translate

Stromerzeugung auf Jachten

S.Y. Victoria, L. 13,44, B. 3,80, T. 1,60, Lothar und Victoria Jürgens.

Nach sechs Jahren, fern der Heimat und dem 220 Volt Landanschluß, können wir sagen: Unsere Stromversorgung ist recht gut, mit Solar- und Windgenerator. Die maximale Gesamtleistung dieser Anlage, 20 Ampere, wird natürlich nur in der Theorie erreicht. Etwa 8 Ampere Ladestrom benötigen wir, um unsere Batterien 400 Ampere/Stunden, im guten Ladezustand zu halten. Erreichen wir diese B Ampere nicht, müssen Abstriche gemacht werden. Meistens sind die »Abstriche« warme Getränke, nicht ganz unser Geschmack in den Tropen, doch leider oftmals nicht zu vermeiden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um dieser »Unterversorgung« entgegenzuwirken! Den Diesel starten? Nur zum Batterie laden, stundenlang mit erhöhter Drehzahl, das ist auch bei genügend Batteriekapazität und großer Lichtmaschine erforderlich, bekommt einmal dem Diesel nicht gut, zum anderen ist es Treibstoffverschwendung.

Der kleine tragbare Stromerzeuger (Jokkel)? Dieser läuft mit 3000 U/min, ist recht laut, verbraucht bei dieser Drehzahl relativ viel Benzin und gibt eine recht bescheidene Leistung ab, Batterien zu laden. Auch ein zusätzliches Ladegerät am 220-Volt-Anschluß hilft nicht sehr.
Viel besser is es, die Batterien mit einem kleinen Generator, der speziell zum Batterieladen ausgelegt ist, nachzuladen. Dieser Generator sollte sehr wenig Treibstoff verbrauchen, einen akzeptablen Ladestrom abgeben und sehr leise laufen. Ein Wunschtraum? Nun, darüber machte ich mir Gedanken. Um diesen »Wunschtraum« zu verwirklichen ist ein besonderer Laderegler erforderlich, bei dem nicht nur die Entladespannung geregelt wird, auch der Ladestrom müßte der jeweiligen Motorleistung angepaßt werden. Hiermit könnte der Motor ständig sehr wirtschaftlich laufen.
Ein solcher Regler wurde von mir entwickelt und aufgebaut. Nun, hier in Fern-Ost werden kleine Motore für viele Zwecke eingesetzt. Warum nicht zum Stromerzeugen auf Jachten?
Jetzt konnten wir uns nach einem passenden Motor umsehen, viele Geschäfte suchten wir auf. Die Auswahl ist groß, aus Japan, USA und Australien kommen die Motore. Wir hatten jedoch spezielle Wünsche und ließen viele verschiedene Motore starten. Entschlossen haben wir uns für den Motor eines bekannten japanischen Herstellers, dazu eine Keilriemenscheibe, die auf den Kurbelwellenzapfen pal3te. Einen Drehstromgenerator hatten wir noch in Reserve. Eine Halterung für die Drehstromlichtmaschine mit Keilriemenspanner wurde angefertigt, das ganze am Motor montiert. Der spezielle Regler wurde angeschlossen. Der Motor auf weiche Schwingelemente gesetzt. Nun kam der große Moment, einen Liter Benzin abmessen und in den Tank einfüllen. Motor starten, dieser läuft im Leerlauf mit etwa 1500 U/min, beim Einschalten des Ladereglers wird die Drehzahl des Motors geringfügig reduziert. Der Ladestrom liegt bei 12 Ampere. Die Uhrzeit wird festgehalten. Jetzt heil3t es warten, bis der eine Liter Benzin aufgebraucht ist, hierbei wird unsere Erwartung auf eine harte Probe gestellt. Nach drei Stunden und zwanzig Minuten bleibt der Motor stehen, der eine Liter Benzin ist verbraucht. Das sind 0,3 Liter in einer Stunde, oder 40 Ampere/Stunden aus einem Liter Benzin. Ein recht gutes Ergebnis, wir sind zufrieden.

ßHier noch einige Details zu unserem Stromerzeuger: Der Motor ist ein kleiner Viertakter, der bei uns nur im Standgas mit ca.1500 Umdrehungen/Minute läuft. Hierbei werden die Batterien mit 12 Ampere geladen. Das neue Aggregat ist in einem Sperrholzkasten eingebaut, Zwangsbelüftung, durch das Gebläse am Motor und Drehstromgenerator.
Die Frischluft wird von unten angesaugt und nach oben, am Auspuff vorbei, durch den überhängenden Deckel, spritzwassersicher, herausgedrückt. Der Auspuff ist über einen Silikonschlauch und Edelstahlrohr nach außen geführt.

Der Motor steht im Kasten auf vier weichen Schwingelementen, zusätzlich wurden unter dem Kasten noch vier weitere Gummifüße montiert. Das Aggregat steht bei uns auf dem Achterdeck. Die Geräuschentwicklung und die Vibrationen sind bei dieser Drehzahl gering. Meine Kurzwellenstation ist in der Achterkajüte, auch beim Betrieb der Station gibt es keine Störungen. Die Lichtmaschine wurde von mir entstört. Der Motor recht gut vom Hersteller.

Die Rollbewegung bei achterlichen Winden schadet dem Motor nicht. Am Wind übernimmt der Windgenerator. Eine Tankfüllung, 4,5 Liter, reicht für 15 Stunden Betrieb. Damit können wir die ganze Nacht die vorgeschriebenen Lichter führen, ohne uns Gedanken über den Zustand unserer Batterien zu machen, die sind voll. Auch werden uns unsere Batterien durch den guten Ladezustand eine größere Lebenserwartung versprechen. Das ständige kapazitive Entladen bekommt Bleisammlern gar nicht gut.
Benzin an Bord, dieses Problem hatten wir früher auch, für den Außenborder und Jokkel. Bei ordentlicher Aufbewahrung dürfte kaum etwas passieren. Zum Umfüllen verwenden wir einen Ball zum Saugen, wie an größeren Außenbordern üblich, dabei geht, auch in rauher See, kein Tropfen verloren.

Letzte Änderung / Last Update Donnerstag, 09. November 2006 © HvS / Webmaster
heimathafen.gif 63x81 heimathafen.gif 63x81