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Der Jemen, ein lohnender Stopp auf dem Weg ins Rote Meer

von Sybille Uehr, SY. SUBEKI
E-Mail: entfernt (Webmaster)

Am 14.3.2006 fällt unser Anker vor der Prince of Wales Pier in Aden/Jemen zwischen 20 anderen Yachten.

Wir waren in einem kleinen Konvoi von drei Booten von Oman, Salalah, kommend hierher gesegelt und hatten eine fast „uneventful passage“, so wie man sich das wünscht (siehe auch www.bobbyschenk.de, “Piratengefahr und Abwehr“). Die meisten Boote, die hier vor Anker liegen gehören zur Ralley, Vasco da Gama, die das Rote Meer von Nord nach Süd durchquert hat und weiter nach Indien, Cochin, will. Leider sind zwei der Boote im Roten Meer auf ein Riff gelaufen, konnten aber wieder repariert werden und es gab einen Totalverlust durch einen Elektrobrand. Vom Timing her finden wir eine Nord-Süd Ralley jetzt als zu früh, erst ab Juni hat man verlässlichen Nordwind.

Einklarieren läuft hier wie am Schnürchen und man muss weder einen Agenten bezahlen noch irgendwelche Schmiergelder oder Zigaretten bereithalten. Wir unternehmen einen Ausflug auf den Basar. Hier gibt es keine Touristen und schon gar keine europäischen Frauen! Bleibe ich stehen, um etwas anzuschauen, bildet sich eine kleine männliche Menschenmenge und versucht einen Blick auf mein natürlich unverschleiertes Gesicht zu werfen. Es wird besser, als ich meine Kamera zücke und sie auffordere sich für eine Aufnahme zurechtzustellen, auch Christian muss dauernd Gruppenphotos machen, was allen offensichtlich mordsmäßig Spaß macht.

Es ist fürchterlich dreckig und sehr exotisch! Bald haben wir von dem kleinen Aufruhr, den wir verursachen, genug und finden eine Art „Wienerwald“ mit Brathähnchen. Wir bekommen sogar Bestecke (alle anderen essen mit den Fingern) und es werden unaufgefordert ein paar Wasserflaschen geholt, damit wir uns nicht an dem Leitungswasser die Mägen verderben. Auf dem Rückweg besuchen wir eine 1000 Jahre alte Zisternenanlage, in der das Regenwasser von den Bergen aufgefangen und in die Stadt geleitet wurde und wird, ein gewaltiges Bauwerk!

aden01.jpg 300x225 Am nächsten Morgen besteigen wir, zusammen mit unseren amerikanischen Freunden Janie und Phil von der Segelyacht TSOLO, den Bus nach Sana, der Hauptstadt des Jemen. Dort gibt es eine berühmte Altstadt, die vor etwa 700 bis 1000 Jahren aus Lehmziegeln gebaut wurde. Die Häuser sind bis zu 7 Stockwerke hoch, reich verziert und haben bunt verglaste Fenster. Auf der langen Fahrt sehen wir, der Jemen ist unglaublich dreckig. Plastiktüten fliegen überall herum. Doch dort, in Sanas weltberühmter Altstadt, auch als UNESCO World Heritage geschützt, gibt es Kopfsteinpflaster und alles wird pikobello sauber gehalten.

Wir wohnen ausgezeichnet und preiswert in einem der alten Häuser, dem Arabia Felix, das zu einem eigenwilligen Hotel umgebaut wurde, mit niedrigen Türen und Badezimmern, in denen man manchmal kaum aufrecht stehen kann. Der Manager führt uns Deutsche als erstes zu einem Photo von Gerhard Schröder, der hier mal mit seiner Entourage abgestiegen war. Im Zentrum der Altstadt gibt es einen riesigen Basar, den Souk, wundervoll! All die Düfte des Orients findet man hier, es gibt die Gasse der Schumacher, der Schmiede, der Schneider, der Gewürz und Rosinenhändler usw.

aden02.jpg 300x225Man sieht vor allem Männer auf der Straße, 90% in dem traditionellen, langen weißen Gewand mit Turban, reich verziertem breitem Gürtel in dem vorne ein gewaltiger Dolch, die Jambia, steckt. Man(n) trägt hier Dolch wie bei uns Schlips. Unser Freund Phil wird von zwei alten Männern verfolgt, die ihm unbedingt Dolche verkaufen wollen und drei Schneidern, die Arme voller weißer Kaftane. So werden Christian und er nach langem Feilschen schließlich unter dem beifälligen Gejohle der Einheimischen, zünftig eingekleidet. Die Waffensammlung wird um weitere Schmuckstücke erweitert und abends gibt es dann eine Modenschau unter der hilfreichen Mitwirkung der einheimischen kaftanbewandeten Gäste.

Ein Mitfahrer aus dem Bus ruft uns an und lädt uns zum Tee ein. Er hat eine kleine Druckerei. Sein Sohn möchte nach Neuseeland auswandern und hat schon ein Visum. Unsere beiden Amerikaner tragen ihre Staatsbürgerschaft in der arabischen Welt nicht gerade vor sich her und man hält sie hier für Neuseeländer, dem sie auch nicht widersprechen. So hofft unser jemenitischer Freund in selbstverständlicher arabischer Manier, dass Phil nun großzügig seine Gastfreundschaft anbietet. Der ist erst etwas verlegen, fasst sich aber schnell und gibt zahlreiche gute Tipps zur Immigration nach Neuseeland und bedauert sehr, dass er nicht mehr tun kann, da er ja noch einige Jahre auf Weltumseglung sei.

Die wenigen Frauen sind von Kopf bis Fuß in die schwarze Burka gehüllt und es gibt überall Bettler. Ab Mittag verschwinden die Männer und kaufen sich Kat, das sind die Blätter einer Pflanze, die hier auf den Feldern fast ausschließlich angebaut wird. Sie werden gekaut und in einer Backe gesammelt, die dann enorme Ausmaße annimmt. Uns wurde gesagt, der Saft gibt ihnen ein wundervoll starkes Ego, sie fühlen sich selbstbewusst und die meisten sinnieren in irgendeiner Ecke. Erst gegen 16h wachen sie wieder auf und das Leben beginnt wieder ganz langsam, gegen 18h spucken sie die grüne Sauce aus und werden wieder normal.

Es dauert 3 Tage, in denen sie sich richtig mies fühlen, wenn sie aufhören wollen Kat zu kauen. Für die Wirtschaft ist das eine Katastrophe und für viele der vielköpfigen, armen Familien auch, denn das Kat ist nicht billig und häufig geht das meiste Geld dafür drauf, so dass die Kinder aus der Schule genommen werden und Geld verdienen müssen.

Aber nach ein paar Tagen zurück in Aden wollen wir weiter. Wetterberichte, Einkäufe, Diesel, bald sind unsere Vorbereitungen abgeschlossen und wir starten Richtung Westen, zum Bab-El- Mandep, dem Tor der Tränen wie es auf Arabisch heißt, dem Eingang zum Roten Meer.



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Letzte Änderung / Last change: Mittwoch, 14. Februar 2007