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Trinidad und Tobago, eine Liebererklärung

SY "DADDELDU" Eva & Gerd Spoden
Email: Sydaddeldu@aol.com

Pigeon Point, Tobago
25. März 2003


Außer uns liegen noch eine kleine gammelige, verlassene Yacht vor Anker und ein schönes Schiff, die "ORINOCO FLOW", die von Aufbau und Größe ein wenig der DADDELDU ähnelt. Sie hatte für ein paar Tage neben uns in Scarborough gelegen und war uns da schon aufgefallen, weil zwei kleine Äffchen auf dem Boot herumtobten!

Bei einem Landausflug lernen wir den Eigner kurz kennen. Er ist in Eile, denn er ist auf dem Weg zu einem Notfall ins Krankenhaus. Als Chirurg arbeitet er seit 2 Monaten in Scarborough.

In den nächsten Tagen bessert sich das Fußproblem von Gerd leider überhaupt nicht! Zu unserem Erstaunen schwillt plötzlich auch der rechte an und Gerd ist ziemlich außer Gefecht gesetzt! Bei einem meiner kurzen Besorgungsausflüge mit dem Dinghi fahre ich kurzerhand bei der ORINOCO FLOW vorbei und spreche die Frau an. Ich erkläre ihr unser Problem, und sie bietet uns an, nachmittags vorbeizukommen, wenn ihr Mann zurück ist. Klar, daß mich ihre Äffchen riesig interessieren. Sie sind kaum größer als Ratten und haben insgesamt vom Körperbau mit denen einige Ähnlichkeit. Aber ihr Gesicht ist regelrecht schrumpelig und deutlich affig. Die Tiere hat Gem aus Guatemala mitgenommen, denn beide waren Waisen und chancenlos! Bis in die Mastspitze klettern die Viecher. Vielleicht könnte man sie darauf abrichten so ein kaputtes Fall oben wieder einzuschäkeln? Ich muß das mal mit Gerd besprechen.

Nachmittags fahren Gerd und ich rüber zur ORINOCO FLOW und machen so die Bekanntschaft mit Gem und Rob. Sie ist eine 37-jährige Australierin, Krankenschwester und schon viele Jahre auf Schiffen unterwegs gewesen, bevor sie Rob traf. Er ist 38-jährig, kommt aus Boston, hat diverse Studiengänge der Medizin absolviert und ist hier auf der Insel Chirurg mit Schwerpunkt Krebschirurgie. Er hat entsetzlich viel zu tun, denn die Leute kommen hier immer erst zum Arzt/Krankenhaus, wenn sie schon fast nicht mehr zu retten sind. Die Krebsrate ist erschreckend hoch. Spitzenreiter sind Prostata- und Brustkrebs! Außerdem sind mindestens 20% der Bevölkerung Diabethiker, wen wunderts bei dem unglaublich hohen Zuckerkonsum der Bevölkerung! . Die unterbezahlten Krankenschwestern wandern in Scharen in die USA aus. Gem und Rob leben auf dem Schiff und wollen hier auf Tobago einige Jahre arbeiten und helfen, ein neues Krankenhaus aufzubauen. Beide schauen sich Gerds Füße an und hören seine Geschichte. Zur Sicherheit werden noch zwei Bücher zu Rate gezogen, und dann steht die Diagnose fest: Gicht hat der arme Gerd! Gicht! Da dachte ich doch, daß könnten nur die Fleischfresser kriegen, aber dem ist offensichtlich nicht so! Vermutlich hätte er das schon viel früher bekommen, so sagen die beiden Fachleute, wenn er sich nicht so gesund ernähren würde! Der Alkohol verstärkt das Problem natürlich ganz erheblich! Was also tun? Rob besorgt Ibuprofen, die Gerd jetzt ein Weilchen nehmen muß. Einige Tage später macht er auch eine Blutanalyse, die jedoch recht normale Werte ergibt.

Da wir somit Pigeon Point zunächst nicht verlassen und auch sonst keine Ausflüge machen können, nutzen wir die Zeit. Wir lesen viel, bringen das Schiff wieder auf Hochglanz und freunden uns mit den beiden an. Es hat sich noch eine dritte Yacht zu uns gesellt. "BREAKFAST IN BED" heißt sie und gehört Robin, einem 41 jährigen Engländer, der vor vier Jahren mit Freundin loszog, seit 2 Jahren aber das Frühstück mit seiner Golden-Retriever-Hündin und gelegentlichen Besucherinnen teilt.

Beinahe jeden Abend essen wir gemeinsam. Meinen Englischkenntnissen bekommt das sehr gut. Außerdem lerne ich in dieser Zeit wirklich Schnorcheln! Gem ist eine Wassernixe und eine kluge Lehrerin! Meine anfänglichen Ängste, im offenen Meer zu schwimmen, habe ich größtenteils überwinden können, so daß ich jetzt erheblich mehr Freude am Schnorcheln habe. Schon nach wenigen Versuchen kann ich nicht nur Schnorcheln, sondern tauche auch ganz locker zwei, drei Meter ab! Nicht zu beschreiben, wieviel Freude mir das macht!

Dienstag, 3. April 2001
Unsere Touren werden täglich gewagter und heute werden wir für unsere Übung reich belohnt. Die Unterwasserwelt fasziniert uns immer wieder aufs neue. Ich liege flach auf dem Wasser und bewege mich nur langsam, um die Fische nicht zu erschrecken. Das Riff ist zum Teil nur einen Meter unter der Wasseroberfläche. Unter mir schwimmen kleine Schwärme blauer Fische. Zwischen den großen Brain Corrals, die aussehen wie riesige Gehirne und daher auch ihren Namen haben, sehe ich einige wunderschöne, bunte Fische. Besonders gut gefallen mir die kleinen hellblauen, die am Schwanzende einen Fleck haben, der aussieht wie ein Auge, so daß sie scheinbar rückwärts schwimmen. Langsam schwimme ich weiter, Gerd ist ein paar Meter hinter mir, als ich eine große Muräne entdecke! Sie hat mich offensichtlich schon lange vorher gesehen, wen wundert's, und sieht mich sehr bedrohlich an! Ich erschrecke furchtbar und will nach Gerd rufen, habe aber den blöden Schnorchel im Mund und turne ein bißchen verzweifelt durchs Wasser, bis es mir gelingt, bei Gerd Zuflucht zu finden! Nachdem ich mich beruhigt habe, suche ich nach dem Seeungeheuer, kann es aber nicht mehr finden! Viele schöne kleine und große Fische erfreuen uns noch ein Weilchen, dann schwimmen wir zurück.

Wir wollen doch mal sehen, was die Pelikane und Möwen immer im Wasser jagen. Uns war aufgefallen, daß sie immer dort jagen, wo sich im Wasser große dunkle Teppiche von Irgendwas befinden. Nur wenige Meter von der DADDELDU befindet sich ein solcher Teppich, und wir schwimmen rüber. Der Boden ist hier sehr sandig, und nur hin und wieder sehe ich Gewächse und Korallen. Plötzlich entdecke ich unter mir 5 große Fische, die aber sofort wieder verschwinden. Und dann liegt dieser dunkle Teppich vor mir, ich schwimme direkt darauf zu. Eine riesige Wolke kleiner Fische! Ich schwimme langsam hinein. Mir bleibt die Luft weg, so was Unglaubliches ist schwer zu beschreiben! Wie ein einziges großes Tier bewegt sich dieser Schwarm durchs Wasser, Tausende von kleinen, kaum fingergrossen Fischlein, wie eine große Überseele scheinen sie zu atmen und zu leben. Elegant umschwimmen uns diese Massen. Um uns herum entstehen regelrecht Fischlöcher, die sich hinter uns wieder schliessen. Unter mir dieses Gewimmel tausender kleiner Fische, so daß ich den Grund nicht sehen kann. Plötzlich aber öffnet sich der Fischteppich und genau unter mir, auch noch genau wie ich, liegt ganz ruhig ein riesiger Fisch, sicher 2 Meter lang!, der mich blöde anglotzt! Aber ich habe aus den vergangenen Tagen gelernt und gerate nicht mehr so schnell in Panik. So ist dann er derjenige, der meinen Blick nicht mehr aushalten kann und sich dünne macht! Da bin ich mächtig stolz!

Auch Robin ist ein sehr erfahrener Schnorchler. Gemeinsam machen wir uns an die Arbeit, dem Meer ein Abendessen zu entringen. Langusten stehen auf dem Speiseplan. Dafür wollen wir nachts schnorcheln gehen, denn erstens ist das sowieso neu und spannend, und zweitens sind die Viecher nachts leichter zu fangen.

Gem und Rob rüsten ihr großes Schlauchboot mit einer Lampe aus, die ziemlich weit scheint, so daß wir unseren Weg zurück leichter finden können. Gerd und ich teilen uns eine Wassertaschenlampe, oder besser gesagt bekommt Gerd eine und ich keine! Ich muß also sehen, daß ich dran bleibe, denn im schwarzen Wasser alleine zu schwimmen ist mir doch recht unheimlich! Schon zwei Meter Entfernung reichen und alles um Dich herum ist pechschwarz! Der größte Teil der Fische schläft nachts, wie anständige Lebewesen das halt zu tun pflegen. Nur ein paar Räuber sind unterwegs. Tagsüber kommen wir nie in Berührung mit den Fischen, dafür sorgen die schon selber, aber nachts und durch die Lampe geblendet habe ich mehrere Male Hautkontakt, und ein kleiner Wüstling schwimmt mir doch tatsächlich ins Decollete meines Badeanzugs! Drei Lobster landen schließlich in unseren Netzen. Übrigens eine interessante Fangtechnik. Diese kleinen Leckerbissen haben nämlich die witzige Angewohnheit, rückwärts zu fliehen. Ist ein Lobster unter einer Koralle entdeckt, wird er sozusagen rückwärts rausgetrieben und läuft direkt in die Hände dessen, der die Hintertür bewacht.

Für zwei Tage gesellt sich noch die PUSTEBLUME mit Heide und Günther Voigt zu uns. Diese beiden sind die ersten echten Langfahrtsegelnden, die wir bisher kennengelernt haben. Ihr Schiff ist ähnlich wie unseres, etwas größer, aus Aluminium und in der Ausführung unglaublich detailliert. Ohne unserer geliebten DADDELDU zu nahe treten zu wollen, klar, wuerden wir sie gegen kein anderes Schiff eintauschen, aber die PUSTEBLUME ist eine andere Kategorie! Hier stecken 100.000 Seemeilen Erfahrung drin. Einige interessante Gespräche mit den beiden erweitern unseren Horizont erheblich. Als die beiden aber von unseren Plänen, Südamerika einschließlich Kap Horn zu runden, hören, geben sie sich viel Mühe, uns den Plan auszureden. Zugegeben - bisher haben wir noch keine detaillierte Routenplanung vorgenommen; ist ja auch noch ein Weilchen hin, bis es ernst wird. Sie erklären uns, wir müßten von den Galapagos zu den Osterinseln, um von dort aus den Schlag nach Südchile machen zu können. In Küstennähe seien Strömung (bis zu 5 Knoten) und Wind immer gegenan. Sie selber sind diese Strecke in all den Jahren nicht gesegelt. War ihnen einfach zu tough! Einige Wochen später erfahren wir von einem gemeinsamen Bekannten, daß sie sich doch etwas abfällig über die Greenhorns auf der DADDELDU geäußert haben! Das fordert Rache und Genugtuung!

Wir beschließen, die Insel zu umsegeln und reißen uns von Pigeon Point los! Unser erstes Ziel ist eine nur 3 Seemeilen entfernte Bucht. Auch hier finden wir eine wunderschöne Unterwasserwelt, die uns begeistert. Schnell vergehen wiederum zwei Tage. Tobago ist ja auch als Vogelparadies bekannt, und ich merke erst hier, daß mir das Gezwitscher, das ich in Neuss immer sehr geliebt habe, auf See doch auch etwas gefehlt hat! Unser Spaziergang zum Vogelschutzgebiet findet leider eine Stunde zu spät statt, außer vielen Moskitos nichts gewesen.

Danach fahren wir zwei Buchten weiter nach Plymouth. Ein verschlafenes kleines Nest, in dem wir ein viel zu teures Essen bekommen, weil wir dumm genug sind, nicht vorher nach dem Preis zu fragen. Wir sind die einzigen Gäste, aber der Abend war wohl trotzdem lukrativ, dank uns blöden Touries! Auf unserem Weg zum Dinghi treffen wir auf ein deutsches Paar, das ebenfalls gerade mit seinem Dinghi zu seiner Yacht fahren will. Kurzerhand laden sie uns noch auf einen Drink an Bord ein, den wird gerne annehmen. Die beiden haben für 14 Tage diese Yacht gechartert und segeln damit um Tobago.

Wir verlassen Plymouth schon am nächsten Tag wieder ohne Bedauern. Castara ist unser nächstes Ziel und gefällt uns schon erheblich besser! Ein kleines Fischerdorf, an dessen Rand sich eine sehr hübsche, Ökominihotelanlage befindet. Eigentlich mehr eine Vermietung kleiner Urlaubshäuser! Für naturnahen Strandurlaub - womöglich mit Kindern - muß das hier ideal sein. Eine Hütte aus Palmwedeln mit Sandfußboden und ausgefallener tropischer Dekoration lockt uns zum Dinner. Für kleine Mark werden wir köstlich bewirtet! Auf unserem Weg ins Dorf spricht uns ein junger Local an und versucht, auf recht sympathische Weise, seine Dienste anzubieten. Nein, wir brauchen im Moment keine Früchte und auch eine Tour in den Regenwald wollen wir im Moment nicht machen. Schließlich finden wir doch noch einen Weg, mit ihm, Allan, ins Geschäft zu kommen. Er soll uns das Angeln beibringen!

Vereinbarungsgemäß holt er uns am nächsten Tag gegen Mittag mit einem geliehenen Fischerboot ab. Wir sind etwas enttäuscht, daß er nur Schleppangeln hat, aber wir wollen trotzdem unser Glück versuchen. Gerd und ich erhalten jeweils eine solche mit einem Squid (soll einen Kalamares darstellen) als Köder.

Den Köder ziehen wir mit ca. 15 Metern Abstand hinter dem Boot her, halten aber die Schnur in der Hand, um zu spüren, wenn ein Fisch anbeißt. Wir sind noch keine 2 Minuten unterwegs, da spüre ich einen heftigen kurzen Ruck an der Leine. Schnell ist die Leine eingeholt und mein erster kleiner Bonito kommt an Bord! Schnell werfe ich den Köder wieder ins Wasser und lasse ihn auslaufen. Er ist noch nicht ganz 10 Meter entfernt, als ich den zweiten am Haken habe! Kaum ist der Köder wieder im Wasser , als ich den mir schon bekannten Ruck in der Leine spüre. Ich will die Leine wie gehabt reinholen, spüre einen erneuten Ruck noch bevor ich den Fisch an Bord habe und fühle, daß jetzt die Angel leer ist! Aber trotzdem will ich nachschauen und traue meinen Augen nicht, daß am Haken nur noch der Kopf eines Fisches hängt! Allan erklärt mir, ein Barrakuda habe sich über meine Beute hergemacht. Schade, den hätt ich gerne angelandet! Ich gebe nicht auf, und nachdem ich den vierten Bonito im Schiff habe, tausche ich mit Gerd die Angeln, denn vielleicht mögen die Fischlein meinen rosafarbenen Squid mehr, als seinen blöden blauen. Er soll ja auch mal ein Erfolgserlebnis haben, der arme Kerl! Zwei Stunden insgesamt sind wir unterwegs und zählen zum Schluß 10 Fische. Sieben davon habe ich reingeholt, zwei davon sogar mit dem blauen Squid.

Mehr als satt werden können auch wir nicht und einen Marktstand zum Verkauf wollen wir auch nicht eröffnen! Jetzt wissen wir, wie's geht und nutzen die noch verbleibende Zeit vor der Dunkelheit um mit Allan Schnorcheln zu gehen. Er will uns zeigen, wo die großen Schnecken zu finden sind. Dafür fahren wir in eine nahegelegene kleine Bucht und entdecken hier das bisher schönste Riff! Allan schwimmt regelrecht in die Felsen rein und holt die Schnecken zwischen den Steinen hervor. Die kommen nicht freiwillig mit, und er muß recht viel Kraft aufwenden, sie von den Steinen zu lösen! Schließlich haben wir aber 15 schöne Exemplare erbeutet. Auf meinem Weg zurück ins Boot sehe ich in ca. 4 Metern Tiefe meine erste Schildkröte! Beeindruckend, wie sich diese gewaltigen Tiere im Wasser bewegen. Leider sind sie sehr scheu! Kein Wunder, bei all dem, was Menschen diesen edlen Tieren, die schon Zeitgenossen der Dinosaurier waren, so angetan haben. Sie waren schon für die Seefahrer längst vergangener Zeiten begehrter Proviant für Langfahrten. Auf den Rücken gedreht, gefesselt und über einander gestapelt haben sie ohne jegliche Versorgung oft wochelang in den stickigen, stinkenden Schiffsrümpfen ihres nicht minder grausamen Todes harren müssen. Bis noch vor wenigen Jahren waren sie begehrte Suppenzutat (Lady-Curzon-Suppe) oder mußten als Steaks für Reiche herhalten. Am Strand bauen wir mit ein paar Steinen einen Grill und Allan bereitet die Fische vor. Kurzerhand liegen die vorbereiteten Fische auf dem Grill, und bei so viel Anglerinnenglück können wir es uns leisten, das eine oder andere Stück zu verschenken!

Die nächste Bucht ist Englishman's Bay und einfach nur schön! Wir sind das einzige Schiff und haben den ganzen herrlichen Strand für uns! Baden, Schnorcheln, Lesen oder einfach nur Faulenzen! Wunderbar!

Parlatuvier Bay
Bei Familie Chance, einem unglaublichen Kramladen, in dem es fast alles zum Leben notwendige gibt, kaufen wir unseren sundowner und setzen uns damit an den Strand. Auf dem Weg zum Nachschub hören wir deutsche Stimmen und sehen vier junge Leute auf einer Terrasse in ihre Unterhaltung vertieft. Es ist ja immer interessant, Kontakte zu machen, denn andere wissen möglicherweise zufällig genau das, was wir gerade wissen wollen. Da wir in den nächsten Tagen in den Regenwald von Tobago wollen, sprechen wir die Leute an und fragen, ob sie diesbezüglich bereits Erfahrungen gemacht hätten. Nein, haben sie nicht, aber das eine oder andere Interessante tauschen wir doch noch aus! Just in dem Moment als wir gehen wollen, fragen uns zwei der vier, ob wir sie - sozusagen als Tramper - mitnehmen können, denn auch sie wollen nach Charlotteville. So heuern die beiden für den kurzen Törn an. Mit dem Schiff ist es einfach, nach Charlotteville rüberzufahren, mit dem Bus aber müßten die beiden erst nach Scarborough und dort umsteigen. Eine schweißtreibende und zeitaufwendige Angelegenheit. Für die beiden ist die kurze Tour auf der DADDELDU ein echtes Erlebnis, denn auf einer Yacht waren sie noch nie. Um zu verhindern, daß einer der beiden seekrank wird. stellen wir Christof ans Ruder, und Sandra bekommt unsere Schleppleine à la Allan in die Hand gedrückt. Leider hat sie nicht den gewünschten Erfolg. Wir kommen ohne Fisch aber mit fröhlicher Crew in Charlotteville an. Die beiden hatten schon eine Woche hier verbracht und versorgen uns noch mit vielen guten Tips und laden uns als Dankeschön zum Essen ein.

Durch sie lernen wir auch Black Boy kennen. (Den Namen trägt er schon seit seiner Kindheit, denn in der Tat ist er noch schwärzer als all die anderen Schwarzen). Diese Bekanntschaft stellt sich als wirklich lohnend heraus, denn wir verbringen hier eine herrliche Woche, gerne wären wir 4 Wochen geblieben! Mehrere barbecues und gemeinsame Schnorcheltouren mit Black Boy und seinen Freunden werden uns unvergessen bleiben. Leider erwarten hier alle Einheimischen, Locals genannt, daß wir sie vollständig freihalten. Da auch diese Jungs gerne Bier trinken und rauchen, kommt schon ne ganze Menge zusammen! Aber sie revanchieren sich, wo immer sie können, und unterm Strich hat sich's wahrlich gelohnt!

Es fällt mir richtig schwer, die Jungs hier zu verlassen. Ich habe viel von ihnen gelernt. Aber unsere Wasservorräte schrumpfen bedenklich, und außerdem ist die DADDELDU ein Schiff und keine Immobilie! Speyside auf der anderen Seite der Insel ist zwar ganz nett, aber leider lassen wir uns mal wieder von einem Local abzocken. Der Mensch heißt ausgerechnet auch noch Black Pirate und macht seinem Namen alle Ehre! Wir wollen mit ihm und seiner Freundin ein barbecue machen, wissend, daß wir alles bezahlen müssen. Wir vertrauen ihm 150 $ TT ( ca 50,- DM ) an und verabreden uns für den nächsten Abend im Haus seiner Freundin. Black Pirate kommt fast zwei Stunden später als vereinbart und ist bedrohlich zugekifft! Seine Freundin rettet aber den Abend noch halbwegs und wir hatten mal wieder eine Lernchance!

Wir machen noch einen kurzen Abstecher nach Scarborough um uns erneut mit Wasser und Frischvorräten zu versorgen und fahren dann wieder nach Pigeon Point, unserem Ausgangsort.

Noch eine gemütliche Woche vertrödeln wir hier mit Rob & Gem und den beiden Äffchen. Genießen die Ruhe vor dem Sturm sozusagen, denn auf Trinidad wartet viel Arbeit auf uns!

Samstag, 02. Juni 2001
Ein kurzer Trip von Tobago brachte uns nach Trinidad. Leider ohne Beute, denn ich habe unbemerkt den Köder verloren und somit nur die Angelleine mit dem Bleistück gebadet!

Jetzt sind wir schon fast zwei Wochen hier in Chaguaramas auf Trinidad. Es ist mir gelungen, Gerd zum Fasten zu überreden! Da hat er nun schon so viele Wochen seine Ibuprofens genommen, aber seine Füße sind noch immer geschwollen und nie richtig schmerzfrei! 10 Tage hat er nun gefastet und auch den Alkohol weggelassen. Schon am dritten Tag konnte er die Pillen absetzen und nach sechs Tagen sahen seine Füße wieder so aus, wie Füße halt auszusehen haben. Auch seinen Bronchien hat die Fastenkur gutgetan! (P.S. auch viele Wochen später ist er noch schmerzfrei und hat mir versprochen, zweimal jährlich zu fasten! Super, Eva!)

Die ersten Tage verwenden wir, um uns zu orientieren.
Hier hatten die Briten im ersten und die Amis im zweiten Weltkrieg einen wichtigen Stützpunkt, denn diese Halbinsel mit den kleinen vorgelagerten Inseln ist ideal um den nördlichen Zugang nach Venezuela zu kontrollieren. Erst seit 1960 ist Trinidad die amerikanische Besatzung los, aber irgendwelche Hoheitsrechte bestehen seitens Amerikas immer noch. Das fördert aber wohl eher die Beziehungen heutzutage, als daß es sie stört.

Wir erfahren einige Tage später, daß genau dieses Nadelöhr, durch das auch wir auf unserer Weiterreise müssen, besonders überfallgefährdet ist, und daß hier schon so manche Yacht von venezuelanischen Gangstern überfallen worden ist. Von einem Kanadier hören wir, er fahre in solchen Zonen immer die amerikanische Flagge, denn Amerikaner sind auch bei den Piraten dafür bekannt, Waffen an Bord zu haben und sie auch zu benutzen! Auch hören wir zum wiederholten Male, daß gerade auch die venezuelanische Coast Guard eine kleine Mafia darstellt! Das kann ja lustig werden! Aber zunächst und für die nächsten Wochen liegen wir noch hier in Chaguaramas und fühlen uns sehr sicher!

Vor einigen Jahren kam ein cleverer Geschäftsmann auf die Idee, die brachliegenden Docks für Motorboote und deren Service umzurüsten. Im Laufe der folgenden Jahre entwickelte sich daraus ein beeindruckendes Centrum für Segel- und Motoryachten. Gut 3000 Schiffe werden hier jährlich versorgt. Leider steckt das Umweltbewußtsein noch in den Kinderschuhen. So werden die Schiffe aus dem Wasser gehoben und mit Hochdruckreinigern vom Bewuchs und dem vorangegangenen Antifouling befreit. Das Zeug ist hochtoxisch und geht als blaue Brühe ungefiltert ins Meerwasser! Kein Wunder, daß wir hier beim Schnorcheln um die Ecke rum nur noch selten Fische und Korallen entdecken können! Schade!

Hier im südlichsten Zipfel der Karibik gab es 1963 den letzen Hurrikan, so daß dieses Gebiet (auch versicherungstechnisch!) als hurrikanfreie Zone gilt! Wir hoffen, sie haben recht! Nachdem wir eine Woche vor Anker gelegen haben, lassen wir DADDELDU aus dem Wasser nehmen, um ihr ein neues Unterwasserkleid verpassen zu lassen! Sie ist unterhalb der Wasserlinie so stark mit Muscheln und Algen bewachsen, daß wir den Eindruck haben, ein kleines fahrendes Riff zu besitzen. Nur ein Jahr ist es her, daß wir das in Holland haben machen lassen, das hätte eigentlich 2 Jahre reichen müssen. Aber die Jungs hier auf der Werft leisten schnelle und sehr gute Arbeit, so daß DADDELDU ruckzuck wieder edel aussieht. Auch der kleine Schaden, der durch die Grundberührung in Frankreich entstanden war, wird hier professionell behoben. Leider stellen wir fest, daß unsere Schraube erneuert werden muß, obwohl sie erst 4 Jahre alt ist! Aus der Bronze war der Zinkanteil durch Elektrolyse regelrecht herausgefressen! Die eigens zu diesem Schutz vorhandene Opferanode hat offensichtlich das Problem nicht verhindern können. Mal wieder 2000.- DM futsch, aber als das Schiff eine Woche später wieder ins Wasser kommt, sieht es schon ganz anders aus! Ein Local poliert den Rumpf, den rostfreien Stahl und das gesamte GFK, so daß unsere geliebte DADDELDU jetzt schöner aussieht, als zum Zeitpunkt unserer Abreise!

Viele Arbeiten müssen noch erledigt werden, die leider alle mit hohen Kosten verbunden sind. So eröffnet uns der Segelmacher, daß unser Grosssegel nach den 12 Jahren jetzt eigentlich fällig wäre, aber diese Kosten sparen wir noch bis Panama, wissend, daß wir nicht daran vorbeikommen. Gestern ist uns noch unser Inverter (Stromumwandler, der aus 12 Volt 220 Volt macht) wegen Überlastung weggeschmolzen, so daß auch da ein paar Tausender draufgehen werden.....

Zu guter Letzt stellen wir fest, daß unsere gesamten Batterien ausgewechselt werden müssen. Als uns seinerzeit in Lagos die Ankerwinsch durchgebrannt ist, hatten sich die Batterien offensichtlich derart tief entladen, daß sie nicht mal mehr die Hälfte der Leistung erbringen. So ein Mist! Und ich bin schuld!

Unser Watermaker ist dafür recht schnell und problemlos wieder einsatzbereit. Lediglich die Pumpe muß anders herum eingebaut werden. Unser lieber Freund Frans hatte sie über Kopf eingebaut, was ja auch bei den meisten Pumpen kein Problem ist, bei dieser Anlage jedoch war es fatal.

Hier in der Marina ist ein Supermarkt, in dem ich alle erforderlichen Einkäufe erledigen kann. Zwischen den Regalen unterhalte ich mich mit einer Kanadierin über die besten Einkaufsmöglichkeiten auf der Insel. Sie gibt mir einige wertvolle Tips und erzählt mir nebenbei ihre Story. Seit vier Jahren ist sie gemeinsam mit ihrem Mann auf ihrer SWEET KARMA unterwegs. Ziemlich heruntergekommener Pott, lag ein paar Tage neben uns vor Anker. Sie erzählt mir, daß sie vor zwei Jahren nach Puerto Rico gesegelt sind und dort vor einem Hurrikan in die Mangroven geflüchtet sind. Das müßt Ihr Euch so vorstellen, daß das Schiff sozusagen mit voller Kraft in die Büsche fährt, um sich regelrecht zu verstecken. Eine Technik, die wohl häufiger angewendet wird und eigentlich recht erfolgreich ist. (Ich hoffe, wir werden sie nie anwenden müssen!).

Da sie von Locals den Hinweis erhielten, das Schiff besser zu verlassen, um sich nicht selber in Gefahr zu bringen, lag das Schiff zwei Tage unbeaufsichtigt in den Mangroven. Das hat der Obermafioso der Gegend genutzt, um in aller Seelenruhe und in aller Öffentlichkeit das Schiff regelrecht zu entkernen. Als die beiden zu ihrem Schiff zurückkamen, war bis auf die letzte Unterhose und die letzte Kaffeetasse alles ausgeräumt! Mit einer langen Liste der gestohlenen Gegenstände sind die beiden zur Polizei marschiert. Den Täter konnten sie benennen. Das machte es für die Polizisten recht leicht. Mit dieser Einkaufsliste gingen sie nun her und kauften dem Dieb alles ab, was sie selber so besitzen wollten! Bei ihren Landausflügen begegnete den Beraubten sozusagen immer wieder ihr Eigentum im Besitz anderer Leute. Ein ganzes Jahr lang haben sie versucht, über Rechtswege ihr Eigentum zurückzuerlangen. Ihr letztes Geld haben die Anwälte verschlungen. Kurz vor dem anberaumten Gerichtstermin kamen dann massive Morddrohungen, die die beiden dann schließlich zwangen, das Land zu verlassen! Klar, daß sie nicht versichert waren! Um Puerto Rico werden wir einen großen Bogen machen!

10. Juni 2001
Gestern haben wir meinen 40 Geburtstag gefeiert! Rob und Gem sind von Tobago rübergekommen, denn sie konnten den Trip mit wichtigen Einkäufen hier verbinden. Leider haben die beiden momentan eine harte Zeit, denn Titi, das kleine Äffchen, das auch auf dem Foto mit mir war, ist seit einer Woche spurlos verschwunden!

Als die beiden von einem Ausflug zum Schiff zurückkamen, war Titi weg. Ob sie gestohlen wurde oder über Bord ging, wird wohl nie mehr zu klären sein. Gem ist 2 Stunden um das Schiff geschwommen und getaucht, leider ohne jeden Erfolg. Nun leidet sie, als hätte sie ein Kind verloren! Es geht uns schlimm nahe, sie so zu sehen! Dünn, wie sie eh schon war, hat sie auch kaum essen können! Da ich selber im Laufe meines Lebens schon diverse Tiere verloren habe, kann ich sie gut verstehen und nehme eine große Portion Trauer mit auf! Titi war halt auch ein besonders witziges und originelles Äffchen! Trotzdem gelingt es uns, den Abend zu genießen und zum Abschluß futtern wir noch einen schönen Geburtstagskuchen, den die beiden für mich haben machen lassen, öko, wie sie behaupten! Lecker! Mein erster seit sicher dreißig Jahren.

03. Juli 2001
Gerd ist heute nach Deutschland geflogen. Mal wieder sind Probleme mit seinen Partnern zu lösen - diesmal hoffentlich endgültig! Der 95 Geburtstag seiner Mutter fällt genau in die Zeit seines 14 tägigen Aufenthaltes, das ist besonders schön. Außerdem kann er endlich seine Enkeltochter bestaunen. 14 Tage am Stück waren wir schon Jahre lang nicht mehr getrennt. Mal sehen, wie das so ist. Ich habe mir einen Kopfhörer für den Laptop gekauft und werde versuchen, übers Internet mit ihm zu telefonieren. Außerdem habe ich mir vorgenommen, die vielen sportlichen Möglichkeiten hier in der Marina zu nutzen. Die Anlage hat einen schönen Garten und mittendrin einen Pool. So schwimme ich täglich eine halbe Stunde zügig Bahn um Bahn. Mit meiner neuen Freundin Liz, einer Südafrikanerin, fahre ich jeden Morgen um 6.30 mit deren Mountainbike durchs Umland.

Liz und ihr Mann Ernie besitzen ein Schiff von ca. 62 Fuß. Die SABATAYN wurde in Neuseeland in einer Werft gebaut, die bis dato vorzugsweise für Rußland Militärschiffe gebaut hatte. Die SABATAYN sollte ihr erstes Segelschiff werden. Nach einer fast einjährigen Bauzeit wurde das Schiff zu Wasser gelassen Leider versank es beinahe, denn es lag erheblich tiefer, als die Konstruktionswasserlinie vorgab. Das schwere Stahlschiff stimmte in der gesamten Statik und Gewichtsverteilung nicht! Prozesse folgten, viel Streß und Ärger. Schließlich einigte man sich darauf, das Schiff in vier Teile zu zerteilen und 4 Meter länger und auch einen Meter breiter zu machen. Dadurch wurde aus der geplanten 48 Fuß Ketsch ein Riesenpott! Unter uns gesagt, ein wenig verbaut, aber mit einem Technikraum, der uns schwer beeindruckt hat. Neben all den Motoren, Generatoren und Kompressoren, Waschmaschine und Werkbänken ist das Schiff mit Tauchgarnituren für 8 Personen ausgerüstet und hat tatsächlich eine eigene Dekompressionskammer in der zwei ausgewachsene Menschen liegen können! Das Teil ist größer als unser Dinghi!

Mit Liz mache ich mich erstmals daran, Nähen zu lernen. Wir schneidern eine lange Bluse für mich, nähen Mützen für unsere Winschen und haben viel Spaß dabei!

Neben all den vielen anderen netten Bekanntschaften schließe ich noch eine weitere wichtige Freundschaft. Angelika von der PETIMA zu besuchen wird mein tägliches Vergnügen. Sie ist in meinem Alter und lebt seit fast zwei Jahren auf dem Wasser. Nachdem aber ihre Beziehung zum Skipper in die Brüche gegangen ist, sucht sie eine neue Lebensperspektive auf dem Wasser. Seit einigen Wochen betreut sie die PETIMA, weil der Eigner noch anderweitig beschäftigt ist. Eine Frau wie Angelika, alleine auf dem recht auffälligen Holzschiff in prominenter Lage bei Power Boats kann Mann natürlich nicht übersehen. Groß und schlank, kecker blonder Kurzhaarschnitt und eine außergewöhnliche Ausstrahlung! Ruckzuck war auch ein neuer, fescher Liebhaber zur Hand, John, aus Südafrika ist der Glückliche. Er war lange Zeit Söldner und hat viel zu erzählen, aber das ein andermal. Mit ihm mache ich meine ersten Tauchgänge, denn er besitzt einen Kompressor. Das Ding schwimmt über uns im Dinghi mit und versorgt uns bis zu 4 Stunden ununterbrochen mit Luft. Das hat den enormen Vorteil, daß wir nur im Badezeug mit Tauchmaske und Schnorchel ins Wasser gehen können.Weiteres Tauchequipment ist nicht erforderlich!

Angelika ist aus Deutschland regelrecht geflohen, weil sie jahrelang unter extremer Neurodermitis gelitten hat. Unvorstellbare Quälereien verbunden mit Krankenhausaufenthalten, massivem Cortisoneinsatz etc. konnten immer nur kurzfristige Linderungen bringen. Kuren in Israel machten immer wieder deutlich, daß ein dauerhafter Klimawechsel notwendig war. So war es seinerzeit für den Skipper der PETIMA nicht schwer, sie an Bord zu locken. Die Karibik hat an ihrer Haut und ihrem gesamten Gesundheitszustand regelrecht Wunder bewirkt. Hätte sie es mir nicht erzählt, ich wär nie drauf gekommen, daß ihre Haut mal derart entzündet war!

So nutze ich das unfreiwillige Alleinsein und habe hier volles Programm. Mit dem Dinghi flitze ich von einem Termin zum nächsten und nebenbei sorge ich noch dafür, daß einige anstehende Arbeiten an Bord erledigt werden.

Meine Kommunikation mit all meinen neuen Bekanntschaften oder auch diversen Dienstleistern funktioniert immer über das UKW Funkgerät. Auf Kanal 68 sind mehr oder weniger immer alle Segler und Seglerinnen hier in Chaguaramas stand by. Morgens um 8.00 höre ich regelmäßig das Netz. Für die Dauer von ca. 20 Minuten wird dann auf eben diesem Kanal alles bekanntgegeben, was die Cruiser so interessieren kann. Veranstaltungen, Wetter, Grillparties, oder auch Sicherheitsprobleme werden hier erörtert. Auch Tauschgeschäfte werden erledigt und der eine oder andere Außenborder oder Autopilot wechselt sein Mutterschiff. Ich ergattere für 50 US Doller eine Persenning für unser Schiff, die zwar ein wenig zu klein ist, aber doch viel Schatten für das Vorschiff spendet.

Da ich sehr aktiv bin, steigt auch der Bekanntheitsgrad der DADDELDU. Ständig bin ich mit PETIMA auf der Funke. Wir wechseln zwar immer sofort auf einen anderen Kanal, aber ich höre regelrecht, wie alle anderen deutschen Schiffe mit auf 71 wechseln. Ist ja auch fast wie durchs Schlüsselloch gucken. Zugegeben, manchmal gehe ich auch mit und hör mal, was die anderen so zu erzählen haben!

John:"Eva, you forgot your pants and shoes yesterday, do you want me to bring them to you?" Schon wieder habe ich im Tauchanzug den Heimweg angetreten, aber das weiß ja keiner!

Gestern nachmittag komme ich von einem meiner Tauchausflüge mit John und Angelika zurück, das Dinghi bis oben hin mit Tauchequipment und Einkäufen beladen. Ich fahre längsseits an die DADDELDU und entlade all den Krempel, steige schnell hinterher, bin mal wieder in Eile, denn ich bin zum Pizzaessen verabredet. Schnell noch unter die Dusche und in frische Klamotten. Schon will ich wieder ins Dinghi steigen, aber leider ist kein Dinghi mehr da! Heiß schießt mir der Schreck ins Blut! Meine absolute Horrorvorstellung, das Dinghi zu verlieren! Wenn Gerd zurückkommt und wir haben kein Dinghi mehr! Nicht auszudenken! Ein schneller Blick durch den Hafen, da sehe ich ein Fischerboot und ein Dinghi im letzten Tageslicht agieren und vermute gleich, jemand macht sich da mit Klein-DADDELDU davon. Mit etwas zittriger Stimme gehe ich an die Funke! Ich brauche Hilfe um mein Dinghi wiederzufinden!

"This is a general announcement! This is Eva from the sailing vessel DADDELDU. I am located at CrewsInn. I lost my dinghi. If anybody at CrewsInn or nearby sees my Zodiak, I would very much love, to see it back!"

Stille folgt! Jetzt weiß jeder hier in Chaguaramas, daß ich zu blöde bin, mein Dinghi richtig fest zu binden! Ich sehe sie alle schmunzeln! Frau allein auf dem Schiff - das kann ja nicht gut gehen! Bange fünf Minuten folgen, dann erhalte ich einen Anruf von Udo von der MAPEMA. "Eva, schau doch mal zwischen den anderen Booten in deiner Reihe nach, vielleicht liegt es ja da." Das kann ich zwar nicht glauben und fühle mich doch ein bißchen auf den Arm genommen, da mir aber nichts besseres einfällt, gehe ich los! Und siehe da, nur zwei Boote weiter liegt das treulose Ding bei einer schönen Jacht so, als gehöre es dahin! Nicht zu fassen! Zu meiner Verabredung komme ich dann zwar etwas zu spät, aber die Pizza hat's wieder gut gemacht! Um 21 Uhr falle ich müde aber glücklich in die Koje. Ganz schön anstrengend, so ein Seglerinnendasein in der Marina!

Am nächsten Tag werde ich unzählige Male auf mein Dinghi angesprochen, wie peinlich, höre aber, daß das wohl den meisten schon passiert ist. Udo erzählt, er habe vergangene Woche fünf treibende Dinghis in der Ankerbucht eingesammelt! Nicht auszudenken, wenn so was vor Anker liegend in einer einsamen Bucht passiert und das auch noch bei ablandigem Wind!

Gegen 17.00 komme ich von einem meiner Ausflüge zur DADDELDU zurück. Es regnet heftig und ich bin klatschnaß. Als ich das Luk aufschiebe höre ich einen schrecklichen Alarm aus dem Schiffsinneren. Ein kurzer Blick auf die Armaturen zeigt, daß wir Strom satt haben (sind ja an Landstrom angeschlossen). Es riecht auch nicht verbrannt, aber der Feuermelder ist meines Erachtens die Ursache! Abdul, unser guter Abdul hatte gestern die Decke im Salon sauber gemacht und u.a. mit einer Zahnbürste diesen Feuermelder gereinigt. Nun vermute ich, daß er bei der Aktion irgendein Kabel oder so beschädigt hat. Also reiße ich den Deckel runter und schau dem Ding sozusagen ins Auge. Ich kann keine Ursache erkennen, wen wundert's, aber das Sirenengeheul macht mich wahnsinnig! Ich schalte den gesamten Strom aus, aber offensichtlich wird das Ding von einer Batterie betrieben, die ich in diesem Streß nicht lokalisieren kann! Rohe Gewalt will ich auch nicht anwenden, obwohl meine Hand schon nach dem Hammer sucht! Das Geräusch geht echt an die Nerven!

In meiner Verzweiflung gehe ich ans Funkgerät: "This is a general announcement! This is Eva from the sailing vessel DADDELDU. I am located at CrewsInn. I have a little technical problem. If anybody nearby could come along and help me, I would be very pleased!" Jeder in Chaguaramas konnte dieses schrecklich Kreischen im Hintergrund hören, soviel ist sicher! Jetzt kann ich nur noch Nägelkauen und warten! Und tatsächlich steht der erste Retter zwei Minuten später im Ölzeug am Steg, um mir zu Hilfe zu eilen! Er macht sich auch sofort an den Feuermelder und sucht nach irgendeiner Ursache. Ob ich vielleicht heimlich geraucht hätte oder so? Nein, ganz sicher nicht! Der Laptop steht noch geöffnet auf dem Tisch unter dem Feuermelder. Damit keine herunterfallenden Teile das wertvolle Gerät beschädigen, gebe ich dem Deckel einen leichten Klapps und der Laptop ist zu! Schlagartig ist das Geräusch verschwunden! Wir schauen uns verblüfft an, und ich öffne das Gerät wieder. Kaum ist er hochgefahren, startet wieder der Alarm! Wer's nicht glaubt, mag gerne kommen, ich führe es Euch gerne vor, denn mittlerweile habe ich die mysteriöse Ursache gefunden. Haha! Der neue Kopfhörer ist Schuld! Einmal eingestellt und wieder rausgezogen muß ich dem Laptop auch sagen, daß jetzt kein Kopfhörer mehr da ist, weil sonst mit dem installierten Mikrophon Rückkopplungen entstehen! Alles klar? Also auch dieses Problem ist leicht gelöst! Mittlerweile erscheinen noch zwei weitere potentielle Retter, die aber nutzlos und enttäuscht wieder abziehen. Am nächsten Tag werde ich natürlich unzählige Male mitleidig auf die ja ach so komplizierte Bordtechnik angesprochen und erfahre so allerhand über die kleinen und größeren Pannen, die immer wieder für Aufregung auf allen Schiffen sorgen. Wahrlich, es wird mir hier nicht langweilig!

Ja, ich weiß, die Berichte werden immer viel zu lang, und sieben Berichte in einem Jahr sind eigentlich auch viel zu viel, aber wenn ich einmal anfange zu schreiben..!

Eure DADDELDU-Crew
Eva & Gerd



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Letzte Änderung / Last change: Freitag, 09. Mai 2003