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Karte gross
Segelerfahrungen aus Tasmanien

Ingrid und Timm Pfeiffer-SY SONNENSCHEIN 12m x 3,80m x 1,60m

"Ahead of a southerly change a front is passing through....".

Wer einmal im Suedosten Australiens von z.B. Sydney oder Coffsharbour nach Sueden in Richtung Eden oder gar Tasmanien gesegelt ist, dem wird dieser Satz nie mehr aus der Erinnerung gehen. Taeglich begegnet man ihm in den regelmaessig ueber VHF oder SSB wiederholten WX-berichten, den WX-berichten in den Zeitungen oder in Gespraechen mit den Seglern. In den folgenden Zeilen will ich ein wenig die Bedeutung dieses Satzes "a front is passing through" erlaeutern und dabei auch etwas detailliert auf unsere Segelerfahrung an der SE-Kueste Australiens auf der Strecke zwischen Coffs Harbour , Sydney , Eden und Hobart-Tasmaien eingehen.

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Rote Steine
typische Steinforamtion in Tasmanien
Vor Beginn der Cyclonsaison - d.h.von Mitte November bis spaetestens Mitte Dezember - bewegt sich auf der Suedhalbkugel die Armada der Passatwindsegler in Richtung Australien bzw. Neuseeland. Nur ganz wenige bleiben in Neukaledonien, Fiji oder in der Naehe des Aequators, wo es keine Cyclons geben soll. Wir hatten uns fuer unseren 1.Landfall in Australien den kleinen Fischerhafen COFFSHARBOUR ausgesucht . Nach einem gruendlichen WX-studium unter Hinzuziehen von Wetterfaxkarten und Internetsatellitenkarten u.v.m. war die Ueberfahrt entsprechend harmlos und wir konnten den gelegentlich hier auftretenden Tiefs mit ihren unangenehmen Fronten ausweichen..

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Wodden Boat Festival
Hobart im Februar 2001
COFFSHARBOUR ist ein tidenunabhaengiger Hafen und leicht zu jeder Tages und Nachtzeit anzulaufen. Die Aufnahme durch die Offiziellen von CUSTOM, IMMIGRATION und AGRICULTURE war freundlich und problemlos. Der Hafen erinnert etwas an Daenemark, ist absolut sicher und auch die Liegeplatzpreise sind human. Man bekommt immer einen Platz und muss sich nicht anmelden. Leicht kann man von hier Ausfluege in den bisher unbekannten riesigen Kontinent machen und sich richtig wohl fuehlen. Und hat man erst mal Kontakt zu den freundlichen und unkomplizierten Australieren aufgenommen, ergibt sich alles von alleine. Am liebsten waeren wir geblieben ,aber es zog uns weiter nach Sydney usw....Neue Karten mussten kopiert , der NSW-CRUISING GUIDE von A.Lucas gekauft und Informationen von den Einheimischen ueber das WX und den EAST AUSTRALIEN CURRANT eingezogen werden . Dieser Strom fliesst ueber einer Meerestiefe von ca 200 Fuss mit 2 -4 Knoten in Richtung Sueden (Einzelheiten s.Guide).Nach Sueden muss man also in Coffs H. weit raus. Fuer die Rueckreise von Sueden nach Norden empfahlen uns die Australier dem Strom dadurch auszuweichen,dass man so nah wie nur moeglich unter der Kueste segelt. In die Fernseher der Kuestenbewohner soll man "schauen" oder die SRT Taktik anwenden (SRT=sheet-rock-tack !).

In Hinblick auf das WETTER muss man nun sein ganze Aufmerksamkeit in Richtung Sueden ausrichten und natuerlich auch auf sich schnell in der Naehe von Sydney entwickelnde Tiefs. Von "oben" ,d.h. von Norden kommt jetzt nichts mehr. Das Wetter wird im suedpacifischen Sommer nun im Sueden zwischen 35 S und 55 S von den von West nach Ost durchziehenden Hochs und Tiefs beherrscht. Etwa im 3 -Tagesrhytmus wechseln sich die aus dem Suedpacifischen bzw. Indischen Ocean kommenden Drucksysteme ab. Dabei liegen die Hochs meist etwas noerdlicher, d.h. zwischen 35 und 40 S und ueberlagern gelegentlich auch einmal die in der Regel etwas weiter zur Antarktis liegenden Tiefs . Die Folge ist dann eine laengere Schoenwetterperiode. Leider geschieht dies nur selten.

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Tasmanische Teufel -
Sie kommen nur in Tasmanien vor
Der Normalfall ist allerdings der staendige 3 -taegige Wechsel von Hoch und Tief mit den hiermit verbundenen Frontendurchgaengen und Winddrehungen..."A front is passing through". Da der Wind auf der Suedhalbkugel gegen den Uhrzeiger aus dem Hoch heraus und mit dem Uhrzeiger in das Tiefs hinein weht , muss man sich dieses Gesetz auf seinem Weg nach Sueden oder zurueck nach Norden zu eigen machen, d.h. nach dem Durchgang der Front segelt man auf der Ostseite des Hochs (Suedwind!)nach Norden und auf der Westseite (Nordwind) nach Sueden- wenn die Druckgradienten es zulassen.... Hat man sich schliesslich zum Ablegen entschlossen , sollte man nicht troedeln, im Gegenteil schnell muss man sein. Mehr als 2 Tage hat man selten Zeit, dann kommt die naechste Front und man bekommt den Wind meist kraeftig auf die Nase....Wohl dem ,der dann schon einen Windschutz gefunden hat! Leider gibt es suedlich von Sydney nur wenige tidenunabhaengige Haefen bzw. Buchten. Vor den Flussmuendungen liegen fast immer Barren, die man nicht bei jedem Wetter passieren kann. Gute Karten und ein enger Kontakt ueber VHF zu der COASTEL PETROL sind unbedingt zu empfehlen. Nicht zuletzt sollte man sich bei seinen Tasmanienplanungen mit den Eigenheiten der BASS STRAIT beschaeftigen.

Das flache Wasser, die aus dem suedpacifischen Ozean kommende Stroemung ,die Tiden und die frontenabhaengigen Winddrehungen rufen hier haeufig eine sehr gefaehrliche See mit sehr hohen und kurzen Wellen hervor. Die Teilnehmer der Sydney-Hobart -Regatta ,die ja durch alles durchmuessen, berichten nahezu jaehrlich Schlimmes. Die Bass Strait ist der Highway der Hochs und Tiefs ,die sich hier in kurzer Folge mit den dazuhgeherigen Fronten abwechseln. Das geht manchmal sehr, sehr schnell, sodass man vor der Passage der B-strait das Wetter immer sehr aufmerksam beobachten sollte.

Und nun zu unseren persoenlichen Erfahrungen:
COFFS HARBOUR-SYDNEY ca 240 sm: Tidenunabhaengige Ankerplaetze gibt es nur in Port STEPHENS,NEWCASTLE(haesslich) , in der BROKENBAY und natuerlich in Sydney,Port JACKSON. Herrliche Haefen findet man in kleinen Fluessen ,vor denen allerdings immer Barren liegen. Von Coffs H. kommend entschieden wir uns fuer CAMDEN HAVEN als 1.Hafen am gleichnamigen Fluss ,ca 80sm von Coffs H.. Bei allen Windrichtungen bis zu 15 Kn .ist die Barre immer bei allen Tiden passierbar. C.H. ist ein herrliches kleines Oertchen,geschuetzt,einfach traumhaft.Man koennte lange bleiben, aber die naechste Rueck-(West)seite einer Hochdruckbruecke mahnte uns zum Aufbruch, Ca 150sm zur Brokenbay/Pittwater. Ein schwacher NO Wind nebst Strom fuehrten uns schnell in dieses Segelparadies noerdlich von Sydney. Wir verbrachten dort die Weihnachtstage, beobachteten von der Steilkueste Manlys den Start des Sydney-Hobart-Rennens und liessen bis zum endgueltigen Wechsel des Ankerplatzes nach Sydney in die BLACKWATTLE BAY mehrere Fronten durch.

Die ca .20sm schafften wir jedoch noch gerade rechtzeitig zum Jahreswechsel und dem grossen Feuerwerk anlaesslich des 100 Jahrestages der Federation Australien. Im Fernsehen konnten uns unsere Kinder und Freunde in DL an der W-seite der HARBOUR-BRIGDE in unserer SONNENSCHEIN " beobachten."

SYDNEY-EDEN ca 250sm: In der Blackwattle-B. hinter der Harbour-Br. direkt am Fischmarkt liegt man kostenlos an der Pier und ankert dort auch absolut sicher. Das muss einfach erwaehnt werden. Die ganze Stadt mit allen ihren Schoenheiten und Moeglichkeiten kann man von hier zu Fuss "erobern". In Sydney muss man einfach gewesen sein!! Mehr kann hier leider nicht ueber diese Stadt geschrieben werden. Der Rahmen dieses Berichtes laesst dies nicht zu. Die Zeit am Anker nutzten wir u.a. fuer Gespraeche mit austral.Segelfreunden, die die Haefen an der SE-Kueste von NSW gut kannten. Wir folgten ihrem Rat und segelten in Tagesetappen ueber Port HACKING (Tidenhafen), der riesigen JERVISBAY, BATEMANSBAY schliesslich den kleinen Fischerhafen BERMAGUI nach Eden. Natuerlich gibt es noch andere Moeglichkeiten. In der Batemansbay zwang uns ein schwerer NW-Sturm ,der aus der Wueste kam, zu einer Pause,die wir zu einem Besuch der Hauptstadt Canberra per Bus nutzen. Immer verfolgten wir die Taktik: Front durchgehen lassen und dann auf der Ostseite des Hochs in Richtung Sueden. Strom und Wind brachten uns so immer unerwartet schnell an den erwuenschten Ort.

In EDEN, dem suedlichsten Hafen an der Ostkueste Australiens, trafen wir unsere Freunde Vera und Ernesto von der SY LIBERTEE wieder. Ihr Schiff hatte sich nach einem Frontendurchgang mit einer Winddrehung von Nord auf Sued waehrend ihrer Abwesenheit von der Mooring losgerissen und dabei ein anderes Boot beschaedigt. Sie konnten zum Glueck den Schaden schnell regulieren und warteten nun neben anderen Yachten auf die Weiterfahrt in Richtung Sueden/Tasmanien. Es gab nur ein ganz kurzes Wiedersehen. Fuer uns schien auf Grund der Vorhersagen unseres Freundes und Meteorologen JOHN POHLE aus Nebraska, unserer eigenen WX-faxe und der Vorhersagen von Radio Melbourne eine schnelle Weiterfahrt guenstig. 12 Stunden nach unserer Ankunft in Eden brachen wir zusammen mit LIBERTEE und den anderen wartenden Yachten in Richtung Tasmanien auf. Einen schwachen Frontendurch wollten wir gerne in Kauf nehmen...Unsere Fahrt ueber die Bass Strait verlief dann auch wie erhofft.

Die vorhergesagte Winddrehung mit dem Frontendurchgang war harmlos. Wir verzichteten auf den geschuetzten Ankerplatz bei Babel Island/Flinders Isl. , liefen "durch" und erreichten nach 2 ½ Tagen morgens Tasmanien und nach einem 2.Frontendurchgang mittags St.Helens Pt.. Von dort wurden wir nach Kontaktaufnahme ueber VHF von der COASTEL-PETROL kostenlos ueber die gefaehrliche und gefuerchtete Barre in die sichere Bay von ST. Helens gelotst.

St .HELENS-HOBART ca 130sm: An der Ostkueste segelnd erreichten wir die Hauptstadt Tasmaniens durch den DENISON -Kanal bei Dunalley . Der Kanal ist bei mittlerer Tide immer passierbar, gut ausgetonnt und hat eine starke Stroemung. Der Strecke nach Hobart verkuerzt sich dadurch um mindestens 1 Tag. In der Stormbay suedlich von Hobart herrschen nachmittags meist suedliche und morgens noerdliche Winde. Den Landfall in Hobart sollte man also nicht zu frueh einplanen. Hobart selbst ist eine Traumstadt und man wird schnell verstehen, warum die Tasmanier diesen Ort fuer ihre Hauptstadt ausgesucht haben. Man fuehlt sich hier wie zuhause und muss sich gelegentlich warm anziehen. Im RYCT liegt man ruhig und sicher, im Constutiondock in der Stadt unruhiger ,dafuer aber billiger. Von Hobart aus kann man per Auto das herrliche Land erkunden oder in den umliegenden sehr geschuetzten Buchten segeln (D'Entrecastaux-channel bis Port Davey). Wir entschieden uns mehr fuer das Auto.

Die Rueckreise von HOBART nach COFFS HARBOUR erfolgte dann nach der bewaehrten Taktik , d.h. wir liessen "the front passing through" und segelten auf der Westseite der von W nach O durchziehenden Hochs mit den suedlichen Winden in Richtung Norden. Nicht selten zogen die Fronten taeglich , sogar 2x taeglich durch, sodass man in Anlehnung an die sehr gutenWX-berichte immer rechtzeitig Schutz suchen oder den Ankerplatz wechseln musste.Das kann gelegentlich auch nachts einmal erforderlich sein. Insgesamt laesst sich Tasmanien und die SE-Kueste von NSW gut 'besegeln' und dieser Teil Australiens wird zu einen unvergesslichen Erlebnis, das zur Nachahmung ohne Einschraenkung empfohlen wird. Vielleicht machten wir den Fehler,dass wir nur 4 Wochen in Tasmanien blieben und die Westkueste seglerisch ausliessen.

Seekarten und Handbuecher fuer Tasmanien:
  1. D'ENTRECASTREAUX (Guide to the waterways of the D'E....channel) RYC of Tasmania
  2. ANCHERAGE-Guide -van Diemen Land Circumnavigation. RYCT
  3. Cruising-Guide around Tasmania RYCT
  4. CRUISING the NEW SOUTH WALES COAST 5.Auflage von Alan Lucas
Seekarten:
  1. Aus 148(kent-Group)
  2. Aus 174, Aus 179,
  3. Aus422,
  4. Aus354,
  5. Aus 353(Westkueste),
  6. Aus 356,
  7. Aus 795,
  8. 3410 (Port Davey),
  9. Aus 4601(Int601).
Weitere Seekarten haengen im RYCT aus und weren im Buero auf wunsch gegen geringe Kosten kopiert.

Wetterinformationen fuer die australische Ostkueste und Tasmanien:
  1. Wetter-Fax: Australien- AXM-Melbourne: 5100khz, 11030 khz, 13920 khz
  2. Radio : MELBOURNE 2201khz, 6507khz LT 07 48, 13 48, 17 48, 1948 und Warnungen alle 2 h
  3. A.Tasman -Radio :auf VHF ch16+67 sowie 2524 +4453 Khz um 07 45, 19 03 .b)MERSEY-Radio (Devonport): 4483 khz um 06 50 und 20 10LT +VHF und c) Radio-Lochport(Lake Entrance) 2525khz um 0710, 0820,1220, 1510, 1810 LT +VHF(beide speziell fuer die BASSTRAIT)
  4. MW-Radio 0555LT 1584KHZ
  5. VHF CH 16 +CH67 +ch 73 u.a. :Sydney Radio und alle Coastel -Petrol Stationen rund um Australien wiederholen die WX-berichte in festen Abstaenden und auf Abruf jederzeit.
  6. An Land ergeben sich folgende Internet-WX Zugaenge:
    a.) www.rses.vuw.ac.nz Uni-Wellington/NZ (24-72h)
    b) grads.iges.org/pix oder ...pix/aus2.24hr.gif (bis 144h fcst)
    c.) www.bom.gov.au
    d) telephone: 6233 9955 (S-TAS),
    6323 2555 (N-Tas),
    6376 0555 (E-Tas),
    6498 7755 (N/W-Tas).
Timm Pfeiffer



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Letzte Änderung / Last change: Montag, 05. März 2002