Karte gross |
Die dunkle Seite von Trinidad zweimal beraubt innerhalb von 3 Wochen.
Dietrich Boege Segelkatamaran "Island Xpress"
|
|
Trinidad hat eine guten Namen für einen exotisch farbenfrohen Carnival,
Steel drums (Pans) und einer bunten Mischung von mehrheitlich freundlichen und
frohlichen Menschen. Da Trinidad außerhalb des Hurricangurtels in der
Karibik liegt und vielfältige Boots-Reparatur und Service-Moglichkeiten bietet, ist
(war) es ein beliebtes Ziel fur grossere Uberholarbeiten und zur Lagerung des
Schiffes an Land. Ich mochte hier über die dunkelere Seite von Trinidad berichten: der Kriminalität und vor allem wie die Polizei damit umgeht. Wir Europäer verbinden mit dem Begriff Polizei gewisse Vorstellungen. Meine Erwartungen an die hiesige Organisation, die den gleichen Namen trägt und deren äußeres Erscheinungsbild ähnlich unserer Polizei ist, waren schlicht falsch. Sie gelten nicht fur Trinidad. Wir sind in Trinidad - in kurzem Abstand - zweimal beraubt worden. Diese unerfreuliche Nachricht ansich ist nicht der Grund fur diesen Artikel. Ähnliche Vorfälle geschehen in unserer heutigen Welt leider an vielen Stellen. Das besondere ist die Art und Weise wie die Polizei diese Dinge behandelt oder besser bewusst nicht behandelt. Fur mich als Europäer ist das Vorgehen unverständlich und grotesk. Was ist passiert? Wir befinden uns in Chaguaramas in Trinidad. Es ist ca 22:45 abends als wir, meine Frau und ich, uns von Segelfreunden in der Marina TTSA verabschieden um den 20 minutigen Heimweg zu unserem Boot anzutreten. Unser Boot befindet sich auf dem Gelände der Fa Peake Yacht Services im Werftgelände. Zu dieser Zeit fahren praktisch keine Maxi-Taxis, das hier ubliche Transportmittel, mehr. Den neuerlich eingerichteten Pendelbus, der aus Sicherheitsgrunden zwischen den Marinas verkehrt, gab es leider zu dem Zeitpunkt noch nicht. Nachdem wir etwa zehn Minuten unterwegs sind stoppt ein Auto neben uns, vier junge Männer afrikanischen Ursprungs springen aus dem Auto. Zwei halten mich mit der Pistole in Schach, zwei weitere zerren meine Frau ins Auto. Ich werde aufgefordert ihnen mein Geld zu uebergeben und werde daraufhin von meinen Rucksack erleichtert. (Mit ca 40 DM und meinem Vielfachmessgerät, einigen Brillen, usw). Neben dem Schock von Gangstern in ein fremdes Auto verschleppt zu werden, wird ihr der Ehering und zwei weitere Ringe von den Fingern abgezogen und ihre Uhr abgestreift. Als sie uns endlich gehen lassen, sehe ich nur eine Chance die Kriminellen zu verfolgen und unsere Sachen wieder zu bekommen: die Autonummer merken und die Beschreibung des Fahrzeugs. Wir versuchen so schnell wie moglich zur nächsten eingezäunten Marina zu kommen um von dort die Polizei zu arlarmieren. Meine Frau - noch unter Schock - glaubt daß ich meine Sinne verloren habe wenn ich ständig die Autonummer vor mir her bete “ PBC 3771... PBC3771....Wir haben nichts zum Aufschreiben. Nach funf Minuten kommen wir zur Schranke der Marina, schreiben die Nummer auf und rufen die Polizei an. Wir nennen die Autonummer und machen einen ersten Bericht. Nach 15 min erscheint das Polzeifahrzeug. Ein detaillierter Bericht wird gemacht und wir werden an der Straße zu unserer Marina abgesetzt. Weitere drei angstvolle Minuten auf dunkler Straße und wir sind im bewachten Werftgelände der Fa. Peake. Am folgenden Morgen kommt die Polizei nochmals um noch weitere Einzelheiten zu erfragen. Wir sind interessiert zu erfahren wer der Kraftfahrzeughalter ist und ob es irgendwelche Fortschritte gibt. Es war fur mich einigermassen unverständlich zu horen daß die Polizei offenbar keine direkte Moglichkeit hat von der Registrierstelle fur Kraftfahrzeuge Einzelheiten uber den Halter zu bekommen. Man verspricht uns in einigen Tagen uber den Fortgang des Falles zu informieren. Nichts passiert. Eine Woche nach dem Uberfall fahre ich zum Polizeiburo und verlange mit dem Dienststellenleiter zu sprechen. Die Polizeistation von Carenage Trinidad ist nicht unbedingt was man von einem Polzeiposten im Jahr 2003 erwartet. Es gibt keine Computer, nicht einmal eine Schreibmaschine. Dafur aber ein eindrucksvolles dickes handschriftlich gefuhrtes Buch, ich nenne es das Journal. Hier findet sich wohl die gesamte Polizeigeschichte des Bereichs Carenage. Das Journal mag auch heute noch recht wirksam sein. Keine Computerabsturze mit Datenverlust und keine verlorengegangenen Akten. Man findet auf dieser Polizeistation naturlich auch branchenubliches Inventar, Sprechfunkgeräte und Telefone und - einigermaßen ungewohnlich - hoch oben unter der Decke ein laufender Fernseher, gut sichtbar für alle. In einer freundlichen Unterhaltung werde ich vom Dienststellenleiter aufgeklärt, daß bis jetzt noch kein Fortschritt gemacht wurde. Also nach einer Woche weiss man (angeblich?) noch immer nicht wer der Halter des Fahrzeugs ist von dem der Raub-Uberfall ausging. Nun wird uns versprochen den Fall beschleunigt zu bearbeiten. Nach einer weiteren Woche (also zwei Wochen nach dem Uberfall) weiss man daß das Auto angeblich einer Firma gehoert und moglicherweise illegal verliehen wurde. Keinerlei Information wieso die Polizei zu dieser Vermutung kommt. Eine Geschichte die schwer zu glauben ist. Noch schwerer zu glauben ist die andere Geschichte die man uns erzählt: Man sei noch nicht weiter, weil bisher kein Fahrzeug zur Verfugung stand um zu dem Halter zu fahren und zu ermitteln. (ca 30 Km entfernt). Etwas mehr als drei Wochen nach dem ersten Uberfall auf der Strasse erfolgt ein Einbruch in unser verschlossenes Boot. Unser Boot liegt in dem eingezäunten und mit Schranke und Bewachern ausgestattetem Gelände der Werft. Wir schliessen und sichern die Luken und verschliessen die Tur um schnell etwas im werfteigenen Restaurant zu essen. Aus Sicherheitsgrunden lassen wir Licht im Salon. Die Entfernung zum Restaurant ist weniger als 100m. Als wir nach einer Stunde zuruckkommen merken wir daß offensichtlich an einer Luke manipuliert wurde. Sie ist geoffnet und das innenliegende Muckennetz entfernt. Wir uberprufen sofort alle wertvollen Dinge wie Funkgeräte, Ferngläser, GPS und mussen feststellen daß die Videokamera und zwei weitere Fotoapparate fehlen, aber sonst nichts. Vieles ist durchwuhlt. Kein Verlust von Geld Papieren und Kreditkarten, alles ist immer in einem guten Versteck verstaut. Der Sicherheitsdienst der Werft wird angerufen, er arlarmiert die Polizei und zu später Stunde erscheint der uns wohl bekannte Polizist, der den ersten Fall bearbeitet. Ich war nicht allzu glucklich ihn zu sehen und fragte ob ein Besuch beim Halter von PBC 3771 erfolgt sei. Antwort nein noch nicht, weil immer noch kein Fahrzeug vorhanden sei. Bei der Aufnahme des Protokolls habe ich zum Ausdruck gebracht, daß m.E. seine Bemuhungen ziemlich nutzlos sind weil wir diesmal, anders als im ersten Fall, keinerlei Hinweise auf den/die Täter haben. Nun nahm die Befragung eine vollig neue Form an. Ich wurde nach Grosse und Gewicht gefragt. Auf meine Gegenfrage inwieweit meine Große und mein Gewicht zur Ergreiffung der Täter beitragen konne bekam ich die Antwort: Das ist nur vorsorglich, fur den Fall, daß ich irgendwo tot aufgefunden wurde, konnte man mich dann leichter identifizieren. Bin ich zu weit gegangen als ich immer wieder nach der Ermittlung des KFZ Halters gefragt habe? Wer ist hier mein Freund und Helfer und wer ist mein Feind? Was weiss die Polizei in Carenage wirklich? Was von dem was man mir erzählt hat ist wahr und was ist nur eine erfundene Geschichte um den Vorgang zu verzogern und zu verschleiern? Im Fall des Einbruchs in mein Boot in der Werft hat der Wachdienst der Firma Peake Yacht Services einen starken Vedacht gegen eine Person. Zum Leidwesen der Werft die sich um ihren Ruf nach mehreren ähnlichen Fällen Sorgen macht cooperiert aber auch hier die Polizei nicht. Es ist wieder angeblich kein Fahrzeug verfugbar um vor Ort zu ermitteln. Peake hat inzwischen mehr Wachpersonal das 24 Stunden das Werftgelände patroulliert. Der Aufbau einer eigenen Hauspolizei ist bei einer derartig schlecht funktionierenden (offentlichen) Polizei der einzige Erfolg versprechende Ausweg. Die Rechtsunsicherheit die durch das (bewusste?) Versagen der Polizei bei der Verfolgung und Aufklärung von Straftaten entsteht, bewirkt ein allgemeines Mißtrauen gegen jedermann. Ist der Yachty, der vielleicht einen etwas ungewohnlichen Eindruck macht, der Einbrecher? Was macht der Arbeiter der ohne fur mich ersichtlichen Grund an meinem Boot vorbeigeht? Spioniert er fur eine neuen Einbruch? Wenn ich am Tage durch die Straßen gehe schaue ich mich von Zeit zu Zeit um ob mich jemand verfolgt. Ist das ubertrieben oder gar krankhaft? Oder haben wir nur gelernt angemessen vorsichtig zu sein. Abends nach der Arbeit sind wir Gefangene auf unserem Boot ich kann meine Frau einfach nicht dazu bewegen das Boot zu verlassen. Wir haben Trinidad und die frohlichen Trinidadians gerne gehabt. Nach unserer Auffassung sind 95% der Menschen gegenuber uns Seglern freundlich und bestimmt nicht kriminell. Eine kleine aber immerhin nicht unwesentliche Gruppe meist jungerer Menschen gehort zu den potentiell Kriminellen. Sie sind unauffällig, koennen aber kriminell werden wenn sie dazu von Kriminellen verleitet werden oder sich eine besonders “gunstige Gelegenheit” zB. fur einen Diebstahl ergibt. Das eigentliche Problem ist der harte Kern von vielleicht 0.5% der Bevolkerung. Diese Kriminellen zerstoren Trinidad, sie brauchen sich bei einem Raububerfall nicht einmal zu maskieren oder mit gefälschten Autonummern zu operieren. Sie wissen um die Ineffizienz der Polizei und konnen ruhig schlafen. Schade, daß man unter diesen Umständen vom Besuch Trinidads gegenwärtig eher abraten muss. |
