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Erfahrungen im Roten Meer

von Steffie Schneider, SY Verena III
E§-Mail: steffies@syverena.de

Für das Rote Meer braucht man Zeit!

Epilog:
Das rote Meer ist ein überraschendes Revier – wunderschöne Ankerbuchten, herrliches Wasser und herzliche Menschen. Allerdings benötigt man Zeit, denn gegen den Wind anzukämpfen ist kein Vergnügen. Die sechs Wochen zwischen Bab el Mandeb und Port Said tat uns der Wind den größten Gefallen, wenn er nicht wehte.


Und wieder krachten wir in die Welle, dass es nur so knallte. Dabei hatten wir „nur“ 20 bis 25 Knoten Wind auf die Nase. Wir machten nur noch 3 Knoten und unsere Freunde mit ihrem Stahlboot fuhren schon fast rückwärts. Hätten wir das gewusst, wären wir in der Ankerbucht geblieben. Doch laut Grib-Files waren nur 10 bis 15 Knoten zu erwarten.

Die Grib-Files waren auf den Passagen im Roten Meer nicht zuverlässiger als ein Blick in die Glaskugel. Wir entschieden uns für Ad-hoc-Planung mit Schutzmöglichkeiten für lange, kurze und sehr kurze Schläge. Wehte kein Wind, ging es los. Wehte wenig Wind warteten wir, bis fast kein Wind mehr wehte. Mit dieser Taktik lässt es sich tatsächlich einigermaßen komfortabel bis zum Suez-Kanal motoren. Die Alternative: Kreuzen, wie es richtige Segler tun. Schande über unser Haupt, aber uns war das Frustpotential einfach zu hoch stundenlang von Bug zu Bug zu wechseln und dann nur sieben Seemeilen zu loggen. Da warteten wir lieber. Dass es einen trotzdem immer wieder mal erwischt, damit muss man leben.

Wer Zeit hat, kann dieses an sich interessante und schöne Seegebiet deutlich mehr genießen. Wir mussten allerdings zu einem bestimmten Termin in der Türkei sein. Geplant waren sechs Wochen für die Strecke von Aden, Jemen, bis nach Kemer in der Türkei, und das waren mindestens zwei Wochen zu wenig, die wir vor allem ab Höhe Port Sudan benötigt hätten, als sich der Nordwind konstant durchsetzte.

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Hanish Islands - Major

Wir stoppten auf Great Hanish in den Hanish Islands (sh. Foto). Ob das nun erlaubt war oder nicht konnten wir nicht herausfinden. Unser mühsam vom Hafenmeister in Aden gekritzeltes, äußerst informelles Schreiben an die Militärs dort wurde jedenfalls als unnütz bezeichnet. „Makani“, die einige Tage vor uns in Aden nachfragten, beschied man gleich, dass ein Stopp auf Hanish Islands verboten sei. So unterschiedlich können also die Erlebnisse sein. In diesem Bericht fassen wir, die Crews der Makani und der Verena, deshalb unsere Erfahrungen zusammen.

hanish-island.jpg 450x386Hanish Islands, Jemen
Am Ankerplatz von Great Hanish Island kam eine Entourage von fünf Militärs ans Boot. Man begrüßte uns herzlich und fragte, ob wir Lebensmittel benötigen würden. Die vulkanische Insel erinnerte uns etwas an La Graciosa, nördlich von Lanzarote. Ganz begeistert waren die Männer von unserer Kamera. Ob wir sie fotografieren und das ausdrucken könnten? Ein Militär-Jeep kam heran und wir durften einsteigen. Inselrundfahrt? So richtig wussten wir nicht, was nun mit uns passieren sollte. Entführung? Wohin auf dieser kleinen Insel? Das schlossen wir also aus. Vor allem weil sich ein Kollege mit der Kalaschnikow brav auf unser Beiboot setzte, um es zu bewachen.

hanish-dinghi.jpg 300x303Dinghi Taxi
Vor wem, fragten wir uns, nachdem nur Militärs und Polizei die Insel bewohnen. Gut zehn Minuten später hielten wir an einem Strand und die Jungs setzten sich in Positur. Wie eine Meerjungfrau räkelte sich einer für das Foto auf dem Felsen. Sogar seine Kat-gefüllte Hamsterbacke (das Kraut, das hier jeder kaut und die Männer aussehen lässt, als hätten sie einen Tischtennisball im Mund) hatte er entleert. Jeden Tag kamen die Männer zu uns an den Strand, zur Unterhaltung. „We will miss you“, meinte der Major, als wir wieder weiterfuhren.

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Die Makani-Crew, Monika und Felix Seidel, segelten derweil nach Massawa, Eritrea. Eritrea gilt als eines der ärmsten Länder der Welt mit ärmlichen Hütten in der Nachbarstadt und einem kärglichen Angebot auf dem Markt.

Die einst schönen Häuser mit Arkaden aus der italienischen Kolonialzeit sind herunter gekommen, die Zerstörungen des Unabhängigkeitskrieges zeigen die Ruinen des Rathauses und des Gouverneurspalastes deutlich. Aber im Gegensatz zum Jemen war alles sauber und die unbefestigten Straßen wurden sorgfältig gekehrt. Die beiden wollten mit dem Bus in die 110 km entfernte Hauptstadt Asmara. Ein Einheimischer bewachte derweil die Makani.

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Asmara

Vor der Busreise waren einige bürokratische Hürden zu überwinden: Besuchervisum bei der Immigration (40 US $ pro Person), Reisegenehmigung beim Tourismus Ministerium und Genehmigung der Sicherheitsbehörde. Sie begannen die Behördentour um 7:30 Uhr und schafften tatsächlich den 11:30 Uhr Bus nach Asmara, für 35 Nakfa (ca. 1,50 Euro). Vier Stunden ging es durch fruchtbare Täler, an grünen Berghängen entlang, und zum Schluss, vier Stunde später, in Serpentinen hoch auf das in 2450 m Höhe gelegene Hochplateau von Asmara. Asmara, das ist Italien mitten in Afrika, mit vielen schönen Gebäuden im italienischen Baustil.

An manchen Geschäften stand noch der italienische Name, z.B. "Casa di Fromaggio". Auf der mit breiten Palmen gesäumten Harvat Avenue gab es viele Boutiquen und schöne Cafes. Man hatte nicht den Eindruck, in einem armen Land zu sein.

Sudan
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Die Verena-Crew ließ Eritrea beiseite. Die Tanks waren seit Al Mukalla voll, in Massawa gab es nach Aussagen von Booten, die gerade die Strecke die umgekehrte Richtung gefahren waren, keinen Diesel und die Armut schien doch ihren Tribut bei den Seglern zu fordern. Ein paar Boote, die wir kannten, hatten jedenfalls ungebetenen Besuch an Bord. Das ließ uns weiterfahren, direkt nach Khor Nawarat im Süden des Sudan, wo auch die Makani einen Tag später eintraf. Für uns war es die erste Lektion in Sachen Riffnavigation im Roten Meer.

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Ankerplatz Khor Shinab

Unsere Versicherung schloss explizit das Rote Meer aus, nicht den Golf von Aden – das gibt zu denken. Vermutlich sind es die Riffe, nicht die Piraten, die den Versicherern Sorgen machen. Nach zwei Uhr nachmittags wird es immer schwerer in die mit ihren Einfahrten westlich gelegenen Marsas und Khors zu navigieren. Wer morgens zu spät fährt, hat das gleiche Problem umgekehrt, selbst wenn man der aufgezeichneten Route am Chartplotter folgt. Die elektronischen Seekarten waren nicht ganz verkehrt, doch ganz genau auch nicht und sind für Riffnavigation sowieso nicht geeignet. Wir verließen die Ankerbuchten immer kurz vor Sonnenaufgang, da war das Licht am besten. Wir waren für Khor Navarat etwas zu früh dran, allerdings sind die Durchfahrten relativ weit und es lagen auch keine hinterhältigen Korallenköpfe im Weg, die nicht im Red Sea Pilot beschrieben gewesen wären. Wir ankerten an der Innenseite der Farrajin Insel (Gazeirat Kalafiyya).

Wir, die Verena-Crew, entschieden uns sowohl Suakin als auch Port Sudan links liegen zu lassen, uns die Formalitäten und Agentengebühren zu sparen und stattdessen gleich stetig nordwärts zu segeln und eventuelle Formsachen im Sudan bei Bedarf zu regeln. Makani stoppte dagegen in der sudanesischen Hafenstadt Suakin.

g-earth.gif 79x30 Die Einfahrt in den Inneren Hafen von Suakin war ziemlich spannend, denn das Fahrwasser war an der engsten Stelle gerade mal ca. 10m breit, und als das Echolot auf nur 3,5m Tiefe sprang, ging Felix’ Puls entsprechend nach oben. Obwohl die Sicht wegen der tief stehenden Sonne ungünstig war, gelang dank der guten Peilangaben im „Red Sea Pilot“, der Segler-Bibel für das Rote Meer (Imray, ISBN 0852885547), alles problemlos und die Makani ankerte später direkt neben den Ruinen von Alt-Suakin. Am nächsten Morgen kam Agent Mohammed an Bord und übernahm das Einklarieren. Das verschlang satte 130 US Dollar – ein Beitrag zur Entwicklungshilfe. Er füllte auch die Diesel-Kanister (0,7 Dollar/ltr).

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Nur noch Ruinen, Alt-Suakin, Sudan.
Die Ruinen von Alt-Suakin verfallen immer mehr, und bis auf das Stadttor, die zwei Minarette und das Hotel sind von den anderen Bauwerken nur noch Steinhaufen übrig. Die Einwohner leben in armseligen Hütten, aus Holz, Wellblech und Deckeln von Ölfässern zusammen gezimmert, ohne fließendes Wasser und ohne Kanalisation. Das Leben spielt sich hauptsächlich auf dem großen Markt ab, auf dem vom Dromedar bis zu Kleidung und Obst und Gemüse alles gehandelt wird. Monika bezeichnete das Straßenbild als "biblisch", mit den Männern in traditionelle Galabejas gekleidet, oft mit einem Schwert auf den Rücken geschnallt, den (wenigen) Frauen in bunte Gewänder gehüllt und den Wasserverkäufern mit ihrem Wasserfass auf dem Eselskarren. Mit dem Bus ging es nach Port Sudan, der Stadt, die den Untergang des einst blühenden Suakin herbeigeführt hat. Port Sudan ist eine 2-Millionen Stadt und hier gibt es Geschäfte, Supermärkte, Banken und Hotels und einen betriebsamen Container-Hafen. Auf dem Markt konnte man ausreichend Obst und Gemüse für eine längere Zeit ohne Einkaufsmöglichkeiten erstehen.

Von Suakin ging es für die Makani zum Wrack der Umbria, kurz vor Port Sudan. Der vom Kriegsbeginn überraschte Kapitän setzte den italienischen Munitionstransporter damals kurzerhand auf Grund, damit die Ladung nicht in Feindeshand fiel. Das Wrack liegt nun in 25 bis 30m Tiefe, steuerbordseitig nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche. Der Ankerplatz direkt neben dem Wrack war etwas unruhig, deshalb zogen Felix und Monika für die Nacht den Hafen von Port Sudan vor. Am nächsten Morgen, als die 24 Taucher des in der Nähe ankernden Tauchsafari-Boots wieder aus dem Wasser waren, hatten sie das von Korallen überwucherte Wrack für sich allein.

Beim Hissen des Ankers wurde die Winsch etwas überstrapaziert, am nächsten Ankerplatz im Sanganeb Reef gab sie ihren Geist auf: Motor durchgebrannt. Von nun an mussten die beiden ihre Ankermanöver mit Hilfe der Ankerkralle von Hand mit einer Winsch im Cockpit erledigen, eine kräftezehrende Angelegenheit.

Die gesamte sudanesische Küste entlang bieten sich Ankerplätze in Form von ins Land reichenden Lagunen oder Wasserarmen, den Khors und Marsas. Ab und an erschienen uns die Ankerplätze enger als im Red Sea Pilot angegeben und wir fühlten uns nicht wohl, so nahe am Riff, vor allem, wenn Wind und Sand mit 25, oder auch 35 Knoten, über das Boot pfiffen. Mit schlechter Sicht und wenig Platz neu zu ankern oder gar die Marsa wieder verlassen zu müssen, darauf hatten wir wenig Lust. So suchten wir uns immer vorab zwei oder drei Ankeralternativen und fuhren den Anker immer sauber ein.

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Frau in Muhammad

Während Makani noch in Port Sudan weilte, segelten wir die äußere Route entlang nach Norden. Der Wind steigerte sich entgegen der Wettervorhersagen auf 25 Knoten. Nur Muhammad Qol schien geeignet zwei Boote, die Verena und unsere holländischen Freunde von der Tradewind, aufzunehmen - ein Ankerplatz direkt vor einem Fischerdorf. Gerade dort wollten wir nicht hin, da von Militär-Präsenz die Rede war. Schließlich wagten wir es doch. Wir ankerten direkt vor dem Dorf. Keiner nahm Notiz von uns. Stunden später fuhren wir an Land und wurden vom Polizisten/Militärvertreter und einer Schar neugieriger Kinder empfangen. Keiner bettelte uns an oder wollte Papiere sehen. Stattdessen lud man uns zum Dorfrundgang ein. Es waren Nomaden, die ansässig geworden waren, und aus allem was sie zur Verfügung hatten Hütten bauten: Holz, Blech, Autoreifen, etc. Die laut Red Sea Pilot vorhanden Proviantierungsmöglichkeiten gab es nicht, bis auf ein paar Zwiebeln. Generatoren versorgten das Dorf mit Strom und Satelliten-Fernsehen, aber ansonsten war die Armut überall sichtbar. Deshalb brachten wir Lebensmittel, Medikamente für den Dorfarzt und Dinge mit an Land, auf die wir – nun bald wieder im zivilisierten Mittelmeer - verzichten konnten. Gerne hätten wir daraufhin Aishas Einladung auf einen Tee angenommen, doch wir mussten ja weiter. Der Wind hatte nachgelassen und das hieß, Anker auf.

quol.jpg 400x229Für uns war der Stopp in Muhammad Qol jedoch ein absoluter Höhepunkt auf der Reise durchs Rote Meer.

Wir schafften es bis Khor Shinab, eine der uns am meisten beeindruckenden Ankerbuchten im Roten Meer. Es ging weit hinein zum Ankerplatz in der letzten großen Bucht, die allerdings ziemlich „verrifft“ ist. Dennoch ist genügend Platz für mehrere Boote vorhanden. Die Ansteuerung ist recht einfach und auch der Kanal bis zum Ankerplatz breit genug und leicht zu navigieren. Am Ufer zogen tagsüber Kamel-Karawanen und nachts bunt beleuchtete Lastwagen vorbei. Fossile Muscheln finden sich am Ufer zuhauf und wer den Aufstieg auf den 59 m hohen Hügel nicht scheut, wird mit einem herrlichen Blick über die Bucht belohnt. Weitere Stopps waren Marsa Wasi, die uns nicht überzeugt hat, und Marsa Hamsiat, die für zwei Boote genügend Halt und Raum bei einem Sandsturm mit 38 Kn Wind bot. Als wir dann letztlich in der Marsa Umbeila ankerten, ganz nahe an der ägyptischen Grenze, bedauerten wir wieder einmal unseren engen Zeitplan. Das war ein herrlicher Platz. Endlich war auch das Wasser klar und damit herrlich zum Schnorcheln.

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Port Ghalib

Bei uns ging es direkt nach Port Ghalib, dem ersten Einklarierungshafen Ägyptens. Die letzten 20 Meilen waren eine Qual. Der Wind hatte auf 27 Knoten aufgefrischt und bei jeder zweiten Welle krachte der Bug der Verena mit einem Knall aufs Wasser. Sie kamen schräg und von der Seite. Einmal hätte es uns fast einen Delfin ins Cockpit geschwemmt, der auf dem Kamm einer Welle schwamm, deren Wasser sich über uns ergoss.

Makani legte ein paar mehr Stopps ein. Als der Wind auf Nord drehte und auf 25 Knoten auffrischte und man weder segeln konnte noch mit dem Motor dagegen ankam, fanden Felix und Monika in der Foul Bay hinter dem Bodkin Reef zumindest einen vor Seegang geschützten Ankerplatz. Das war bereits in Ägypten. Beim zweiten Anlauf am übernächsten Tag gelang es, das windige Ras Baniyas zu passieren, und es ging zum Dolphin Reef – ein herrlicher Ankerplatz in der Lagune.

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Am Dolphin Reef
Dieses Riff ist ein hervorragendes Tauch- und Schnorchelrevier. Die besondere Attraktion sind die Delfine, die jeden Morgen der Lagune einen Besuch abstatten. Da ist dann Schwimmen und Tauchen mit den Delfinen angesagt. Einmal schwamm Felix eine kurze Zeit mit einer Schule von Delfinen unter Wasser. Als er zum Luft holen nach oben schwamm, begleiteten ihn zwei Delfine ganz nah. Ein begeisterndes Erlebnis, das des Schnorchlers Herz höher schlagen lässt. Wieder setzt starker Nordwind ein und nach 10 sm ist die Fahrt im Abu Galawa Riff zu Ende. Die drei Tage Wartezeit vergeht bei herrlichen Tauch- und Schnorchelgängen schnell. Die Vorräte an frischem Obst und Gemüse waren auch der Makani längst ausgegangen, aber von der neben uns ankernden ägyptischen Motoryacht YASSER bekamen sie ganz unverhofft Nachschub. Der ägyptische Eigner Khaleb lud die Makani-Crew sogar zum Essen ein.

Als die Makani in Port Ghalib eintraf, war die Verena-Crew schon wieder weiter gezogen. In Ägypten ist Port Ghalib mittlerweile der südlichste Einklarierungspunkt. Man läuft einfach den Custom-Pier an, der am Marina-Eingang liegt. Die Mitarbeiter der Marina übernehmen die Abwicklung der Formalitäten. Wir bekommen hier auch das wichtige "Cruising Permit", das uns zum Anlaufen aller ägyptischen Marinas berechtigt, ohne dass neue zusätzliche Kosten anfallen – und das alles zu einem erträglichen Preis. Allerdings sind die Erfahrungen unserer beiden Crews bezüglich der Marina-Qualitäten unterschiedlich.

Die Marina Port Ghalib ist ganz neu erbaut und wurde offensichtlich für die Bedürfnisse von Luxus- und Mega-Yachten ausgelegt, denn diese können alle an dem Hauptpier liegen, während die Fahrtensegler weit von den Marinaeinrichtungen entfernt in einem Seitenarm des Hafenbeckens liegen müssen. Wasser wird bei Bedarf mit einem 200m langen Schlauch angeliefert, es dauerte nur leider mehr als einen Tag bis das freundliche Marinapersonal diesen Schlauch auch ausrollte. Froh ist, wer wie Makani einen Wassermacher besitzt. Zu Fuß sind das Büro und die Marinaeinrichtungen von diesem Standort aus praktisch nicht zu erreichen, wenn man nicht in einem halbstündigen Fußmarschen das ganze Gelände umrunden will. Man muss mit dem Beiboot fahren, wenn man nicht gerade von einem Boot der Marina mitgenommen wird.

Verena konnte mit 2,70 Tiefgang nicht in den Seitenarm einlaufen und blieb am Hauptpier. Wir hatten deshalb servicemäßig keine Beschwerden. Endlich gab es auch wieder ein kühles Bier. Das Hotel im Marinabereich, wo die Makani lag, ließ unsere Kinder zudem gegen eine kleine Gebühr in den Pool. Da war es dann umgekehrt: der Fußweg war uns zu weit, hier mussten wir mit dem Dinghy fahren.

Bier tanken mochte angehen, bei Diesel empfiehlt es sich unserer Erfahrung nach in Port Ghalib nicht. Leider war aber auch einmal unser Sprit am Ende und so mussten wir in den saueren Apfel in Form von 1,15 Dollar pro Liter beißen. Da war das Tanken in Al Mukalla, Jemen doch deutlich günstiger. Allerdings verfügt Port Ghalib über eine schöne Tankstelle, während der Sprit in Al Mukalla aus Ölfässern kam. Einkaufsmöglichkeiten gibt es im nahen Dorf für die Angestellten von Port Ghalib. Wir hatten ein Taxi genommen, aber zu Fuß läuft man schätzungsweise mindestens eine halbe Stunde dorthin.

Ägypten
sei ein Land, in dem jeder nach Bakschisch frage, hatten wir gehört und gelesen. In Port Ghalib nichts von alledem. Alle Angestellten waren sehr freundlich und auch von den Mitarbeitern der Marina wollte keiner je mehr als nur guten Tag sagen.

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Marina Kiriazi im Interconti Abu Soma - Liegeplatz mit Hotelanschluss.

Hätten wir nicht vom TO Stützpunktleiter Safaga, Tom Fankhauser, ein so nettes, ausführliches Email bekommen, in dem er uns die Kiriazi Marina empfahl, wären wir dort nie hingefahren. Die Marina kann als Privatmarina des Besitzers des Interconti Abu Soma Hotels bezeichnet werden. Auf Kanal 16 war keine Anmeldung möglich; niemand ging ran. Nur eine größere Motoryacht, zwei Segelboote und ein paar kleinere Tauchboote lagen an den mit Strom, Wasser und Mooring-Boje ausgestatteten Stegen. „Wir fahren jetzt einfach mal rein“, orderte der Skipper. Und plötzlich war sie da die Hilfe in Form der Crew des Motorboots, das dem Marina-Besitzer gehört. Und kurz darauf lernten wir auch Herbert und Bea von der „SY Constellation“ kennen, vielen bekannt durch seine regelmäßigen Wetterinformationen über Kurzwelle. Bea drückte uns nach Ankunft gleich eine Fliegenfalle in die Hand, wunderbar.

Seit dem Jemen tummelten sich unzählige Fliegen im Boot. Damit war jetzt Schluss. Kiriazi Marina bzw. Interconti Abu Soma war ein Platz, wo wir darüber nachdachten, ob wir das Boot nicht einfach dort lassen sollten für eine Saison. Die Kinder waren glücklich: ein Hotel, dessen Infrastruktur den Marinagästen offen stand, ein riesiger Pool, Kinder-Club, Sauna etc. Fahrtensegeln und doch fühlen, wie im Urlaub, was will man mehr? Noch dazu gab es den Sprit im Tankwagen direkt ans Boot für deutlich weniger als in Port Ghalib. Nur ungern fuhren wir wieder weg, aber unser Feind, die Zeit, saß im Nacken.

Makani stoppte noch in Hurghada, das wir ausließen. Die Gegend um Hurghada ist das Zentrum des internationalen Tauchtourismus, und vor jeder Ferienanlage ankern die Tauchboote. Laut unserem Segelführer soll es hier 1200 solcher Tauchboote geben. Wie lange die Korallenriffe diesen Ansturm wohl überstehen? Die neu erbaute Marina in Hurghada mit ihrem türkisgrünen Wasser war herrlich. Zudem gab es kostenloses WLAN. Zu Fuß waren es nur wenige Minuten in das Stadtzentrum, das alles bot, was ein Fahrtensegler so benötigt: Restaurants, Cafes, Supermärkte, Banken und Bazare. Sogar die Ankerwinsch konnte in einer Elektrowerkstatt repariert werden. Auch die Makani hatte Freude beim Tanken. Die in Kanistern angelieferten 260 Liter kosten nur 60 Euro. An den Straßentankstellen war der Treibstoff steuerfrei und damit sogar noch billiger, aber dieser ist nur für die Einheimischen bestimmt.

Mit ein paar Wochen Zeitdifferenz ging es für uns beide, Makani und Verena, hoch nach Suez. Felix befreite in der Ankerbucht "Endeavour Harbour" das Unterwasserschiff vom üppigen Algenbewuchs. Bei 22 kam Sehnsucht nach dem 29° warmen Wasser der Südsee auf. Bei 20 Knoten Wind wurde es schon ungemütlich. Meist ging es schnell auf 25 Knoten und mehr hoch und die See wurde recht ungemütlich, so ungemütlich, dass wir sogar wieder zurückfuhren in die Marsa Zeitiya, um dort auf besseres Wetter zu warten. Der Wind nahm sogar in der Bucht noch zu, aber der Ankergrund hielt gut und der Schwell war zwar vorhanden, aber erträglich.

Auch Makani erwischte der Wind und sie segelten quer über das Verkehrstrennungsgebiet zur Sinai-Küste, um im Schutz der Riffe gegen den Wind zu motoren. Mit dem letzten Büchsenlicht erreichten sie den Hafen von El Tur.

Wir ankerten noch einmal kurz vor Suez, Nähe Ras Sudr. In einem großen Bereich sind hier angenehme Tiefen von 7 bis 12 Meter und genügend Kreis zum Schwoien. Dann ging es nach Suez, wo Capt. Heebi vom Agenten Prince of the Red Sea, uns an den Steg weist. Makani hatte es dagegen kurz vor dem Ziel noch einmal kräftig erwischt. Innerhalb von nur wenigen Minuten baute sich gegen 22 Uhr ein Nordwestwind von 35 Knoten auf und fauchte durch das Rigg. Nach kurzer Zeit nahm auch der Seegang zu. In der wachfreien Zeit war an Schlaf nicht zu denken. Die Fahrt durchs Wasser war so gering, manchmal nur ein Knoten, dass der Autopilot das Boot nicht mehr steuern konnte.

Die Bilanz nach einer durchwachten Nacht: 14 Seemeilen in 7 Stunden, bis Port Suez waren es noch 34 Seemeilen. Doch dann ließ der Wind nach und auch die Makani konnte schließlich am Steg des Suez Yacht Clubs anlegen. Von dort ging es am übernächsten Tag weiter ins Mittelmeer. Die Preise und Konditionen der Passage würden den Rahmen sprengen, deshalb lassen wir sie aus. Der „Red Sea Pilot“ und der kostenlose Online-Service „Noonsite“ (www.noonsite.com) behandeln das Thema ausführlich.

Autoren:
SY Verena III, Steffie Schneider, Alfred Bauer, Kilian + Isabell Schneider und SY Makani, Monika und Felix Seidel



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Letzte Änderung / Last change: Freitag, 17. Oktober 2008