Erfahrungsbericht Windsteueranlage “Royal Double” der Firma SST
von K. Michael Marquardt SY "Innoey" Email: innoey@web.de |
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Die TO-Mitglieder moegen aus unseren Erfahrungen ihre Schlüsse ziehen. Im Jahre 1993 wurde unsere Meinungsbildung zum Kauf einer neuen Windsteueranlage fuer unser 34 Fuss-Schiff, 10 ts Verdraengung, StahlLangkieler, abgeschlossen. Wir hatten bis dahin eine Windpilot “Atlantik” (John Adams), die das Schiff nur sehr maessig steuerte, bis 10 kn Wind gar nicht und ab 20 kn Wind nicht mehr. Fuer eine Weltumsegelung musste etwas leistungsfaehigeres her. Die anerkannt am besten steuernde “Monitor” wollten wir nicht, weil diese kein separates Ruder hatte. Ein separates Ruder glaubten wir als Redundanz zum Hauptruder aus Gruenden der Sicherheit zu benoetigen. Auf der Duesselboot 1993 ueberzeugte uns die “Kaminski” Anlage. Sie schien maschinenbaulich solide aus Edelstahl gefertigt, saemtliche Lager in Bronze und Edelstahl und die Bauteile hatten ordentliche Dimensionen (Ruderschaft 50 mm). Sie besteht aus einer Windfahne, einer Uebertragungsmechanik, einem Servoruder, welches die stroemende Energie des Wassers benutzt, um das Hauptruder der Anlage ueber einen starren Buegel zu legen. Herr Kaminski lieferte die Anlage persoenlich in Wilhelmshaven ab und erklaerte, das diese das Schiff wohl gut steuern wuerde. Bei ersten Erprobungen auf der Nordsee 1993 zeigte sie gute, wenn auch nicht exzellente Steuereigenschaften. Wir begannen unsere Weltumsegelung in Eckernfoerde im Mai 1994. Via Engl. Kanal, Frankreich, Spanien, Gibraltar nach den Kanaren. Bereits nach 2000 sm, Januar 1995, kurz vor Lanzarote, brach erstmalig der Ruderschaft des Hauptuders. Wegen des Sicherungstampens konnte der Ruderschaft und das Ruder geborgen werden. Der Seegang war nie schwerer als Bft 4-5 nach der Petersen-Skala und wir hatten keine hoeheren Windstaerken als Bft 7. In Las Palmas wurde die Welle geschweisst und wieder auf Mass gedreht. Nach weiteren 4000 sm, 1996, zwischen Saba und St. Vincent in der Karibik, brach die Ruderwelle ein zweites Mal, an der bereits bekannten Stelle. Die Welle wurde dann von einer Firma in Trinidad ueberholt, geschweisst und rissgeprueft. Auch bis dorthin hatte die Anlage keinen Sturm oder Orkan zu ueberstehen. Waehrend einer Reise Tuamotus-Hawaii im Mai 2000 brach die Zwinge aus Edelstahl, in der das Hauptruder aus Holz mit dem Ruderschaft verschraubt wird. Provisorisch wurde in Hawaii eine neue Zwinge geschweisst. Im November 2000, waehrend einer Reise von Hawaii nach Vancouver brachen zwei der vier Befestigungspratzen, mit denen die Royal Double mit dem Heck verschraubt wird. Mittels Laschings wurde das Windsteuer gesichert und funktionierte weiter. Waehrend dieser Reise hatten wir tageweise Windstaerke 7 bis 8. Waehrend eines DL-Aufenthaltes 2000/2001 wurden die notwendigen Ersatzteile in Berlin selber abgeholt, da Herrn Kaminkis Organisation keinen Versandt nach Gettorf zustande brachte, obwohl die Teile bereits von Kanada aus angefordert waren und das Schreiben auch dort eingegangen war. Dort wurden Herrn Kaminski auch mehrere Vorschlaege, insbesondere zur Verbesserung der Schmierung und der Justierung der Mechanik, unterbreitet. Auf der Reise von Kanada zu den Marquesas Inseln im November 2001 brach die Ruderwelle ein drittes Mal und ging verloren, weil der Sicherungstampen abschor. Die Anforderung fuer eine neue Welle mit masshaltiger Zeichnung ging im Dezember 2001 heraus und die Firma hat den Brief auch Mitte Januar 2002 erhalten. Danach wurden zwei weitere Briefe und zwei Faxe, fuer letztere haben wir Empfangsbestaetigung, abgesandt und trotz muendlicher Versprechungen, die Ruderwelle und -Pratze im Maerz 2002 innerhalb Deutschlands, nach Gettorf, absenden zu wollen, wurden sie bis Anfang April nicht expediert. Karin sagte Herr Kaminski Ende Maerz am Telefon, als sie noch in DL war und die Teile nach Tahiti hatte mitbringen wollen, er wuerde sie taeglich nach Gettorf absenden, bis zu ihrem Abflug am 03. April trafen sie jedoch nicht ein. Unserer Tochter, Dr. Nathalie Marquardt, die am 20. April von Berlin nach Tahiti flog, erklaerte er am 16. April, er koenne die Teile nicht finden. Mein Bruder suchte dann am 09.Mai die Firma in Berlin auf, holte die Teile dort heraus und versandte sie per Luftfracht nach Tahiti, wo sie am 14. Mai ankamen. Meinem Bruder gegenueber auesserte Herr Kaminski, dass man bei einer 8 Jahre alten Anlage keine Ersatzteile mehr erwarten duerfe. Wenn es sich um ein Transistorradio fuer 200 Mark gehandelt haette, wueder ich ihm beipflichten, aber bei der teuersten Windsteueranlage, die seinerzeit auf dem Markt war, naemlich 7.500 Mark, ist das unhaltbar. Fuer die alte Aries gibt es immer noch Eteile! Aus meiner Sicht liegt die Schadenshaeufigkeit darin begruendet, dass die Firma Kaminski
Aufgrund dieser Erfahrungen gebe ich dem neuen Ruderschaft maximal 3000 sm und plane heute schon, uns in Fiji oder Australien den Schaft, aus Bronze oder Edelstahl, aus dem Vollen neu drehen zu lassen. Saemtliche obige Angaben sind aus unserem Schiffstagebuch bzw unserem technischen Notiz/Tagebuch belegt. Bereits die Logistik dieser Firma laesst die Anlage aus unserer Sicht maximal fuer den europaeischen Mittelmeerraum geeignet erscheinen. Ich muss fairerweise allerdings auch berichten, dass saemtliche Schadteile kostenlos neu geliefert wurden und die Firma SST die letzten Kosten fuer Luftfracht Berlin-Papeete uebernahm. Mit freundlichen Grüßen, K. Michael Marquardt u Karin Steinkamp |
