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TANNA ISLAND ND /Vanuatu
von H. Peter Schneider, Katamaran " AHU"
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Mit einem nicht sehr erfreulichen Ascheregen im Hafen von Lautoka und einer aufregend-beängstigenden Berg- und Talfahrt durch die unerwartet steilen und mindestens über eine halbe Meile verlaufenden 3-4m hoch türmenden Wellenberge der Gezeiten-Kabbel des Wilkes-Passes segeln wir durch Fijis Aussenriff westwärts nach Vanuatu.
Knapp 500 Seemeilen trennen Fiji von Vanuatu-Archipel, wie sich heraus stellt für uns kein gemütlicher Trip mit Passatwinden, sondern grösstenteils ein Am-Wind-Kurs mit Wind wie ihn der Kat nicht gerne hat und sehr unrhythmischem Seegang, der uns ganz schön hoppeln lässt. Der anfängliche Starkwind dauert nur bis in die Nacht an, dann werden zumindest die Windbedingungen handiger, die See immer noch zu rauh zum angenehmen Segeln. ![]() Tanna- Port Resolution- AnkerplatzAm Sonntagmorgen laufen wir nach einer schönen Nacht, 2-fach gerefft, auf der Wartespur, um nicht bei Dunkelheit in Tanna anzukommen, auf Port Resolution zu. Dieser Naturhafen am SW-Kap von Tanna hat seinen Namen von Captain Cook, der hier mit seinem gleichnamigen Schiff auf seiner 2. Pazifikexpedition ankerte. Wir haben zwar Navionics-Kartenmodul und Maxsea-Karten, doch sind darauf kaum Details zu erkennen. Die hervorragende interaktive Karte Vanuatus, Tusker Cruising Guide, gibt uns Ansteuerungskoordinaten, zeigt allerdings die Traumbucht geografisch falsch ausgerichtet, was für Verwirrung sorgen kann.Wir haben optimale Bedingungen mit leichtem SE-Passat und können in aller Ruhe die Einfahrt zwischen dem an bb auslaufenden Riff und den Untiefen, die der Küste an stb vorgelagert sind, ansteuern. Von E, also Fiji kommend, ist vorderhand keine Bucht zu erkennen, sie öffnet sich dann aber ganz überraschend und wunderbar einladend. Wir erkennen zwei vor Anker liegende Yachten in dem völlig geschützt liegenden Naturhafen. Seit James Cooks Entdeckung vor beinahe einem Vierteljahrtausend hat sich der Ankergrund durch vulkanisch-sismische Veränderung gehoben, sodass wir heute auf 5 m Wassertiefe ankern. Die Bucht ist sehr geräumig, der Grund besteht aus schwarzem Vulkansand und Asche, ist relativ hart und verlangt sorgfältiges Einfahren des Ankers. Ein Teil des Naturhafens ist Korallengrund und wird bei Niedrigwasser sehr flach, kommt deshalb zum Ankern nicht in Frage. Um uns ist ein Paradies. Natur pur mit Regenwald der die nördlich von uns Richtung Vulkan sanft ansteigenden Küstenhänge bedeckt, Palmen- und Bananenhaine entlang des weiten Strandgürtels, an dem ein paar wenige Palmwedelhütten erkennbar sind. Auf dem Hügelvorsprung im E unseres Ankerplatzes machen wir ein wunderbar uriges, aus Naturwerkstoffen gebautes Gebäude, den Yachtclub, aus, er scheint aber nicht sehr stark frequentiert zu sein und erst bei genauerem Zusehen entdecken wir die Ladies, die hier Mahlzeiten und Drinks, aber auch Unterkunft in einfachen Bungalows oder Zelten offerieren.
Der Naturhafen strahlt eine magische Faszination aus, Jacqueline und ich sind beide wie betört von dieser Idylle, dabei spielt sicher die Euphorie über eine sicher und ohne Probleme geschaffte Überfahrt, der Schlafmangel und der Zauber von Port Resolution eine wesentliche Rolle. Wir erhalten bald Besuch von einem authentischen Auslegerkanu und einem jungen, sehr gut aussehenden Mann, Patrick. Er heisst uns willkommen und erklärt ein wenig wie dies hier läuft mit Einklarieren, Vulkan-Besteigen usw. Später bringen uns zwei Buben im outrigger einen Korb voll Früchten, Gemüse und Kokosnüssen als Geschenk, die wir mit Keksen für das Kind und ein-zwei Liter Benzin für ihren Generator an Land erwidern. Alle Eingeborenen-Boote sind durch die Bank stilechte Outrigger Kanus, aus einem Baumstamm gehöhlt und per Paddel bewegt. Die Leute sind unaufdringlich und freundlich, offensichtlich gewöhnt per Tausch "Business", wenn man es denn so nennen darf, zu betreiben.
Wir besuchen per Dinghy die beiden amerikanischen Yachten, denen wir beiden schon früher begegnet waren. Die hochwertige Hylas "Morning Light" laboriert schon wieder (zum 3. oder 4. Mal) an ihrem Mastervolt-Generator, für dessen Reparatur sie schon über 10.000 $ ausgeben mussten. Bill' Wauquiez "Airstream" bekam beim Einholen der Schleppangel eine Genuaschot in den Propeller und leidet jetzt an einer Leckage der Propellerachsen-Führung, die sie durch Kranen in Port Vila untersuchen und dann reparieren wollen.
Stanley, offensichtlich das touristische Faktotum von Resolution, kommt am Nachmittag, auch per Auslegerkanu, und wir verabreden uns für die Fahrt nach Lenakel, der Hauptstadt an der Westküste, zum Einklarieren. Er nennt auch klipp und klar die Kosten (hier grob in € umgerechnet): 2 mal 2-Stunden Fahrt quer über die Insel auf der sehr harten Pritsche eines Misubishi-Pickups 15.-/Person, Einklarieren bei Immigration, Health und Customs-Office ca. 70.-/Schiff, auf Wunsch Exkursion zum Vulkan Yasur 25.-/Person. Geld wechseln, die Währung heisst Vatu, ist nur mit Bargeld bei der National Bank of Vanuatu in Lenakel möglich. Dort werden fast alle Arten von Bargeld gewechselt, selbst pazifische Francs, aber keine Abhebung mit EC-, oder Visakarte ist möglich. Montagmorgen treffen wir uns um 7 Uhr, - dummerweise hatten wir nicht beachtet, dass Vanuatu eine Stunde Zeitunterschied zu Fiji hat -, im Dorf Resolution mit Stanley, der uns begleitet, dem jungen Fahrer, Bill und Janet von "Airstream" sind mit von der Partie, und 3-4 Einheimische. Es ist eine sehr reizvolle Fahrt quer über Stock und Stein im wahrsten Sinn des Wortes. Fantastisch die Aussicht, ein Erlebnis unsere Piste, -sehr holprig und staubig, und äusserst strapaziös für unsere Hinterteile. Es ist erstaunlich kühl so früh am Morgen, gut dass Stanley uns zu Windjacken und Pullover und einem Sitzkissen geraten hat, wir brauchen das unbedingt. Der Höhepunkt ist als wir zu Füssen des Mt. Yasurs duch Vulkanasche-Felder rasen, ein neues Fahrerlebnis und umwerfende Blicke zum Kegel aus Asche sind diese Fahrt schon wert. Lenakel ist der Hafenort, -Städtchen wäre übertrieben -, an der Westküste. Theoretisch könnte man besser per Boot hierher kommen um einzuklarieren, aber die Anchorage ist nicht zu empfehlen, nicht einmal heute bei guten Bedingungen möchte ich hier anlegen oder ankern, es ist zu unruhig, und der Korallenküstengrund verspricht Probleme beim Ankern. Die Behörden sind alle sehr freundlich und unkompliziert, wir erhalten ein Permit bis Port Vila, müssen dort uns bei Customs melden bevor wir weitere Vanuatu-Inseln anlaufen. Im Unterschied zu anderen Pazifik-Ländern – wo diese Formalitäten gratis sind (ausser auf den Galapagos) - lassen sich die Authorities hier gut bezahlen. Dafür gibt es auch einige Papiere zum Ausfüllen. Wir haben noch Zeit über den Markt im Freien, der Montag und Freitag stattfindet, zu wandern, Das Gemüse kostet etwa doppelt so viel wie in Fiji, ist denn auch von exzellenter Qualität. Wir finden aber kein Cafe oder Restaurant um uns vor der Rückfahrt zu stärken, so kommt der Bananen-Büschel, den uns der Customs-Officer schenkt, sehr gelegen. Lenakel ist ein wie ausgebreitetes Dorf, wir sehen unter anderem ein Gerichtsgebäude ohne Seitenwände, wo gerade Recht gesprochen wird, der Richter mit Perücke nach altenglischem Vorbild, Die Anwälte in schwarzem Talar. Zurück in Resolution ist mein Allerwertester wie Hackfleisch und schmerzt, aber die Fahrt war ein bleibendes Erlebnis. Ganz unerwartet die Vielzahl von äusserst ursprünglichen Dörfchen im Regenwald oder auf Lichtungen, die vielen, vielen Kinder, die Freundlichkeit mit der wir gegrüsst und willkommen geheissen werden, auch von den Autoritäten. Viehzucht und Landwirtschaft sind die Basis der Wirtschaft, in unserer Bucht wird auch gefischt, doch sehr Fisch-schonend mit einfachsten Mitteln. Sustenance-Wirtschaft hautnah. Soweit also mein erster Eindruck von Tanna, einem Südsee-Juwel fernab der viel befahrenen Coconut-Route. Dass hier noch bis ins 20.Jahrhundert Kannibalismus stattfand, dass noch heute Zauber und magische Kräfte wesentlich die Bevölkerung im Bann hält, erkennen wir als Touristen nicht. Die Hauptattraktion der Insel Tanna ist der Vulkan Yasur, den wohl alle Yachties und Weltenbummler erleben wollen. Mit dem Pickup kommen wir nach halbstündiger, holpriger Fahrt knapp unterhalb des Kraters an, hier sind schon ca. 30 andere "Vulkanologen". Eine Viertelstunde Aufstieg auf gut markiertem ansteigendem Pfad bringt uns an den oberen Kraterrand. Schon während des Erklimmens von Yasur lädt er unzweideutig seine grollende Stimme erschallen, die Erde vibriert unter unseren Füssen. Der Kraterrand gibt dann den Blick frei in den Schlund, wo Feuer und Rauch für höllische Atmosphäre sorgen. Periodisch im Abstand von etwa 10-15 Minuten kommt es zu einer mit mächtigem Donnerschlag angekündigten Eruption. Dabei werden Feuermassen, Lavabrocken und Unmengen von Sand und Asche in die Luft katapultiert, die uns Beobachtern glücklicherweise wegen des konstant wehenden Passatwindes nicht gefährlich werden. Ein tolles Erlebnis, sind wird doch nur vielleicht 200m über dem glutroten Vulkan-schlund. Nirgends wo in der Welt soll der Zugang zur Quelle dieser Urkraft unserer Erde so nahe möglich sein wie hier, gigantisch. Erst spät nach Einbruch der Dunkelheit treten wir den Abstieg an, es hat sich gelohnt, war ein Erlebnis, das uns auch verstehen lässt, dass Yasur bei den Eingeborenen tabu (heilig, verboten) war. Die Mythologie sagt, dass im Krater 5000 Krieger versteckt liegen, die sich bereithalten auf Befehl von Yasur den Kampf aufzunehmen. |