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Ein Wiedersehen mit Trinidad
und Tobago

SY "Sonnenschein" Ingrid und Timm Pfeiffer
E-Mail : only plain Text!

"Nach vorn geht mein Blick zurück darf kein Seemann schauen" . So oder so ähnlich klang es in dem Seemannslied LA PALOMA gesungen von Hans Albers ,Freddy Quinn.

Und dennoch, gelegentlich müssen Ausnahmen von der Regel mal erlaubt sein, Irgendwann überkommt es jeden Segler mal...: 1998 steürten wir von der Insel Barbados kommend die kleine Karibikinsel Tobago an, die mit Trinidad eine politische Einheit bildet. Unseren Landfall machten wir damals zusammen mit unserem Neffen Hendrik in der Hauptstadt Scarborough. Traumhafte Wochen verlebten wir in den herrlichen Buchten an der Nordseite( Englischman-, Bloody-, Palatuvierbay...). Auf Trinidad waren wir von der der TTYC ­Marina ausgehend lange von der Dynamik und der MusiK des Karnevals gefesselt worden. Nie wieder erlebten wir Menschen mit so viel Musikalität. Es war ein absolutes Highlight.

Ein alter gebrauchter Laptop aus DL wies uns damals den 1.Weg in Richtung Computer und veränderte unser Bordleben entscheidend. Leider gab er seinen Geist schon in Bonaire wieder auf. Schon in Panama kauften wir uns unter Anleitung unseres Freundes Fred SY Lifedream einen nagelneuen Laptop dutyfree. Zwei weitere Käufe folgten im Laufe der Jahre. Viele Segler halfen uns beim Installieren von Airmail, Einrichten von Pactor, Schwarzkopieren von elektronischen Seekarten(C-map, Maxsea) , Speichern von tausenden von Briefen und Berichten, Positionsreporten usw. geholfen. Ihnen gilt unser Dank noch heute.

Wir haben uns bei anderen Seglern für die Hilfe revanchiert und tun es immer noch. Ein Blick zurück ist so heute immer möglich. Sicher erinnert sich der Eine oder andere noch an unser Geschreibsel ( immer noch zu finden unter www.blüwater, in der To-Zeitung oder unserer Vereinszeitung ).

Jetzt -2006- steuerten wir zusammen mit unserem Bruder Onno von Südafrika kommend unsere alte Kurslinie an. Die unendliche lange Strecke von Kapstadt bis zur Karibik unterbrachen wir in St. Helena, Fernando de Noronha und in Fortaleza/Brasilien , von aus wir einen Abstecher an den Amazonos nach Manaus zum Rio Negro machten. Ein immer kräftiger SO /später NO ­wind begleitet von einen stark schiebenden Strom triebt uns teilweise mit 10 Knoten Speed und mehr vorwärts. Selbst die am Ponton von Fortaleza schwer beschädigte Windsteueranlage konnte daran nichts ändern. Am 25.Januar 2006 überquerten wir mit unserer "SONNENSCHEIN" zum 4. mal auf unserer Reise den Äquator.

Wie vor 8 Jahren begrüßte uns auch jetzt wieder ein TROPICAL BIRD morgens vor Little Tobago, etwa gerade dort ,wo sich auf Position 11 ,16 N und 60 19 West unsere Kurse von 1998 und jetzt am 1.2. 2006 kreuzten (s.Foto). wir hatten die Erdumrundung geschafft, konnten es kaum glauben und waren ein bisschen stolz auf uns und wehmütig. Was lag nicht alles hinter uns!: die Karibik, Panama, der Pacific mit Galapagos, den Marquesas, franz. Polynesien, Fiji, NZ, OZ, Indonesien, Malaysia, Thailand, die Malediven, das sagenhafte Chagos, Madagaskar und Südafrika. Das alles hatten wir in nun 8 Jahren auf einem Kiel segelnd hinter uns gebracht! Und nun der erneute Landfall in Tobago /Charlotteville, dem neuen Port of Entry von Tobago.

Wir hatten kaum Zeit das alles zu verdauen: Onno, unser Bruder drängte nach DL. Am 5.2.06 sass er schon im Flugzeug. Wir waren allein, glaubten wir...Kaum war unser Bruder weg, nahmen die deutschen Boote uns unter Beschlag. Sie standen alle an der Stelle, wo wir uns vor 8 Jahren befanden, am Anfang ihrer Weltumsegelung. Unsere Erfahrungen über den Energiehaushalt des Bootes, über Sonnen- und Windgeneratoren, Generatoren allgemein, elektronische Seekarten, Watermaker , die schönsten Ankerplätze, die gefährlichsten Reviere usw. waren Thema mehrere Abende auf den unterschiedlichsten Booten. Wir waren überrascht, über das, was vielen doch noch fehlte oder wie unvollkommen sie ausgerüstet sind. Wir konnten mit vielen Tipps helfen, waren dann aber auch froh, nach fast einer Woche endlich mal die Insel Tobago betreten zu können und mal allein zu sein. Es war schon ein ganz neues Gefühl Bekanntes wieder zu entdecken: Nichts hatte sich glücklicherweise geändert an den herrlichen Ankerbuchten von Tobago, auch wenn wir diesmal wegen des kräftigen NO-windes und dem damit verbundenen Schwell nicht überall hinein konnten. Das berühmte Bucco-Riff ist jetzt tabu für Yachten, die jahrelang mit ihren Ankern die Korallen zerstört hatten, super. Der Dschungel durfte nur an einer Stelle und nur in Begleitung eines Führers betreten werden.

Überall war es sauber, kaum Abfall an den Strassen usw. Natürlich hatte der Tourismus zugenommen. Viele neue Hotels sind entstanden. Die deutsche Condor- Fluglinie fliegt Tobago 2x/Woche an, ebenso BAW. Deutsch ist eine viel gehörte Sprache. Es scheint so, dass die blonden deutschen Frauen sich in die Männer von Tobago verguckt haben und man fragt sich als Mann: "Was machen ich als Deutscher falsch?". Scarborough ist unverändert, nur die Zahl der Autos hat sich vermehrt.

Es gibt schon Staus. Fast jeder fährt ein Auto. Man hat den Eindruck, den Menschen geht es gut. Wenig Armut ist zu sehen, kaum Bettler, die Menschen sind gut genährt, das Essen sehr nährreich, die Menschen und Häuser gepflegt, die öffentliche Gesundheitsversorgung ist kostenlos, ebenso so die Pille und die Kondome. Die Familienplanung scheint in den Köpfen der jungen Menschen angekommen zu sein- mehr jedenfalls als in anderen Ländern unserer Reise.

Die Menschen wissen, dass sie für ihren Luxus arbeiten müssen. Sie sind ernst und selbstbewusst. Das berühmte Liming (Gammeln) ist aus dem Straßenbild verschwunden. Tobago scheint eine reiche Insel zu sein. Der Karneval spielt eine nicht so grosse Rolle wie in TRD. Wir nahmen an einer Steelband Kompetition teil, bei der 13 Bands (z.T. bis zu 150 Pans/Tonnen in einer Band!!!) sich um den Preis der Besten von 6 Mill. TT- Dollar (=1 Mill. USD) bemühten. Wir konnten es nicht fassen, welche Musikalität in der Bevölkerung dieser kleinen Inselstaates steckt.

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Im Februar 2006 standen T+T ganz im Schatten der WM in Deutschland und des berühmten Karnevals. Überall fanden wir T-Shirts mit dem Aufdruck von der WM in Germany und auf jeder Karib Bierflasche prangte ein Exraufkleber I GOING GERMANY . Da blieb einem ja nicht anderes übrig ,man musste sich "opfern"...... Am 21.2.06 besuchte KAISER FRANZ BECKENBAÜR an Ingrids Geburtstag den kleinsten Teilnehmerstaat der WM.

Leider konnten wir Franz B. nicht zum Geburtstag einladen. Tobago war zu weit von TRD.....Er musste weiter nach Mexiko. Zum Karneval nahmen wir von Scarborough am Karnevalsdienstag für 100TT Dollar (=14 Euro) die Fähre um 6 30 Uhr nach TRD und kehrten abends zurück. Wir hatten den Trubel 1998 schon ausgiebig erlebt und wollten dieses Mal nur den Höhepunkt mitnehmen. Ausserdem waren alle Ankerplätze in TRD überfüllt und wir wollten auch die "Höhe" von Tobago für unsere Segelei nach Norden nicht verschenken. Bei den üblichen NO-wind tut man sich da manchmal schwer, nach Grenada zu segeln. Das Risiko wollten wir ausschalten. Natürlich warnten uns alle in dem sicheren Tobago vor der Kriminalität. "Take care" hörten wir überall.

Die Regierung von TRD hatte mit Militär, Überwachungskameras , Polizei , Notfallsteams vorgesorgt. Ein Entführungsring war angeblich gesprengt worden. Wir hatten uns überall in der Welt durchgeschlagen. Warum also nicht!?! Nachdem wir nun alles wieder mal erlebt haben , können wir sagen, es war völlig harmlos. Wir fühlten uns in dem Hexenkessel des Karnevals von TRD total sicher. Überwältigend waren auch diesmal die gewaltige Lautstärke der Soccamusik , die farbenfrohen Kostüme und die Freunde der hunderttausenden von Menschen am rhythmischen Tanz. Normalhörige können hier schwerhörig, schwerhörige taub werden. Begeistert haben uns mal wieder die grossen Steelbandgruppen . Socca bestimmte alles . Wir vermissten den Kalypso.

trini-carneval02.jpg 360x277 Der Rhythmus des Soccas war doch etwas monoton. Dennoch die singende Jugend konnte alles Texte, wir jedoch verstanden nichts.....Trotz der Fröhlichkeit des Karneval, bei dem ja vor der Fastenzeit noch einmal richtig die "Sau" herausgelassen wurde, wirkten doch viele Menschen sehr ernst und nachdenklich. Wir hatten auch hier wie in Tobago den Eindruck, dass es den Menschen viel besser als vor 8 Jahren ging und dass sich ihres jetzigen Wohlstandes bewusst waren. Wir sahen nur wenige, die Alkohol tranken und somit auch keine Betrunkenen. Und das beim Karneval!!! Erschöpft und durstig sassen wir um 5 Uhr wieder auf unserer Schnellfähre nach Tobago. Ein schönes Abendessen und einige KARIK schlossen einen erlebnisreichen Tag ab.

Wie soll es nun weiter gehen? Das fragen uns unsere Freunde und Kinder. Wollt ihr wirklich wieder in die Kälte der Heimat oder bleibt ihr noch eine bisschen in der Karibik? In Trinidad kann man doch so gut sein Boot lassen und nachhause Fliegen!

Ehrlich gesagt, wir diskutieren noch. In unserem nächsten Bericht werden wir hoffentlich uns klarer äußern können. Im Augenblick genießen wir mal wieder die gar nicht so vollen Ankerplätze.

Es grüßt euch alle
Ingrid und Timm von der SY Sonnenschein



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Letzte Änderung / Last change: Sonntag, 05. März 2006