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Die Vergessene Insel, Sao Nicolau, Cabo Verde Claudia Oldenburg und Friedrich Seifert, SY Eden
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![]() Fregat- BergdorfSchroffe Berglandschaft, üppig grüne Täler, kleine Dörfer und gastfreundliche Menschen – eine Beschreibung, die auf viele Inseln der Welt zutrifft, doch Sao Nicolau ist etwas Besonderes. Und nicht nur weil es hier die weltweit größte Ansammlung der urzeitlich anmutenden Drachenbäume gibt.![]() Tarafal vor Anker„Schön, dass ihr nach Sao Nicolau gekommen seid. Ich werde alles dafür tun, dass ihr diese Insel nie vergesst.“ Henny Kusters sitzt auf dem Sofa und lässt die Augen durch die geöffnete Tür seines Hauses über das blaue Meer schweifen. Seine große Liebe sei die Insel, seit er vor 30 Jahren mit seinem Segelboot hier geankert hatte. Und er ist zurückgekommen und will sie nie wieder verlassen. Der einstige Fotograf, Koch und Pädagoge betreibt die Pension „Aquario“ und bildet darüber hinaus junge Insulaner zu exellenten Köchen aus. Nicht nur für die wenigen Traveler, auch für Segler ist sein Haus am Strand der Treffpunkt in Tarrafal. Schließlich ist Henny Kusters TO-Stützpunktleiter von Sao Nicolau.
Henny Küsters„Was kann ich für euch tun?“, und schon hat er sein Telefon in der Hand und organisiert einen Ausflug zu den schönsten Flecken der Insel. Internet? Waschmaschine? Leckeres Abendessen? Henny macht eine einladende Bewegung: „Wir haben alles zu bieten.“ Eine grauweiße Katze schläft wohlig auf dem Sessel, eine dreifarbige kuschelt sich an Henny. Wir sitzen auf seinem Sofa, und fühlen uns geborgen. Der jetzt 76jährige berichtet von seinen Segelreisen, von seinen Bootsbau-Erfahrungen. Und er schwärmt für seine Insel, für die freundlichen Bewohner.![]() Trans- Ocean Team Am nächsten Morgen hat uns Henny eines der Sammeltaxis bestellt, das Fisch, Post, Lebensmittel und uns an das andere Inselende bringt. Dort starten wir eine Wanderung in einem der üppigen Täler. Weit hoch hinauf steigen wir in einem ausgetrockneten Flussbett und landen in dem Bergdorf Fregat, in das die Bewohner ihre Einkäufe nur auf dem Kopf oder per Esel transportieren können. Auf unserem Weg treffen wir Kinder mit Eseln, alte Frauen mit Bündeln Brennholz auf dem Kopf. „Bom dia“ werden wir gegrüßt und auf den richtigen Weg verwiesen. Einer Frau, deren Esel fast den schweren Sack mit Reis verliert, helfen wir, die kostbare Landung neu zu schnüren. Über Passwege und das grüne Tal der Drachenbäume wieder an eine Autostraße zurückgekehrt, werden wir von fröhlichen Kindern umringt. Am Abend sitzen wir an Hennys perfekt eingedeckter Tafel am Meer und lassen uns Vorsuppe, Tunfisch in Safransoße und selbst gemachtes Eis schmecken. Henny ist stolz auf seine Jungs, die von ihm nicht nur Grundkenntnisse, sondern auch Kreativität in der Küche gelernt haben und natürlich den perfekten Service. Und obwohl Henny unter einer schmerzhaften Verletzung leidet, lässt er es sich nicht nehmen, uns seine Insel zu zeigen. Samt unseren Grönländischen Ankernachbarn, die wir einfach mit zu Henny genommen hatten, sitzen wir in einem offenen Jeep und fahren hinauf auf den Monte Gordo, in das üppige Tal der Drachenbäume und weit in den Nordosten der Insel zu bizarren Felsformationen. Wir erleben nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen der Insel, werden überall freundlich begrüßt. Henny ist es tatsächlich gelungen, uns alle für seine Insel zu begeistern. Und als wir an diesem Abend wieder zurück sind, fühlen wir uns schon wie „Nach-Hause-Kommen“. Bei einem Glas Wein schweifen Hennys Gedanken zu den Fahrtenseglern: „Weshalb in Gottes Namen fahren alle nach Mindelo? Die Kapverden sind mehr.“ Er schüttelt den Kopf ungläubig. „Sao Nicolau ist eine vergessene Insel.“ Dann leuchten seine Augen verschmitzt auf und er sagt, dass er dafür sorgen möchte, dass es nicht so bleibt. Übrigens ist Sao Nicolau nicht nur mit dem eigenen Segelboot erreichbar und Henny Kusters Pension dürfte eine gute Adresse für einen Besuch dieser Insel sein – mit oder ohne Boot. Und wir werden Sao Nicolau garantiert nie vergessen – versprochen, Henny! |
