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Unerfreuliches aus Ecuador und von den Galapagos Inseln
von Chris und Herbert ALEX, SY Galileo
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„Unser Schiff schwimmt noch!“ freute sich der Skipper erleichtert, als wir endlich in Bahia de Caraquez aus dem Bus ausstiegen. Vier Monate lang lag nun „Galileo“ an einer Mooring im Rio Chone, während wir nach Europa, Ecuador, Peru und Bolivien reisten. Alles ist in bester Ordnung. Es ist wirklich ein guter Platz, um sein Schiff für längere Zeit unbesetzt zu lassen. Entweder ankert man für 65,- US $ oder man mietet sich eine Mooring für 210,- US $ monatlich vom amerikanischen Besitzer der Marina „Puerto Amistad“ Frank Martin, genannt “Tripp“. Bei diesen Preisen kümmert sich aber niemand um das Schiff während der Abwesenheit der Crew , das kostet extra. Zum Glück hat sich auch keiner mit schlechten Absichten um unser Schiff gekümmert. Wir entschieden uns für eine Mooring aufgrund der starken Strömung, die 2 mal am Tag die Richtung ändert und das Schiff kraftvoll mit sich kräftig dreht. Gleich bei unserer Rückkehr in Puerto Amistad werden wir von anderen Seglern mit „Welcome back“-Grüssen empfangen und ... über das Neueste informiert. Schlechte Stimmung herrscht ! Seit Ende Juni ist das bisher freundliche Ambiente für uns Segler aus verschiedenen Gründen gestört. Eine neue Regelung wurde in Kraft gesetzt: Sämtliche Schiffe mit ausländischer Flagge werden von nun an in Ecuador wie Handelsschiffe behandelt.
Als wir Ende Juli ausklarieren wollten, mussten wir wieder nach Manta fahren, diesmal aber um die Agentur „BOW“ zu beauftragen, unsere Ausklarierung zu übernehmen. Dafür kassierten sie 80 US $. Mit den Kosten für Hafen- und Immigrationsbehörde zahlten wir also jetzt insgesamt 125 US $. Nach der Rückkehr zu unserem Schiff warteten wir nochmals 2 Tage, bis wir unsere Papiere ( „Zarpe“ ) in der Hand hatten, damit wir den Lotsen (30 US $) bestellen konnten und endlich auslaufen durften. Doch mit den unangenehmen Nachrichten war es noch nicht zu Ende! Eine andere neue Regelung sieht mittlerweile vor, daß niemand mehr ohne schriftliche Genehmigung Diesel oder Benzin im Kanister kaufen kann. Angeblich wurde damit geschmuggelt, denn Kraftstoff wird in Ecuador staatlich subventioniert und ist daher recht preiswert. In Bahia gibt es aber für Schiffe keinen anderen Weg, als mittels Kanister Kraftstoff zu bunkern. Andere Segler, die dringend Benzin für ihr Dingi brauchten, um sich z.B. mit Lebensmitteln zu versorgen, warteten schon seit 2 Wochen auf eine Antwort Ihres Antrages. Allerdings war diese Bestimmung recht fragwürdig, denn auf der anderen Seite des Flusses wurden unsere Kanister anstandslos zum offiziellen Preis abgefüllt. Es handelte sich dort um dieselbe Tankstellenkette „Rapsol“. Es war jedoch eine lange Fahrt mit dem Dingi und mühselig, die Kanister über den Strand zu schleppen. Wir brauchten rund 1200 Liter Diesel, bevor wir Richtung Galapagos und Chile Segel setzen wollten. Doch „Tripp“ hatte die Antwort: Er habe eine Genehmigung und könne uns beliefern!... „Doch um mein Risiko zu decken, muß ich den Preis von 1,30 auf 1,50 US $ per US - Gallone erhöhen“ meinte er „damit ist es aber immer noch billiger als in Panama“ und er zählte anschließend mit seinem süffisanten Lächeln unsere grüne Scheine nach... Der Preis an der Tankstelle liegt bei 1,03 US $ pro Gallone. Für manche Leute kommen eben solche neuen Regelungen wie gerufen, um sich die Taschen zu füllen. Er hat jetzt übrigens auch die Genehmigung erhalten, als Agent die Ein- und Ausklarierung für Yachten in Bahia zu erledigen. Gegen gutes Entgelt natürlich. Als letzte Hiobs-Botschaft erfuhren wir, daß es wohl nichts mehr mit unserem Cruising Permit für die Galapagos wird! Bereits Ende März, als wir mit dem Bus durch Ecuador reisten - ein sehr schönes, vielseitiges und sehenswertes Land - nutzen wir unsere Zeit in Quito, um beim „Ministerio de Defensa Nacional“ den Cruising Permit (in Ecuador „Autografo“ genannt) zu beantragen. Wir folgten somit der Empfehlung des Hafenkapitäns sowie dem Rat anderer Segler, die vor uns auf diese Weise erfolgreich waren. Wir wurden von einem Gebäude zum anderen geschickt, bis wir beim „Ministerio de Negocios Maritimos“ jemanden trafen, der Bescheid wußte, bestätigte, dies sei der richtige Weg, und uns die zuständige Person nannte. Voller Hoffnung klopften wir also an der Tür... die Antwort war vernichtend: „Ihr Schiff liegt in der Bucht von Bahia? Dann müssen Sie den Herrn Martin („Tripp“) von Puerto Amistad fragen. Eine Genehmigung mit ihrem eigenem Boot zu den Galapagos zu fahren erhalten sie nur über einen Agenten. Herr Martin wird vermitteln.“ Es war keine Diskussion mehr möglich. Tripp bot uns diesen Service an. Wir beantragten ihn also, uns diese Genehmigung zu beschaffen. Es war ja noch reichlich Zeit, wir wollten erst Anfang August auf den Galapagos sein. Er wollte alles von Johnny Romero der Agentur „Naugala“ (und TO-Stützpunkt) in den Galapagos beschafft werden. Mit dem arbeitet Tripp exklusiv zusammen. Wir zahlten vorab bereits Anfang April 310 US $ (110 $ für den Cruising Permit für 30 Tage und je 100 $ pro Person für den „Galapagos National Park“), wobei wir den 1. August als gewünschten Ankunftstermin angaben. Vor unserer Abreise nach Peru Ende Juni waren die Bescheinigungen noch nicht da, jedoch versicherte uns Tripp, es sei normal, sie würden immer erst in letzter Minute ausgestellt. Nun, Ende Juli, hören wir die nächste Strophe dieses Liedes! Johnny Romero darf kein Permit mehr beschaffen. Er ist in Rechtsstreitigkeiten verwickelt, wobei ihm die Galapagos-Parkbehörde vorwirft, für ca. 30 Schiffe unrechtmäßig Gelder einkassiert zu haben....zur Zeit ist er vor Gericht. „Eine Unannehmlichkeit„ die auch die SY „Enez“ aus Frankreich betrifft“ berichtet Tripp, (Die „Enez“ war schon ausgelaufen.) „Aber kein Problem, Johnny wird sich um Euch kümmern, wenn Ihr in Puerto Ayora (Isla Santa Cruz) ankommt.“ Er konnte uns allerdings keine Papiere oder Garantien dafür geben. „Wir pfeifen auf die Galapagos (...und auf seinen Freund Johnny). Unter diesen Bedingungen wollen wir nicht dorthin, sondern sofort Richtung Chile segeln.“ war unsere Antwort und wir forderten unser Geld zurück. So waren wir sehr erleichtert, als er sich schließlich einverstanden erklärte, uns die 310 US $ zurückzuerstatten. Wir wollten aber trotzdem die Galapagos besuchen. Beim Ausklarieren gaben wir also die Marquesas als Ziel an. Auf dem Weg dahin kommt man ja an den Galapagos vorbei... und uns wird schon etwas einfallen, um dort zu stoppen, dachten wir. Am 28. Juli segelten wir Richtung Isla Isabela, der größten und westlichsten bewohnten Insel der Galapagos, die außerdem als die Schönste gilt. Dort soll der Hafenkapitän kulant sein... Zumindest heißt es so in früheren Segler-Berichten. Sieben Tage später erreichten wir am frühen Morgen die schöne Bucht von Puerto Villamil. Ein Seelöwe kam gleich angeschwommen und ein Pelikan ließ sich auf „Galileos“-Bug nieder, wo er neugierig den Kapitän beim Ankersetzen beobachtete! Welch eine Begrüßung in den Galapagos! Eine einzige Segelyacht lag bereits hier, es war die „Enez“ und wir besuchten gleich ihre Crew, Noel und Rosi, um mehr zu erfahren. Bisher hatte „Johnny Romero“ Ihnen weder das Geld zurück bezahlt, noch irgendwelche schriftliche Genehmigungen ausgehändigt. Er hatte lediglich mit dem Hafenkapitän telefoniert, aber sie wußten nicht, wie lange sie hier noch liegen dürften. Sie mußten bereits wieder Etliches bezahlen - Amtliches sowie Schmiergeld an die Behörden! - Erst später, kurz bevor Sie die Galapagos verließen, hat Johnny Romero Ihnen lediglich nach mehreren Mahnungen die 200 $ Park-Gebühren zurückbezahlt. Wir suchten sofort die Hafenbehörde auf und sofort fiel unser Stimmungsbarometer! „Sie haben kein „Autografo“... also müssen Sie spätestens in 12 Stunden wieder verschwinden“... Das kann doch nicht wahr sein! Wir erzähtlen von unseren fehlgeschlagenen Bemühungen, um den begehrten Permit zu erhalten, wir zeigten die Kopie einer Verfügung für die Galapagos, welche sagt, daß der Hafenkapitän vor Ort einer privaten Yacht mit unter 10 Personen an Bord eine Genehmigung bis zu der Dauer von 20 Tagen für die Versorgung des Schiffes ausstellen kann.... Nichts half! Nach stundenlanger Diskussion - wie gut daß wir Spanisch sprechen - verblieben wir so, daß wir bis Montag warten... wir haben mittlerweile erfahren, daß der Hafenkapitän, Herr Christian Hidalgo, erst am Montag zurück kommt. Wir gaben die Hoffnung nicht auf, denn wir haben in SSCA- und TO-Artikeln über die wohlwollende Einstellung dieses Hafenkapitäns gelesen. Und wir haben Glück! Am Montag, nachdem wir nun dem Hafenkapitän erneut unsere Story erzählt haben, genehmigt er uns die gewünschten 20 Tage! Aber wir dürfen keine touristischen Aktivitäten ausführen. Da segelt man einmal im Leben mit seinem Boot bis zu den berühmten Galapagos-Inseln und darf sich nichts von dieser einmaligen Natur anschauen! Was ist das für eine Welt? Warum machen wir eigentlich diese Weltumsegelung? Um die schönsten Ecken links liegen lassen zu müssen? Einen Tag später kommt ein junger Vertreter der Armada an Bord, füllt ein paar Formblätter aus, schreibt eine Rechnung über 88 $ als Anker- und Radio - Gebühren, sowie für Inspektion und Ausstellung der Zarpe, kassiert das Geld und verläßt „Galileo“ kurze Zeit später. Zwei Tage später werden wir aufgefordert, nachträglich 45 $ als Leuchtfeuer-Gebühr zu zahlen, die vergessen wurde. Alle Gebühren werden wie bei Frachtschiffen nach der Tonnage des Schiffes kalkuliert. Froh, ansonsten in Ruhe gelassen zu werden, zahlen wir, wir wollen ja keinen Ärger. Wir haben insofern Glück, da eine englische Yacht, die auch aus Bahia nach uns hier ankam, bezahlte entsprechend der Bootsgröße die gleichen Gebühren wie wir und darf nur eine Woche bleiben. Was machen wir nun eigentlich hier? Die Inselbevölkerung lebt doch vom Tourismus! Die Einwohner sind uns gegenüber sehr freundlich und ermuntern uns, Touren zu unternehmen. Sie ärgern sich über die gesetzliche Situation, die sich ständig ändert und recht unübersichtlich ist. Von dem vielen Geld, das an die Armada und an die Parkbehörde bezahlt wird, profitieren sie nicht. Ebenso wenig von den vielen Charterbooten, die aus Puerto Ayora - dort blüht der Massentourismus mit Charterbooten! - hierher fahren. Diese Touristen haben „alles inklusiv“ gebucht und lassen also kein Geld auf dieser Insel. Fischen dürfen die Einheimischen in ihren Gewässern nicht mehr, also erwarten sie viel vom Tourismus. Es gibt zahlreiche Hotels in Puerto Villamil, es werden weitere gebaut... Es gibt aber nur wenige Gäste. Nach all der Aufregung genießen wir nun unseren Aufenthalt hier. Das Hafenstädtchen ist sehr gepflegt, man kann sich auch recht gut versorgen. Die Isla Isabela hat Einiges zu bieten und wir versuchen, so viel wie möglich von den vielfältigen touristischen Angeboten der Einheimischen zu nutzen. Wir dürfen uns nur nicht von den Behörden dabei erwischen lassen. Es gibt Gerüchte, wonach die Touristenzahl reduziert werden soll und die Regierung die Gebühren für den Galapagos-Nationalpark auf 300 $ statt 100 erhöhen will... Wer also in Zukunft nach Ecuador und zu den Galapagos segeln möchte, soll sich vorab gut informieren. Private Yachten in den Galapagos sind weiterhin unerwünscht von den Behörden und es gibt noch immer keine eindeutige Regelung. Als Informationsquelle würden wir jedoch nicht unseren TO-Stützpunkt empfehlen. Wir haben noch 10 Tage hier und wollen dann Richtung Chile segeln. Wir haben vor, die Inselgruppe „Juan Fernandez“ zu besuchen. Anschließend wollen wir nach Valdivia und später in die Kanäle von Patagonien weiter segeln. Dort soll es eine Freude mit den Behörden sein - hören wir von allen Seglern, die Chile schon besucht haben. Wir freuen uns schon darauf. |
