Karte gross |
Vom Mittelmeer zum Ruhrgebiet über die Kanäle - ein Praxisbericht von Monika Rintelen, Arno Pilger,
|
|
Nach 1 ½ Jahren Segeln auf dem Atlantik und im Mittelmeer mussten wir leider die Heimreise antreten. Da wir auf dem Schiff leben, wollten wir es natürlich ins Ruhrgebiet schippern. Da wir den Sommer noch im Süden nutzen wollten, bot es sich an über Flüsse und Kanäle zurückzukehren. Wir hatten einige Artikel über das Thema gelesen, aber sie waren uns teilweise zu praxisfern. Deshalb versuchen wir im folgenden eine Streckenbeschreibung mit vielen praktischen Tipps zu geben. Unsere Strecke:
Wir empfehlen:
Warum UKW-Funk: Wer ein paar Brocken Französisch kann sollte sich in den Schleusen der Rhone und den Großschleusen der Saone anmelden (ein bis zwei Kilometer vor der Schleuseneinfahrt). Manchmal wird die Schleuse schon präpariert und man spart Zeit. Auf der Mosel ist die Anmeldung sogar Pflicht (gilt aber nur für die Berufsschiffahrt) Aber das Anmelden hat uns sogar geholfen noch hinter Berufsschiffen in die Schleuse zu kommen und einmal haben sie sogar auf uns gewartet, obwohl wir einen Kilometer hinter dem Berufsschiff waren. Auf der Rhone und der Saone (bis St.-Jean de Losne) gelten die Kanäle 20 bzw. 22. Die kleinen Schleusen bis Neuve Maisons haben keinen Funk. Auf der französischen und der luxemburgischen Mosel wird wieder 20 bzw. 22 angefunkt (bis auf die letzte luxemburgische Schleuse "Grevenmacher" - Kanal 18). Nur auf der deutschen Mosel herrscht das organisierte Chaos. Im folgenden die Kanäle der deutschen Schleusen (Stand September 2002):
vor Koblenz
Die Kanäle werden auch über kleine Schilder am Ufer bekanntgegeben. Wir haben unser Schiff mit einem DSC/ATIS-Funkgerät ausgerüstet. Ob dies wirklich notwendig ist, wissen wir nicht. Schleusen: Rhone: 13 Großschleusen, die wir bergauf geschleust haben. Die Schleusen verfügen über Schwimmpoller (außer in Port St. Louis, da sind es aber auch nur einige Zentimeter). Schwimmweste ist Pflicht. Wir haben wie folgt angelegt: mittschiffs an einen Schwimmpoller, dann mit einer Bug- und Heckleine belegt, so dass das Fenderbrett möglichst platt an der Schleusenwand anliegt. Anfangs führten wir die Leinen mit der Hand, aber einmal wurde der Druck so mächtig, dass wir den Bugkorb ein bisschen verbogen. Da haben wir fest belegt, das klappte ganz gut (ist allerdings dann problematisch, wenn der Schwimmpoller sich verkantet und nicht mitschwimmt). Einfahrt wird durch Lichtsignale geregelt. Berufsschiffe haben Vorfahrt, man kann aber in der Regel nach einem Berufsschiff noch reinfahren (Abstand halten). Lediglich bei Gefahrguttransporten muß man warten, das wird über Lautsprecher bekanntgegeben Saone: 5 Großschleusen von Lyon bis St.-Jean de Losne. Im Prinzip das gleiche wie auf der Rhone, aber es gibt keine Schwimmpoller. Man muß umlegen und damit die Tampen in der Hand führen. Dann kommen verschiedene Arten von Schleusen:
Für die französischen Kanäle muß man eine Vignette von der "Vole Navigables de France" kaufen. Verkaufsstellen gibt es in Arles und Lyon (siehe Streckenbeschreibung) Wer von Norden kommt, kann sie bestellen. Es gibt zwei Möglichkeiten:
Streckenbeschreibung: Wir wollten in absehbarer Zeit nach Hause kommen, so dass wir längere Törns planten. Beginn ist in Port St. Louis. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:
Da es uns hauptsächlich um die vorgenannten Informationen ging, hier nur eine kurze Beschreibung der weiteren Strecke: (S= Schleusen, T= Tagestour) Rhone: Arles: T: 44 km, S: 1, teilweise starke Strömung gegenan, in dieser Zeit nur 3,4 km in der Stunde. In Arles ein guter Anlegesteg mit Strom und Wasser. Wir lagen dort 3 Tage umsonst, hörten aber, dass andere Reisende bezahlen mussten. In der Nähe des Steges kann man im Büro der "Vole Navigables de France" die Vignette kaufen. Arles ist sehenswert.
Avignon: T: 67 km, S: 2, die Marina liegt in einem Seitenarm, sehr starke Strömung in diesem Arm. Tip: an der Capitainerie (einer umgebauten Peniche) vorbeifahren und am Kai festmachen. Das ist einfacher, als in die Boxen zu fahren, insbesondere diejenigen, bei denen man mit der Strömung anlegen muß. Preis: 12,70 € pro Nacht. Sehr sehenswerte Stadt. St. Etienne: T: 36 km, S: 2. Der noch in den Karten von 1999 angegebene Steg ist nicht mehr da. Wir machten längsseits eines Wohnschiffes fest. Valence: T: 93 km, S: 4, Öffentlicher Steg - kostenfrei. Audance: T: 40 km, S: 2, Öffentlicher Steg Vienne: T: 37 km, S: 2, öffentlicher Kai, sehr schöne Stadt Lyon: T: 32 km, S: 1, Anleger an km 2 der Saone, direkt gegenüber dem Büro der Flussgesellschaft. Auch hier kann die Vignette gekauft werden. Freies Übernachten. Saone: Die Strömung wird merklich schwächer, waren auf der Rhone (man beachte auch die PS-Zahl unseres Motores) zwischen 5-8,5 Std.km angesagt, waren es auf der Saone 7-10 Std.-km. Macon: T: 67 km, S: 2, Liegen am öffentlichen Kai. LIDL ist nur 500 m entfernt. In einer Parallelstraße zum Ufer gibt es eine Tankstelle, die den Diesel ca. 12 Cent billiger verkauft als die Bootstankstellen. Für uns lohnte es sich schon mit den Kanistern und Karre einige Male hin und her zu laufen. Chalon Sur Saone: T: 62 km, S: 1, Liegen im Yachthafen in einem Seitenarm. Sehr schön. Liegegebühren: 9 Euro Auxonne: T: 77 km, S: 3, Liegen am öffentlichen Kai. Gray: T: 47 km, S: 3. Wir liegen oberhalb der Schleuse in der Marina der Chartergesellschaft Connaiseur. 4 € pro Nacht incl. Strom. Ein LIDL ist ca. 1 km weit entfernt. Port Sur Saone: T: 59 km, S: 9, dazu kommt noch der Tunnel St. Albin, Ampelregelung. Bis zum Canal de l'Est T: 59, S: 17. In Corre bekommt man an der Schleuse eine Fernbedienung. Danach werden die Schleusen wie oben beschrieben bedient. Es klappte gut, aber haltet Euch von Charterbooten fern. Diese können zu Katastrophen führen. Bis Schleuse 18: T: 17 km, S: 16, Hier ist ein Anlegekai um den mobilen Begleitdienst am nächsten Tag zu erwarten. Von hier aus fuhr ein Crewmitglied mit dem Fahrrad mit um beim Öffnen und Schließen der Schleusentore zu helfen. Sparte viel Zeit. Schleuse 9 hinter der Scheitelhalterung: T: 23 km, S: 26, Wir wollten eigentlich nur bis auf den "Gipfel", aber bei Beginn des Abstieges handelte es sich wieder um automatische Schleusen, die wir wieder mit der Fernbedienung handeln konnten. Diese Schleusen konnten bis 18.oo Uhr benutzt werden. Charmes: T: 24 km, S: 22, Kombination von automatischen Schleusen und Begleitdienst. Anlegesteg mit Strom: 4 €. Richardment: T: 29 km, S: 15, kleiner Marinasteg hinter dem Ort, 4 €. Mosel: Pompey: T: 52 km, S: 8. Aus unerfindlichen Gründen durften wir die letzten beiden manuellen Schleusen erst am nächsten Tag nutzen. Danach kommen wieder die Mosel-Großschleusen. In Pompey gibt es einen Marinasteg für 8,50 € mit Toilette und Strom. Wir brauchten allerdings ein langes Kabel (ca. 70 m) um im Toilettenhäuschen Strom zu holen. LIDL in 2 km Entfernung. (über den Fluß und dann geradeaus.) Metz: T: 49 km, S: 4, Schöner Hafen im Seitenarm der Mosel, aber mit 1.60 m Tiefgang sind wir nur knapp über Grund entlanggeschrappt. Sehr schöne Stadt. Trier/Konz: T: 100 km, S: 8, Zwischenaufenthalt in Schwebsingen/Luxemburg". Dort war billiges Tanken möglich (65 C/L., Sept. 2002). 7 km vor Trier konnten wir in Konz festmachen. In Trier selbst ist es schwierig. In Konz kostete die Übernachtung 11 €. Trier ist eine sehr schöne Stadt. Traben-Trabach: T: 94 km, S: 4) Anlegen an einem Steg am Campingplatz, 2 km vom Ort entfernt. 80 Cent pro Meter. Treis: T: 65 km, S: 3, Sehr bürokratischer und teurer Hafen. Nicht empfehlenswert. (Das Schild auf dem vermerkt wurde was alles verboten ist, war sehr sehr groß) Koblenz: T: 38 , S: 2, Bei km 4 ist eine gute Marina, Übernachtung 11 Euro. Von Koblenz aus war es gut möglich bis nach Düsseldorf in einem Tag zu fahren. Wir sind hier der Berufsschifffahrt hinterhergefahren, d.h. bei Ausklappen des blauen Schildes sind wir den entgegenkommenen Schiffen auch Stb. an Stb. begegnet. Fazit: Diese Strecke ist eine gute Möglichkeit das Schiff in akzeptabler Zeit ins Mittelmeer zu bringen oder aber auch wieder zurückzukommen. Eine schöne Tour, die wir aber auch nur gemacht haben, da wir auf dem Schiff leben und es hier deshalb benötigen. Wir freuen uns aber auf den nächsten Segeltörn. |
