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Von Törehamn - Köhamn/Bergön , durch die Ostsee 65°46,0'N 022°45,1'E Gesamt = 1.854,2 nm von Holger Riegel
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Vom strahlend blauen Himmel weckt die Sonne alle Lebensgeister und mahnt zu Aktivitäten. Natürlich machen wir ein Foto von SABETH vor der gelben Tonne mit den Koordinaten des nördlichsten Tiefwasserhafens der Ostsee. Ein entsprechendes Diplom, dass wir hier gewesen sind, hat uns gestern Abend schon die freundliche, allerdings wenig kompetente Dame der eineinhalb Kilometer entfernten Touristinformation ans Boot gebracht. Wahrscheinlich ahnt sie, dass diese gelbe Tonne die einzige Attraktion von Töre ist. Der Hafenmitarbeiter, der Campingplatzpächter... alle sprechen uns auf dieses Diplom an. Der schöne Südwestwind im Hafenbecken hinter dem großen Silo ist in Wirklichkeit ein Südostwind, die schlechteste aller möglichen Windrichtungen, d.h. kreuzen, die Wegstrecke schlicht verdoppeln, Langeweile für Elisabeth. Die versuche ich mit Salzheringen (von Aldi für diesen Zweck bis zu Elisabeths Besuch hinüber gerettet), Bendicks Bittermints, Keksen und Tee wenn nicht schon zu verkürzen, so doch zumindest zu versüßen. So streckt sich natürlich auch die Zeit bis zu unserer geplanten Frühstückspause auf Näverön; aber meckern wäre wirklich ungerecht und den Umständen nicht gerecht werdend, denn wir haben herrlichstes Wetter, Kaffeesegelwind trotz Gegenrichtung und fahren aufrecht immer wieder bis nahe an die bewaldeten, maigrünen Ufer und Inseln des Töre- und Siknäsfjärden mit seinen schön gelegenen Sommerhäusern.Ich liebäugele inzwischen längst mit einem von der Windrichtung her leichter erreichbaren Ankerplatz auf Bergön, und als ich durch das Fernglas auch noch Masten wie in einem Hafen erkenne, ist die Entscheidung gefallen. Wir ändern den Kurs. Mit halben Wind und streckenweise 6,4' fliegen wir unserem Frühstück entgegen, viel zu schnell für die Anlegevorbereitungen und um die Situation richtig zu erfassen: vor der Bucht eine Insel mit der schwedischen Flagge, jede Menge Steine, drei gelbe Fähnchen, ein grüner Kanister, aber wo geht es lang? Wir fahren parallel zur Bucht, ich schaue mit dem Glas, Elisabeth steht am Bug und schaut in die Tiefe auf dort eventuell lauernde Steine. Die Gäste des Clubsteges haben ganz offensichtlich unsere Lage richtig erkannt, aber anders als in den überfüllten deutschen Ostseehäfen machen sie kein schadenfrohes Hafenkino, eine junge (und hübsche!) Schwedin im Bikini kommt in einem Motorboot angebraust, geleitet uns zum Steg und nimmt auch noch die Leinen entgegen. Welch ein glücklicher Zufall! So ein wunderschöner, perfekter Platz! Der Bootklub Töre hat hier stabile Steganlagen gebaut, am Ufer steht das Clubhaus, die Toiletten, eine Sauna; Hier hätten wir gestern auch Mittsommer feiern können. Birken sind am Steg aufgestellt, Blumen stehen auf den Tischen der Stege. Später erfahren wir, dass der nächtliche Nebel hier um vier Uhr von der Sonne vertrieben wurde. Aha. Wir aber haben jetzt um 12.00h einen Bärenappetit auf unser Frühstück in der Plicht. Anschließend lesen und schlummern wir ein wenig in der Sonne, ehe wir uns zu einer langen Wanderung über die nicht kleine Insel Bergön aufraffen. Die kleine, sandige Nachbarbucht ist genauso schön und gehört ebenfalls zum Bootsclub von Töre. Auf einem malerischem Steg stehen zwei Liegestühle, auch hier finden sich ein Grillplatz und Toiletten. Es gibt eine dritte, ganz lauschige Bucht zum ankern, die auch als Badebucht genutzt wird. Im Wald ist es windstill, brütend heiß und es summt nur so vor Mücken. Ich habe ein langärmeliges, helles Hemd an, mich lassen sie relativ in Frieden, aber Elisabeth wedelt mit einem Birkenzweig ähnlich verzweifelt wie der Elch mit seinem Schwanz. Ja, jedes Paradies hat seine Mücken...![]() Das erste Bad auf 65°46,0'N 022°45,1'ESo dauert der Ausflug nicht so lange wie gewöhnlich, schon nach gut zwei Stunden sind wir wieder an Bord. Hier am Wasser sind nur wenige Mücken, hier kann man es aushalten. Wir verbringen den Nachmittag und Abend lesend und gehen vom Tee mit Keksen über Chips mit dem ersten Glas Wein nahtlos zum Abendessen über, das aus den Resten des Zwiebelkuchens und Abba Sill besteht. Zwischendurch halten wir ein Schwätzchen mit einigen Clubmitgliedern, die uns einladen, die Sauna zu benutzen. Später beobachten wir die Aktivitäten an Land: es wird zusammen gespielt und gegrillt, man schwätzt und benutzt paarweise und als Familie die Sauna. Das permanente Um sich Schlagen zur Mückenabwehr läuft vermutlich schon unbewusst ab - niemand scheint sich belästigt zu fühlen. Bis nach 21.00 sitzen wir in der Plicht und genießen das wunderbare Licht. Die hinter uns tiefer sinkende Sonne lässt den Waldrand und die Heidelbeerbüsche vor einem dunklen Himmel förmlich leuchten, das leicht bewegte Wasser verursacht interessante Lichtreflexe und ist dennoch so still, das sich alles in ihm spiegelt. Eine Stimmung, wie wir sie aus unseren Sommernächten nicht kennen. |