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Katamaran "Moonyflower"
Schulunterricht an Bord

Ein Erfahrungsbericht von Raymonda Blume, Bordfrau und Navigatorin
des Weltumsegler- Katamarans "Moonyflower"
E-Mail:
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Segeln mit Kindern- ein Erfahrungsbericht aus Österreichleft.gif 40x15
Die "Gummibärchen" Flaggeleft.gif 40x15

Seit 1.08.2004 sind wir nun schon mit unserem 45-Fuß Katamaran "Moonyflower" unterwegs zu fernen Zielen.

Gestartet in Breisach/Rhein und jetzt auf dem Weg in Richtung Dakar/Senegal; Dauer der Reise: unbestimmt. Außer mir gehören zur Crew mein Mann Steffen, unsere mittlerweile 8-jährige Tochter Mira, unsere Bordhündin Jackie Onassis und seit einem längeren Aufenthalt in Essaouira/Marokko, auch ein nordafrikanischer Flüchtling - unsere rotpelzige Bordkatze Lola… Die Crew wünschenswert vervollständigt hätten unsere beiden erwachsenen Söhne Patrick und Daniel (19 und 20 Jahre); die aber wollten in Deutschland bleiben und "heiraten"…Hätten Sie in CostaRica doch auch gekonnt, oder?

schule03.jpg 350x293 Vor dem Start hatte sich mein Mann Steffen bereit erklärt, das Unterrichtsfach Mathe als Bordlehrer zu übernehmen; das klappte jedoch nicht so, wie er sich das vorstellte, und er strich die Segel. Ich werde später noch darauf zurückkommen, weshalb sein Vorhaben nicht funktionieren konnte. Nun gut. Jetzt also hatte ich die für mich nicht gerade attraktiv anmutende Aufgabe, unsere 8-jährige Tochter Mira im Alleinunterricht an Bord zu bilden. Fernunterricht kam für uns nicht in Frage; deutsche Fernschulen sind mit z.T. mehreren Hundert Euro monatlich unverhältnismäßig teuer. Und selbst wenn wir das Geld gehabt hätten, wäre uns schon alleine der Verwaltungsaufwand mit Unterlagen hin- und herschicken zu groß gewesen.

Als wir ablegten, hatte unsere Tochter gerade die erste Grundschulklasse beendet. Sie ging nicht gerade gerne zur Schule und war auch bei den Lehrern und meisten Schülern nicht sonderlich beliebt. Mira ist ein Kind, das sich mit simplen Erklärungen nicht abspeisen lässt. Sie ist sehr neugierig, langweilt sich schnell; hasste bis dato Mathematik und wurde in den Dingen, die sie gerne mochte, nämlich Sprachen und technische Dinge lernen, überhaupt nicht gefördert. Sie weigerte sich "Köpfer" im Schwimmbad zu machen und wurde deshalb vom Klassenlehrer zur Strafe in eine Art "Babygruppe" gesteckt. Das führte dazu, dass meine Wasserratte sich weigerte, am Schwimmunterricht teilzunehmen, und regelmäßig krank wurde, wenn ich sie dazu nötigte. So bekam ich zum endgültigen Abschied von der Schule, zu Miras Zeugnis noch unheilschwangeres Schulterklopfen der Lehrer mit nach Hause. Als wenn ich nicht selbst schon Bauchweh genug wegen all dieses Schultheaters gehabt hätte. Und das schon in der ersten Grundschulklasse. Ich bin auch nicht gerade mit Engelsgeduld gesegnet und war mit meinen 45 Jahren stets eher beruflich als eng familiär orientiert.

schule01.jpg 350x384 Ich hatte eine Höllenangst, meine ständig quasselnde Tochter ab jetzt 24 Stunden täglich um mich zu haben, und diese dazu auch noch geduldig, gütig und stetig gut gelaunt unterrichten zu müssen. Aber ich war auch hoch motiviert:"mein" Unterricht sollte an alle sieben Sinne appellieren: Hören, Sehen, Fühlen, Schmecken, Riechen, das psychische Empfinden und den Sinn für Humor. Eine Möglichkeit herauszufinden, wie man das macht, ist, Leute ausfindig zu machen, am besten eine Gruppe, die Erfahrung in solchen Dingen hat und die nach ihrer Meinung zu fragen. Ich muss beschämt gestehen, dass ich von Leerkörpern keine gute Meinung mehr hatte, die also schieden als Meinungsgeber aus.

Nun gibt es die Gruppe der "Enthusiasten". Dort gibt es Kaffee und Kuchen und viele "toll, dass ihr euch sooo was traut, wiiiir könnten das nicht...", und man geht nach Hause mit dem dringenden Wunsch, sich direkt an den Computer zu setzen, um bei Amazon 47 Lehrbücher mit dem Thema "wie verbilde ich mein Kind" zu bestellen. Dann gibt es die "destruktiven Gruppen". Dort gibt es Käse und Wein (den aus Flaschen mit Korken - nie aus Flaschen mit Schraubverschluß..). Käse und Wein sind oft sehr gut; die Kritik ist durch die Bank sehr schlecht. Es hilft wenig, solche Dinge zu hören wie: "Wie willst Du als Hausfrau (war ich doch gar nie..) guten Unterricht machen. Du bist doch gar keine studierte Lehrerin (muß man echt studieren, um eine gute Lehrerin zu sein?..). Du treibst Dein Einzelkind (ist doch gar keines..) in die soziale Isolation, wenn ihr immer im (wieso im?) Meer seid!" Wieso nur fiel mir jetzt erst auf, dass sich doch bisher, dh. die letzten zwanzig Jahre um das Wohl unserer Kinder eigentlich doch niemand, außer uns, gesorgt hatte? Und bisher waren wir als Eltern doch auch gar nicht so ungeschickt oder gedankenlos gewesen.

Jetzt also hatte ich nur drei Möglichkeiten: Ich bin sauer, ich bin traurig oder ich betrinke mich. Ich entschied mich fürs Vernünftigsein, denn Selbstanalyse ist eine erlernbare Fähigkeit. Ich besorgte mir also noch schnell den neusten Lehrplan Baden-Württembergs und kaufte für die nächsten drei Grundschulklassen alle Lehr- und Übungsbücher, die in unseren Schulen verwendet wurden. Hätte ich gewusst was mich erwartete, hätte ich die Unmengen von Geld, die das gekostet hatte, doch lieber in Weinflaschen mit Korken umgesetzt… Ansonsten erwarb ich vorab eine Menge Kinderbücher für die kommenden drei Jahre. Mir war klar, dass ich so schnell nicht mehr an deutsche Literatur kommen würde, was sich auch bewahrheitet hat.

Viele Kinderbücher kaufte ich vorausschauend auch in englischer und französischer Sprache, was sich später ebenfalls als eine sehr gute Idee erweisen sollte. Bei einigen gab es eine Audio-CD dazu, das gefiel mir ganz besonders. Wir waren mit einer Bordbibliothek ausgestattet, nach der sich jede Privatschule die Finger geleckt hätte und die unseren Katamaran auch Backbords etwas tiefer im Wasser liegen ließ. Nach etwa sechs Eingewöhnungswochen fing ich mit dem Bordunterricht an. Ich entwarf einen Stundenplan, stand zusammen mit meiner Tochter früh auf, denn schließlich fängt guter Unterricht um 07.45 Uhr an und gegen 13.00 Uhr, kurz vor dem Mittagessen waren wir fertig.

Nach drei Monaten Unterricht, waren Mira und ich dann fix und fertig. Keiner hatte mehr Bock auf Schule und die einfältigen Kinderlieder aus den Schulbüchern wollten wir beide nicht singen. Wir hatten keine Lust auf Schulbuchrezepte und überhaupt, irgendwie war alles nicht zeitgemäß; irgendetwas fehlte…Ich besann mich auf meine Anfangshaltung und die sieben Sinne: da stand doch auch was von Humor, oder? Wir warfen alle Schulbücher (bis auf den Lehrplan mit seinen Endanforderungen für jede Klassenstufe) über Bord und ich holte meine eigene Literatur aus den Schränken:
  1. Für das Fach Deutsch: 8 Kinderbücher aus der Reihe "Hexe Lilli" (Autor Knister), z.B."Hexe Lilli zaubert Hausaufgaben, Hexe Lilli auf Schloß Dracula, Hexe Lilli und das Geheimnis der versunkenen Welt, Hexe Lilli stellt die Schule auf den Kopf" usw. Mira liest mir regelmäßig als Leseübung Kapitel daraus vor. Sie bildet aus den Inhalten kleine Aufsätze usw. Die Bücher enthalten viel Lehrreiches und sind trotzdem spannend zu lesen.
  2. Für das Fach Englisch: "Illustriertes Wörterbuch ENGLISCH für die Grundschule" ISBN 3-57710058-3;
    www.via-mundo.com Verlag Bertelsmann. Das ist ein ausführliches Wörterbuch mit kleinen Sätzen und ganz wunderbaren Zeichnungen.

    "Englisch keine Hexerei" und "Spuk im Hexenhaus". Langenscheid Verlag. Das sind DIN A4 Lehrbücher mit Audio CDs. Eine kleine Hexe Huckla ist die Protagonistin. Ein Muß für jeden Bordunterricht.

    "Conrad the clever crocodile". ISBN 3-47336011-2. Ravensburger Verlag. Das ist ein wunderbarer, einfach geschriebener Roman in englischer Sprache.

    "Caroline and Miss Pim go to school". ISBN 3-473-36056-2. Ravensburger Verlag. Das ist ein bezaubernder und einfach geschriebener Roman in englischer Sprache.

    "Magic Tree House", von Mary Pope Osborne. Hiervon gibt es insgesamt fast dreißig einfach geschriebene Kinderromane in englischer Sprache. Eines ist lehrreicher als das andere und alle sind sie unglaublich spannend.
  3. Für das Fach Französisch: "Illustriertes Wörterbuch FRANZÖSISCH für die Grundschule". ISBN 3-577-10486-4; Verlag Bertelsmann. Das ist ein sehr gutes Wörterbuch zum Nachschlagen, aufgebaut mit kleinen Sätzen. Das fördert das Lernen und Verstehen der französischen Sprache ungemein. Dazu tragen auch die liebevollen Zeichnungen bei.

    "Französisch keine Hexerei". Langenscheid Verlag. DIN A4 Lehrbuch mit Audio CD. Eine kleine Hexe wird nach Frankreich verweht. Ein Lernspaß für Kids und auch für uns Großen.
  4. Für das Fach Gemeinschaftskunde: Div. Lexika aus dem Ravensburger Verlag mit Titeln wie "Alles was ich wissen will", "Ich entdecke meinen Körper", usw.

    Ausserdem eine kleine Kinderbibel mit zauberhaften Zeichnungen und Erklärungen der Christlichen Geschichte in einfacher, gut verständlicher Form. Mira gruselte sich manchmal vor der Brutalität, die in der Bibel vorkommt und so hatte ich, wenn auch ich ab und zu vorlas schon versucht, Teile wegzulassen. Leider aber konnte sie mittlerweile so gut lesen, dass sie das dann entdeckte und mich maßregelte. Also mußte ich nochmals vorlesen, dass ein Bruder den anderen erschlug, und wußte auf Fragen von ihr weshalb das so ist, trotzdem keine richtige Antwort.
Wir habe natürlich noch viel mehr Kinderliteratur dabei; auf Wunsch können sich interessierte Segler, oder solche, die es noch werden wollen, gerne an mich wenden. Aber alle ISBN-Nrn. und Titel hier aufzuführen, würde den Rahmen sprengen.

schule04.jpg 220x278 Als nächstes habe ich in Mathe freudig Zahlenstrahle eliminiert. Ich habe Zeichenblöcke rausgekramt, Geodreiecke und das Metermaß aus meinem uralten Nähkästchen. Mira lernt jetzt Addieren und Subtrahieren, so wie wir es früher auch in der Schule gelernt haben. Jeder von uns wird sich noch an "Behalte 1" erinnern. Wenn meine modebewusste Tochter z.B. einen Rock haben will, gehen wir Stoff kaufen. Sie muss jedoch zuvor mit Hilfe des Geodreiecks und anderen Linealen die Form des Rockes, den sie haben will, zeichnen. Mit Buntstiften malt sie auf, was für ein ungefähres Muster sie haben möchte. Mit dem Metermaß bemessen wir ihre Körpermaße und sie rechnet aus, wie viel Stoff wir benötigen. Dann rechnet sie aus, ob der Inhalt unserer Geldbörse für den gewünschten Stoff ausreicht und falls nicht, muss sie kalkulieren, wie viele Tage sie dafür das Katzenklo sauber machen muss.

schule02.jpg 350x294 Im Fach Deutsch diktiere ich ihr wöchentlich Diktate, die neben den o.g. Kinderbüchern immer auch ein Tagesthema zum Inhalt haben. Somit hat sie gleichzeitig für sich auch eine Art Tagebuch. Sie bekommt wöchentlich eine Hausaufgabe, sie muss eigenständig einen Aufsatz schreiben. Das Thema gebe ich ihr in Stichworten vor; der Aufsatz muss aber mindestens zwei DIN A4 Seiten Umfang haben.


schule05.jpg 220x304 Rechtschreibfehler bewerte ich hier nicht; hier zählt nur Phantasie und Inhalt. Vielleicht entsteht hier der Eindruck, dass ich jetzt eine Musterschülerin habe, aber weit gefehlt. Mira ist noch immer eine stinkfaule Socke und würde lieber Schlauchboot fahren statt pauken - aber sie hat auf einmal Spaß am Lernen. Sie sieht durch die vielen Praxisbeispiele einen Sinn in dem was sie lernen muss, und sie begreift, wofür das notwendig ist.

Oft bekomme ich einen fetten Kuss nach dem Unterricht (meist, wenn wir uns zwischendrin mal ordentlich gefetzt haben, weil sie schlampig schreibt oder während meines hoch motivierten Vortrags in Gemeinschaftskunde gelangweilt in der Nase bohrt). Zudem nuschelt sie dazu noch ein: "Danke Mama, ehrlich, das war ein toller Unterricht". Wow, das tut auch mir gut, denn ich habe den Eindruck, es ist ehrlich gemeint. Aber ganz ohne Druck geht´s auch bei uns nicht. Vor allem habe ich gelernt, dass ich am Anfang viel zu vieles am Unterricht zu mundgerecht servieren wollte.

Mira hatte sich je nach Lust und Laune bockig, gelangweilt, tränenüberströmt oder doof gestellt und was habe ich mir nicht alles einfallen lassen, um ihr den Schulstoff noch plausibler zu erklären. Das Problem lag aber nur bei mir. Ich hatte zu dieser Zeit noch immer das unheilschwangere Schulterklopfen von Miras Lehrern und die Ratschläge der "Destruktiven Gruppen" vor meinem inneren Auge. Ich sah mein Kind als verlumpte, halbwüchsige Pennerin unter einer Brücke sitzen und mir mit einer halbleeren Rotweinflasche zuwinken, wenn ich mit meinem Unterricht versagte (ich hoffe, dieser Berufsstand nimmt mir diesen Vergleich jetzt nicht krumm..). Heute weiß ich, dass ein Schüler auch eigenständig lernen muss! Ob es ihm gefällt oder nicht, durch gewisse Dinge muss ein jeder sich selbst in seinem Rahmen durchbeißen.

Mein alter Mathelehrer hatte zu uns immer gesagt: "Es ist nicht wichtig, dass sie ihre Hausaufgabe gerne machen, aber sie müssen sie machen, denn sie schärft den Geist!" Und der Erfolg gibt mir recht, denn Mira strahlt wie ein Honigkuchenpferd, wenn sie die zunächst verhassten und vermeintlich komplizierten Matheaufgaben alleine !! gelöst hat. Die heutige Kindergeneration wächst zu behütet auf; sie lernt kein Kämpfen, wenn ihr alles erkämpft wird.

Unser Stundenplan sieht nach etwa einem Jahr Schiffsaufenthalt wie folgt aus: Wir stehen gegen 08.30 Uhr auf und frühstücken in aller Ruhe. Montag bis Freitag ist von 10.30 Uhr bis 13.00 Uhr ist Unterricht. Ich bestehe auf pünktliche Anfangszeiten und es gibt max. zwei Unterrichtsfächer am Tag. Meist nur eines. Samstag und Sonntag ist schulfrei; das gilt auch für die Zeiten, wenn wir segeln. Es gibt grundsätzlich keine Schulferien. Allerdings lassen wir die Schule auch mal ausfallen, wenn wir etwas unternehmen wollen. Ich unterrichte folgende Fächer: Mathematik (+Geometrie), Deutsch (Lesen, Schreiben, Aufsatz, Diktat, Grammatik), Englisch und Französisch (nur Lesen und gemeinsames Unterhalten. Allerdings frage ich laufend Vokabeln ab, die selbstständig zu lernen sind), Kunst (Malen und Zeichnen mit Aquarellfarben, Ölfarben, Buntstiften, Musiknoten lernen), Werken (Nähen mit der Nähmaschine ist Trumpf; Häkeln, Sticken und Stricken haben wir noch sein lassen..)

Jeden Montag lasse ich Mira eine Mathe-Klassenarbeit schreiben, da sie hier immer noch schwächelt. In den anderen Fächern brauche ich das nicht. Somit habe ich einen guten Leistungsstandüberblick. Dieser Klassenarbeit fiebert sie morgens nervös entgegen und ist dann immer sehr stolz, wenn alles gut klappt. Den "Sportunterricht" drückte ich an meinen Mann Steffen ab (er hatte mit dem an mich abgeschobenen Matheunterricht auch noch was gut zu machen!). Meine Tochter segelt mittlerweile begeistert Opti-Regatten in der C-Klasse, und das nach gerade mal 6 Segelunterrichtsstunden.

Die Kinderregatten werden im ein oder anderen Yachtclub, der manchmal in der Nähe unserer Ankerliegeplätze zu finden ist, veranstaltet. Mira spricht bereits recht gut Englisch und fängt an, sich auch in Französisch und Spanisch zu verständigen. Da Mira technisch sehr interessiert ist, hilft sie meinem Mann bei kleineren Reparaturen. Mit Schraubenzieher und Säge kann sie mittlerweile besser umgehen als ich. Ein ständiges Thema waren auch immer unsere LapTops; Mira liebt Computerspiele - ich überhaupt nicht. Aber ich war begeistert, dass ich ein kleines Druckmittel gefunden hatte, wenn Hunde- und Katzenklo mal wieder überfällig waren. Da ich der Meinung bin, dass es gut ist, mit 10 Fingern Maschinenschreiben zu können, bringe ich Mira dies nun auch bei. Sie übt (freiwillig!) fast jeden Tag eine knappe Stunde Buchstabenkombinationen am PC und darf dafür ab und zu irgendein Computerspiel machen. Meist jedoch ist sie nach den Übungen am PC platt und hat gar keine Lust mehr auf Spiele.

Grundsätzlich halte ich es auch für eine gute Idee, sich bei längeren Aufenthalten in einem Land nach bezahlbaren Privatlehrern umzuschauen. Bei uns z.B. für das Unterrichtsfach Französisch. Diese Sprache spreche ich noch nicht sehr gut und ich will meine Fehler nicht ständig an Mira weitergeben. Als wir in Marokko drei Monate bleiben wollten, habe ich mich gleich nach einem mindestens 18- jährigen, zuverlässigen Mädchen umgeschaut. Ich habe über Empfehlungen eine junge Marokkanerin kennen gelernt. Sie sprach sehr gut Englisch und Französisch und hat Mira drei halbe Tage in der Woche vom Schiff abgeholt und sie am Abend auch wieder dorthin zurück gebracht. Sie hat Mira mit zu sich nach Hause genommen und ihr dort Französischunterricht (in englischer Sprache) erteilt. Bezahlt haben wir umgerechnet ca. 50 Euro/Woche.

Unsere Tochter war dort nach ein paar Tagen völlig in die arabische Großfamilie mit vielen Kindern integriert. Alle waren begeistert und haben ihr natürlich auch ein paar handfeste arabische Flüche beigebracht, die Mira natürlich dann bei jeder Gelegenheit lautstark in den Souks anwandte.

Im Senegal wollen wir über den kommenden Winter bleiben. Auch hier werde ich mich sofort wieder um ein senegalesisches Mädchen bemühen, das Mira wieder in Französisch unterrichten wird. Solch eine Möglichkeit tut auch den geplagten Eltern gut, denn ein Kind 24 Stunden täglich um sich herum zu haben, ist auch kein Zuckerschlecken. Man muß höllisch aufpassen, dass auch ein partnerschaftliches Nurzuzweitsein mit all seinem Prickeln erhalten bleibt, und sich nicht alles in eine reine Familiensuppe verwandelt. Aber da mag jeder seine Schwerpunkte anders setzen.

Was also ist das Fazit? Der Schulunterricht an Bord muß vor allem dem Lehrer Spaß machen, das gebe ich euch als wichtigsten Ratschlag. Dann wird er phantasievoll und gut sein. Ich selbst bereite meine Unterrichtsinhalte einmal in der Woche am Schreibtisch vor und versuche Abwechslung und Spannung zu bieten. Kontinuität ist das Zweitwichtigste und gleichzeitig am schwersten einzuhalten. Wenn die Sonne scheint und das Wasser glitzert, dann muß man schon oft seinen eigenen Schweinehund überwinden, und trotzdem unterrichten. Und als Drittwichtigstes, darf man die Dinge nicht zu eng und streng sehen.

Überfüllte Schulklassen, veraltete Lehrpläne und Lehrer können auch nicht so viel besser sein als das, was wir mit unserem Privatunterricht an Bord bieten. Dazu noch Naturkunde und Biologie zum Anfassen. Ich bin der Meinung, dass ein Kind für die spätere, weiterführende Schule nur drei Dinge sehr gut können sollte: 1. Schreiben, 2. Lesen und 3. Rechnen. Das müsste doch hinzukriegen sein, oder? Außerdem - ist es nicht wunderbar, sein Kind so intensiv aufwachsen zu sehen; wer hat schon dieses Privileg? Ich glaube, dass wir später einmal, wenn unsere Tochter groß ist, eine ganz intensive Beziehung zusammen haben werden, denn so ein Bordleben schweißt doch auch zusammen!

Falls ihr weitere Fragen, auch zur Bordliteratur habt, könnt ihr euch gerne an mich wenden. Auch Beschwerdebriefe von Schulmeistern nehme ich selbstverständlich entgegen.

Unsere e-mail Adresse ist entweder:
oder an Bord
Only plain Text!
Unsere Homepageadresse ist www.Moonyflower.com

Es grüßt euch alle ganz herzlich, mit einem Glas feinsten Rotweins in der Hand (natürlich nur aus der Flasche mit Korken), die Bordfrau und Navigatorin des Katamarans "Moonyflower"

Raymonda02.jpg 300x242Raymonda Blume

 
Extra Nachsatz.

Die Gummibärchen-Flagge - Achtung, Kinder an Bord!!

Wow, guck mal - vielleicht haben die auch Kinder an Bord...

Wer von den segelnden Familien kennt nicht diesen Ausruf? Immer wenn man in einen Hafen kommt, oder einen Ankerplatz anfährt, hält man direkt Ausschau, ob nicht noch jemand da ist, der auch Kinder an Bord hat. Meist erkennt man das nur an den kleinen Unterhosen oder Hemdchen, die im Wind flattern oder an Kinderfahrraedern, die an der Reeling festgezurrt sind.

Wir, die "Moonyflower-Crew", sind gerade dabei, eine wunderschöne Flagge zu produzieren. Sie wird gross und leuchtend gelb sein und in der Mitte ein buntes Gummibärchen haben. Wer diese Flagge hisst, zeigt schon von weitem, dass er Kinder an Bord hat und auch gerne Kontakt zu Gleichgesinnten moechte.

Wer Interesse an so einer Flagge hat, kann diese gerne per Nachnahme über uns bestellen.


gummibaer.jpg 250x164Das Design der Fahne. Es wird auch eine Homepage dazu geben: www.segelbaer.com

Die ist aber noch nicht gefüllt, da wir T'shirts, Buttons usw. dazu passend machen.

Die wichtigsten Daten:
  • Masse: 60 x 90 cm
  • Fahnenstoff 110g/qm
  • leicht transparent in 100 % Polyester
  • Druck beidseitig sichtbar und waschbar bei 30 Grad
  • B1 schwer entflammbar
  • wetterfester und UV-stabiler Druck
  • mit Besatzband und Oesen konfektioniert
  • Neuer Preis: 29.-- Euro zuzügl.Versandkosten (per Vorauskasse)
Bestelladresse:
Jens Picek & Moonyflower
E-Mail:
Hartkirchweg 63a
D-79111 Freiburg
Tel. 0049(0)761-68 000 75
Fax: - 68 000 76


Raymonda Blume, Bordfrau und Navigatorin
des Weltumsegler- Katamarans "Moonyflower"


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Letzte Änderung / Last change: Dienstag, 15. November 2005