Karte gross |
Inseln zwischen Nordost- Passat und Harmattan - Sal, Boavista, Sao Nicolau
von Detlev & Beate Schmandt - SY Kira von Celle
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Am 9.12. 2005 um 10:00 Uhr werfen wir die Leinen los. Wind aus Nordost 15 - 20 kn. Unter Groß und Genua legen unseren Kurs 180º an und haben große Mühe uns an die Rollerei und Schaukelei zu gewöhnen. Der Nordwestschwell verursacht unangenehme Kreuzseen, die Wellen werden bis zu 3m hoch und um 5:00 Uhr morgens steigt tatsächlich eine achterliche Welle ins Mittelcockpit ein, wir sind klatschnass. Am zweiten Tag Frontendurchzug, der Wind dreht von NE über E auf S bis W bei 10 -15 kn. Unser Fitnesstraining ständige Segelmanöver. Hoch am Wind segeln wir durch die rabenschwarze Nacht, die Bordroutine ist eingekehrt, der Wachwechsel auf drei Stunden festgelegt. Dritter Tag, aufkreuzen Richtung Sal, mit gerefften Segeln und 20-25 Kn auf die Nase. Das hatten wir uns anders vorgestellt, raumschots mit Passatwind sollte Kira das Ziel ansteuern. Vierter Tag, Willy unser Wetterguru auf 16534 MHZ um 16:15 Uhr UTC, zufinden bei www.intermar-ev.de, verbreitet gute Laune, NE Wind 15- 20 kn für die nächsten Tage. Kira segelt trotz Überladung wie der Teufel und wir freuen uns über Etmale von 130 - 150 sm. Am Freitag, den 16.12. erreichen wir in der Morgendämmerung die Nordspitze von Sal. Mit 4 Knoten zuckeln wir gemächlich Richtung Palmeira, die Bucht neben dem Fischereihafen ist unser Ziel. Als erstes entdecken wir vier große weiße Tonnen, sie dienen als Festmacher für die Versorgungsschiffe, wenn sie auftanken. Von hier aus führt eine Pipeline direkt zum Shell Tanklager. Auf Reede liegen circa 30 Yachten, romantisch sieht es hier nicht aus. Der Anker fällt auf 7m, Untergrund Basaltsteine mit Sand überdeckt. Schwieriger Ankergrund, erst beim dritten Versuch beißt sich der 37 kg schwere Bügelanker fest. Wir nehmen Kontakt mit Sabine und Heinz von der SY Magic Life und mit Karla und Dieter von der SY Nautica auf, die uns seit 4:00 Uhr morgens über Funk begleitet haben, und erkundigen uns nach dem Einklarierungsprozedere. Die Stimmung ist gedrückt, die Magic Life, wie auch eine französische Yacht, ist einige Tage zu vor am helllichten Tage aufgebrochen, durchwühlt und beklaut worden, der Nautica ist ein zur Rettungsinsel gehörendes aufblasbares Dinghy samt Packtasche von Oberdeck gestohlen. Obwohl der Behördenapparat sehr gut organisiert ist, bleiben die Diebstähle unaufgeklärt. Wir besuchen unsere TO Stützpunktleiter Karl - Heinz Lange, genannt Carlos, und klarieren mit seiner Hilfe ein. Erst melden wir uns bei der Polizei, sie befindet sich in der Ortsmitte neben dem Mercado Muncipal, dann ziehen wir weiter zur Capitanerie, die im himmelblau angestrichenem Haus an der Asphaltstrasse am Ortsausgang Richtung Espargos zu finden ist. Die Einklarierungsgebühren betragen 100 CVE (Capverdische Escudos) und entsprechen 1,00 €. Bezahlt haben wir mit € und das Wechselgeld in CVE in Empfang genommen. Das wir so problemlos in Palmeira einklarieren können, und nicht zur Flughafenpolizei fahren müssen, haben wir Carlos zu verdanken. Mit großem Engagement versucht er die fehlende Infrastruktur für uns Segler zu mildern. Beim Ortsrundgang wird Carlos von vielen Einheimischen freundschaftlich begrüßt und wir erfahren, das er sich um die sozial schwachen Menschen kümmert. Während unseres Aufenthaltes gibt es viele Treffen mit ihm und anderen Seglern, entweder in seiner Küche oder am großen Kabeltrommeltisch bei Aimira. Erste kleine Hilfsaktionen organisieren wir Yachties, aber das reicht nicht!
Hier eine Liste der dringend benötigten Hilfsmittel:
ILHA DO SAL Die Kapverden liegen im Bereich der Sahelzone. Wenn auch nur am Rand, was zur Folge hat, das die Wolken nicht abregnen. Im Schnitt regnet es 4 Tage im Jahr, Tendenz fallend. Bleibt der Regen aus, führt das zu Hungerkatastrophen. Sal ist eine Wüste aus Sand und Salz mit 216 km² Fläche und 8.451 Einwohnern. 5.877 leben in der Hauptstadt Espargos. Sal zählt zu den ärmsten im Inselarchipel. Der Grund ist der Süßwassermangel. Die Meerwasserentsalzungsanlage von Palmeira versorgt die Flugzeuge und die Hotels im Süden der Insel und Inselbewohner, die einen Anschluß an die Rohrleitungstrasse bezahlen können. Fließendes Wasser in den Häusern hat Seltenheitswert, der Anschluß an das Rohrleitungssystem kostet 18.000 CVE . Die Bewohner von Palmeira holen sich ihr Wasser in großen Kübeln, von der öffentlichen Wasserstelle Fontenario. Die schweren Kübel werden dann von Mädchen und jungen Frauen auf dem Kopf nach Hause balanciert. Die Fontenario befindet gegenüber dem Mercado Muncipal. ![]() Kinder auf SALFür Feldbewässerung ist das Wasser zu teuer. So blüht und wächst fast nichts. 90% der Lebensmittel müssen importiert werden. Meistens von der ehemaligen Kolonialmacht Portugal, der Reis kommt aus Vietnam, der Mais aus Amerika und aus EU Beständen wird der Weizen geliefert. In Palmeira gibt es keine Sensationen, hier verläuft das Leben mit behäbiger Langsamkeit. "Mann" trifft sich bei ein, zwei Gläschen Grogue, dem Zuckerrohrschnaps der Insel, politisiert ein wenig herum, spielt Karten und wartet auf bessere Zeiten.Mit den Minibussen fahren wir über die Insel nach Espargos der Inselhauptstadt. Bei der Bank wird Geld gewechselt, für 1€ erhalten wir 120 CVE. Bei der Post erwerben wir Sondermarken, unser Souvenir von den Kapverden. Wir werfen einen Blick in die Supermärkte, das Angebot ist erstaunlich vielfältig aber teuer. Obst und Gemüse kaufen wir bei den Straßenverkäuferinnen. Die Häuser sind häufig mit Grün- oder Blautönen in allen Schattierungen gestrichen. Im Stadtkern bieten große alte Bäume Schatten. Über Basaltpflastersteine bummeln wir die Straßen rauf und runter. Wir finden zwei Internetcafes, gönnen uns eine Cachupa, das kapverdische Nationalgericht. Ein üppiger Eintopf aus Bohnen und Mais, angereichert mit Kartoffeln und Maniok, verfeinert mit Wurst, Speck, Fleisch oder Fisch. Um die Mittagszeit wird es verschlafen in Espargos, die Sonne brennt, nur der Passatwind verbreitet einen Luftzug. Zeit zum Schiff zurück zu kehren. Unsere nächste Entdeckungstour führt uns erst nach Pedra de Lume und dann in den Süden nach Santa Maria. Pedra de Lume ähnelt einer Mondlandschaft aus Science fiction Filmen. Auf dem Kraterboden eines erloschenen Vulkanes filtert die Sonne die salzigen Kristalle in weiß und rosé an die Oberfläche. Sie waren einst der Reichtum der Insel. Heute wird dieses Naturreservoir medizinisch genutzt, Allergiker kommen aus ganz Europa angereist, um in dieser Salzlake ihre Leiden zu lindern und ihre Haut zu kurieren. Santa Maria hat sich seit Eröffnung des internationalen Flughafens zum Mekka für Pauschaltouristen entwickelt. Kilometerlange paradiesische Strände aus goldgelben Wüstensand und der türkisfarbene Atlantik sowie 5 Hotels mit internationalen Standards lassen die Herzen der Urlauber höher schlagen. Surfer und Kytesurfer haben hier ihren Hotspot gefunden. Wir schauen hinter die Kulissen. Neben der organisierten Urlaubergesellschaft wohnt die Dritte Welt in einfachen Baracken, Kinder betteln auf den Straßen und der Fäkaliengeruch weht durch das Gelände. Wir sind nach Santa Maria gefahren um Alcinda Bettencourt, eine Kapverdierin aus Mindelo, zu besuchen. Alcinda betreibt einen gut florierenden Friseurladen im Shopping Center des Morabeza Hotels, zu erreichen unter Tel.421020 oder Fax 421025. Das Friseurhandwerk hat sie in Hamburg erlernt und ist nach 20 Jahren Deutschlandaufenthalt vor 10 Jahren in ihre Heimat zurückgekehrt. Der Nachmittag wird sehr kurzweilig. Sie erzählt uns begeistert von Mindelo. 60.000 Einwohner, von den zahlreiche Läden und Geschäften, von dem größten Hafen der Kapverden, früher einmal Schnittpunkt auf den Weltrouten des Atlantiks, von der neuen Fischmarkthalle, von den bonbonfarbenen Kolonialbauten, die frisch renoviert worden sind, von der Musik, die das Leben in der Kulturmetropole bestimmt und von der Baia das Gatas, einer kilometerlangen Bucht ohne Hotels. Wir sind herzlich eingeladen, sie und ihre Familie Anfang 2006 zu besuchen. Auf der Reede von Palmeira geht das Seglerleben weiter. Der Passat weht mal stärker mal schwächer, das hat auch seine Auswirkung auf dem Ankerplatz. Heute ist etwas anders, der Himmel verdunkelt sich, die Sicht verkürzt sich auf wenige Meter und ein heißer trockener Wüstenwind fegt über die Bucht und verteilt feinsten Wüstensand auf die Yachten. Diese Wettererscheinung nennen die Kapverdier Harmattan. Das der Harmattan mit seinen Auswirkungen unsere Männer zu sportlichen Höchstleistungen herausfordert, erleben wir am nächsten Tag. Dieter von SY Nautica, Helmut von der SY Nukualofa und Detlev von der Kira werfen ihr Dinghymotoren an, ziehen mit etlichen leeren Kanistern und einer Schubkarre von Carlos, zur örtlichen Wasserstelle. Stundenlang sind sie damit beschäftigt die Kanister zu füllen, mit der Kanister gefüllten Schubkarre über Kopfsteinpflaster bis zum Strand zu rollen, dort die Kanister ins Dinghy zu packen, Dinghy fährt nacheinander zur Nautica, Nukualofa und zur Kira, Kanister ausleeren, machen wir Frauen, Kanister einsammeln, mit dem Dinghy zurück an den Strand, mit Schubkarre und leeren Kanistern zurück zur Wasserstelle. Wegstrecke über Kopfsteinpflaster ca.500m, Dinghystrecke ca.400m. Nachdem 700l in die Wassertanks der 3 Yachten gefüllt sind, zieht es unsere Männer an den großen Kabeltrommeltisch bei Aimira, sie genehmigten sich ein, zwei Gläschen Grogue und politisierten ein wenig herum. Boavista Am 31.12. 2005 gehen wir gemeinsam mit den Yachten Nautica und Nukualofa um 8:00 Uhr Anker auf. Ziel die südlich von Sal gelegene Insel Boavista. Wie von Willy angekündigt empfängt uns eine grobe See, 15-20 kn aus Nordost sorgen für eine schnelle Überfahrt. Um 14:30 Uhr, nach 38 sm, fällt der Anker auf 4m Tiefe, Untergrund Sand, Position 16º09.816 N und 022º55.2002 W. Wir liegen hinter dem Riff . Der Wind weht stetig. Das Wasser schimmert smaragdgrün bis türkis, die Wassertemperatur beträgt 24ºC. Nach ausführlichem Badespaß treffen wir uns zum Sundowner und der sich anschließenden Sylvesterparty auf der Nautica. Dieter überrascht mit seinem "Ostfriesen", Helmut mit einem im Champagnerverfahren hergestelltem Sekt aus dem Elsass und Karla zaubert skandinavische Hackböller auf den Tisch. Es ist immer wieder erstaunlich was in den Backskisten so alles gelagert ist. In den nächsten Tagen entdecken wir die nächste Umgebung. Boavista ist eine Düneninsel. Die Hauptstadt Sal Rei heißt übersetzt "Königin des Salzes. Der Name erinnert an die ehemaligen Reichtümer der Salzlager. Sal Rei hat ca. 1.300 Einwohner. Die Häuser im portugiesischem Kolonialbaustil von sehr gepflegt bis verfallen, der große Platz bepflanzt und begrünt geben der Stadt einen morbiden Charme. Die Touristikindustrie sorgt für Aufschwung, nur die Infrastruktur kann nicht mithalten. Das Müllproblem ist unübersehbar. Der Mercado, kleinere Supermärkte und eine Bäckerei sind die Versorgungsinseln. Ein Frachtschiff bringt die Waren. Auch auf dieser Insel ist landwirtschaftlicher Anbau nicht möglich. Wir durchstreifen die Sanddünen beobachten die Surfer und Kiter mit denen wir zwei unbezahlbare Luxusgüter teilen, den stetigen Passat und den kristallklaren Ozean. ![]() Badespaß am Strand von Sal ReiGenuß pur zum Abschied. Lobster, und zwar einen ganzen für jeden, dazu verschiedene Salate, Reis und Fritten, abgerundet durch einen Vino Verde aus Portugal. Aufgetischt in der einheimischen Kneipe MARESIAS, Tel.511341. Kosten für den Lobster 1.200CVE = 12,00€.Sao Nicolau Nach einer windreichen Nachtfahrt erreichen wir im Morgengrauen die Südspitze Ponta Grande und passieren im Abstand von 1,7 sm. Alle drei Yachten segeln auf Sichtweite. Hoch am Wind geht es die letzten Meilen Richtung Tarrafal. Um 08:30 Uhr fällt der Anker auf 7,5 m Tiefe auf sandigen Untergrund. Position 16º34.123 N und 024º21.610 W. Nautica und Nukoalofa ankern in Sichtweite. Kaum haben wir alles aufgeklart, zischen die ersten Fallböen von den Berggipfeln. 30 kn Windgeschwindigkeit. Wow! Damit hatten wir auf unserem Ankerplatz nicht gerechnet. Vorsichtshalber wird der Zweitanker ausgebracht, denn wir wollen gemeinsam vom Schiff. Einklarieren bei der Direcca? o - Geral de Marinha e Portos, in der Hauptstrasse neben der Post. Postöffnungszeiten 8:00 bis 11:00 Uhr. Bank - Banco Commercial do Atlantico - geöffnet von 8:00 bis 12:00 Uhr. Beim Rundgang entdecken wir kleine Krämerläden, zwei Supermärkte, Kneipen und zwei Internetcafes. Am Nachmittag besuchen wir unseren TO Stützpunktleiter Henny Kusters. Henny hat ein kleines Gästehaus mit vier großzügigen Zimmern, ausgestattet mit Dusche und Toilette. Von seiner Terrasse haben wir einen unverbauten Blick auf den Atlantik. Henny organisiert Inselrundfahrten und übernimmt dabei die Führung. Er bildet junge Menschen für den Gastronomiebereich aus, Küche & Service, und verfügt über Waschmaschine und Trockner. Alle drei Yachten nutzen seinem Service. Danke Henny, die Inselrundfahrt, die Wanderungen und die Stunden in deinem Haus werden unvergessen bleiben. ![]() von links nach rechts -
Saõ Nicolau ist eine Vulkaninsel. Zwei Bergketten deren Gipfel abgenagt und seltsam zerfressen aussehen ziehen sich in dunkelbraunen Basaltformationen quer über die Insel. Zwischen hohen scharfkantigen Felsen liegen kleine grüne Oasen, wo Kaffee und Zuckerrohr angebaut und seltene Drachenbäume stehen. Überall dort wo genügend Wasser vorhanden ist können Mangos, Papaya, Orangen und Kartoffeln, Maniok, Paprika, Bohnen geerntet werden. Nach den beiden Wüsteninseln ist diese Insel mit der unterschiedlichen Vegetation eine Wohltat für die Augen. Doch leider regnet es auch hier viel zu wenig. |
