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Karte gross
Der "lange Schlauch" nach
St. Petersburg

Tipps für Abenteuerlustige

von Uve Schulte
E-Mail: uveschulte@nord-com.net

Wegen der langen Anreise von Bremerhaven segelten wir zu dritt nicht auf meiner Hanseat sondern charterten in Helsinki eine Benetau 36, (für 5-6 gegenan auf der Unterelbe allerdings wohl weniger geeignet ).

Die Anreise erfolgte mit Billigflieger von Köln, 38 Euro all in hin und zurück da 9 Monate im voraus gebucht, allerdings über 100 Euro für Übergepäck und Taxi Helsinki vom Flughafen jedes Mal 45 Euro.

Visum erhält man direkt von der russischen Botschaft oder eine von der Kreuzerabteilung empfohlene Reiseagentur. Ein kleines Problem ergab sich schon im Vornherein durch den langen Schlauch von über 100sm vom letzten finnischen Grenzposten, wenn man im unbekannten Revier nicht gern nachts segelt oder riskieren will, dass russisch Wachboote bei Dunkelheit und Seegang längseits kommen , denn die Russen haben nach dem 2. Weltkrieg den Finnen im Finnischen Meerbusen aus strategischen Gründen viel Territorium abgenommen und die jetzt russischen Inseln in Richtung St. Petersburg bieten keinerlei "Unterkunft" - ein Festmachen ist dort nicht möglich da Passkontrolle erst in Kronstadt. Weil ursprünglich auch Tallinn auf dem Programm stand hatten wir auch den estnischen Sportbootsatz der estnischen Nordküste dabei; beim näheren Hinsehen erschien uns diese Küste aber als sehr unwirtlich und nur für Notfälle geeignet.

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Docking Russian Style (St. Petersburg)

Die deutschen Seekarten sind ab Kronstadt für Segler ungeeignet, die entsprechende britische ist da schon besser. Für die 20 sm Kronstadt St. Petersburg benötigt man besonders für die Nebenfahrwasser zu den Yachtclubs eine allerdings nur in Russland erhältliche russische Seekarte. Die Einzelheiten über Liegemöglichkeiten in St. Petersburg im Handbuch der KA sind (noch) sehr dürftig. Ein Handbuch über die finnischen Häfen Helsinki bis Kotka kann man in Finnland bestellen - dieses war aber auch an Bord.

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Tricky navigating

Einen Seewetterbericht in unserem Sinne gibt es in Russland nicht. Bis Kotka reichte der finnische Wetterbericht über UKW , allerdings kaum Wetterlage, nur Windvorhersage für 12 und 24 Stunden- wir bekamen ein UKW-Handy mit, gedacht in erster Linie für Kontakt mit den russischen Grenzwachbooten. Bei denen haben wir uns bei Überschreiten der russischen Seegrenze zwar an und abgemeldet, sie schienen aber nicht sehr interessiert und ließen uns in der Folgezeit in Ruhe . Als Kotka nicht mehr zu empfangen behalfen wir uns mit deutschem Seewetterbericht für die nördliche Ostsee (keine Vorhersage für den finnischen Meerbusen da für Deutsche wohl zu exotisch) über Kurzwelle 6005 da kein Navtex an Bord war - einen kurzwellenfähigen Radioempfänger war hatten wir mitgebracht, und in St. Petersburg holte wir uns einen deutschen Seewetterbericht über Internet in einem der besseren Hotels im "business center".

Verproviantierung erfolgte in Helsinki (teuer).
Ein eingebautes GPS war an Bord und sehr nützlich auch in den unbekannten aber vorzüglich betonnten finnischen Schärenfahrwassern . Anstatt uns in die Bedienung des fremden GPS hineinfummeln zu müssen hätten wir aber lieber unser eigenes gewohntes mobiles GPS mitgehabt.

Wir haben auf der östlichsten finnischen Schäre Haasapari südlich von Kotka ausklariert. Da wir bei Morgengrauen um 6 Uhr (Ende August bei deutsche Sommerzeit + 1 Stunde) lossegelten haben wir es bei halbem Wind bis zur Passkontrolle in Kronstadt um 19 Uhr geschafft.

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St. Petersburg Yacht Club

Dort wurden wir von Tanja, von der KA empfohlene Repräsentantin , erwartet. Tatania Bykowa war auch im weiteren Verlauf die Aufwandsentschädigung von 10 Euro/Stunde wert. Sie ist am besten per Email zu erreichen.

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Agent, Vladimir Ivankiev, Anne Brevig and Martin Vennesland on Nor Siglar in St. Petersburg

Die russischen Einreisekontrollen für Yachten habe sich seit 1990 nicht verändert. Offenbar streiten sich nach wie vor verschiedene Behörden über Zuständigkeiten : Passkontrolle in Kronstadt, Zollkontrolle im 20sm entfernten Fährterminal in St. Petersburg . Dank Tanja ging alles recht reibungslos. Am selben Abend also weiter nach St. Petersburg, und zwar durchs Hauptfahrwasser, denn durchs direktere unbefeuerte Nebenfahrwasser wurde es uns zu dunkel. Morgens dort Zollabfertigung nach 4 Stunden Warten , da zwei finnischen Fähren Vorrang hatten. Auch dort von Tanja bestens betreut. Sie spricht fließend deutsch und englisch - bei der Ausreise verkniffen wir uns die Frage , ob sie das etwa beim NKWD gelernt hatte.

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You must know where you are all the time

Die Yachthäfen liegen in den nordwestlichen Vororten, am kürzesten erreichbar über einigermaßen gut betonte Nebenfahrwasser. Der River Yachtclub macht einen unwirtlichen Eindruck, (keine Dusche, aber nur dort Diesel), der Sea Yachtclub in der Nähe , in einem Nebenarm der Newa so groß wie die Lesum, ist nur über ein schlecht bezeichnetes Nebenfahrwasser erreichbar. Von zwei wichtigen Fahrwassertonnen waren nur die obersten 10cm der Spitze beim Passieren zu sehen. So machten unser Kiel Bekanntschaft mit einer halbversunkenen Rohrleitung und beim Rückweg gönnten wir uns lieber eine wiederum von Tanja besorgten privaten "Lotsen" für 50 USD.

Beide Yachthäfen sind rund um die Uhr bewacht .
Unser zweitägiger Aufenthalt wurde von Tanja professionell organisiert. Faszit : dreimal nach Paris , das vierte mal nach St.P. ! Das Wetter versprach umzuschlagen, deshalb nur 2 Tage "vor Ort" wegen des langen Schlauches. Übernachten bei der Passkontrolle in Kronstadt laut Tanja absolut unmöglich, doch eine nette Passbeamtin erlaubte es uns dennoch. Aber bei Ost 3-4 ging es gleich weiter in die Vollmondnacht.

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SY. "Nor Siglar"

Mittags wieder in Haapasari. Große Überraschung- Starterakku leer, offenbar hatte wir den Motorventilator die ganze Nacht laufen lassen. Auch der Lichtakku war zu weit "down" (Icebox). Also durch die enge gut betonnte Zufahrt, Anker klar zum Fallen, wie vor Zeiten beim Segelnlernen ohne Maschine erprobt , Aufschießer misslingt, Ankern verhindert Bruch. Der nette finnische Grenzpolizist Mirko lädt nicht nur den Akku in der Werkstatt, sondern baut ihn auch ein und aus- das wäre schliesslich auch eine seiner Aufgaben. Zehn Euro sieht uns hinterher zur sehr nach Beamtenbestechung aus, aber ein Sixpack Bier kommt gut an.

Zurück nach Helsinki, auf Tallinn verzichtet wegen SSW 5 +, statt dessen 4 Tage Richtung Hankö und zurück, durch ein Schärengebiet ähnlich Ostschweden. Liegeplätze nirgends ein Problem und meistens kostenlos, denn auch hier ist ab 15. August für Einheimische die Segelsaison beendet.

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Anne Brevig and Martin Vennesland

In einem Schärenhafen begegnete uns ein holländischer gaffelgetakelter Wattensegler mit Seitenschwertern. Die wollten anschließend ins finnische Winterlager - seit Finnland zur EU gehört kein Problem mehr.. Sie 2004 hingesegelt du wollen 2006 zurück. Zwischendurch immer mal von Holland nach Helsinki zum Segeln fliegen sei mit Billigflügen ja kein grosses Problem mehr.

Ein wunderschöner interessanter Törn, der zum Wiederhole einlädt. Allerdings hatten wir unverschämtes Glück mit dem Wetter.



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NeDesign

Letzte Änderung / Last change: Dienstag, 13. Dezember 2005