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A front is passing through....
Segeltaktik an der SO - Küste Australiens

Ingrid und Timm Pfeiffer, SJ "SONNENSCHEIN"

Liebe Freunde!

Noch sind wir in Tasmanien, aber schon auf dem Absprung in Richtung Norden. Den folgenden Bericht schicke ich an alle Segler, die hier vielleicht auch einmal hin wollen oder Spaß haben, unsere speziellen Segelerfahrungen in Tasmanien, einfach mal nachzulesen.


Tasmanien, März 2001
"Ahead of a southerly change a front is passing through....".
Wer einmal im Südosten Australiens von z.B. Sydney oder Coffs Harbour nach Süden in Richtung Eden oder gar Tasmanien gesegelt ist, dem wird dieser Satz nie mehr aus der Erinnerung gehen. Täglich begegnet man ihm in den regelmäßig über VHF oder SSB wiederholten WX-Berichten.

Oder auch in den Zeitungen oder in Gesprächen mit den Seglern. In den folgenden Zeilen will ich ein wenig die Bedeutung dieses Satzes "a front is passing through" erläutern und dabei auch etwas detailliert auf unsere Segelerfahrung an der SO-Küste Australiens auf der Strecke zwischen Coffs Harbour , Sydney , Eden und Hobart - Tasmanien eingehen:

Vor Beginn der Zyklonsaison - d.h. von Mitte November bis spätestens Mitte Dezember - bewegt sich auf der Südhalbkugel die Armada der Passatwindsegler in Richtung Australien bzw. Neuseeland. Nur ganz wenige bleiben in Neukaledonien, Fiji oder in der Nähe des Äquators, wo es keine Zyklone geben soll. Wir hatten uns für unseren ersten Landfall in Australien den kleinen Fischerhafen COFFS HARBOUR ausgesucht. Nach einem gründlichen WX-Studium unter Hinzuziehung von Wetterfaxkarten und Internetsatellitenkarten u.a.m. war die Überfahrt entsprechend harmlos und wir konnten den gelegentlich hier auftretenden Tiefs mit ihren unangenehmen Fronten ausweichen.

COFFS HARBOUR ist ein tideunabhängiger Hafen und leicht zu jeder Tages- und Nachtzeit anzulaufen. Die Aufnahme durch die Offiziellen von CUSTOMS, IMMIGRATION und AGRICULTURE war freundlich und problemlos. Der Hafen erinnert etwas an Dänemark, ist absolut sicher und auch die Liegeplatzpreise sind human. Man bekommt immer einen Platz und muss sich nicht anmelden. Leicht kann man von hier Ausflüge in den bisher unbekannten riesigen Kontinent machen und sich richtig wohl fühlen. Und hat man erst mal Kontakt zu den freundlichen und unkomplizierten Australiern aufgenommen, ergibt sich alles von alleine. Am liebsten wären wir geblieben, aber es zog uns weiter nach Sydney usw....

Neue Karten mussten kopiert, der NSW-CRUISING GUIDE von A. Lucas gekauft und Informationen von den Einheimischen über das WX und den EAST AUSTRALIEN CURRENT eingezogen werden. Dieser Strom fließt über einer Meerestiefe von ca 200 Fuß mit 2 - 4 Knoten in Richtung Süden (Einzelheiten s. Guide). Nach Süden muss man also in Coffs Harbour weit raus.

Für die Rückreise von Süden nach Norden empfahlen uns die Australier dem Strom dadurch auszuweichen, dass man so nah wie nur möglich unter der Küste segelt. Dabei soll man in die Fernseher der Küstenbewohner "schauen", oder die SRT Taktik (SRT=sheet-rock-tack !) anwenden.

Im Hinblick auf das WETTER muss man nun seine ganze Aufmerksamkeit in Richtung Süden ausrichten, natürlich auch auf die sich schnell in der Nähe von Sydney entwickelnden Tiefs. Von "oben" ,d.h. von Norden kommt jetzt nichts mehr. Das Wetter wird im südpazifischen Sommer im Süden zwischen 35 S und 55 S von den von West nach Ost durchziehenden Hochs und Tiefs beherrscht. Etwa im 3 - Tagesrhytmus wechseln sich die aus dem Südpazifischen bzw. Indischen Ozean kommenden Drucksysteme ab. Dabei liegen die Hochs meist etwas nördlicher, d.h. zwischen 35 und 40 S und überlagern gelegentlich auch einmal die in der Regel etwas weiter zur Antarktis liegenden Tiefs .

Die Folge ist dann eine längere Schönwetterperiode. Leider geschieht dies nur selten. Der Normalfall ist allerdings der ständige 3 - tägige Wechsel von Hochs und Tiefs mit den hiermit verbundenen Frontendurchgängen und Winddrehungen: - "A front is passing through"-.

Da der Wind auf der Südhalbkugel gegen den Uhrzeigersinn aus dem Hoch heraus und mit dem Uhrzeigersinn in das Tief hinein weht , muss man sich dieses Gesetz auf seinem Weg nach Süden oder zurück nach Norden zu eigen machen, d.h. nach dem Durchgang der Front segelt man auf der Ostseite des Hochs (Südwind!) nach Norden und auf der Westseite (Nordwind) nach Süden - wenn die Druckgradienten es zulassen.

Hat man sich schließlich zum Ablegen entschlossen , sollte man nicht trödeln, im Gegenteil, schnell muss man sein. Mehr als 2 Tage hat man selten Zeit, dann kommt die nächste Front und man bekommt den Wind meist kräftig auf die Nase. Wohl dem, der dann schon einen Windschutz gefunden hat! Leider gibt es südlich von Sydney nur wenige tideunabhängige Häfen bzw. Buchten. Vor den Flussmündungen liegen fast immer Barren, die man nicht bei jedem Wetter passieren kann. Gute Karten und ein enger Kontakt über VHF zu der COASTAL PATROL sind unbedingt zu empfehlen. Nicht zuletzt sollte man sich bei seinen Tasmanienplanungen mit den Eigenheiten der BASS STRAIT beschäftigen. Das flache Wasser, die aus dem südpazifischen Ozean kommende Strömung, die Tiden und die frontenabhängigen Winddrehungen rufen hier häufig eine sehr gefährliche See mit sehr hohen und kurzen Wellen hervor. Die Teilnehmer der Sydney - Hobart - Regatta, die ja durch alles durch müssen, berichten nahezu jährlich Schlimmes. Die Bass Strait ist der Highway der Hochs und Tiefs, die sich hier in kurzer Folge mit den dazugehörigen Fronten abwechseln. Das geht manchmal sehr, sehr schnell, so dass man vor der Passage der Bass - Strait das Wetter immer sehr aufmerksam beobachten sollte.

Und nun zu unseren persönlichen Erfahrungen:
COFFS HARBOUR - SYDNEY ca 240 sm. Tidenunabhängige Ankerplätze gibt es nur in PORT STEPHENS, NEWCASTLE (hässlich!), in der BROKEN BAY und natürlich in SYDNEY und PORT JACKSON.

Herrliche Häfen findet man in kleinen Flüssen ,vor denen allerdings immer Barren liegen. Von COFFS HARBOUR kommend entschieden wir uns für CAMDEN HAVEN als ersten Hafen am gleichnamigen Fluss, ca 80sm von Coffs Harbour. Bei allen Windrichtungen bis zu 15 kn ist die Barre immer bei allen Tiden passierbar. Camden Haven ist ein herrliches kleines Örtchen, geschützt, einfach traumhaft. Man könnte lange bleiben, aber die nächste Rückseite (West) einer Hochdruckbrücke mahnte uns zum Aufbruch. Ca 150sm zur BROKEN BAY/Pittwater. Ein schwacher NO Wind nebst Strom führte uns schnell in dieses Segelparadies nördlich von Sydney. Wir verbrachten dort die Weihnachtstage, beobachteten von der Steilküste Manlys den Start des Sydney - Hobart - Rennens und ließen bis zum endgültigen Wechsel des Ankerplatzes nach Sydney in die BLACKWATTLE BAY mehrere Fronten durch. Die ca. 20sm schafften wir jedoch noch gerade rechtzeitig zum Jahreswechsel und dem großen Feuerwerk anlässlich des 100. Jahrestages der Federation Australien. Im Fernsehen konnten uns unsere Kinder und Freunde in Deutschland an der W-Seite der HARBOUR-BRIGDE in unserer "SONNENSCHEIN" beobachten.

SYDNEY - EDEN ca 250sm. In der Blackwattle-Bay hinter der Harbour-Bridge direkt am Fischmarkt liegt man kostenlos an der Pier und ankert dort auch absolut sicher. Das muss einfach erwähnt werden. Die ganze Stadt mit allen ihren Schönheiten und Möglichkeiten kann man von hier zu Fuß "erobern". In Sydney muss man einfach gewesen sein!! Mehr kann hier leider nicht über diese Stadt geschrieben werden. Es würde den Rahmen sprengen. Die Zeit vor Anker nutzten wir u.a. für Gespräche mit australischen Segelfreunden, die die Häfen an der SO-Küste von NSW gut kennen.

Wir folgten ihrem Rat und segelten in Tagesetappen über PORT HACKING (Tidehafen), der riesigen JERVISBAY, BATEMANSBAY und schließlich über den kleinen Fischerhafen BERMAGUI nach Eden. Natürlich gibt es noch andere Möglichkeiten. In der BATEMANS BAY zwang uns ein schwerer NW-Sturm, der aus der Wüste kam, zu einer Pause, die wir zu einem Besuch der Hauptstadt Canberra per Bus nutzten.

Immer verfolgten wir die Taktik: Front durchgehen lassen und dann auf der Ostseite des Hochs in Richtung Süden. Strom und Wind brachten uns so immer unerwartet schnell an den erwünschten Ort.

In EDEN, dem südlichsten Hafen an der Ostküste Australiens, trafen wir unsere Freunde Vera und Ernesto von der SJ "LIBERTEE" wieder. Ihr Schiff hatte sich nach einem Frontendurchgang mit einer Winddrehung von Nord auf Süd während ihrer Abwesenheit von der Mooring losgerissen und dabei ein anderes Boot beschädigt. Sie konnten zum Glück den Schaden schnell regulieren und warteten nun neben anderen Jachten auf die Weiterfahrt in Richtung Süden/Tasmanien. Es gab nur ein ganz kurzes Wiedersehen. Für uns schien auf Grund der Vorhersagen unseres Freundes und Meteorologen JOHN POHLE aus Nebraska, unserer eigenen WX-Faxe und der Vorhersagen von Radio Melbourne eine schnelle Weiterfahrt günstig.

12 Stunden nach unserer Ankunft in Eden brachen wir zusammen mit "LIBERTEE" und den anderen wartenden Jachten in Richtung Tasmanien auf. Einen schwachen Frontendurchgang wollten wir gerne in Kauf nehmen. Unsere Fahrt über die Bass Strait verlief dann auch wie erhofft. Die vorhergesagte Winddrehung mit dem Frontendurchgang war harmlos. Wir verzichteten auf den geschützten Ankerplatz bei BABEL ISLAND/FLINDERS ISLAND, liefen "durch" und erreichten nach 2 1/2 Tagen morgens Tasmanien und nach einem zweiten Frontendurchgang mittags ST. HELENS PORT. Von dort wurden wir nach Kontaktaufnahme über VHF von der COASTAL PATROL kostenlos über die gefährliche und gefürchtete Barre in die sichere Bay von ST. HELENS gelotst. St .HELENS - HOBART ca 130sm. An der Ostküste segelnd erreichten wir die Hauptstadt Tasmaniens durch den DENISON - Kanal bei DUNALLEY. Der Kanal ist bei mittlerer Tide immer passierbar, gut ausgetonnt und hat eine starke Strömung. Die Strecke nach HOBART verkürzt sich dadurch um mindestens einenTag.

In der STORM BAY südlich von Hobart herrschen nachmittags meist südliche und morgens nördliche Winde. Den Landfall in Hobart sollte man also nicht zu früh einplanen. Hobart selbst ist eine Traumstadt und man wird schnell verstehen, warum die Tasmanier diesen Ort für ihre Hauptstadt ausgesucht haben. Man fühlt sich hier wie zuhause. Man muss sich nur gelegentlich warm anziehen. Im RYCT liegt man ruhig und sicher, im Constitution Dock in der Stadt unruhiger, dafür aber billiger. Von Hobart aus kann man per Auto das herrliche Land erkunden oder in den umliegenden sehr geschützten Buchten segeln (D'Entrecastreaux-Channel bis Port Davey). Wir entschieden uns mehr für das Auto.

Die Rückreise von HOBART nach COFFS HARBOUR erfolgte dann nach der bewährten Taktik , d.h. wir ließen "The front passing through" und segelten auf der Westseite der von W nach O durchziehenden Hochs mit den südlichen Winden in Richtung Norden. Nicht selten zogen die Fronten täglich, manchmal sogar 2x täglich durch, so dass man in Anlehnung an die sehr guten WX-Berichte immer rechtzeitig Schutz suchen oder den Ankerplatz wechseln musste. Das kann gelegentlich auch nachts einmal erforderlich sein. Insgesamt lässt sich Tasmanien und die SO-Küste von NSW gut "besegeln" und dieser Teil Australiens wird zu einen unvergesslichen Erlebnis, das zur Nachahmung ohne Einschränkung empfohlen wird. Vielleicht machten wir den Fehler, dass wir nur vier Wochen in Tasmanien blieben und die Westküste seglerisch ausließen.

Handbücher für Tasmanien:
1. D'ENTRECASTREAUX (Guide to the waterways of the D'E....channel) RYC of Tasmania
2. ANCHORAGE-Guide -van Diemen Land Circumnavigation. RYCT
3. CRUISING-Guide around Tasmania RYCT
4. CRUISING the NEW SOUTH WALES COAST 5.Auflage von Alan Lucas

Seekarten:
Aus 148 (Kent-Group), Aus 174, Aus 179, Aus 422, Aus 354, Aus 353 (Westküste), Aus 356, Aus 795, Aus 3410 (Port Davey), Aus 4601 (Int601).

Weitere Seekarten hängen im RYCT aus und werden im Büro auf Wunsch gegen geringe Kosten kopiert.

Wetterinformationen für die australische Ostküste und Tasmanien:
1. Wetter-Fax: Australien- AXM-Melbourne: 5100khz, 11030khz, 13920khz
2. Radio MELBOURNE 2201khz, 6507khz LT 07 48, 13 48, 17 48, 1948 und Warnungen alle 2 h
3a. TASMAN - Radio auf VHF ch16+67 sowie 2524 +4453khz um 07 45, 19 03
3b. MERSEY - Radio (Devonport): 4483khz um 06 50 und 20 10 LT + VHF
3c. Radio - LOCHPORT (Lake Entrance) 2525khz um 0710, 0820,1220, 1510, 1810 LT + VHF(beide speziell für die BASSTRAIT)
4. MW-Radio 1584KHZ 05 55 LT VHF ch6 +ch67 + ch73 u.a. :Sydney Radio und alle Coastal -Patrol Stationen
5. Rund um Australien werden die WX-Berichte in festen Abständen und auf Abruf jederzeit wiederholt.
6. An Land ergeben sich folgende Internet-WX Zugänge:
6a. www.rses.vuw.ac.nz Uni-Wellington/NZ (24-72h)
6b. grads.iges.org/pix oder ...pix/aus2.24hr.gif (bis 144h fcst)
6c. www.bom.gov.au
6d. telephone: 6233 9955 (S-TAS), 6323 2555 (N-Tas), 6376 0555 (E-Tas), 6498 7755 (N/W-Tas).



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Letzte Änderung / Last change: Mittwoch, 20. Juni 2002