch problemlos erreicht habe. Klar, so nah als moeglich bei der Marina. Nach einiger Zeit des Wartens haben sie mich auch gefunden, hihi. Leinen fest und reingeschleppt. War schoen eine Erleichterung, als ich endlich fest lag.

Dazwischen gab es natuerlich diese unendliche, unbeschreibliche Weite, diese ewige Bewegung, die auf mich fast hypnotisch wirkt, am Anfang der Reise Delphine, dazwischen 5 Regenboegen, Schauer, Sonne, die schoensten Sonnenauf - und untergaenge, herrliche Wolkenformationen mit einer absoluten Farbenvielfalt und generell einer Faszination, die sich in Worte nicht fassen laesst. Insgesamt gab es nur 5 Schiffsbegegnungen.

Doty war in all der Zeit ein Hit, welche Welle auch immer, sie war in Schraeglage oder auch nicht, rutsche am Popscherl dahin, alles kein Thema. Einen besseren Bordhund kann ich mir wohl nicht wuenschen und dankbar fuer jede Streicheleinheit dazwischen, auch wenn mal sehr wenig Zeit war.

Ich war 17 Tage und 16 Stunden unterwegs, jeder Tag hatte seinen Reiz, Langeweile gab es nie und ich bin froh und dankbar, dass in all der Zeit das Glueck an meiner Seite stand. Learning by doing ist sicher wahr und die beste Schule, aber Glueck braucht man auch.

Jetzt bin ich voll der Freude, die Karibik zu ersegeln, sicher ein wunderschoenes Gebiet mit vielen neuen Erfahrungen und Eindruecken.

Alles Schoene und die besten Wuensche, Judith Batthyany SY ARGI



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