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Türkei-Gibraltar-Maroko-Kanaren-Atlantik-Karibik
von Bert Schmidt,
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Erfahrungen eines ARC Teilnehmers 2006 mit Schiff, Technik und Crew.
In Warteposition vor der Brücke in St. Maarten in der Karibik wurde ich von einem deutschen Segler gefragt, wie ich denn hierher gekommen wäre? Auf meine Antwort aus der Türkei und dann mit der ARC über den Atlantik schüttelte er den Kopf und erwiderte: „mit DEM Schiff?“ Eine Bavaria hat in Seglerkreisen zugegebenermaßen keinen guten Ruf, aber es sind etliche Bavarias mit der ARC über den Atlantik gesegelt und auch alle angekommen. Also zuerst zum Schiff: Ich habe meine Bavaria 38 neu im Mai 2000 gekauft und dann in den nächsten 5 Jahren während meiner Urlaube daran gearbeitet, die von Bavaria kostenlos mitgelieferten Mängel zu beheben. Das waren neben diversen Kleinigkeiten: Die Kielaufhängung. Wenn man gegen den Kiel getreten hat, während das Schiff im Kran hing, konnte man deutlich sehen, wie sich das Laminat zwischen den Bodenwrangen bewegt hat. Die Ursache hierfür ist aus meiner Sicht der Bleikiel, der in der Breite nur eine halb so große Auflagefläche wie der Gußkiel hat, wobei das Laminat in der Bodengruppe mit Sicherheit nur die gleiche Stärke hat, wie bei Schiffen mit Gußkiel. Meine Reklamationsversuche wurden von Bavaria abgeschmettert mit dem Hinweis: Bavaria hat keine Kielprobleme. Die Rumpf – Deckverbindung. Ich habe wirklich 5 Jahre gebraucht, um das Schiff dicht zu bekommen. Im Vorschiff war zwischen Deck und Rumpf an einer kleinen Stelle nicht genügend Dichtmasse aufgebracht, so dass beim eintauchen der Deckskante bei Lage und Welle ein feiner Wasserstrahl zwischen das Rumpflaminat und die Verkleidung gespritzt wurde. Die Relingstützenbefestigung Eine M8 Schraube durch die Holzleiste der Deck-Rumpfverbindung soll die Kräfte aufnehmen, die entstehen, wenn die Relingsstütze belastet wird. Das funktioniert nicht und nach der ersten stärkeren Belastung ist diese Stelle nicht mehr dicht. Nun könnte man einen Teil der Mängel mit dem niedrigen Preis des Schiffes entschuldigen. Was ich persönlich aber nicht akzeptiere ist die Art, wie Bavaria seine Kunden behandelt. Auf der Interboot 2007 in Friedrichshafen wollte ich einige Fragen klären und bemühte mich um einen fachkundigen Vertreter. Aber die Herren im grauen Anzug waren sofort wieder verschwunden, als es um Mängel ging. Die klare Antwort: bei Bavaria gibt es keine Mängel, so einfach ist das. Selbststeueranlagen Nachdem der Kurscomputer der ST6000 Selbststeueranlage von Raymarine auf der Überfahrt von Griechenland nach Sizilien ausgefallen war, haben wir uns noch eine zweite elektrische Selbststeueranlage, den S1 Steuerradpilot von der Fa. Eissing nach Palermo schicken lassen und dort eingebaut. Den Kurscomputer haben wir auf Sardinien getauscht, so dass wir 2 voneinander unabhängige Anlagen zur Verfügung hatten, die dann in den nächsten 8 Monaten gut gearbeitet haben. Während der Atlantiküberquerung sind wir aber größtenteils mit der Windselbststeuerung Pacific Plus von Windpilot gesegelt. Probleme hat das obere Lager gemacht. Es wurde immer schwergängiger, so dass sich in der Karibik das Hauptruder der Anlage gar nicht mehr bewegen ließ. Die Unterstützung die uns durch den Chef der Fa. Windpilot, Herr Farthmann, gegeben wurde, war vorbildlich. Achtung durch die Windselbststeueranlage bin ich durch eigenes Verschulden in die gefährlichste Situation des ganzen Törns gekommen. Nach dem ausschaben des oberen Lagers wollte ich die Anlage wieder testen. Während ich mit der rechten Hand das Hilfsruder abgelassen habe, lag meine linke Hand auf dem Zahnkranz und wurde von dem oberen Zahnkranz, der in den unteren einschwenkt bis auf den Knochen gequetscht und zerfetzt. Vor Schmerz bin ich fast ohnmächtig geworden. In diesem Falle wäre ich wahrscheinlich über Bord gefallen und es gäbe mich nicht mehr. Wafe Finder Unbemerkt vom Rest der Crew über Bord zu fallen und das Schiff segelt unter Selbststeueranlage weiter, ist der Alptraum eines jeden Seglers. Hiergegen kann der Wafefinder helfen, wenn er funktioniert. Der Wachgänger steckt den Gänseei großen Sender in die Hosentasche, der bei Wasserberührung oder durch Handauslösung ein Signal an die möglichst hoch auf dem Schiff montierte Antenne funkt. Dieses Signal aktiviert eine Hupe und gleichzeitig wird auf einem Auswertegerät über ein Diodendisplay die ungefähre Entfernung und Richtung des über Bord gefallenen angezeigt. Leider hat schon im Mittelmeer ein Sender seinen Geist aufgegeben, was nicht so schlimm war, da ja zwei zum Lieferumfang gehören. In der Mitte des Atlantiks ist dann aber das ganze System ausgefallen. Es hat erst wieder funktioniert, nachdem die Antenne und das Auswertegerät ausgetauscht waren. Nachdem die Fa. Eissing 6 Wochen benötigt hat, um den reklamierten Sender an meine Heimatadresse zu schicken, habe ich die Reklamation der Antenne und des Auswertegeräts direkt über die Herstellerfirma Wafe Finder in der Schweiz abgewickelt, was wesentlich schneller und effektiver geklappt hat. Kommunikation mit der Heimat und der ARC Leitung. Zur Wahl stehen Kurzwelle und Iridium Handy. Die Kurzwelle hat den Vorteil, dass man an den Klönrunden, der Weltumsegler oder der vor Anker liegenden Insider teilnehmen kann. Der Nachteil liegt in dem etwas höheren Anschaffungspreis und der aufwendigeren Installation. Ich habe mich für das Iridium Handy von Motorola entschieden. Zusammen mit dem ohnehin auf dem Schiff vorhandenen Laptop kann man problemlos E-mails verschicken oder auch telefonieren. Die Minute Airtime kostet ungefähr einen €, wenn man ein Jahr und 500 Minuten bucht. Wenn man zusätzlich das E-mail Komprimierungsprogramm von Ed Wildgoose edward@mailasail.com kauft, kann man zwei bis drei mails für 1 € verschicken. Über das Iridium Handy in`s Internet zu gehen, wird aber sehr teuer, da es viel zu langsam ist. Papier- und elektronische Seekarten. Man sollte ja beide haben, aber das wird ganz schön teuer. Nachdem mein 6 Jahre alter Kartenplotter die neuen C-map Karten, nicht mehr verarbeiten konnte, habe ich mich für Navichart Professionel entschieden. Das sind elektronische Karten weltweit für 999 €. Hierzu kommt dann noch ein kleines GPS oder zumindest eine GPS-Maus, die der Software sagen, wo das Schiff ist, damit es in die Karte eingespiegelt werden kann. Während der Überfahrt von Griechenland nach Sizilien ist dann passiert, was nicht passieren darf. Die Elektronik hat gesponnen und unser Mitsegler hatte den nautischen Führer für Sizilien im Keller liegen lassen, so dass wir die Marina von Palermo nur an Hand der Masten identifizieren konnten. Aber warum ließ sich der neue Dell Rechner nicht mehr mit der Maus steuern? Nach einigen Tagen und diversen Telefonaten hatten wir die Sache wieder im Griff. Es lag nicht an der Tastatur des Rechners sondern man musste immer den Rechner vor dem GPS einschalten. Im anderen Fall hat der Rechner das GPS als Maus angesehen und die Maus hat nicht mehr gearbeitet. In der Karibik im Riff von Barbuda ist dann noch ein weiterer Fehler aufgetreten. Das in die Karte eingespiegelte Schiff bewegte sich nicht mehr oder nur noch sporadisch. Man wusste also nicht mehr, wo man war. Zufällig haben wir dann bemerkt, dass das System wieder funktioniert, wenn der Motor nicht läuft. Also haben wir uns mit Motor an und aus und Augapfelnavigation voran getastet. Hinter die Ursache für das Fehlverhalten bin ich bis zum heutigen Tag nicht gekommen. Die Fa. Garmin hat das reklamierte Gerät jedenfalls nicht repariert, sondern ein neues geschickt. Über die Hotline von Garmin eine technische Auskunft zu bekommen, ist praktisch unmöglich. Ein wichtiges Kriterium für eine Kaufentscheidung. Ob es bei anderen Firmen besser ist, kann ich nicht sagen. Die Crew Für einen harmonischen Törn ist die Crew noch viel wichtiger als die Technik. Bis zu den Kanaren bin ich mit wechselnden Crews gesegelt. Die härteste Strecke für Schiff und Mannschaft war die Überfahrt von Sizilien nach Sardinien. Wir hatten Tag und Nacht 20 Kn Wind genau von vorne und es ist passiert, dass das Ziel nach 4 Stunden bei der nächsten Wache noch genau so weit entfernt war, wie beim letzten Wachwechsel. Wer dann noch von der Seekrankheit heimgesucht wird, für den macht das segeln wirklich keinen Spaß mehr. Über den Atlantik waren wir zu dritt, Jim ein ausgezeichneter Koch, Joe ein super Vorschoter und ich als Skipper. Keiner hatte Probleme mit der Seekrankheit und so konnten wir auch bei großem Seegang zu dritt die von Jim liebevoll zubereiteten mehrgängigen Menüs genießen, während das Schiff unter Parasailor und Selbststeueranlage seinem Ziel entgegen segelte. Besonderen Dank auch an Joe, der über die Vorbereitungen in La Palmas, den Atlantiktörn und die Ankunft in der Karibik einen sehr schönen Film gedreht hat. |
