Translate

back-revier.gif 300x15
senegal.jpg 300x223
Karte gross
Erfahrungen in Westafrika, Senegal und Gambia

von Ute + Horst Brandenburger SY NEMO
E-Mail: crewnemo@yahoo.de

Eigentlich waren wir schon auf den Weg nach Brasilien. Doch einige Meilen entfernt von den Cap Verden veranlasste uns ein Schaden an unserer Windpilot zum Umkehren.

Auf den Cap Verden war eine Reparatur aus Materialbeschaffungsgründen nicht möglich und wir entschlossen uns, die 350 Seemeilen nach Dakar zu segeln und dort unser Glück zu versuchen. Wir gingen im französischen Yachtclub CVD Hann Plage, vor Anker und fühlten uns hier sehr gut aufgehoben. Der Preis für eine Woche vor Anker beträgt 12000 CFA (1000 CFA = ca. 1,50 €). Im Preis inbegriffen ist ein tägl. Dingidienst von 8-22.00 Uhr und die Benutzung aller Clubanlagen einschließlich Werkstatt. Der Ankergrund hält wie Kitt und man liegt wie auf dem viel zitierten Ententeich. Die französischen Segler standen uns mit Rat und Tat zur Seite und mit ihrer Ortskenntnis konnten wir alles für die Reparatur benötigte auftreiben. Die Clubanlage ist originell gestaltet und hat eine gute Bar an der einfach erst mal angeschrieben wird. Wer möchte kann die Küche benutzen und die Wäsche für einen geringen Preis von einer Einheimischen waschen lassen. Wer das nicht mag, tut es eben selbst.


Überhaupt sind sehr viele Einheimische im Club beschäftigt und es ist immer möglich Arbeiten in Auftrag zu geben. Der durchschnittliche Tagesverdienst liegt bei CFA 3500. Das Einklarieren in Dakar war völlig problemlos. Mit dem Taxi (1000CFA) zur Police de Port und schon hat man seinen Stempel. Das ist auch die einzige Gelegenheit wo man Kontakt mit den Offiziellen hat. Es kommt kein Zoll an Bord und man kann im Land herumreisen wie man lustig ist. Nach dem Ausklarieren besuchten wir noch den River Saloum. Obwohl wir schon ausklariert waren ist das überhaupt kein Problem gewesen. In Dakar selbst ist alles zu haben und wenn man sich erst an die Verkaufsgeflogenheiten gewöhnt hat ist das Einkaufen sogar ganz lustig. Die Supermärkte sind sehr gut bestückt und auf den Märkten bekamen wir alles erdenkliche an Obst und Gemüse zu guten Preisen (Verhandlungsgeschick vorausgesetzt). Wir haben hier unsere arg dezimierten Proviantbestände erstklassig aufstocken können. Diesel und Gas an den Tankstellen (Taxi) und Internet gibt es mehrere in Dakar (ca. 500-800CFA/Stunde).

senegal-01.jpg 400x300 Da wir nun schon mal hier waren verschoben wir unsere Überfahrt nach Brasilien auf unbestimmt und fuhren erst mal in den River Saloum. Alle Informationen bekamen wir von den franz. Seglern und wir kopierten in Dakar Karten und Cruising Guide in sehr guter Qualität. Die Region Sine Saloum ist eine stark von den beiden Flüssen Sine und Saloum geprägte Wasserlandschaft mit zahlreichen kleinen Inselchen. In östlicher Richtung reicht sie mehrere hundert Kilometer landeinwärts und geht über in die Region de Kaolack. Die Flussarme sind mit dichten Mangroven und Schilf bewachsen. Das Saloum Mündungsdelta ist ein belebtes Vogelreservat. Unter den zahlreichen Wasservögeln finden sich Reiher, Störche, Fischadler, Möwen und Pelikane. Hier verspüren erstmals den Zauber einer afrikanischen Nacht. Die drückende Hitze des Tages schwindet, woraufhin eine Vielzahl von Tierstimmen laut wird. "Bei dem Radau kann doch niemand schlafen!" Doch auch diese Nacht schliefen wir tief und fest. Rundhäuser aus Palmenwedeln treten verstärkt an die Stelle der an der Küste vorherrschenden Stein-, Lehm- und vor allem Wellblechhütten. Es ist möglich vom Saloum aus über die Flüsse Diomboss und Bandiala nach Banjul zu fahren. Das ist aber nur für Boote mit bis zu 2m Tiefgang zu empfehlen.

senegal-02.jpg 400x300 Die Flüsse sind nicht kartographiert und es ist schon ein Abenteuer sich den Weg suchen zu müssen. Steve Jones gibt in seinem Pilotbook wichtige Wegpunkte an, die aber trotzdem mit Vorsicht zu genießen sind, weil sich jedes Jahr die Sände verschieben. Wir sind einige Male aufgelaufen, aber in dem weichen Mud kommt man schnell wieder frei. Wem das Rumgestochere im Mud nicht so zusagt, dem sei als sehr lohnende Tour der River Gambia empfohlen. Dieser Fluss bietet landschaftlich in etwa Gleiche und ist bis Georgetown überall tief genug. Der Gambia River gilt als schiffbar aber nur im Mündungsbereich trafen wir auf Berufsschifffahrt. In Gambia angekommen ankerten wir vor Banjul auf Half Die (13N26.3 ; 016W07.9) zum Einklarieren. Da hier englisch gesprochen wird, fiel uns das um vieles leichter als im französischsprachigen Dakar und in 5 min war die Prozedur beendet. Noch ein kurzer Besuch beim Hafenmeister um das Permit zum Befahren des Gambia River zu bekommen. Da der Ankerplatz von Half Die inmitten von Schiffswracks nicht nur hässlich ist sondern auch als unsicher gilt, fuhren wir in den Oyster Creek. Dort treffen sich alle Segler die den Gambia River befahren wollen. Der Platz ist schön gelegen inmitten von Mangroven und absolut sicher. Das Boot kann unbedenklich für längere Zeit allein gelassen werden um Ausflüge zu unternehmen. Das gilt übrigens auch für den gesamten River Gambia flussaufwärts. Um zum Oyster Creek hinzugelangen sollte man sich auch wieder strikt an die Hinweise im Pilotbook halten, denn auch hier gibt es Stellen um die 2 Meter. Von hier aus ist es ein Leichtes mit dem Bushtaxi nach Banjul oder Bakau zu fahren um sich für die Flussfahrt zu verproviantieren. Wobei Bakau die bessere Wahl ist. Hier gibt es gut sortierte Supermärkte und die Qualität der Frischware auf dem Markt ist erheblich besser als in Banjul. Wie in Dakar sind wir auch hier einem Stakkato von hartnäckig vorgetragenen Angeboten und Offerten zweifelhafter Qualität ausgesetzt.

Doch wir als "nordafrikaerfahrene" und somit abgebrühte Traveller nahmen es mit Humor und versuchten die Leute mit bestimmter Höflichkeit auf Distanz zu halten und die ganz Lästigen einfach zu ignorieren. Welch ein Unterschied zu den Menschen auf dem Lande. Schon einige Meilen flussaufwärts waren die Leute aufgeschlossen und nett, ohne diese penetrante Art von Anbiederung. Sie waren neugierig und fragten nach dem woher und wohin und vielleicht mal nach einer Zigarette. Die Flussfischer in ihren Pirogen verkaufen gern ihren Fisch oder tauschen gegen Zigaretten.

senegal-03.jpg 400x300Die ersten 60 Meilen sind nicht sonderlich interessant. Der Fluss ist sehr breit und es wirkt wie jede andere Flusslandschaft auch. Die Winde sind noch recht stetig und wir konnten Segel setzen; teilweise sogar den Spie und wir kamen mit Schiebestrom gut voran. Doch dann wird der Fluss drastisch schmaler und mäandert stark. Hier beginnt der interessantere Teil. Hohe Mangroven und bizarre riesige Affenbrotbäume säumen das Ufer. Auf Reisfeldern arbeiten Bauern und die Fischer gehen auf Fang wie vor Hunderten von Jahren auch schon. Oft begleiteten uns Delfine, die weit den Fluss heraufschwimmen. Links und rechts am Flussufer gibt es diverse kleine Dörfchen und Niederlassungen wo man Brot und Gemüse kaufen kann. Auch Wasser an Pumpen und Diesel sind teilweise erhältlich. Natürlich rennt bei dieser Gelegenheit das ganze Dorf zusammen, allen voraus die Kinder, um uns Tubabs zu bestaunen. Überall im Fluss kann man ankern, sollte aber besser ein Ankerlicht setzen, da die Fischer auch nachts teilweise mit Schleppnetzen auf Fang gehen.

Bei Elephant Island beginnt so allmählich der Süßwasserbereich. Ab hier gibt es auch Moskitos (Malariaprophylaxe!) und wir leiden sehr unter der Hitze, haben wir doch immer so zwischen35-40 Grad. Mit Spannung fieberten wir der ersten Begegnung mit Hippopotamidae, zu deutsch Flusspferd, entgegen. Und tatsächlich konnten wir diese plumpen Gesellen beobachten, hin-und hergerissen zwischen dem Wunsch so weit wie möglich Abstand zu halten oder so weit wie möglich ranzufahren. Happy Hippo protestierte aber äußerst unfreundlich als wir in sein Revier vordrangen. Also doch lieber Distanz. Da tauchte es ab und wir dachten schon es wäre weg. Plötzlich, nur so ein paar Meter hinter unserem Heck tauchte es laut brüllend wieder auf, wohl um zu sehen wer denn da so dreist stört. Vor Schreck ging uns fast das Fernglas verlustig, mit dem wir viel weiter weg nach dem hinterlistigen Hippo Ausschau hielten.

In Wassau besuchten wir die legendären Stone Circles. Das Rätsel um die Steinkreise ist bis heute ungelöst. Welcher Kultur und zu welchem Zweck diese Megalithen aus Laterit dienten, darüber mutmaßen Gelehrte und Einheimische gleichermaßen. Die Menschen, die heute in dieser Gegend leben, sehen darin das Werk einer unbekannten, früheren Zivilisation. Es wird auch angenommen dass diese frühe Kultur einem Sonnenkult huldigte. Stammeshäuptlinge erzählen von einem Fluch, der jeden trifft, der die heiligen Stätten stört. Tatsächlich kamen 1931 drei Männer kurz nach Ausgrabungen an einigen der Steinkreise auf mysteriöse Weise ums Leben. Wir ließen uns nicht von dem Besuch eines der geheimnisvollen Wunder des Schwarzen Kontinents abhalten und leben noch. Hinter Kuntaur bei Wassau beginnt dann der Gambia River National Park. Hier ist das Landschaftsbild noch fantastischer. Tiefer undurchdringlicher Dschungel, Baobabs, dessen Stämme bis zu 12000 Liter Wasser speichern können, recken ihre Äste in den bizarrsten Formen gen Himmel. Unzählige noch nie gesehene Vogelarten schwirren durch die Luft und wir konnten Affen und Hippos aus nächster Nähe beobachten. Wir waren begeistert.

gambia-river-!.jpg 350x260
Karte gross
In Georgetown angekommen ankerten wir vor dem Bird Safari Camp (13N32.7/014W47.6). Die Betreiber hießen uns herzlich willkommen und wir durften den Pool und die Duschen nutzen. Das war für uns Luxus pur und wir machten davon ausgiebig Gebrauch. Abends speisten wir noch hervorragend in diesem Camp und die Betreiber gaben uns noch eine Gratisvorstellung in afrikanischen Trommeln und Tanzen. Schallendes Gelächter als wir ungelenkigen Tubabs den Rhythmus nicht halten konnten und wegen Konditionsmangel abbrechen mussten. Es gäbe noch viel zu erzählen über den kleinsten afrikanischen Staat. Jeder der auf den Weg von den Kap Verden nach Brasilien will, sollte diesen Umweg nicht scheuen. Es lohnt sich wirklich.

Empfohlen für diese Tour sei der Cruising Guide to Westafrika von Steve Jones und die Karten BA 607-609 und vielleicht noch die französische Karte 6174. Malariaprophylaxe ist angeraten, wir hatten aber glücklicherweise nicht so viele Moskitos, weil wir in der Trockenzeit da waren. Auch von den berüchtigten Tsetsefliegen blieben wir verschont. Wer noch weiter Infos möchte kann sich gerne an uns wenden.

Jones, Steve - Cruising guide to west Africa
Church Farm, Royal Cruising Club Pilotage Foundation, 1997
IV, 115 S. : Ill., Kt.; 0-9527771-2-6
Westafrika | Westafrikanische Gewässer | Westafrikanische Küsten | Marokkanische Küsten Gambia | Gambische Küsten | Segelsport | Guineische Küsten | Revierführer | Sportschifffahrt
HS 373



heimathafen.gif 63x81 heimathafen.gif 63x81

e-mail-hvsbluewater.gif 120x23

NeDesign

Letzte Änderung / Last change: Montag, 21. April 2003