Print pageprinter.gif 15x15 Translate
back-revier.gif 300x15
xxxxx.jpg 300x240
Karte gross
Mit MY. LENA auf großer Fahrt

Drei Jahre mit unserem Motorboot unterwegs
von Hans-Jürgen Haardt
E-Mail: mail@jannie-lena.de

Am 24. April 2006 legen wir kurz vor Mittag in Sneek (Nl) an. Unsere erste große Reise ist zu Ende. Hinter uns liegen gut drei Jahre, in denen wir auf unserem Boot gelebt haben. Eine Zeit, die gefüllt war mit Herausfor- derungen, Erlebnissen und Begegnungen. Rund 15 tausend Seemeilen sind wir Binnen und auf hoher See gefahren und, Neptun sei Dank, ohne Blessuren an Mensch und Boot zurückgekehrt.
my-lena01.jpg 380x245
Aber der Reihe nach: Wir, das sind meine Frau Monika und ich, Hans-Jürgen Haardt, beide 59 Jahre jung und, ungewöhnlich für TO-Mitglieder, begeisterte Motorbootfahrer. Unser Boot ist ein holländischer Stahlverdränger von Aquanaut, Multi-knickspant, 12 m lang, ein Diesel und viel Lebensraum. Die Reichweite liegt bei rund 2000 sm, der Verbrauch bei 6kn ist etwa 1 l/ Meile.

Binnen ins Mittelmeer ging der erste Abschnitt. Im März war uns die Biskaya zu unruhig. Der Weg über Waal, Maas, Canal de l´Est Saône und Rhone verbessert unsere Schleusenpraxis erheblich 165-mal bergauf, 82-mal bergab). Auf der Rhone ruinieren wir den Propeller, weil auf der Karte die Mauer unter Wasser nicht vermerkt ist. Per Travellift wird der mitgeführte Reserveprop eingebaut, ähnliche Schäden sind danach nicht mehr aufgetreten. Wir sind bei sehr kaltem Wetter gestartet, aber nach 14 Tagen wird es doch Frühling.

Wir genießen die Ruhe und Einsamkeit der Vorsaison, die prächtigen Landschaften der Ardennen und Vogesen und natürlich auch das gute französische Essen und den noch besseren Rotwein. Mitte Juni erreichen wir Port St.Louis, stellen unseren kleinen Mast auf, montieren das Stützsegel, machen die Ausleger für unser Anti-Roll-System mit Flopper-stoppern klar, kurz: wir werden Seeschiff Wir gehen auf Generalkurs SW und hangeln uns in bequemen Etappen die spanische Küste bis Denia entlang. Sehr volle Marinas, sehr nette Menschen, reichlich hohe Liegegebühren, kaum eine Chance zum Ankern und eine mächtige Hitzewelle begleiten uns. Wir verlassen das Festland und steuern die Balearen an. Hier gefällt es uns schon viel besser, man kann in den Buchten ankern und schwimmen gehen, Monika lernt schnor-cheln und ich kann endlich Schlauchboot fahren. Wir treffen in Andraitx eine gute Bekannte und genießen das Leben. Über Mallorca und Ibiza geht es dann doch wieder zurück Richtung Festland. Wir passieren die Costa del Sol (grauenhaft zugebaut) und kreuzen Anfang Oktober die Strasse von Gibraltar. Der Aufenthalt in Marina Smir (Marokko) wird wie immer, wenn etwas mehr Zeit ist, für technische Wartung genutzt.

Inzwischen haben wir unseren Wassermacher eingebaut und in Betrieb genommen. Seit vier Monaten hilft uns eine kleine Klimaanlage, Lena trocken und etwas kühler zu halten. Von Marokko fahren wir, mit DWD- Törnvorhersage ausgestattet, die erste Etappe über den Atlantik nach Lanzarote, wo wir den Winter verbringen. Puerto Calero ist die Marina unserer Wahl, sehr gut und bei Frühbuchung und Vorauszahlung auch preiswert.

Mitte April 2004 nehmen wir etwas traurig Abschied von unserem Winterlager und einigen sehr netten Bootsleuten. Aber Lena ist fit und wir wollen die für Motorboote laut BSH-Monatskarten beste Zeit für die Atlantiküberquerung nutzen: wenig Schwell aus dem Norden und nicht zuviel Wind. Mit 500 l Diesel in Reserve steuern wir zuerst die Kapverdischen Inseln an. Nach einem Tag leichter Seekrankheit geht es uns gut, wir haben danach nie wieder gelitten. Bei Atlantikmarschfahrt von 5,5 kn braucht Lena unter 0,9 l/sm, wir kommen gleichmäßig voran und gewöhnen uns an die Vier-Stunden Wachen. Leuchtendes Plankton und ein wunderschöner Sternenhimmel machen auch die Nächte zum Erlebnis. Wir sehen Wale und reden über VHF mit einem Kabelleger, der uns bittet, ihm auszuweichen er sei mit Kabel etwa 5 sm lang). Die Wetterberatung von Intermar ist für uns leider nur ein paar Tage zu empfangen, danach gibt es über KW nur noch die gute wave prediction vom DWD. Nach 7 Tagen laufen wir in Mindelo auf Sao Vicente ein und legen am Schwimmsteg von Kai Brossmann an. Wir wollen hier nur eine Nacht bleiben, Ölwechseln und bei den Fischern tanken. Das klappt inklusive Ein/ Ausklarieren prima.

Am 22. April legen wir ab, der Kurs für die nächsten 2100 sm: 265 Grad.

lena-02.jpg 300x225 Die Fahrt verläuft bis auf Kleinkram ohne Schwierigkeiten. Wir füllen nach fünf Tagen unseren Reservediesel in die Haupttanks, versuchen mit mäßigem Erfolg Fische zu Angeln, backen Brot, setzen oder holen das Stützsegel ein, entfernen morgens die zahlreichen fliegenden Fische vom Deck, beobachten Nachts das Radar und kontrollieren immer wieder die Technik. Am 8. Mai kommt mittags Land in Sicht, um 16:30 fällt der Anker in der Hafenbucht von Tobago, Scarborough. Wir sind angekommen!

Nach drei Wochen in Tobago (Store Bay) geht es weiter nach Trinidad. Dort geht Monika zum Zahnarzt und bekommt eine Krone verpasst, Lena erhält einen neuen Gasherd und wir erstehen ein Sat-Telefon von Globalstar. Ab jetzt können wir überall Internet-Wetter bekommen und sind auch für Mails nicht mehr auf Internetcafes angewiesen. Das ganze für 49 US$/Monat, inklusive 120 Freiminuten.

Wie verlassen Chaguaramas und fahren über Testigos (ein Paradies) nach Margarita. Weil es uns dort nicht so sehr gut gefällt, geht es bald darauf weiter nach Grenada. In der Mt. Hartmanns Bay gehen wir vor Anker. Schwimmen, faulenzen und Inselerkun-dung bestimmen den Tag. Wir fühlen uns südlich von der Hurrikan-Zone sicher. Leider hält sich Hurrikan IVAN nicht an die Zonengrenzen. Und die tracking-Vorhersage vom NOA ist auch sehr mäßig: IVAN soll viel weiter nördlich durchziehen. Erst als es zum Flüchten zu spät ist, wird sein Kurs korrigiert. Da bleiben wir, an den Mangroven vertaut und mit beiden Bugankern gesichert lieber in der durch Riffe geschützten Bucht. Der Hurrikan verwüstet dann auch die Insel mit Windgeschwindigkeiten bis 135 kn. Wir überstehen bis auf Rammversuche eines driftenden Katamarans alles halbwegs glimpflich. Zum Ausbeulen und Spritzen des Rumpfes fahren wir zurück nach Trinidad. Nach einigen Wochen in der Werft (der Andrang nach Ivan ist natürlich hoch) fahren wir in der Umgebung ankern. Besonders schön ist Chacachacare, nur ein paar Meilen von Trinidad entfernt.

Ende November verlassen wir Tobago und nehmen Nordkurs Richtung Grenadinen. Vorher haben wir uns von vielen Freunden verabschiedet, besonders Jan, der inzwischen TO-Stützpunktleiter auf Dominica ist, wünschen wir viel Glück.

Die anschließende Reisebeschreibung fällt sehr knapp aus, sind doch schon so zahlreiche Berichte über die Karibik veröffentlicht. Wir vermeiden die ‚Rummelplätze’ und ziehen, wenn immer möglich, ruhige Orte vor, wie z.B. Indian Creek auf Antigua. Unser Weg geht über die Windwards, Leewards und Virgin-Islands nach Puerto Rico und dann durch die Bahamas nach Florida. Und immer wieder werden wir gefragt, wie denn unser Boot nur in die Karibik gekommen ist.

Von West-Palm Beach wollen wir den big-loop oder great circle in Angriff nehmen: 4500 sm zu den Großen Seen und zurück. Das ist schon eher eine typische Motorbootroute, die meist binnen verläuft und sehr geschützt ist.

Nachdem wir uns mit allen nötigen Karten und den ‚Skipper-Bob’Ratgebern ausgerüstet haben, starten wir am 5. Mai 2005. Nebenher bemerkt: das Einklarieren in den USA verlief völlig problemlos. Wir fahren direkt hinter der Ostküste auf dem Intracoastal-Waterway bis Norfolk. Von dort geht es durch die Chesapeake Bay und Delaware Bay zum flachsten Stück des Intracoastals durch New Jersey. Auch wir fahren uns zweimal fest. Besser fährt man hier auf dem Atlantik Richtung New York.

Dort angekommen ankern wir hinter der Freiheitsstatue, bevor wir gegenüber von Manhattan in die Liberty Landing Marina gehen. Mit 100$/Nacht teuer genug, aber relativ preiswert, verglichen mit den Manhattan-Marinas. Per Wassertaxi kann man den Hudson einfach überqueren und ist auch da. Wir beschauen New York ausführlich.

Dann geht es den Hudson hinauf bis nach Waterford, dem Beginn des Erie-Kanals. Dem folgen wir und erreichen durch den kurzen Seitenkanal Oswego am Lake Ontario. Nach einer kurzen ‚Seefahrt’ treffen wir in Kanada ein.

Der Trent-Severn-Kanal bringt uns dann in eines der schönsten Wasser-sportreviere auf dieser Erde: die Georgian Bay und den North Channel, beide eigentlich durch Inseln und Nehrungen abgeteilte Flächen des Huron-Sees. Wir freuen uns über die Inselwelt, genießen die Natur und lassen es langsam angehen. Unglaubliche Ankerbuchten gibt es, man hat Quadratmeilenweise Platz für sich alleine. Nur die Mückenplage ist lästig.

Anfang September verlassen wir den Norden, bevor es hier richtig kalt wird. Der Lake Michigan bringt uns nach Chicago, fast so toll wie New York. Dann geht es die großen Flüsse hinab: Illinois, Mississippi, Ohio, Tennessee und Tenn-Tom-Waterway sind unser Weg zum Golf von Mexiko. Von Mobile bis Palm Beach schließt sich der big loop. Im März 2006 verladen wir Lena auf einen Frachter Richtung Antwerpen. Der Kurs von Neufundland über die Azoren nach Europa war uns im Frühjahr zu stürmisch. Von Antwerpen fahren wir dann noch ein paar Seemeilen auf eigenem Kiel nach Sneek.

Wer sich für die ausführliche Reisegeschichte interessiert: unter www.jannie-lena.de kann man eine CD mit rund siebzig Seiten Text, vielen hundert Bildern und natürlich auch mit vielen technischen Angaben bestellen.



heimathafen.gif 63x81

e-mail-hvsbluewater.gif 120x23

NeDesign
Letzte Änderung / Last change: Mittwoch, 10. Januar 2007