translate

Praktiker-Tips für Wetterfunk

Dieter Karnetzki, Diplom-Meteorologe,
48477 Hörstel, Im Lerchengrund 8, Telefon/ Fax (05454) 370
Sein Buch "Wolken und Wetter" bei AMAZON bestellen.


1. Die Wahl des Empfängers
Die Wahl des richtigen Empfängers isteinfacher, als es scheint. Wesentlicher ist die Entscheidungsfindung zu den Fragen: Was will ich, und was brauche ich wirklich? Hier beginnt bereits der entscheidende Teil der Denkarbeit.

Fall 1:

Kleine Jacht, kleiner Geldbeutel und küstennahes Segeln bedürfen nur einer meteorologischen Unterstützung mit einem Funkempfänger, denn die Hauptversorgung mit Wetterinformationen wird man sich in diesem Fall von Land holen. Amtliche Wetterberichte in allen Medien und über Küstenfunk bilden hier die Grundlage der meteorologischen Versorgung.
Das eigene Interesse am Wettergeschehen und der Wunsch, aktiv dabeizusein, um so auch dazuzulernen, geben den Ausschlag, sich einen Funkempfänger preiswerter Art zu kaufen.

Natürlich hat solch ein Gerät in keiner Weise die Leistungsfähigkeit eines größeren und teureren Gerätes, es zeigt auch im Einzelfall durchaus seine Leistungsgrenzen. Man muß sie vor dem Kauf wissen, damit sie ins Kalkül einbezogen werden können. Dazu gehört eventuell auch eingeschränkter Bedienungskomfort.

Fall 2:

Größere Jachten im Hochseerevier sind natürlich die Objekte für leistungsfähige und komfortabel zu bedienende Funkempfänger. Die Entfernungen zu den Sendestationen zu Hause können recht groß werden, da muß also schon eine leistungsfähige Anlage mit einer richtigen Antenne her.
In ausländischen Revieren will man nicht an den Sprachbarrieren scheitern, deshalb müssen die liebgewonnenen Sendestationen gut empfangen werden, möglichst egal, wo man auch ist (das ist der Wunsch).

Fall 3:

Charterer, die in wechselnden Revieren segeln, wollen sich nicht von der Ausstattung der gemieteten Jachten überraschen lassen. Zu groß sind im Einzelfall die Differenzen zwischen der Prospektankündigung und der oftmals tristen Realität an Bord. Und wenn dann wirklich alles da ist, dann funktioniert es nicht unbedingt.

Die Lösung heißt schlichtweg: Eigenversorgung.

Wer sich mit der Anschaffung eines Funkempfängers befaßt, tut gut daran, dies nicht auf Messen anzugehen. Wen man auch fragt, wer einem auch ein Gerät vorführt, alle sind sich einig, daB ihr Gerät nicht nur alles kann, sondern auch keine Schwächen hat. Für die Verkäufer zählt nur die Tatsache, daß der Interessent gekauft hat.



Ob er damit etwas anfangen kann, ist für ihn völlig nebensächlich. Ganz abgesehen mal von der Tatsache, daß viele Verkäufer auf den Messeständen fachlich echte „Blindfische" sind, die teils noch weniger Ahnung von der Materie haben als der Kunde. Sie sind Aushilfskräfte, die ihre Unwissenheit durch ein übersteigertes Selbstbewußtsein kaschieren.
Wer das Glück hat, in seiner Nähe ein „Funkgeschäff' zu haben, sollte unbedingt dort vorbeifahren und ein paar Stunden in Gespräche investieren. Dabei kommt nur Gutes heraus. Diese Fachgeschäfte für Funktechnik wollen nicht „Verkaufen und Vergessen", sondern den Kunden zufriedenstellen, damit er gerne wiederkommt.
Eine andere Informationsquelle besonderer Art muß hier auch erwähnt werden. Es ist das „Weltempfänger Testbuch Nr. 7", erschienen im Siebel Verlag, Meckenheim. Dieses Buch erscheint jährlich neu und stellt alle auf dem Markt erhältlichen Geräte ausführlich vor. Zum Preis von 26,80 DM erfährt man hier nicht nur alle Stärken und Schwächen der immerhin über 60 getesteten Geräte, sondern auch deutliche Entscheidungshilfen zum Kauf „seines" Gerätes.

2. Funkempfänger für kleine Jachten

Hierbei handelt es sich um sehr leistungsfähige Geräte, die für ihren Preis wirklich schon wahre Wunderdinge vollbringen, wenn man sie mit einem normalen Radio vergleicht.
Für einen Preis bis zu etwa 700,-DM bekommt man für eine kleine Jacht ein ganz hervorragendes Gerät mit hohem Bedienungskomfort, großer Empfangsleistung und geringen Abmessungen.
Es sind Kompaktgeräte des Typs „All in one", das heißt, man braucht weder für die Stromversorgung noch für die Antenne irgendetwas dazuzukaufen.

Zahlreiche Adressen von Funkgeschäften findet man in einem Buch „Wetterkarten mit PC-Software", Delius & Klasing Yachtbücherei Nr. 99

Preiswerte Weltempfänger bis etwa 700,- DM

  • Panasonic RF – 865DA
  • Siemens RK – 661
  • Siemens RK – 665/670
  • Sony ICF – SW7600
  • Sony ICF – SW 55

Einige Geräte sind mit eingebautem Kassettenteil erhältlich, so daß man sich Wetterberichte in aller Ruhe mehrfach anhören kann. Bei ausländischen Berichten ist das eine besondere Erleichterung.
Bei allen Geräten ist die eingebaute Antenne optimal auf den Empfänger abgestimmt. Mit ihr erreicht man in der Regel stets den besten Empfang. Im Einseitenbandbetrieb kann im Einzelfall die mitgelieferte W,urfantenne (ein schlichter Draht) aber deutlich besseren Empfang bringen. Man muß es schon ausprobieren.




Auf keinen Fall aber darf man statt der Wurfantenne einen Langdraht oder eine andere Antenne anschließen! Drahtlängen über 2 Meter Gesamtlänge bringen für den Empfänger viel zuviel Energie. Das Ergebnis: Nichts geht mehr! Eines haben alle diese preiswerten Weltempfänger gemeinsam: Für Wetterfax (Wetterkarten) und für RTTY (Fernschreibdienste) sind diese Geräte in keiner Weise geeignet. Nur in Ausnahmefällen kann man hier und da mal eine Wetterkarte damit empfangen.

3. Funkempfänger für größere Jachten

Leistungsfähige Weltempfänger sind für den festen Einbau bestimmt. Sie gestatten auch den problemlosen Anschluß verschiedener Peripheriegeräte, wie Computer, Wetterfax, Antennenverstärker und Antennenanpaßgeräte.
Ihr Bedienungskomfort ist ungeheuerlich, er reicht bis zur direkten Steuerung des Funkempfängers durch die Computersoftware. Jegliches Abstimmen und Nachführen sowie Einstellen des Empfängers wird durch die Wettersoftware automatisch durchgeführt. Eleganter geht es nicht.
Wahrschau! Alle guten Funkempfänger brauchen eine Warmlaufzeit von etwa einer Stunde, bis ihr Empfang stabil ist. Wer vor Ablauf dieser Zeit auf automatischen Empfang schaltet, wird später sehr enttäuscht sein, denn nichts Brauchbares wurde empfangen.

Weltempfänger bis etwa 1500,- DM

Grundig Satellit 700
Lowe HF – 150
Sony ICF – SW 77
Yaesu FRG – 8800
Wer sich in dieser Kategorie ein Gerät auswählen möchte, sollte praktische Gesichtspunkte in den Vordergrund stellen;
  • Läßt sich das Gerät gut einbauen?
  • Paßt es im Design zu den übrigen Geräten?
  • Stimmt die Bedienung der Tasten mit den eigenen Gewohnheiten überein? Das Verhältnis der Fingerdicke zur Tasten größe sollte hierbei nicht unterschätzt werden.
Alle Empfänger haben gemeinsam, daß mehrere Antennen zugleich angeschlossen werden können. Wer seinen Funkempfänger viel benutzt, sollte zwei festinstallierte Antennen haben.
Standardantenne: Achterstag mit Antennenanpaßgerät
Zusatzantenne: Aktivantenne oder Teleskopantenne mit Antennenverstärker

Spitzengeräte ab 1500,- DM

Drake R – 8
Icom IC – R 72
JRC NDR – 525 G
Kenwood R – 5000
Lowe HF 225



Wann braucht man ein Antennenanpaßgerät?

Immer wenn man als Antenne ein Want oder Stag benutzt, muß unbedingt ein Antennenanpaßgerät verwendet werden. Die Länge des Want oder Stag bleibt ja immer konstant. Die Frequenz, die empfangen wird, verändert sich aber je nach gewähltem Sender vom untersten Kilohertzbereich bis in den oberen Megahertzbereich.
Nun fordert aber die Physik, da B Antennenlänge und Empfangsfrequenz immer in einem bestimmten optimalen Verhältnis zueinander stehen müssen. Das bedeutet nichts anderes, als daß jeder Frequenzwechsel stets einen Wechsel der Antennenlänge mit sich zieht. Das wird natürlich bei einem Want oder Stag nicht gemacht, ja, es ist praktisch gar nicht machbar, selbst wenn man wollte.
Die Behelfslösungen sind sogenannte Universallängen (entweder etwa 6 m oder 12 bis 14 m). Damit hat man dann in einem weiteren Frequenzbereich einen gleichmäßigen aber äußerst mittelmäßigen Empfang. Das ist allerdings keine befriedigende Lösung, denn oftmals hat man dabei auch im gesamten Frequenzbereich gar keinen Empfang.
Die preiswerte Lösung sind Antennenanpaßgeräte, die mit wenigen Fingerbewegungen die feste Antennenlänge einfach elektronisch in ihrer aktiven Länge verändern und bis zum optimalen Empfang abstimmen. Wer mehr als 1000, DM für einen Empfänger ausgibt, kann sein Gerät nur optimal nutzen, wenn ein Antennenanpaßgerät angeschaltet wird.

Wann braucht man einen Antennenverstärker?

Sogenannte Aktivantennen und Teleskopantennen brauchen Antennenverstärker. Jeder kennt die Verhältnisse von Mobiltelefonen und Autotelefonen. Die Antennen verkürzen sich zu fast unsichtbaren Stummeln. Je kürzer eine Antenne aber ist, desto weniger Energie kann sie vom Sender aufnehmen. Das bißchen, was dann noch in die kleine Antenne hereinkommt, muß dafür mit elektronischem Aufwand verstärkt werden.
Hinzu kommt noch bei den Funkantennen im Kurzwellenbereich, daß natürlich wiederum auf elektronischem Wege die Länge der Antenne an die gewählte Empfangsfrequenz angepa Bt werden mu B. Also braucht man einen einstellbaren Antennenverstärker, sonst hat man nicht viel von dem teuersten Empfänger.
  • Antennenanpaßgerät: YAESU FRT 7700, Preis etwa 200, DM
  • Antennenverstärker: YAESU FRA 7700, Preis etwa 200,– DM

Tips zur Antenneninstallation

  • Die Verbindung von Want oder Stag zum Antennenanpaßgerät muß immer mit Koaxkabel durchgeführt werden. Dabei wird allerdings nur der Mittendraht verwendet. Die Abschirmung darf nicht angeschlossen werden.
  • Für kurze Anschlüsse von Empfänger zu Anpaßgerät o. ä. kann ganz normales einadriges Kabel verwendet werden. Hier sind die Energieverluste vernachlässigbar gering.
  • Decksdurchführungen, Kabelendverbindungen und Kabelverlängerungen mit Koaxsteckern müssen sorgfältig mit Silikon oder vergleichbaren Produkten gefüllt werden. Die Farbe des Materials ist dabei natürlich völlig egal, Reste kann man so gut aufbrauchen. Entscheidend ist aber, daß die Schraubverbindungen erst am nächsten Tag richtig fest angezogen werden. Nur so erreicht man einen gewissen Preßdruck auf das Dichtmaterial, und die Verbindung bleibt wirklich wasserdicht.
Wer zu früh anzieht, so daß das Dichtmaterial herausquillt, hat gar nichts erreicht – alles ist dann für die Katz, weil das Dichtmaterial mit der Zeit schrumpft und so Platz für Feuchtigkeit macht.



Wer sich näher mit dem Problem der Antennentechnik befassen will, dabei aber kein Funktechniker werden möchte, dem empfehle ich das leichtverständliche Taschenbuch aus dem Siebelverlag, Meckenheim: Antennenratgeber für KW Empfang. Für 19,80 DM erfährt man hier wirkliches Fachwissen, das man auch in die Praxis umsetzen kann. Die Sprache ist für jedermann leicht verständlich. Dies ist ein Buch, das eigentlich zu jedem Funkempfänger serienmäßig dazugehört.

Im Hafen geht gar nichts mehr Immer wieder erlebt man es an Bord, daß völlig ohne erkennbaren Grund der gesamte Funkempfang ausfällt. Das Meßgerät am Empfänger schlägt zwar weit aus, aber das, was da hereinkommt, ist nicht mehr als ein wildes Geprassel. Dabei funktionierte vor wenigen Minuten alles noch bestens. Zu dieser Frage erreichen mich die meisten Hilferufe.

Was ist geschehen?

Nun, hier gibt es mehrere Möglichkeiten: – Die Jacht kann durchaus in einer Funklücke liegen. Viele geschützte Häfen haben im Hintergrund hohe Berge oder gar massive Gebirge. Hier kann man leicht in der Abschattung verhungern und nicht eine einzige Sendestation empfangen. Dafür kommen dann alle Störgeräusche aus Hafen und Stadt wunderbar über die Antenne hinein. Kaum daß man ausgelaufen ist, ist der Spuk verweht, und die normalen Verhältnisse sind wieder hergestellt.

Beispiel:

  • Die Häfen an der Küste Südfrankreichs, wenn man den Wetterkartensender Offenbach aufnehmen will.
  • Andere Sendeanlagen im Nahbereich pusten den eigenen Empfänger zu. Da kommen eine ganze Reihe von Verursachern in Frage.
  • Die hauptsächlichen sind aber; militärische Anlagen mit Funksendern, Radaranlagen, Feuerleitgeräten oder Richffunkverbindungen, die Nähe von Schießplätzen oder Raketenstellungen.
  • Radarsender von Berufsschiffen und Kriegsschiffen, ganz besonders auch Fährschiffen, werden eigentlich niemals abgeschaltet. Solange diese Pötte im Hafen liegen, kann der sensible Funkempfänger einer Jacht nur seinen Kreislaufkollaps nehmen.
  • Bordeigene Störquellen: Hier gibt es fast unendlich viele Möglichkeiten. Nur mit systematischem Vorgehen findet man den wahren Störer heraus. Man beginnt, indem alle elekrischen Anlagen außer dem Funkempfänger ausgeschaltet werden. Natürlich geht diese Überprüfungen nur dann, wenn der Empfänger auch einen einwandfreien Empfang bringt. Testen Sie dies zuvor auf vielen verschiedenen Frequenzen.
  • Dann geht es los: Die Maschine wird hochgefahren, denn die Lichtmaschine und der Regler sind eine häufige Störquelle.Der Kühlschrank ist danach dran, er stellt sich meist als der Pionier aller elektronischen Störer heraus – er stört nur einmal, und das ist immer.
  • Dankbare Quellen für ständiges Ärgernis sind auch alle Leuchtstoffröhren an Bord.
  • Man mag es glauben oder nicht, aber elektronische Navigationsgeräte wie SatNAV, GPS, Echolot etc. stören auch sehr gern.

Abhilfe gegen Störer:

  1. Separater Anschluß des Funkempfängers an die Bordstromversorgung (eigene Kabel bis zur Batterie) mit abgeschirmtem Kabel – kein Koaxkabel (!), sondern ummanteltes Marinekabel,
  2. Mindestabstand aller potentiellen Störer zum Empfänger 1 Meter.
  3. In die Zuleitungen aller Störer wird ein „Entstörglied" geschaltet, das die hochfrequenten Störsignale ausfiltert, so daß sie nicht zum Empfänger durchkommen können. Der Handel hält verschiedene Gröen im Angebot.



Bestelladresse für Siebelverlag:

Siebel Verlag, 53340 Meckenheim
Auf dem Steinbüchel 6
Telefon (02225) 3032, Fax 3378
Letzte Änderung / Last Update Mittwoch, 22. Juni 2005 © HvS / Webmaster
heimathafen.gif 63x81 heimathafen.gif 63x81